Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Saturday, October 31, 2020

Die unbeschwerten Übungen

Hier nun, nach der langen Pause, wieder einmal ein Übungsvideo, mit der ersten von sechs Übungen aus einer Folge, genannt „Die freien, leichten, unbeschwerten Übungen“. Diese Übungen lernte ich, wie schon die Sechs Heilenden Laute in der ursprünglichen Form, durch Prof. Lin Zhongpeng vom Qigong College in Peking kennen.

Die Bewegungen sind sehr einfach und leicht zu erlernen, geeignet sowohl für Anfänger als auch für diejenigen, die schon viel Qigong-Erfahrung besitzen. Und ich glaube, gerade jetzt in der Pandemie können diese Übungen sehr hilfreich sein, eben, weil sie so einfach und leicht zu erlernen und gut mit den uns bekannten Übungen kombinierbar sind, weil sie tiefe Ruhe und Entspannung zu vermitteln vermögen sowie ein gutes und stabiles Fundament für die Gesundheit durch den aus dem Üben resultierenden kraftvollen Fluss von Qi und Blut.

Leichtigkeit und Unbeschwertheit, dies sind Grundprinzipien des Daoismus, so beginnt auch das klassische Buch „Zhuangzi“ mit dem Kapitel über das „leichte, unbeschwerte Wandern“ , von Richard Wilhelm als „Wandern in Muße“ übersetzt.

Die Muße ist uns ja heute in Österreich offiziell verordnet worden, jetzt gilt es, sie in etwas Sinnvolles, etwas der Entspannung, der inneren Ruhe und der Gesundheit Zuträgliches zu verwandeln.

Das unbeschwerte Wandern in Muße verkörpert eine Reihe von Qualitäten, die charakteristisch sind für den Daoismus und wesentlich für das Qigong-Üben. Es sind dies die Qualitäten von Klarheit und Stille (qingjing 清净), Natürlichkeit (ziran 自然), Nicht-Tun (wuwei 无为), Weichheit und Harmonie (rouhe 柔和).

Im Qigong findet man in den Zustand des „unbeschwerten Wanderns“ durch Verständnis und Befolgen der sogenannten „Drei Grundprinzipien“ song 松 - Entspannung, jing 静 - Stille, Ruhe, ziran 自然 - Natürlichkeit. Diese dienen nicht nur als wichtige und wesentliche Anleitung für alles Üben, sie sind vor allem auch dafür da, in die richtige innere Einstellung zu finden, in eine weite und offene innere Verfasstheit, die einen der Bedrücktheit und Stagnation enthebt und damit erst die möglichen Wirkungen des Übens zur Entfaltung bringt.

Wenn ich von Bedrücktheit und Stagnation spreche, dann meine ich hier das Qi, das bedrückt, blockiert und zum Stagnieren gebracht wird. Zur Zeit erleben wir das Bedrückende als von außen kommend, aber wenn es dann in einem drinsitzt und drückt, dann bedrückt und behindert es konkret die natürliche Bewegung von Qi und Blut, es führt zu Schmerzen und Unwohlsein, physisch wie auch psychisch, zu inneren Spannungen, Unsicherheiten, Ängsten usw., und es wird einem schwer, sich daraus zu befreien.

Darum diese Übungsfolge. Heute machen wir nur eine der sechs Übungen, eine simple Bewegung, um den Atem zu regulieren, das Qi im Dantian zu stärken und die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass Qi und Blut besser fließen können, dass alle Bereiche des Körpers besser mit Qi und Blut versorgt werden können.

Immer dann, wenn durch das Üben Qi und Blut bewegt werden, stellen sich positive, therapeutische Effekte ein. Die Bewegungsabläufe, die konkreten Übungen sind hierfür wichtig, doch wichtiger sind das innerlich Weit-und-Offen-Werden, die Beruhigung des fortwährenden inneren Gedankenflusses und das Loslassen.

Song, jing, ziran, Entspannung, Ruhe und Natürlichkeit - dies bedeutet auch das Vertrauen zu haben, das alles wieder werden kann, dass sich die Dinge fügen können; der Organismus besitzt die Fähigkeit der Selbstregulation, er vermag, gesund und ganz zu werden und auch gesund und ganz zu bleiben, ist diese Fähigkeit auch bei jedem zu einem gewissen Ausmaß blockiert.

Das ist so wichtig bei den alten Methoden des Yangsheng 养生 , des Nährens der Vitalität. In ihnen ist das Wissen tradiert, wie die Fähigkeiten des Organismus zur Selbstregulation unterstützt werden können, durch die stärkere Bewegung der Körperenergien und den Ausgleich der Yin- und Yangaspekte des Qi.

Für das konkrete Üben heißt dies:

Nicht auf Anstrengung setzen, sondern auf Weichheit, nicht auf das Bemühen, sondern auf Entspannung, und darüberhinaus Geduld zu haben und das unbedingte Vertrauen, dass sich die Dinge zum Besseren fügen können, dass durch die Bewegung des Qi sich die Gesundheit allmählich verbessert.

Wu wei er wu bu wei 无为而无不为 „Nicht-Tun und nichts bleibt ungetan“, dies ist ein Satz, über den es sich nachzudenken lohnt.

Hier ist das Video:


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