Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Monday, March 30, 2020

Suppe aus weißem Rettich zur Klärung der Lunge und zur Linderung von Husten



Weißer Rettich ist ein Mittel der traditionellen chinesischen Diätetik. Er wird verwendet zur Klärung der Lungen, um Schleim zu beseitigen, Husten zu lindern und “die Oberfläche zu öffnen”, sodass eingedrungene pathogene Hitze vom Körper ausgestoßen werden kann.

Knoblauch ist ein in allen Medizintraditionen wichtiges diätetisches Mittel zur Abwehr von Krankheiten. Seine Funktion in diesem Rezept ist, die Wirkung des Rettichs bei der Linderung von Husten zu unterstützen.

Weißer Pfeffer hat eine besondere Assoziation mit dem Lungen-Qi; er aktiviert es rasch und
stark, sodass Schleim ausgestoßen werden kann, und er sorgt dafür, dass die medizinische Wirkung des Rezepts direkt in die Lunge gebracht wird.

Oliven und Olivenöl schützen den Yin-Aspekt des Lungen-Qi. In diesem Rezept ist es ihre Aufgabe, den Yang-Aspekt und die leicht trocknende Wirkung des Pfeffers zu mildern.

Zur Vorbeugung wird dieses Food-Medicine-Rezept ein- bis zweimal pro Woche gegessen, mit dem Ziel, die Lunge frei zu halten und die Atmung allgemein zu verbessern. Auf diese Weise wird das Qi der Lunge gestärkt und ein Schutz vor Virusinfektionen aufgebaut.

Zur Linderung von Symptomen, die durch den externen Angriff eines Hitze-Pathogens hervorgerufen werden, wie übermäßiger Schleim, der Nase und Rachen blockiert, die Atmung einschränkt und starken, anhaltenden Husten verursacht, kann die Suppe täglich gegessen werden.


Zutaten:

300 g weißer Rettich (wenn nicht verfügbar: weiße Rüben), in dünne Scheiben geschnitten
2 Prisen Salz
2 Knoblauchzehen, gepresst oder sehr fein gehackt
½ Teelöffel weißer (oder schwarzer) Pfeffer
1 Esslöffel Olivenöl
1 fein gehackte Frühlingszwiebel

Zubereitung:

Rettich, Knoblauch, Olivenöl, Salz und Pfeffer in einen Liter Wasser geben, bei starker Hitze zum Kochen bringen, dann die Hitze auf klein zurückdrehen und zugedeckt 15 bis 20 Minuten kochen, bis der Rettich sehr weich ist.

Suppe mit frisch gehackten Frühlingszwiebeln bestreuen.

Saturday, March 28, 2020

Eine Einführung in die Methode der Heilenden Laute für den Sanjiao 三焦


Den Sanjiao 三焦 (Dreifachen Erwärmer) versteht man am besten, wenn man seine Funktion betrachtet, da er ein Konzept der chinesischen Medizintheorie darstellt, das in der Physiologie der westlichen Medizin nicht existiert.

Man nennt ihn "ein Organ, das Funktion hat, aber keine Form". Er wird manchmal als spezifische Dreiteilung des Körperraums verstanden: der Bereich über dem Zwerchfell ist der obere Jiao; zwischen dem Zwerchfell und dem Nabel befindet sich der mittlere Jiao; alles unter dem Nabel ist der untere Jiao. Jeder dieser Sanjiao-Bereiche umfasst alle darin enthaltenen Organe und – ebenso wichtig – den Raum rund um die Organe, und darüber hinaus den gesamten Raum im Körper zwischen Muskeln, Haut und Bindegewebe.

Was das Qi betrifft, hat jedes einzelne Organ im Körper eine bestimmte Funktion. Zum Beispiel: Die Qi-Funktion der Lunge bestimmt die Qualität von Qi und Blut im Körper; sie sorgt (mit Hilfe des Herz-Qi) für die Zirkulation von Qi, Blut und Atem; sie reguliert das Öffnen und Schließen der Poren der Haut, damit Schweiß austreten kann, und sie fungiert als erste Verteidigungslinie gegen Viren.

Der Sanjiao hat die Hauptaufgabe, alle verschiedenen Qi-Funktionen im Körper zu koordinieren und die Kommunikation zwischen den Organen herzustellen. Dieses „Organ, das keine Form hat“ ist lebenswichtig – ohne seine Regulierung gerät das gesamte Organsystem ins Chaos, und die Gesundheit wird beeinträchtigt.

Die Übung der Heilenden Laute für den Sanjiao aktiviert die äußeren (d.h. an der Körperoberfläche gelegenen) Akupunkturpunkte entlang des dem Sanjiao zugehörigen Meridians, bewegt das wärmende Yang-Qi durch seine Bahnen, um die Organfunktionen zu aktivieren und zu stärken, und bringt kühlendes und befeuchtendes Yin-Qi nach unten, um den Körper und seine Organe geschmeidig zu halten und den Körper von Abfall zu befreien.

Der Sanjiao kontrolliert die Bewegung von Qi und Körperflüssigkeiten nach oben und nach unten sowie nach außen und nach innen. Für die Gesundheit heißt das, dass alle normalen Körperfunktionen reguliert werden, dass die Organe stark sind und man sich frei und mühelos bewegen kann.

Wenn jedoch eine äußere Krankheit den Körper angreift, ein Virus, das die Vitalfunktionen attackiert und stört, ist es der Sanjiao, der Alarm schlägt und das Qi der Organe koordiniert, um schnell die vollen Abwehrkräfte am benötigten Ort zum Einsatz bringen.






Abbildung des Sanjiao-Meridians

Aus dem Shisi Jing Fahui 十四经发挥  - Sorgfältige Ausführungen zu den 14 Meridianen des Arztes Hua Shou 滑寿 (ca. 1304-1386).

Friday, March 27, 2020

Heilende Laute - Übung für den Sanjiao - Video


Hier nun ein neues Video, mit einem weiteren der Heilenden Laute, dem für den Sanjiao 三焦 (die Drei Wärmebereiche.)

Während des Ausatmens durch stellt man sich den Laut "Shiii" vor (in der Pinyin-Umschrift "Xi" geschrieben, die Aussprache ist "Shi").

Wenn man diese Übung mit dem Heilenden Laut für die Lunge kombiniert:

Zuerst die Übung für die Lunge, dann die für den Dreifachen Erwärmer.

Den Beginn mit den Händen vor dem Bauch und den Abschluss mit den drei Kreisen würde man dann natürlich nicht vor jeder Übung, sondern nur am Anfang bzw. Ende der Folge machen.




Wednesday, March 25, 2020

Ein paar Worte zur Methode der Heilenden Laute für das Lungen-Qi


Die Liu Zi Jue 六字诀 - Übung (Übung der Heilenden Laute für das Lungen-Qi), die wir hier vorstellen, ist Teil einer daoistischen Gesundheitstradition, die spezifische Methoden von Lebensstil, Meditation und Qigong kombiniert, um Krankheiten zu beseitigen, den Geist zu beruhigen und das Leben zu verlängern. Sie nutzt eine fein abgestimmte Kombination von Elementen, die ähnlich einer ärztlichen Verschreibung zusammenspielen und auf das Qi-System im Körper wirken, das die Zirkulation von Atem, Qi und Blut steuert.

Um zu verstehen, warum und wie diese Methode funktioniert, kann es hilfreich sein, einige ihrer Schlüsselelemente aus TCM-Perspektive zu betrachten.

Aber nicht vergessen: Das Wichtigste ist es, Qigong zu üben, jeden Tag ein wenig und dann täglich etwas mehr. Das ist es, was sich auf die Gesundheit auswirkt – nicht das Verständnis der chinesischen Medizin oder der daoistischen Philosophie oder gar der Qigong-Methodik. Unabhängig von Alter, Gesundheitszustand und Erfahrung, können alle diese Methoden anwenden und positive Effekte erzielen. Man kann die Gesundheit zurückgewinnen, schützen oder verbessern, das Immunsystem stärken, den Geist beruhigen und ein Gefühl von Leichtigkeit und Wohlgefühl erlangen.

Die Liu Zi Jue-Übung für das Lungen-Qi (wie alle anderen Qigong-Übungen) beginnt damit, dass man ruhig wird und den Körper entspannt, während man sich von Kopf bis Fuß ausrichtet, um in einen bestimmten „Raum“ einzutreten. Dies ist weder ein physischer Ort noch einfach nur ein Geisteszustand. Es ist eher eine Öffnung nach innen, ein Verstummen der Geräusche des Geistes, ein Prozess der Lockerung von Körper und Atem, so dass das Qi des Körpers zwischen dem „Qi von Himmel und Erde“ (den größeren Yang- und Yin-Aspekten des Universums) ausgerichtet ist und dabei in Resonanz mit der wahren Realität der Natur tritt. Diese Resonanz ist eine Art von Kommunikation, die buchstäblich für Erdung sorgt und die angeborene gesundheitliche Körperkraft aktiviert, während sie mit dem Atem fließt, ungehindert von den Störungen, Blockaden und Schwächen, die durch den physischen und mentalen Stress im Lauf von Alterungsprozessen, Krankheit und Alltag auftreten.

Alle Bewegungen verstärken diese Resonanz, mit besonderem Fokus sowohl auf den physischen als auch auf den subtileren Qi-Aspekten, die beim Atmen und beim Zirkulieren von Qi und Blut im gesamten Organismus eine Rolle spielen. Sie öffnen und stärken die Verbindung zwischen dem ursprünglichen Qi (der angeborenen, gesundheitlichen Gesamtkapazität des Körpers) und dem Qi, das man vom Moment der Geburt an mit jedem einzelnen Atemzug erwirbt.

Während der ersten Bewegung beim Einatmen Arme, Hände und Handflächen nach außen drehen, um die Brust beim Einströmen der Luft zu weiten. Brust und Lunge öffnen sich, der Atem kann einfacher und leichter fließen. Auf diese Weise wird das Qi auf einer tieferen inneren Ebene, während es mit dem einströmenden Atem auf einer zentralen Bahn durch den Körpers fließt, geöffnet und verfeinert. Mit etwas mehr Übung kann ein feiner Sog spürbar werden, eine Art Magnetismus, von den Spitzen der Hände und Füße, von den Fingern und Zehen. Die chinesische Medizin betrachtet diesen Vorgang wie eine wirkungsvolle Akupunkturbehandlung, die den Qi-Fluss von der Lunge durch die Akupunkturpunkte entlang des Lungen-Qi-Meridians (手太阴 Hand-Tai-Yin-Meridian) öffnet.

Beim Ausatmen werden die Hände nach innen gedreht, die Handflächen zeigen zum Bauch. Dabei öffnen sich der obere Rücken, die Wirbelsäule und bestimmte Akupunkturpunkte in dieser Region, sodass das warme Qi zum physischen Zentrum des Körpers im Bereich der Nieren, des unteren Rückens und des Bauches (das sog. Dan Tian 丹田) zurückkehren kann, wo das ursprüngliche Qi gespeichert ist.

In dieser Region stärkt das Qi des Atems das ursprüngliche Qi und regt dessen Zirkulation entlang der tiefen inneren Meridiane des Körpers an und erfüllt den gesamten Organismus buchstäblich mit Wärme und Kraft. Beim Einatmen ist es, als würde man etwas magnetisch anziehen und hineinziehen. Das Ausatmen ist zugleich ein Öffnen und Verteilen von Wärme und Magnetismus im ganzen Körper. Mit mehr Übung ist diese Strömung oder auch ein Kribbeln zu spüren, das sich von der Körpermitte hin zu den Extremitäten bewegt.

Beim erneuten Einatmen berühren sich kurz und leicht die Fingerspitzen vor dem Herzen, der Blick geht zu den Fingerspitzen. So wird die Bewegung des Geistes (gelenkt durch Blick) kombiniert mit der Bewegung des Körpers und dem Fluss von Qi und Atem, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

Nichts im Leben bewegt sich schneller als der Geist. In der Qigong-Praxis zügeln wir diese Bewegung und beruhigen sein konstantes, ablenkendes Geräusch, indem wir dem Geist erlauben, unserem Atem zu folgen. So entsteht ein ruhiger Raum im Inneren, in dem sich die natürliche Kraft des Lebens entfalten und frei fließen kann. Im täglichen Leben führt das ständige, bewusste Bemühen, alles um uns wahrzunehmen und zu kontrollieren, zu einer Trennung von der gesamten Realität der Natur, und es behindert die natürliche Fähigkeit zu Gesundheit und Gleichgewicht.
Die wenigen Fälle im Qigong, in denen die Vorstellungskraft eingesetzt oder der Blick oder die Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes gerichtet wird, sind vergleichbar mit einem präzisen, schnellen Speerwurf. Die bewusste Berührung der Finger und der Blick auf sie aktiviert das Qi aller Yin- und Yang-Meridiane und regt eine starke Zirkulation von Herz- und Lungen-Qi stark im Körper an. Das alles dauert nur eine Sekunde, aber der Effekt schwingt mit jeder Wiederholung dieser Übung immer länger und länger im ganzen Körper. Wie beim Betreten eines dunklen Raums und dem Betätigen des Lichtschalters, dauert es letztendlich nur diese Sekunde, um die Natur unseres Innenraums zu verändern.

Eine Übung aus dem medizinischen Qigong ist wie eine Verschreibung von Kräutermedizin – die Hauptwirkung der Verschreibung wird von allen Bestandteilen unterstützt und verändert. So ist die nächste Bewegung der Liu Zi Jue-Übung der medizinisch entscheidende Teil für das Lungen-Qi.
Die Arme bewegen sich nach oben und die Brust dehnt sich aus, während sich der Kopf zurückbewegt, um Hals und Brustkorb zu öffnen. Die Ausatmung entsteht wie ein „Dampf“, der durch den offenen Mund fließt, und die innere Resonanz der Klangvorstellung ermöglicht es der gesamten Kraft des Wahren Qi (Zhen Qi 真气 – im Grunde die umfassende Realität des Qi der Natur, von dem wir nur ein Teil sind) in die Lunge zu fließen. Das Drehen der Handgelenke, sodass die Handflächen nach oben zeigen, bewirkt die Aktivierung wichtiger Akupunkturpunkte des Herzens und der Lunge, die sich auf der Innenseite der Handgelenke befinden.

Die Resonanz des vorgestellten heilenden Lautes, der mit der Lunge in Zusammenhang gebracht wird, ist die Speerspitze des medizinischen Effekts (Die Stimmbänder zu verwenden, um eine hörbare Intonation zu erzielen, hat einen völlig anderen Effekt, der in diesem speziellen „Qigong-Rezept“ nicht so nützlich ist). Das Zurückbewegen des Kopfes und das Ausatmen durch den Mund ist wie das Aufdrehen eines Wasserhahns; die Form des Mundes bei der Imagination des Lautes „Hei“, ist wie das vollständige Öffnen dieses Wasserhahns, sodass das Qi wie Wasser durch das „Tor der Lunge “(den Hals) und durch den „Durchgang zur Lunge“ (Brustkorb) zum Organ selbst fließt.

Die weiteren Schritte der Übung öffnen und stärken die Verbindung zwischen dem Lungen-Qi und dem Nieren-Qi und stellen so sicher, dass der Atem frei in den Körper fließt, wo er dann festgehalten wird, so dass eine Art Verbrennung von Energie stattfinden kann bevor der Atem wieder leicht ausgestoßen wird. Bei diesem Vorgang verbindet sich das Qi der Atemluft mit dem ursprünglichen Qi des Dan Tian.

Es gäbe noch mehr zu sagen, aber ich glaube, es genügt, und ich kann hiermit diese Erklärung der traditionellen medizinischen Auswirkungen der Liu Zi Jue-Übung für das Lungen-Qi beenden. Ich hoffe, es ist mir gelungen zu zeigen, wie differenziert und komplex Qigong-Übungen wirken. Ebenso möchte ich motivieren, Qigong regelmäßig jeden Tag auf einfache und entspannte Weise zu üben, im Vertrauen auf seine positive Wirkung für die Gesundheit und die Regenerationsfähigkeit des Körpers. Selbst die einfachsten Übungen, wie Kreise mit den Armen bei ruhigem Atem, haben verschiedene Bedeutungsschichten und einen potenziellen Nutzen für die Gesundheit von Körper und Geist.
Man kann das Üben genießen; kann genießen, dabei einen Raum der Stille voll tiefer Bedeutung zu betreten, um sich vom Ansturm der täglichen Sorgen zu erholen und die Leichtigkeit, die Kreativität, die regenerative Kraft der eigenen, wahren Natur zu spüren!



Abbildung des Lungen-Meridians

Aus dem Shisi Jing Fahui 十四经发挥  - Sorgfältige Ausführungen zu den 14 Meridianen des Arztes Hua Shou 滑寿 (ca. 1304-1386).

Der gute Arzt heilt die Krankheit, bevor sie entsteht - Fortsetzung

Hier nun die angekündigte Fortsetzung des gestrigen Postings. Wenn man das liest, versteht man, dass bei uns in Europa etwas Entscheidendes im Umgang mit der Coronavirus-Epidemie fehlt (und dass das Menschenleben kostet), und man beginnt eine genauere Vorstellung zu haben, was die Chinesische Medizin und auch die traditionellen Methoden wie Qigong und Taiji bewirken können.

Vorgestern erhielt ich eine Nachricht von Prof. Lin Zhongpeng aus Peking, in der er mich auf eine Verlautbarung des Chinesischen Staatsrates aufmerksam machte, in der die entscheidende Rolle der Chinesischen Medizin in der Bekämpfung der Coronavirus-Epidemie thematisiert wurde.

(Anmerkung: Der Staatsrat ist die vollziehende Behörde des Nationalen Volkskongresses und das höchste Verwaltungsorgan der Volksrepublik China. Wenn man bedenkt, wie sehr auch in China die Chinesische Medizin von höchster Ebene behindert wird, dann sind die folgenden Aussagen als noch gewichtiger zu beurteilen. - Apropos Behinderung: Man braucht beispielsweise nur auf die Webseite der Chinesischen Botschaft in Wien zu schauen. Öffnet man die Webseite, findet man sofort die Leitlinien zum Umgang mit der Covid-19-Epidemie, zentral auf der ersten Seite in deutscher Übersetzung platziert. Das Kapitel 10.3.8. - Andere Behandlungsstrategien wurde jedoch entfernt. Im chinesischen Original würde man dort die Behandlungsstrategien mittels Chinesischer Medizin finden)

Also, in dieser Verlautbarung des Chinesischen Staatsrat und anschließenden Pressekonferenz wurde unter anderem dies berichtet:

Die Anstrengungen der Chinesischen Medizin und das Ausmaß ihrer Beteiligung im Kampf gegen die Neue Coronavirus-Pandemie, und auch die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wurde, sind beispiellos in der Geschichte des Neuen China (d.h. seit Gründung der Volksrepublik 1949). Das Nationale Verwaltungsbüro für Traditionelle Chinesische Medizin sandte insgesamt 5 Gruppen von Spezialistenteams (800 Personen pro Team) nach Wuhan, und unter den 50000 Ärzten und Pflegern, die nach Wuhan geschickt worden waren, waren insgesamt 5000 Ärzte für Chinesische Medizin im Einsatz. 97 Medizinische Einrichtungen für Chinesische Medizin wurden zu Spitälern designiert.

Außerhalb der Provinz Hubei wurden mittels Chinesischer Medizin 96,37% der diagnostizierten Patienten behandelt. Auch in Hubei selbst erreichte die Chinesische Medizin eine Beteiligungsrate von 91.05%., und ihre eminent wichtige Rolle zeigte sich während des ganzen Verlaufs der Epidemie, sowohl in der Prävention als auch bei Therapie und Rehabilitation.

Die Tageszeitung Guangming Ribao veröffentlichte am 13.3.2020 folgende Daten:

Am Höhepunkt der Epidemie wurden am 28. Jänner in Wuchang, einem der am stärksten betroffenen administrativen Bezirke von Wuhan, 90% der Coronavirus-Verdachtsfälle positiv diagnostiziert. In der Zeit vom 2. Feber bis zum 6. Feber, als zusätzlich zu den Quarantänemaßnahmen schwerpunktmäßig die Chinesische Medizin zum Einsatz kam, sank dieses Verhältnis auf ungefähr 30%, am 3. März betrug es nur mehr 3%. Aus diesen Zahlen lässt sich ablesen, wie wichtig es war, frühzeitig die Chinesische Medizin an der Epidemiebekämpfung zu beteiligen.

Die Chinesische Medizin spielte eine entscheidende Rolle dabei, zu verhindern, dass Krankheitsfälle leichten und mittleren Verlaufs sich zu schweren und kritischen Fällen entwickeln. (Beispiele finden sich weiter unten im Interview mit Huang Luqi.) Auch in der Behandlung schwerer oder kritischer Stadien der Infektion hatte die Chinesische Medizin eine wichtige Rolle inne. Obwohl die Chinesische Medizin nur Zugang zu einem Zehntel der medizinischen Resourcen hatte, übertraf die Wirksamkeit ihrer Behandlung die der Behandlungen mittels westlicher Medizin um ein Vielfaches, zu einem Bruchteil der Kosten (Westliche Medizin: durchschnittlich 300000 Renminbi – 40000 €, Chinesische Medizin durchschnittlich 1000 ¥ - 130 €).

Durch die Zusammenarbeit von westlicher und chinesischer Medizin konnte die Infektionsrate in der chinesischen Bevölkerung niedrig gehalten und die Anzahl der Todesfälle erheblich gesenkt werden.

Die Übersetzung des folgenden Interviews mit Huang Luqi stammt von meinem Freund und Kollegen MMag. Erich Stöger:

Huang Luqi, Präsident der Chinesischen Akademie der Traditionellen Chinesischen Medizinwissenschaften zum Thema Behandlung der Covid-19 Pneumonie mit Traditioneller Chinesischer Medizin

Übersetzung: MMag. Erich Stöger, 24.03.2020

Am 23. März hielt das Informationsbüro des Staatsrates eine Pressekonferenz in Wuhan, Hubei, ab. Während des Treffens antwortete Huang Luqi, Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und Präsident der Chinesischen Akademie der Chinesischen Medizinwissenschaften, auf die Frage: "Befürchten Sie, dass westliche Patienten nicht bereit sind, chinesische Medizin zu akzeptieren?"


Huang Luqi sagte: "Ich mache mir keine Sorgen, dass westliche Patienten die chinesische Medizin nicht akzeptieren. Dass ich mir hier keine Sorgen machen muss, liegt in meinem Vertrauen und in der täglichen Praxis begründet. Obwohl die chinesische Medizin und die westliche Medizin zu zwei verschiedenen medizinischen Systemen gehören, und unterschiedliche Sichtweisen auf Gesundheit und Krankheit haben, basieren sie beide auf der Tatsache der klinischen Wirksamkeit.

Eine chinesische Wissenschaftlerin, Tu Youyou, erhielt den Nobelpreis für Medizin dafür, dass sie das Malariamedikament Artemisinin entdeckte, was auf der Tatsache der klinischen Wirksamkeit basierte. Jetzt hat sich die chinesische Medizin in 183 Ländern und Regionen verbreitet. Laut Statistiken der Weltgesundheitsorganisation haben 103 Mitgliedstaaten die Verwendung von TCM-Akupunktur zugelassen. Zu diesem Zweck hat die 72. Weltgesundheitsversammlung die 11. Revision der Internationalen Klassifikation von Krankheiten verabschiedet, die zum ersten Mal, ausgehend von der Traditionellen Chinesischen Medizin, ein Kapitel über die traditionellen Heilmethoden enthält.


Huang Luqi führte auch drei Rezepturen auf, die bei dem Ausbruch der derzeitigen Epidemie zur Anwendung kamen.
Das erste ist die Qingfei paidu-Rezeptur (die Lunge kühlende und Toxine abweisende Rezeptur), die aus den Rezepturen Maxing shigan-Dekokt, Shegan mahuang-Dekokt, Xiaochaihu-Dekokt und Wuling-Pulver kombiniert worden ist. Es ist eine allgemeine Formel für leichte, gewöhnliche, schwere und kritisch schwere Verläufe der Erkrankung.

In zehn Provinzen (mit Ausnahme der Provinz Hubei) wurden in 66 ausgewiesenen medizinischen Einrichtungen 1.263 nachweislich infizierte Patienten eingeschlossen. 1.214 Patienten wurden geheilt entlassen, was einer Heilungsrate von 96,12% entspricht. Bei der klinischen Beobachtung von 57 schwerkranken Patienten, die kombinierte Behandlung aus traditioneller chinesischer und westlicher Medizin erhalten haben und die diese „die Lunge kühlende und Toxine ausleitende Rezeptur“ eingenommen hatten, wurden 42 dieser Patienten geheilt entlassen, was einer Heilungsrate von 73,7% entspricht, bei keinem dieser Patienten kam es zu einem kritischen Verlauf.

Ein Lungenbildvergleich der Patienten zeigte, dass nach zwei Einnahmedurchgängen (6 Tage) von Qingfei Paidu Dekokt die Lungenläsionen von 53 Patienten (93%) unterschiedliche Reduktions- und Absorptionsgrade aufwiesen. Laut Daten aus klinischen Studien hat Qingfei Paidu-Dekokt eine aktive Rolle dabei gespielt, zu verhindern, dass leichte und häufige Typen schwer und kritisch werden, im Verlauf der Krankheit eine Verschlechterung eintritt, weiters wurde dadurch die Sterblichkeitsrate extrem stark gesenkt, und das schädigende Ausmaß der Epidemie im allgemeinen verringert.


Die zweite Rezeptur ist Xuanfei Baidu-Dekokt („Lunge harmonisierender Toxine eliminierender Dekokt“), die auf der Grundlage klassischer Rezepte wie Maxing shigan-Dekokt, Maxing zhigan-Abkochung, Zhidazao Xiefei- Dekokt und Qianjin weijing-Dekokt ausgearbeitet wurde.

Eine Kontrollstudie der Xuanfei baidu-Gruppe (70 Fälle) und der Kontrollgruppe (50 Patienten), die im Krankenhaus für Traditionelle Chinesische Medizin in Wuhan, im Integrierten Krankenhaus für traditionelle chinesische und westliche Medizin der Provinz Hubei und in anderen Anstalten durchgeführt wurde, zeigte Folgendes:

Das Xuanfei Baidu-Rezept kontrolliert Entzündungen und erhöht die Lymphozytenzahl, und das mit signifikantem Effekt. Im Vergleich zur Kontrollgruppe war die Lymphozyten-Wiederherstellung um 17% und die klinische Heilungsrate um 22% erhöht. Das erste angeschlossene Krankenhaus der Henan University für Traditionelle Chinesische Medizin verwendete dieses Rezept zur Behandlung von 40 Patienten mit „milden und normalen Patienten“ mit einer durchschnittlichen negativen Zeit von 9,66 Tagen. Keiner der Patienten wurde schwerwiegend oder kritisch krank, und die Verbesserungsrate der CT-Diagnose betrug 85%.

Im Krankenhaus für Traditionelle Chinesische Medizin in Wuhan, im Hubei Provinz- Krankenhaus für integrierte Traditionelle Chinesische und westliche Medizin, im Jiangxia-Fangcang Spital, zeigten die Ergebnisse einer Studie mit 500 Patienten, die mit dieser Formel behandelt wurden, dass man damit bei Patienten mit milden und normalen Verläufen Fieber, Husten und Müdigkeit signifikant reduzieren konnte. Die CT-Diagnose zeigte auch nach der Behandlung eine signifikante Verbesserung, und keiner von ihnen erfuhr eine Verschlimmerung des Verlaufes.

Das letzte Rezept ist die Huashi baidu-Rezeptur („Feuchtigkeit auflösende und Toxine eliminierende Rezeptur“), die vom medizinischen Team der Chinesischen Akademie der Chinesischen Medizinischen Wissenschaften im Jinyintan-Krankenhaus, basierend auf den im nationalen Diagnose- und Behandlungsplan empfohlenen Rezepturen im Verlauf der klinischen Anwendung optimiert wurde.

Die klinischen Wirksamkeitsbeobachtungen von schweren, gewöhnlichen und leichten Verläufen wurden im Jinyintan- Krankenhaus, im Dongxihu-Fangcai-Krankenhaus und im Jiangjunlujie- Krankenhaus durchgeführt. In die klinisch kontrollierte Studie des Jinyintan Hospital wurden 75 schwerkranke Patienten eingeschlossen. Die durch CT diagnostizierten Lungenentzündungen und klinischen Symptome wurden signifikant verbessert, die Zeit, bis der Nukleinsäuretest negativ wird, und die Dauer des Krankenhausaufenthaltes wurden im Schnitt um 3 Tage verkürzt.

124 Patienten vom allgemeinen Verlaufs-Typ wurden im Jiangjun- Straßengesundheitszentrum behandelt, und 894 leichte und allgemeine Patienten (452 in der Gruppe der traditionellen chinesischen Medizin) wurden im Dongfanghu fangfang-Krankenhaus nach dem Zufallsprinzip kontrolliert, was die Wirksamkeit der Verschreibung bestätigte. Die Leber- und Nierenfunktionen von Patienten mit Huashi baidu-Granulat wurden überwacht, und es wurden keine arzneimittelbedingten Nebenwirkungen festgestellt. Experimentell konnte festgestellt werden, dass in einem Mäuseversuchsmodell die Viruslast des neuen Coronavirus im Lungengewebe um 30% reduziert wurde. Zu diesem Zweck wurde Huashi baidu Granulat am 18. März von der Staatlichen Arzneimittelverwaltung offiziell für klinische Studien zugelassen.

Der Forschungs- und Entwicklungsprozess der traditionellen chinesischen Medizin unterscheidet sich von dem der chemischen Medizin und der biologischen Medizin. Die Huashi baidu-Rezeptur stammt aus der klinischen Anwendung. Die Bedeutung der klinischen Zulassung liegt daher in der Tatsache, dass die Theorien der Epidemie-Bekämpfung der Traditionellen Chinesischen Medizin und deren klinische Wirksamkeit auch mit physikalisch-chemischen Methoden nachgewiesen werden konnten. Dies ist das Ergebnis einer effektiven Umsetzung wissenschaftlicher Forschung der chinesischen Medizin basierend auf hochwertig differenzierten klinischen Erfahrungsbelegen.

Als Antwort auf die Frage eines malaysischen Journalisten: "Welche diätetischen Behandlungen oder Methoden können Menschen aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin helfen, ihre Immunität zu verbessern und ihre kardiopulmonale Funktion gegen dieses Virus zu stärken?" führte Huang Luqi zwei berühmte Zitate aus Klassikern der traditionellen chinesischen Medizin an.

Der erste Satz lautet: „Der gute Arzt heilt die Krankheit, bevor sie entsteht". Die Traditionelle Chinesische Medizin betont die Rolle der Prävention, und Prävention spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Epidemie. Beispielsweise wurden im Fangcai- Krankenhaus auf Ersuchen des Gesundheits- und Gesundheitskomitees der Provinz Hubei medizinische und pflegerische Mitarbeiter des Fangcai- Krankenhauses mit vorbeugender Medizin und Nahrungsmitteln versorgt. Derzeit gibt es keine Fälle von Infektionen im medizinischen Personal des Fangcai-Krankenhauses.


Der zweite Satz lautet: „Will man nicht gegenseitig angesteckt werden, muss das Qi im Inneren gesund und stark sein, dann kann das schlechte (krankheitserzeugende) Qi nicht stören, und man sollte dieses giftige Qi meiden!“

Zunächst wird der Schwerpunkt auf die Verbesserung der Gesundheit des menschlichen Körpers gelegt. Sie können traditionelle chinesische medizinische Fitnessmethoden wie Taijiquan und Baduanjin anwenden oder traditionelle chinesische Arzneien oder auch Nahrungsmittel mit diesen das gesunde Qi kräftigenden Eigenschaften zu sich nehmen.

Die medizinische Ernährung unter Anleitung der traditionellen chinesischen Medizin kann die Immunität verbessern und ist eine effektive Methode, um die Rolle der TCM bei der Aufrechterhaltung des „gesunden Qi“ und der Abweisung des „krankheitserzeugenden Qi“ zu erreichen.

Zweitens wird betont, „giftiges Qi“ zu vermeiden. Die Isolierung zu Hause ist eine wirksame Methode zur notwendigen Desinfektion des Lebensumfelds.

Darüber hinaus betont die chinesische Medizin die Rolle von Emotionen bei der Verbesserung der Stabilisierung und Erhaltung der Lebensfunktionen im Körper. Daher müssen wir während der Epidemie der Kombination von Arbeit und Ruhe mehr Aufmerksamkeit schenken, Form (Körper) und Geist in Einklang bringen und den Geist im Inneren behalten.

Tuesday, March 24, 2020

Der gute Arzt heilt die Krankheit, bevor sie entsteht.

Je nachdem, wie es sich ausgeht, werde ich heute noch oder erst morgen ein Interview posten. Darin spricht Huang Luqi, Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und Präsident der Chinesischen Akademie der Traditionellen Chinesischen Medizinwissenschaften zum Thema Behandlung der Covid-19-Pneumonie mit Traditioneller Chinesischer Medizin.

Mein Freund und Kollege MMag. Erich Stöger übersetzt gerade das Interview, in welchem unter anderem auch detailliert auf die Wirksamkeit dreier der in Hubei eingesetzten Kräuterverschreibungen eingegangen wird.

Dieser Teil des Interviews zeigt sehr klar, worauf die Entscheidungsträger in Österreich, aber auch in den anderen europäischen Ländern, aus Kurzsichtigkeit, Uninformiertheit oder aus welchen anderen Gründen, verzichten: Auf den Teil der medizinischen Strategie nämlich, der in China den großen Unterschied in der Eindämmung der Seuche gemacht hat.

Wenn man den Inhalt des Interviews liest: Es ist schwer, nicht großen Ärger zu verspüren. Aber die Situation ist eben so, wie sie ist, vom Mangel an staatlich organisiertem Zugang zu Chinesischer Kräutermedizin bei uns, jetzt, hier, in dieser Epidemie, dürfen wir uns nicht frustrieren lassen. Obwohl es nicht so sein müsste. Eigentlich nicht so sein dürfte.

Das Gute ist, dass es neben der äußerst wirksamen Kräutermedizin eben auch andere äußerst wirksame Methoden der Chinesischen Medizin gibt, die in der Epidemie hilfreich sein können, sowohl präventiv als auch in der Therapie.

Was Kerry und ich mit der WhatsApp-Gruppe und den beiden Blogs, dem auf deutsch und dem auf englisch, versuchen, ist, eben diese Methoden zum Einsatz zu bringen, die auf chinesisch Behandlung ohne Arznei (fei yaowu zhiliao 非药物治疗) genannt werden.

Am Ende des Interviews werden diese Methoden auch erwähnt, und ich bin froh, dass wir damit sozusagen gewichtiges Backing haben, ist es mit Huang Luqi doch ein Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der Präsident der Chinesischen Akademie der Traditionellen Chinesischen Medizinwissenschaften, der diese unsere Inhalte in ihrer Wichtigkeit unterstreicht.

Huang Luqi sagt: „Der gute Arzt heilt die noch nicht entstandene Krankheit.“ Und „Wenn das geordnete/gesunde/aufrechte Qi im Inneren stark ist, dann kann das schlechte Qi die Gesundheit nicht beeinträchtigen.“

Eminent wichtige Sätze, die darauf hinweisen, wie wichtig diätetische Maßnahmen sind, also die Einnahme von Nahrungsmitteln, die das Qi ordnen, stärken und harmonisieren, wie wichtig die Körperübungen wie Taiji und Qigong sind, wie wichtig die innere Ausgeglichenheit ist, also das Vermeiden emotionaler Extreme, und wie wichtig das rechte Verhältnis von Arbeit und Ruhe ist. Letzteres bezieht sich einerseits auch auf Qigong: also nicht nur bewegte Übungen üben, sondern auch ruhig sitzen und die Gedanken abschalten, und andererseits generell darauf, wie wichtig es ist, arbeitsmäßig nicht zu übertreiben und auch zu rasten. Und ausreichend zu schlafen.

- Da muss ich mich auch langsam an der Nase nehmen. Mein Arbeitspensum hat schon die hundert Stunden überschritten, Kerrys ist auch schon enorm, wir werden auch sicher bald eine Pause von ein, zwei Tagen einlegen müssen. -

Kerry und ich wollen durch unsere Postings in erster Linie zu obigen (Selbst-) Behandlungen ohne Arznei motivieren, wir versuchen zu erklären, warum das wichtig ist, und wir hoffen, durch das gepostete Material, das im Lauf der Zeit noch viel mehr werden wird, jedem die Mittel dazu in die Hand zu geben.

Was Qigong betrifft: Da haben die meisten von uns die Mittel schon in der Hand. Das Entscheidende ist dann schlicht: Einfach üben.

Und nicht auf zukünftige Übungen warten (es werden noch einige kommen), nicht auf immer neue Videos warten (auch da werden noch einige kommen).

Es ist auch Absicht, dass ich bisher nicht viele Videos gepostet habe, es würde ja nur Verwirrung entstehen: Was soll ich üben? Welche Übung ist besser? Was ist, wenn ich diese oder jene Übung nicht mache? Solche und ähnliche fruchtlose Fragen wären die Folge.

Noch einmal: Die Übungen üben, die jeder schon kennt und gern hat, zumindest zweimal am Tag. Und/oder auch die spezielle Übung für die Lunge bzw. die Übungssequenz für Lunge und Nieren, die wir schon gepostet haben.

Zweimal 20 Minuten ist gut, zweimal 15 Minuten auch, zweimal 30 Minuten ist gut – es hat keinen Sinn, genaue Übungs-Verschreibungen zu machen.

Dann darauf achten, dass man auch Dinge isst, die das Qi unterstützen. Kerry hat dazu ja schon einiges geschrieben. Auch nicht zu schwer essen.

Und Ruhe: Die findet man beim Meditieren und beim Schlafen. Und auch beim Hören von Musik. Bach bietet sich an, oder Musik wie das Stück für chinesische Xiao-Flöte gestern.

Huang Luqi sagt abschließend in seinem Interview: Wir müssen der Verbindung von Arbeit und Ruhe mehr Aufmerksamkeit schenken, Form (das heißt den Körper) und Geist in Einklang bringen, und den Geist im Inneren behalten.

Mit letzterem spielt Huang Luqi auf den Satz an, den ich schon vor ein paar Tagen erwähnt habe:

„Still und leer, dem folgt das wahre Qi. Essenz und Geist innen bewahrt, woher sollen dann Krankheiten kommen?“

Und ich wiederhole ihn hier gleich ein zweites Mal:

„Still und leer, dem folgt das wahre Qi. Essenz und Geist innen bewahrt, woher sollen dann Krankheiten kommen?“

Jiayou! 加油!

Monday, March 23, 2020

Yangshen 养神 - Das Nähren des Geistes

Qigong bedeutet nicht nur ein physisches Ausführen von Übungen. Qigong hat auch einen geistigen Aspekt, der auf Chinesisch Yangshen 养神 genannt wird. Yangshen, wörtlich: den Geist nähren, ist genau so wichtig wie das körperliche Qi-Üben.

Mag westliche Medizin Wissenschaft sein (zumindest ist es ihr Anspruch), so ist chinesische Medizin Philosophie und kann gesondert von der Philosophie nicht verstanden werden. Überhaupt sind alle Aspekte der alten chinesischen Kultur nicht nur nicht abgegrenzt von der Philosophie, sie sind vielmehr konkrete Verkörperungen dieser.

Und im Zentrum der chinesischen Philosophie finden wir immer dieselben Begriffe, die selbst die schon gehört haben, denen China sonst fremd ist:

Dao 道, Yin und Yang 阴阳, Qi 气, Taiji 太极 (der Höchste Pol), Ziran 自然 (die Natur, als das Was-aus-sich-selbst-heraus-so-ist) usw. Um diese und noch einige Begriffe mehr kreist das alte Denken der Chinesen, und in diesem Denken entdecken sie auch die Quelle von Gesundung und Heilung.

Diese Quelle von Gesundung und Heilung liegt in der Wiederkehr zur Natur. Nicht im romantischen Sinn, vielmehr im Gewahrwerden der lebendigen Kräfte der Natur und in der Entdeckung, dass dieselben Kräfte (dasselbe Qi), das in der Natur wirkt, auch im Menschen wirkt. Ein eigentlich tautologischer Gedanke, und doch, für uns geht es kaum fremder, wir verstehen nicht, was damit gemeint ist und haben keine Sprache dafür.

Wir sind der Natur körperlich entfremdet, und und auch im Denken entfremdet - äußerst entfremdet. Darum die Wichtigkeit von Qigong und chinesischer Philosophie, darum vermögen diese auch im Westen viele zu inspirieren, und bereiten denen Freude, die sich ihnen gegenüber offen zeigen.

Natürlich kann man Qigong einfach so üben, ohne darüber nachzudenken. Ruhe, Entspannung und Natürlichkeit während des Übens brauchen keinen philosophischen Diskurs. Doch vielleicht beginnt der eine oder andere auch zu spüren, wenn auch vielleicht nur undeutlich und vage, dass Qigong-Übungen uns lehren, die Regungen der allgegenwärtigen natürlichen Kräfte in uns wieder zu entdecken.

Unser Denken, es ist zwar der Natur entfremdet, doch eigentlich ist es nicht das Denken selbst, das schlecht ist und das Problem, es ist der Wirbel mechanischer Gedanken und die jedem bekannte Mischung aus Fühlen und Denken (einem oft auch noch entkörperlichten Denken), die den Menschen der lebendigen Welt, der lebendigen Natur entfremden.

Darum die Betonung der Stille im Qigong. Allein still zu werden, ohne Übung, ist schon heilend. Und dies umso mehr, als nicht nur die Gedanken gestillt werden, sondern sich der ganze Organismus dem Kraftfeld der Welt öffnet. Und noch mehr, wenn man versteht und spürt, dass und wie sich die Kreativität des All (Qian 乾 - das Schöpferische im Buch der Wandlungen) im kreativen Tun des Menschen äußert. Dass Kreativität und Kunst das Potential zur Heilung haben.

Das ist Yangshen, das Nähren des Geistes. Des Wirkens des reinen Yang-Impulses, des Schöpferischen, gewahr zu werden, und durch dessen Kraft in einen Raum transportiert zu werden –  im Innen wie im Außen -, der ganzmachend wirkt und heilend.

Zitat: "Die vielen verschiedenen Gedanken zu klären und sie zu stillen, sodass der Körper nicht unter dem Einfluss eines menschgemachten Denkens steht (im Unterschied zu einem Denken, das im Einklang ist mit dem Großen Weg, dem Dao), den Körper in die Natur zurückzuführen, das nannten die Altvorderen das Nähren des Geistes.

Durch das Nähren des Geistes gelangen sowohl Körper als auch Psyche in einen Zustand des Friedens und der Ruhe. Sich der Gedanken zu entledigen und das Herz zu beruhigen, solcherart vermag man sowohl geistige als auch körperliche Kraft wiederzuerlangen."

In diesem Sinne haben, während der Coronavirus-Epidemie der letzten Wochen in China, einige Universitäten für Chinesische Medizin auch Musikstücke für traditionelle Instrumente (Guqin, Xiao etc.) propagiert, um Patienten in der Heilung zu unterstützen. Yiyi zhanyi 以艺战疫 – mittels Kunst die Epidemie bekämpfen, lautete der Slogan.

Dies sind hier nur einige meiner Gedanken, die natürlich viel weiter ausgeführt werden müssten. Hier müssen sie Plauderei bleiben, da Kerry und ich ja dauernd am Posten oder Vorbereiten von Postings sind, und die Zeit beschränkt ist.

Zum Nähren des Geistes hier ein kurzes Stück auf der Xiao-Flöte. Die Zeit der Pflaumenblüte (während der Schnee noch auf den Zweigen der Pflaumenbäume liegt) ist schon vorbei. Aber es ist ja wieder kalt geworden, also passt es schon.

Auch das ist Qigong! Jiayou! 加油!



Sunday, March 22, 2020

Eine Qigong-Übungsfolge zur Stärkung des Immunsystems

Bisher haben wir die eine Übung mit dem Heilenden Laut für die Lunge gepostet.

Um diese nun in einen längeren Übungsablauf zu integrieren, haben Kerry und ich eine Abfolge von Übungen zusammengestellt, die in erster Linie darauf abzielt, Lungen- und Nieren-Qi und damit das Immunsystem zu stärken.

Das Ganze ist zum Mit-Üben gedacht und kann auch mehrmals am Tag geübt werden.

Alle Übungen zusammen dauern ca. eine Viertelstunde.

Jede Übung kann auch für sich allein geübt werden, jede Übung kann auch öfter wiederholt werden.

Je regelmäßiger man übt, desto besser die Wirkung. Wie Kerry schon gesagt hat, die Wirkung eines Tages baut auf dem Fundament dessen auf, was man den Tag zuvor, die Woche zuvor, den Monat zuvor gemacht hat.









Jiayou! 加油!

Friday, March 20, 2020

Ein paar Bemerkungen..


Ein paar Bemerkungen..


Eine paar Bemerkungen zu all dem, was wir bisher gepostet haben. Es werden sich sicher manche wundern, warum so viele diätetische Ratschläge und noch nicht so viele Übungen dabei waren.

Dies hat damit zu tun, dass es Kerry und mir ein Anliegen ist, allen die Mittel zur bestmöglichen Prävention in die Hand zu geben. Die diätetischen Ratschläge sind hierbei neben dem Qigong ein notwendiges zusätzliches Werkzeug.

Am idealsten wäre es natürlich, wenn man Prävention mittels chinesischer Kräutermedizin betreiben könnte. Das ist in Österreich, Deutschland und Italien nicht möglich. In dieser idealen Welt leben wir nicht.

Der Durchschnittsbürger hat keinen Zugang zu Ärzten für Chinesische Medizin, die ausreichend in der chinesischen Kräutermedizin ausgebildet sind, und selbst wenn, dann ist der Zugang zu den chinesischen Heilkräutern oft nicht einfach. Oder wie zur Zeit: fast unmöglich. Es kommt in dieser weltweiten Krise nichts mehr nach.

Und dazu kommt noch die Kurzsichtigkeit und mangelnde Informiertheit der offiziellen Stellen: Es gab von Ende Jänner bis heute keine Reaktion von Seiten des österreichischen Gesundheitsministeriums auf den von allen TCM-Schulen unterschriebenen Vorschlag meines Studienkollegen Mag. Stöger, österreichweit vor allem in den Spitälern Prävention mittels in China bewährter und erprobter Kräuterrezepturen zu betreiben, noch ging die Stadt Wien auf den Vorschlag ein. Dieser Weg ist bei uns also nicht gangbar.

Darum Kerrys Versuch, ein wenig chinesische Diätetik zu unterrichten. Wie so oft bei chinesischen Methoden, sieht alles eher unspektakulär aus, und die üblichen abwertenden Bemerkungen, wie schlecht das alles schmecke, kennen wir zur Genüge.

Wirksam sind diese Rezepte jedoch sehr. Wenn man sie ernst nimmt und versteht, dass, wie Kerry klar kommuniziert hat, es bei solchen Rezepten um eine sehr spezifische Wirkung geht, die langsam, über einen längeren Zeitraum, aufgebaut und immer stärker wird.

Es ist wie beim Qigong: Einmal üben ist schon gut, aber erst der regelmäßige Impuls beginnt, das Qi zu verändern. Und darum geht es: um die Veränderung des Qi. Um die Veränderung des eigenen Qi-Musters. Um die Veränderung der inneren Qi-Umgebung. Der Qi-Umgebung im Körper.

Ich hatte in diesen Tagen wieder Kontakt mit Prof. Lin Zhongpeng in Peking. Er meinte, dass er unsere Initiative mit allen Kräften unterstützt, und er war ganz unserer Meinung: Dass es in erster Linie wichtig sei, ein Verständnis dafür zu wecken, dass Gesundheit Regulation heißt und dass alle traditionellen chinesischen Methoden diese fördern..

Was konkrete Qigongübungen betrifft: Wir werden in Zukunft noch einige posten. Da jeder von uns aber schon viele Übungen kennt, sehen Kerry und ich es als nicht zielführend, abgesehen von der medizinischen Qigong-Übung für die Lunge gleich viele Übungen vorzustellen. Das wäre vermutlich sogar kontraproduktiv. Es ist wichtig, nicht den Eindruck zu erwecken, dass in dieser Pandemie nichts mehr gilt und nichts mehr hilft, was man in der Vergangenheit gelernt hat. Das Gegenteil ist richtig.

Genau für Situationen wie diese hat man Qigong gelernt. Jede Übung, die man kennt, ist dann die richtige, ist wichtig, wirksam und hilfreich. Die ganz konkreten Übungen, die man schon Jahre geübt hat. In der Form, in der man sie gelernt hat. Und es gibt keine besonderen, geheimen, esoterischen, besonders wirksamen Qigong-Übungen, die nach einer jahrzehntelangen Zeit des Dürstens dann wenigen Auserwählten mitgeteilt werden. Solche Vorstellungen sind kindischer Unsinn.

Das Qi entsteht aus der Stille. Zu glauben, man braucht eine bestimmte Übung, das ist keine Stille. An Übungen zu zweifeln, das ist keine Stille. Zu glauben, man muss zuerst die Theorie einer Übung kennen, das ist keine Stille. Eine Übung abwandeln zu wollen, das ist keine Stille.

Das Qi gewinnt seine Kraft in der Stille. Die Ruhe gebiert die Bewegung. Das Yang entspringt dem Yin. Es tut mir leid, aber es ist eben so einfach.

Darum auch meine Aussage schon vor ein paar Tagen: Jede Übung, die einen in die Stille führt, ist die rechte Übung. Und eben diese Übung birgt das gesundheitliche Potential, das man braucht. Und durch das regelmäßige Üben dann allmählich realisieren kann.

Ich muss mir halt die Zeit nehmen, das Handy aus der Hand legen, den Chat verlassen und mich in die analoge Stille versenken. Mittels einer der Übungen, die ich schon kenne, mit einer, in der ich mich wohl fühle, einer, die mir erlaubt, dem Qi zu erlauben, seine natürliche Organisation zu finden.

Durch Qigong zu regulieren und die innere Qi-Umgebung zu beeinflussen, das ist das Eine.

Aber alles andere, das man tagtäglich tut oder lässt, beeinflusst das Qi natürlich auch. Und die Nahrung gehört da auf jeden Fall dazu.

Yao shi tong yuan 药食同源 – „Arznei und Nahrungsmittel entstammen dem gleichen Ursprung“, heißt es auf Chinesisch. Wir können niemanden so schnell lehren, chinesisch zu kochen oder Prinzipien der chinesischen Diätetik ins Kochen miteinzubeziehen, aber wir können sehr wohl ein paar Rezepte zur Verfügung stellen, durch die man in einem gewissen Ausmaß das Qi zu regulieren vermag. Regulieren heißt, bestimmte Aspekte des eigenen Qi mit anderen zu einem für das geordnete Funktionieren des Organismus wichtigen Zusammenwirken zu bringen.  

In unserem Gespräch hat Prof. Lin Zhang Xiaotong, einen alten, traditionellen Arzt aus Peking zitiert, der vor kurzem, befragt zur Coronavirus-Epidemie, dies sagte (ich übersetze wörtlich):

„Wenn es im Körperinneren keine feucht-heiße Qi-Umgebung gibt, dann steckt man sich nicht so leicht an. Wenn alle Leute Prophylaxe mittels chinesischer Medizin betreiben würden, mit Selbstisolation als unterstützender Maßnahme, dann wären die Ergebnisse exzellent, die Kosten für diese Maßnahmen wären niedrig, und es käme nicht zu solch massiven Beeinträchtigungen des Alltagslebens der Menschen. Und die Wirtschaft würde auch nicht so extrem in Mitleidenschaft gezogen.“ ...  „Wenn man zur Vorbeugung die chinesische Kräutermedizin zur Verfügung hat, dann kann man positive Wirkungen erzielen, die denen von Quarantänemaßnahmen überlegen sind. Als zu Zeiten der SARS-Epidemie der 90jährige Dr. Deng Tietao an vorderster Front im Einsatz war, trug er keinen Schutzanzug und keine Maske. Nicht weil er naiv war und unwissend, sondern weil er volles Vertrauen in die Chinesische Medizin hatte und wusste, dass, man, wenn es im Inneren des Körpers keine feuchte Hitze gibt, nicht leicht angesteckt wird." 

Wie gesagt, Kerry und ich haben selbst keinen Zugang zu den chinesischen Heilkräutern, die zur Prävention eingesetzt werden.

Doch Qigong vermag Gleiches in der Vorbeugung von Krankheiten zu leisten, und auch die Food Medicine – die diätetischen Rezepte. Das sind die Leitgedanken, an denen wir uns ausrichten, und denen die Inhalte, die wir hier posten, folgen.

Letztes Posting: Übung zur Stärkung des Körpers im Kampf gegen die Epidemie

Dies ist der letzte Tag unserer Jia You! - Initiative, wir schließen sie mit einem Video ab. Ich hatte schon viel früher vor, dieses Vide...