Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Monday, May 17, 2021

Eine Qigong-Übungsstunde

Es ist schon einige Zeit her, dass ich eine ganze Qigongstunde zum Mitüben gepostet habe. Heute ist es wieder einmal soweit.

Das heutige Video hat drei Abschnitte: 

  • Regulation des Qi mittels Öffnen, Schließen, Heben und Senken, entsprechend der Grundbewegungen des Qi im Körper: sheng 升 , jiang 降, chu 出, ru 入 - Bewegung nach oben, nach unten, nach außen und nach innen.
  • Daoyin des Qi mittels der ersten vier Weichen und entspannten Übungen.
  • Übungen der Heilenden Laute entsprechend der Jahreszeit: die Übung für das Qi der Leber (shaoyang 少阳 - junges Yang) mit dem Laut xu 嘘 (sprich: hsü) und die Übung für das Qi des Herzens (laoyang 老阳 - altes Yang) mit dem Laut he 哈 (sprich he-a).


Friday, May 14, 2021

Die Weichen und Entspannten Übungen - Vierte Übung

Hier ist die vierte der „Weichen und Entspannten Übungen".

Die Arme werden auf Schulterhöhe gehoben, dann dreht man den Körper zur Seite, bringt die Hände vor die Brust und drückt nach vorne. 

Einige Male nach links und rechts wiederholen. Beim Drehen werden die Arme entspannt gehalten, Schultern, Ellbogen, Handgelenke und Finger bleiben locker, beim Drücken entsteht etwas Spannung in den Armen. Die Kraft kommt von unten, sie entspringt bei den Füßen und wird von den Hüften nach oben übertragen.  

Diese Übung vermehrt die Kraft des inneren Qi, darüber hinaus wird der Daimai 带脉  - das Gürtelgefäß, i.e. der um die Hüften verlaufende Sondermeridian - aktiviert und reguliert, wodurch sich auch die Bewegung des Qi nach oben und unten verbessert. 

Wednesday, May 12, 2021

Jiangzaocha 姜枣茶 - Tee aus Ingwer und roten Datteln

Letztes Jahr haben wir einige traditionelle chinesische Rezepte gepostet, die der Harmonie des Qi in der heißen Jahreszeit helfen: Mungbohnensuppe, Suppe mit Kudzu und Mais und Chrysanthemen-Goji-Beeren-Tee.

Hier nun ein weiteres Rezept: Jiangzaocha 姜枣茶 - Tee aus Ingwer und roten Datteln

Wie ich schon im Posting zur Zeitperiode „guyu 穀雨 - Getreideregen" angesprochen habe, ist es in den Übergangszeiten des Jahres wichtig, dafür zu sorgen, dass sich das eigene Qi den wechselnden Bedingungen anpasst und seine Harmonie bewahrt. 

Es ist normal, dass sich im Winter und im Frühling kaltes (oder auch feuchtes) Qi im Körper ansammelt, jemand, der schon länger Qigong praktiziert, kann dies auch wahrnehmen. Wenn das Wetter heißer wird, öffnet sich der Körper, doch hat das Yang-Qi nach der kalten Jahreszeit oft nicht die nötige Kraft, um das angesammelte feuchte und kalte Qi loszuwerden.

Im „Inneren Klassikers des Gelben Kaisers“ heißt es :„Im Frühling und Sommer muss das Yang genährt werden“. Darum dieser Tee aus Ingwer und roten Datteln, er wirkt der Erschöpfung des Yang-Qi entgegen und unterstützt dessen Ausbreitung und Verteilung im Körper. Durch das gestärkte Yang kann kaltes und feuchtes Qi beseitigt werden, und der Organismus wird gut auf den Sommer vorbereitet. Man kommt besser durch die heißen Monate und fühlt sich im Juli und August viel wohler. Das heiße Wetter ist auch eine Belastung für das Qi von Milz und Magen, dem wirkt der Tee entgegen, indem er Milz und Magen tonisiert.

Der Tee schafft Raum für die Prozesse, durch die Kälte und Feuchtigkeit zerstreut und ausgeleitet werden, wärmt die Mitte, korrigiert das Qi, stellt das Yang wieder her, trocknet Feuchtigkeit, schützt den Magen, fördert die Verdauung, nährt das Blut und stärkt das Herz.


Rezept:

6 Chinesische rote Datteln (hongzao 红枣 Jujubae Fructus)
6g Goji-Beeren (gouqizi 枸杞子 Lycii Fructus)
6 Scheiben Ingwer, ungeschält
1/2 l Wasser

Zubereitung:

Die Datteln vor dem Kochen entkernen und zerkleinern, damit die Inhaltsstoffe besser herausgekocht werden können. Alle Zutaten einen Topf mit kaltem Wasser geben und zum Kochen bringen. Zehn bis fünfzehn Minuten köcheln lassen. 

Man kann auch eine größere Menge zubereiten und im Kühlschrank aufbewahren. Vor dem Trinken aufwärmen.

Bei chinesischen Kräuterrezepturen werden die Kräuter nicht gegessen. Das gilt auch hier, Datteln, Goji-Beeren und Ingwer auf keinen Fall essen!

Täglich können ein bis zwei Tassen getrunken werden, aber nur in der ersten Tageshälfte! Den Tee nachmittags und abends nicht trinken.

Jetzt in der Übergangszeit zum Sommer* ist der Tee für jeden geeignet. Diejenigen, denen sogar im Sommer leicht kalt ist, können den Tee auch bis zu Herbstbeginn trinken.

Ingwer bekommt man überall. Goji-Beeren und rote Datteln kauft man am besten in einer Apotheke, die TCM-Kräuter führt. Rote Datteln können nicht mit anderen Datteln ersetzt werden.


*Von lixia 立夏 - Sommerbeginn - bis zu rufu 入伏, dem ersten Tag der chinesischen Hundstage, d.h. von Anfang Mai bis ca. Mitte Juli.

Monday, May 10, 2021

Die Harmonie der sechs Richtungen - ein Übungsvideo

Ein weiteres Video aus dem Augarten, mit einer Übungssequenz von Prof. Cong, in der das Qi in alle Richtungen - hinauf und hinunter, nach links und nach rechts, nach vorne und nach hinten - bewegt und dadurch geordnet und reguliert wird.

Die sechs Raumrichtungen werden auf Chinesisch liuhe 六合 genannt, sie bedeuten den durch Himmel, Erde und die vier Himmelsrichtungen umfassten Raum (oder überhaupt das ganze Universum) und dessen innere Verbindungen, Beziehungen, Einflüsse und Wirkungen.

Das chinesische Wort für Universum verweist ebenfalls auf den durch sechs Richtungen bestimmten Raum, verwoben mit den Aspekten von Wandel und Zeit. Universum heißt auf Chinesisch yuzhou 宇宙. Im Shizi 尸子 (4. Jh. v. Chr.) wird yuzhou folgendermaßen definiert: yu 宇 bedeutet oben, unten und die vier Himmelsrichtungen, zhou 宙 bedeutet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Das Universum ist im chinesischen Verständnis eine in beständiger Entfaltung begriffene raum-zeitliche Manifestation des einen schöpferischen ursprünglichen Qi, es existiert in ihm nichts, das nicht lebendig wäre. Nicht nur ist alles lebendig, es steht auch alles in Beziehung. Ganying 感应 “Wirken und Antwort”, lautet der chinesische Ausdruck dafür (das sind die oben erwähnten Verbindungen, Beziehungen, Einflüsse und Wirkungen).

Qigong zu üben heißt sich in diesem lebendigen, schöpferischen Universum zu erleben, wobei einem die Orientierung an den Richtungen des Raums ermöglicht, sich in der Mitte zu verorten. In der lebendigen Mitte vermag man den schöpferischen Grund der Wirklichkeit zu erahnen (und vielleicht auch zu berühren), dessen Teil und Manifestation man als Mensch ist. Der schöpferische Urgrund, von so manchen chinesischen Künstlern beeindruckend und direkt dargestellt und vermittelt, stellt auch den Grund der eigenen Lebendigkeit dar.

Der konfuzianische Philosoph Zhang Zai 张载 (1020-1077) drückt dies in seiner berühmten West-Inschrift" so aus: „Qian 乾 - das Schöpferische, der Himmel - ist mein Vater, Kun 坤 - das Empfangende, die Erde - ist meine Mutter. Ich, dieses winzige Wesen, trage sie vermischt in mir und finde mich in ihrer Mitte. Das, was alles zwischen Himmel und Erde ausfüllt, ist mein Körper, das, was Himmel und Erde lenkt, meine innere Natur. Alle Menschen entstammen demselben Schoß wie ich, alle Wesen sind meine Gefährten…“

Der Philosoph Cheng Hao 程颢 (1032-1085), der in seiner Lehre diesen Gedanken der Einheit aller Wesen und Dinge folgte, meinte: „Der Schüler muss zuerst verstehen, was mit Menschlichkeit (ren 仁) gemeint ist. Derjenige, der menschlich ist, ist ohne Unterscheidung eins mit allen Wesen. … Im Dao gibt es nichts, das im Widerspruch dazu stehen würde, selbst das Wort „groß“ genügt nicht, dies zum Ausdruck zu bringen. Das Wirken von Himmel und Erde ist unser Wirken. Meister Meng (Mengzi 孟子) sagt, dass alle Dinge vollständig in uns sind. Darüber müssen wir nachsinnen, und wir müssen realisieren, dass dem wirklich so ist, wodurch sich eine Quelle immenser Freude auftut. Sinnen wir darüber nach und realisieren es nicht, dann gibt es zwei Dinge (Selbst und Nicht-Selbst), die im Gegensatz zueinander stehen. Selbst im Versuch der Vereinigung von Selbst und Nicht-Selbst bilden wir noch keine Einheit, wie könnte sich dann Freude einstellen? Die West-Inschrift hingegen ist der perfekte Ausdruck der Einheit. Wenn wir uns mittels dieser Idee kultivieren, dann gibt es weiter nichts zu tun. Wir müssen zwar etwas tun, und niemals innehalten und vergessen, aber dürfen auch nicht dem Wachstum helfen. Tun ohne die geringste Bemühung, das ist der Weg geistiger Kultivierung.“

Dies sind ursprünglich natürlich keine Texte zum Qigong, und doch gilt all dies auch für das Tun im Qigong: Es gibt eine innere Einheit der Dinge, die der eigenen Existenz zugrunde liegt. Diese gilt es zu entdecken, sich dieser zu erinnern und aus dieser zu handeln, doch immer vollkommen natürlich, ohne künstliches Streben und ohne Bemühung.

Die innere Instanz, auf die sich diese Texte beziehen, wird auf Chinesisch yuanshen 元神 genannt, „Ursprünglicher Geist“. In der nüchternen zeitgenössischen chinesischen Qigong-Sicht der Dinge wird der Ursprüngliche Geist als die Fähigkeit des Organismus zu Selbstorganisation und tief gehender Regulation verstanden, sozusagen die tiefste und innerste Instanz, durch die der Organismus immer wieder in sein Gleichgewicht und zu seiner Gesundheit findet. Dies ist sicher ein wichtiger Aspekt, besagt er doch, dass auch dann, wenn man Qigong zu rein gesundheitlichen Zwecken übt, es das Wesentlichste und Wichtigste ist, zu lassen, zu entspannen, zu reduzieren und diese (körperlich-geistige) innere Instanz nicht zu behindern, aus deren Wirken sich die Gesundheit immer wieder zu regenerieren vermag.

Man könnte dies auch die innere Instanz der Selbstheilung nennen, eine Funktion, die erst in Stille und vollkommener Natürlichkeit vollständig zu wirken beginnen kann. „Störe nicht mit deinem Normalbewusstsein den Ursprünglichen Geist!“, so drückte dies Prof Cong aus. Das innere Führen, Lenken und Leiten des Qi, die mit dem Qigong-Üben verbundenen Absichten, die Vorstellungen, die das Üben überfrachten und so vieles mehr, all dies kommt aus oberflächlichen Schichten des Bewusstseins, sozusagen aus einem falschen Zentrum, und hat nichts mit der inneren Mitte und dem Wirken des Ursprünglichen Geistes zu tun. Darum ist man im Qigong immer gut beraten, um es mit Laozi 老子 zu sagen, „täglich zu vermindern. Vermindern und weiter zu vermindern, bis man beim Nicht-Tun anlangt. Durch Nicht-Tun bleibt nichts ungetan.“

Doch das Wirken des yuanshen 元神, des „Ursprünglichen Geistes“ geht über die körperliche Gesundheit, hinaus. So geht es in den obigen kurzen Textausschnitten nicht um die Regulation des Qi und die Gesundheit, sondern um das Verhältnis des Menschen zur Welt und um das Verständnis des Sinns und des eigenen Wesens. 

Dieses kann sich manchmal in einem die ganze Persönlichkeit umkrempelnden Erlebnis manifestieren. Lu Jiuyuan (1139-1193), einer der Begründer der neokonfuzianischen „Schule des Geistes“, las eines Tages in einem alten Buch (wohl dem oben erwähnten Shizi 尸子) und stieß auf die oben zitierte Passage mit der Erklärung des Begriffs Universum, yuzhou 宇宙: „Die vier Richtungen des Raums zusammen mit dem, was oben ist und unten, heißen yu 宇, was Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umfasst, heißt zhou 宙.“ Indem er dies las, erlebte Lu eine augenblickliche Erleuchtung und rief: „Das ist die Unendlichkeit. Mensch, Himmel und Erde und alle Wesen finden sich in dieser Unendlichkeit. Alle Angelegenheiten des Universums fallen in den Bereich meiner Pflicht, meine Pflicht schließt alle Angelegenheiten des Universums ein.“ Und bei einem anderen Anlass bemerkte er: „Das Universum ist mein Geist, mein Geist ist das Universum.“

Dies sind nur ein paar Gedanken zu einer simplen Qigong-Übung, um deren Rahmen einmal etwas weiter zu fassen. Die Übungen des heutigen Videos werden damit nicht komplizierter.


Friday, May 7, 2021

Einfache Massage zur Erhaltung der Gesundheit - Alle vier Übungen

Wir befinden uns seit schon über einem Jahr in einer Ausnahmesituation. Die Lage bei uns in Europa bessert sich zwar, doch ist ist sie immer noch angespannter als im Mai des letzten Jahres, und die Pandemie ist bei weitem noch nicht vorbei.

Der Untertitel des Studios der Weißen Wolken gilt immer noch: „Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie“. So sind die vielen Inhalte zu verstehen, die diversen Übungen, angefangen bei den „Heilenden Lauten“ bis zu den derzeitigen „Weichen und Entspannten Übungen“, die Diätratschläge, die verschiedenen Massagen usw.

In China konnte die Pandemie durch die Kombination von westlicher mit traditioneller chinesischer Medizin rasch und effektiv beendet werden, im April letzten Jahres, nach einer Phase des strengen Lockdowns von 40 Tagen, war sie mehr oder minder vorbei. Auch die wenigen lokalen Ausbrüche danach waren durch die Kombination von raschen Lockdowns und kombinierter westlich-chinesischer Therapie rasch unter Kontrolle. Und beim bisher größten Wiederausbruch im Jänner in der Provinz Hebei kam dann aufgrund ihrer hohen Effektivität ausschließlich nur mehr die TCM zum Einsatz.

Was können wir daraus lernen? Ich bin kein Arzt, es wäre nicht seriös, würde ich die konkreten Kräuterrezepturen, die in China verwendet wurden und im Bedarfsfall immer noch eingesetzt werden, hier auflisten. Diese können und dürfen nur unter Aufsicht eines TCM-Arztes eingenommen werden. TCMconnect, die Initiative österreichischer TCM-Ärzte zur Covid-Prävention, Begleitung und Nachsorge ist die entsprechende Adresse hierfür. Hier ist noch einmal der Link zu TCMconnect.

Doch gibt es auch chinesische Corona-Behandlungsprotokolle jenseits der Kräutermedizin, auch diese haben für uns eine Relevanz und sind vielfach sehr praktikabel. Darum konzentriere ich mich hier auf dem Blog vor allem auf diese Qigong-, Diät- und Massage-Methoden.

Die „Selbstmassagen zur Erhaltung der Gesundheit“, zu denen ich schon ein paar Videos und Postings hier auf dem Blog gemacht habe, gehören z.B. zu den einfachen adjuvanten Corona-Behandlungsmethoden chinesischer Spitäler.

Auf Chinesisch heißt die Methode die „Massage der Acht Schwachstellen“ (ba xu 八虚). Xu 虚 heißt wörtlich leer, hier übersetzt man das Wort am besten als „erschöpft“,  „geschwächt" oder „schwach“. Im Numinose Achse" (Lingshu 灵枢) genannten Teil des Inneren Klassikers des Gelben Kaisers (Huangdi Neijing 黄帝内经) - im Kapitel „Pathogene Eindringlinge“ (Xieke 邪客) - findet sich die von mir schon in Teilen zitierte relevante Passage bezüglich der „Massage der Acht Schwachstellen“. 

Der Gelbe Kaiser fragt darin den Arzt Qi Bo: „Die Menschen haben acht Schwachstellen, was kann durch sie diagnostiziert werden?“ Qi Bo erwidert: „Krankheiten der inneren Organe“. Auf weiteres Nachfragen des Gelben Kaiser erkärt Qi Bo: „Pathogenes Qi, das Lunge und Herz angegriffen hat, sammelt sich in den Ellenbeugen, pathogenes Qi, das die Leber angegriffen hat, sammelt sich in den Achselhöhlen, pathogenes Qi, das die Milz angegriffen hat, sammelt sich in den Hüften, und pathogenes Qi, das die Niere angegriffen hat, sammelt sich in den Kniebeugen.

Die Acht Schwachstellen sind Angelpunkte, an denen die Gelenke gestreckt und gebeugt werden, es sind wichtige Orte, die vom Zhenqi (真气) durchflossen und von den Blutgefäßen durchzogen werden. Pathogenes Qi und Blut dürfen sich dort nicht verfangen oder stagnieren, sonst werden Meridiane, Sehnen und Gelenke verletzt. Die Bewegungsfähigkeit der Gelenke leidet in Folge und es kann zu Krämpfen kommen.“

Soweit das Lingshu. Im weiteren zitiere ich Dr. Xie Zhanqing 谢占清 vom Zweiten Krankenhaus für Integrative Westliche und Traditionelle Chinesische Medizin der Stadt Baoding in der Provinz Hebei:

„Die Massage der Acht Schwachstellen ist sehr vielseitig, einfache Erkältungen bis hin zu schweren Krankheiten können damit behandelt werden. Darüber hinaus ist sie auch eine sehr effektive Methode zur generellen Unterstützung der Gesundheit.

Xie zhi suo cou, qi qi bi xu 邪之所凑,其气必虚. Dies ist ein Leitsatz der TCM: „Wo sich pathogenes Qi sammelt, ist das (körpereigene) Qi notwendigerweise geschwächt."

Erschöpfung und Schwäche (xu 虚) sind wie das schwache Glied einer Kette. Bei einer Krankheit kommen meist innere und äußere Ursachen zusammen. Der Mangel an Zhengqi (正气 aufrechtes, gesundes Qi) ist die innere Ursache der Krankheit, das eingedrungene pathogene Qi (xieqi 邪气) stellt wiederum eine wichtige Bedingung dafür dar, dass sich eine Krankheit überhaupt manifestiert.

Das Coronavirus ist als heißes (manchmal auch kaltes) und feuchtes toxisches Qi qualifiziert. Um einer Coronainfektion vorzubeugen bzw. um diese zu behandeln, müssen die Verbreitung des pathogenen Qi kontrolliert und das gesunde, aufrechte Qi des Körpers verbessert werden.

Es ist das Yang des menschlichen Organismus, das die Hitze-, Kälte- und Feuchtigkeits-Pathogene des Coronavirus bekämpft, deshalb ist die Stärkung des Yang eine Schlüsselmaßnahme zur Corona-Vorbeugung, Behandlung und Rehabilitation.

Im „Yixiao Michuan" (医效秘传 „Geheime Überlieferung medizinischer Wirkungen") heißt es: „Bewegung erzeugt Yang, Ruhe erzeugt Yin". Darum ist die Klopfmassage der Acht Schwachstellen eine geeignete, bewegte (Yang), regulative Behandlung von durch das Coronavirus ausgelösten Lungenentzündungen.

Durch die Ellenbeuge verlaufen der Herz-, der Herzbeutel- und der Lungenmeridian. Ist der Fluss dieser drei Meridiane blockiert, entstehen unmerkliche Schädigungen an Herz und Lunge, was zu Erkrankungen dieser beiden Organe führt. Zerstreut man das stagnierende pathogene Qi (des Herzens und der Lunge) durch Klopfen der Ellenbeugen, dann kann sich das gesunde Qi erholen und das pathogene Qi findet keinen Ort mehr, sich festzusetzen.

Ein Prinzip der traditionellen chinesischen Medizin besagt: San fen zhi, qi fen yang 三分治,七分养 „Drei Teile Behandlung und sieben Teile Pflege“. Basierend auf diesem Prinzip wurde diese Massage zur unterstützenden Behandlung von Corona-Patienten ausgewählt.

Geklopft wird mit der leicht gewölbten Handfläche. Durch die Massage werden eine Reihe komplexer biochemischer Prozesse angeregt, durch die Giftstoffe aus den tiefen Körperschichten an die Oberfläche geholt und ausgeleitet werden. Dies verbessert die Immunantwort des Körpers und stabilisiert die Gesundheit.

Meine Patienten werden instruiert, gleich morgens nach dem Aufstehen die Acht Schwachstellen zu beklopfen, jede Stelle zumindest 30 Mal, und dies nach Möglichkeit während des Tages zu wiederholen. Sie lernen damit, selbständig pathogenes Qi auszuleiten und das gesunde Qi zu stärken. Mit der Zeit erzielen viele von ihnen gesundheitliche Wirkungen, die ihre Erwartungen und Vorstellungen bei weitem übertreffen."
 
Hier ist das schon angekündigte Video mit allen vier Selbstmassagen zur Erhaltung der Gesundheit.


Wednesday, May 5, 2021

Qigong im Grünen - Die ersten drei Weichen und Entspannten Übungen

Heute ist Lixia 立夏 - Sommerbeginn", einer der 24 Jieqi 节气, der 24 Stationen der Sonne im Jahreslauf (die Sonne steht heute genau am Nordost-Punkt der Ekliptik).

Der Morgen war schön genug, darum wurde das Studio der Weißen Wolken nach draußen verlegt, unter einen blauen Himmel ins Grün des Wiener Augartens, für ein Übungsvideo mit den ersten drei der Weichen und Entspannten Übungen.

Das Foto, das ich auch als Thumbnail für das Video verwendet habe, entstand anlässlich eines Besuchs bei Prof. Xia Shuangquan 夏双全, Kerrys Lehrer für Medizinisches und Klinisches Qigong. Es zeigt einen Teil des Kräutergartens der TCM-Universität Guangzhou.

 

Monday, May 3, 2021

Die Weichen und Entspannten Übungen - Dritte Übung

Hier ist die dritte der „Weichen und Entspannten Übungen".

Ein vorgestellter Ball aus Qi wird zwischen den Händen gehalten, zuerst nach links und rechts bewegt, und dann mit einer Hand gehoben, während die andere Hand nach unten drückt.

Durch diese Übung werden die Qi-Funktionen der inneren Organe, insbesondere das Qi von Niere, Milz und Magen, unterstützt und reguliert.

Das Ende des Videos ist etwas abrupt. Es gab kleinere Probleme, das plötzliche Ende war so nicht beabsichtigt. :)


Saturday, May 1, 2021

Einfache Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit - Teil 4

Der vierte Teil der einfachen Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit. Im Lingshu 靈書 heißt es  Befindet sich xieqi 邪氣 (pathogenes Qi) in den Nieren, so stagniert es in den Kniekehlen.“

Die Massage der Kniekehlen bringt nicht nur das stagnierende Qi in Bewegung, man stärkt auch das Qi der Nieren und kann Schmerzen im unteren Rücken behandeln. 

Man massiert ein paar Minuten lang. Man verwendet wieder die Handflächen beider Hände, um mittels leichten Klopfens oder Schlagens zu massieren. Die Wärme in den Handflächen hilft, die Meridiane durchgängig zu machen. Nicht zu stark klopfen oder schlagen, um die Haut nicht zu verletzen. 

In der Kniekehle befindet sich ein wichtiger Akupukturpunkt weizhong 委中 (der 40. Punkt des Blasenmeridians, in der Mitte der Kniekehle), der mittels der Massage stimuliert wird. Ein Merksatz von Qigong und TCM sagt: Bei Schmerzen im Rücken, suche weizhong." Sowohl akuter als auch chronische Rückenschmerzen können über diesen Punkt behandelt werden.

Bei all den vier Massagen gibt es auch einen zusätzlichen Effekt. Durch Verwenden der Handflächen werden die vielen Akupunkturpunkte der Hand sowie die sechs Handmeridiane (Lunge-, Herzbeutel-, Herz-, Dickdarm-, Dreifacher Erwärmer- und Dünndarm-Meridian) aktiviert, indirekt durch die Vernetzung der Bahnen und den Kreislauf des Qi durch den ganzen Körper auch die sechs Fußmeridiane (Milz-, Leber-, Nieren-, Magen, Gallenblasen- und Blasen-Meridian. Diese Massage wirkt somit lokal und auch als Behandlung für den gesamten Körper.

Wie bei den anderen Massagen braucht es nicht viel Aufwand, man massiert ein paar Minuten lang. Die Anfangsintensität der Massage sollte eher gering sein, mit der Zeit kann sie die etwas erhöht werden. Der Effekt stellt sich nicht sofort ein, bei regelmäßiger Massage wird er jedoch immer mehr spürbar. 


Eine Qigong-Übungsstunde

Es ist schon einige Zeit her, dass ich eine ganze Qigongstunde zum Mitüben gepostet habe. Heute ist es wieder einmal soweit. Das heutige Vid...