Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Sunday, May 31, 2020

Chinesisches Puppentheater


Heute kein Posting zu Qigong, sondern zur Auflockerung ein kurzes chinesisches Schattentheaterstück - Die Maus und die Katze - und dazu eine chinesische Kurzdokumentation über das Schattentheater eines Dorfes in der Nähe des Huashan. Der Huashan ist der westliche der Fünf Heiligen Berge Chinas, und liegt nicht weit entfernt von Xi'an, der alten Hauptstadt Chinas.

Die Doku ist auf Chinesisch, mit englischen Untertiteln, und man bekommt ein bisschen einen Eindruck von dieser uralten Tradition, die in der Moderne mit dem  Überleben zu kämpfen hat.

Zu Beginn der Dokumentation sieht man kurz eine wild anmutende Musiktruppe. Das sind Bauern aus einem Dorf dieser Gegend. Ihre Musik (Huayin Laoqiang 华阴老腔) wurde früher nur hinter dem Schattenspielvorhang gespielt wurde, als Begleitung des Schattenspiels.

Erst in den letzten Jahren traten sie auch unabhängig vom Schattentheater auf, und sie erlangten internationale Bekanntheit, als die weltberühmte Pipa-Virtuosin Wu Man mit ihnen in Amerika und Australien auftrat (das auch, um ihnen auf diese Art in China mehr Wertschätzung zu verschaffen).

Hier vorerst einmal das harmlose kleine Spiel von Katze und Maus und die Doku über das Schattentheater aus Shaanxi:






In China gibt es eine wunderbare und äußerst reichhaltige Puppentheater-Tradition, die, was in der chinesischen Dokumentation nicht erwähnt wird, in einer engen Beziehung zum Daoismus steht. Das Theater ist ursprünglich nicht für die Unterhaltung der Menschen gedacht, sondern die Aufführungen dienen bei Tempelfesten der Unterhaltung der Götter.

Das Puppentheater hat wichtige sakrale Funktionen. Aufführungen werden zur Danksagung an die großen Mächte des Himmels und der Erde abgehalten, bei Begräbnissen, sie haben eine exorzistische Funktion, als übelwollende Dämonen und Geister durch die Puppen vertrieben werden und noch einiges mehr.

Wenn wir von Tempeln hören, dann denken wir oft an Klöster, oder an daoistische oder buddhistische Gemeinschaften, die dort zuhause sind. Das sind Tempel aber nicht. Tempel sind keine Klöster. Und nur sehr selten ist ein Tempel ein daoistischer oder buddhistischer Tempel (es gibt sie schon, aber eben nur selten). Tempel sind vielmehr heilige Orte, die Gottheiten (oft lokalen) geweiht sind. Und es gibt eine Unzahl an Tempeln. Vor der kommunistischen Revolution, trotz all der Attacken und Zerstörung, die sich gegen die traditionelle Kultur richtete (diese begannen nicht erst in der Volksrepublik, sondern schon viel früher, gegen Ende der Kaiserzeit) gab es in China eine Tempeldichte von einem Tempel pro ca. 400 Einwohnern. Und heute, im kommunistischen, säkularen China, nach all dem, was in den letzten 130 Jahren passiert ist, wird diese Zahl schon wieder fast erreicht.

Tempel werden üblicherweise von den Handwerkergilden betrieben oder von den lokalen Gemeinschaften (Dorf, Stadtviertel, Straße etc.) und dienen vielen Zwecken, geistigen, religiösen, kulturellen, praktischen. Einerseits wird die lokale Geschichte dort überliefert, die jungen Leute lernen diese dort kennen. In den Theateraufführungen bei den Festen wird die lokale Geschichte (die in vielen Aspekten auch heilige Geschichte ist) immer von neuem durchlebt. Tempel dienen rituellen Zwecken. Die Führer der Gemeinschaften laden Spezialisten ein, daoistische Priester oder buddhistische Mönche, oder beide, um zu bestimmten Anlässen Rituale abzuhalten, Opferrituale, Reinigungsrituale, Rituale für die verwaisten Seelen (das sind diejenigen, die eines vorzeitigen Todes gestorben sind), Beerdigungsrituale etc. In den Tempeln werden junge Leute als Medien ausgebildet, um als Mittler zu dienen zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Götter und Dämonen. Aber es geht auch um alltägliche Dinge. Die jährlich gewählten Tempelvorsteher beschließen, wer in der Gemeinschaft finanzielle Unterstützung braucht, oder sie planen gemeinschaftliche Projekte wie Straßen- oder Brückenbau. Ich schreibe hier frei von der Leber weg, es fehlt sicher noch einiges in dieser Aufzählung.

Auf jeden Fall ist das ein Aspekt des chinesischen Lebens, der bei uns nicht so bekannt ist. Ein sehr lebendiger Aspekt. Ich habe in Taiwan studiert, einem durch und durch modernen Land, dort sind diese Traditionen noch sehr lebendig. Wie in Hongkong, wie in Singapur. Man nimmt diese Dinge nur nicht so leicht wahr, weil wir, wenn es um religiöse oder geistige Inhalte geht, von dem ausgehen, was es bei uns gibt und vor allem, in welcher Form es sich bei uns präsentiert. In China schaut Religion oft sehr profan aus, darum wird sie oft nicht als das erkannt, was sie eigentlich ist, wie bei den Theateraufführungen oder den großen Prozessionen, bei denen es laut und hitzig zugeht, mit viel Lärm, Krawall und Spaß.

Zurück zum Theater. Es ist in erster Linie für die Götter da. Die Götter werden unterhalten, und es gibt eine Reihe von rituellen Funktionen der Schauspiele.  Ein Puppenmeister aus Singapur meint, dass heutzutage zwar bei den Aufführungen oft nur wenig Publikum anwesend sei, was man aber nicht sehen könne, seien die Scharen der Götter, die zu den Aufführungen kämen. Dafür sei das Theater da, und für diese werde er die Tradition auch weiterführen, auch wenn das Interesse der gewöhnlichen Leute abnehme.

Was ich hier geschrieben habe, sind eigentlich nur ein paar zerstreute Bemerkungen an einem regnerischen Sonntag. Zur besseren Schilderung, was das Puppenthater in der chinesischen Kultur bedeutet, möchte ich hier einen kurzen Ausschnitt aus Kristofer Schippers „Corps Taoiste“ übersetzen:

Daoistische Meister geben manchmal Vorstellungen als Puppenspieler. Die von ihnen aufgeführten Marionetten-Stücke werden von manchen als das älteste Theater Chinas angesehen. Die Bande zwischen Religion und Drama sind vielfältig. Wir haben gesehen, wie diese auf die Bühne gebrachte heilige Geschichte einen Teil der religiösen Festivitäten darstellt. Tatsächlich waren vor nur 100 Jahren professionelle Theatertruppen in China eine Seltenheit; üblicherweise waren die Zeit und der Ort, Vorstellungen zu sehen, bei Festen, auf Freiluftbühnen die vor den Tempeln aufgebaut wurden. Auch heute, dort in China, wo die Religion offen praktiziert wird, gibt es kein richtiges Fest ohne Theater.

Das Theater hat eine liturgische Funktion, wobei die Vorstellungen in zwei Teile geteilt werden, von denen der erste rein rituell ist. Die „Parade der Götter“ oder „Glückverheißendes Spiel“ genannt, besteht dieser aus einer Anzahl kurzer, aufeinanderfolgender, kleiner Stücke: Der Himmlische Hof; das Bankett der Götter (mit dem Affenkönig, der die Pfirsiche der Königinmutter des Westens stiehlt); die Tochter des Himmelskaisers und der fromme Dong Yong; das göttliche Paar als Eltern des Gottes der Musik; und schließlich der Göttliche Amtsträger, der kommt, um der Gemeinschaft seine Glückwünsche zu übermitteln.

Erst nach diesen Vorspiel beginnt die Aufführung der historischen Stücke, die für den Anlass ausgesucht wurden. Diese Stücke stellen zwar kein Ritual dar, aber immer gibt es eine Verbindung zur Religion. So ist z. B. der Schauspieler, der den Herrn Guan im Epos der Drei Reiche darstellt, bestimmten diätetischen und sexuellen Einschränkungen unterworfen. Und so wie es sich ziemt für einen Repräsentanten der Göttlichen Verwaltung, spricht diese Figur ausschließlich im offiziellen Mandarin, selbst dann, wenn das Stück selbst im Dialekt oder in einer Regionalsprache aufgeführt wird.

Die religiöse Rolle ist beim von den Meistern aufgeführten Marionettentheater sogar noch mehr ausgeprägt als beim gewöhnlichen Theater mit menschlichen Schauspielern. Puppen werden selten nur für die Show geholt; ihre Macht ist eine solche, dass sie als unschätzbare Hilfe im Kampf gegen böse Einflüsse angesehen werden. Man ruft eine Theatertruppe, um im Falle von Katastrophen wie Bränden, Überschwemmungen, Dürren oder Epidemien diese Einflüsse zu exorzieren. Truppen kommen auch, um neu gebaute Häuser und Tempel zu reinigen oder um wichtige Opfergaben, entweder für die Gottheiten oder für die verwaisten Seelen, zu heiligen. Das ist möglich, weil die Puppen die Götter nicht nur darstellen: sie sind die Götter.

In der Regel besteht ein Marionettenensembe aus 36 Körpern und 72 Köpfen. Zusammen ergibt das 108, die Zahl, die mit der Gesamtheit der Konstellationen korrespondiert. DIe Puppen stellen deshalb die Essenz des Universums dar. Bevor ein Stück beginnt, werden die Puppen auf dieselbe Weise geweiht wie die Götterstatuen und Ahnentafeln. Sie werden dadurch mit der spirituellen Kraft der Götter durchtränkt, die sie repräsentieren. So furchteinflößend ist ihre Macht, dass niemand zuzuschauen wagt, wenn sie die Dämonen mit Gesängen und Tänzen verscheuchen oder unsichtbare Teufel mit Miniaturwaffen attackieren. Das Orchester spielt, der Meisterpuppenspieler rezitiert heilige Formeln, die Puppen bewegen sich, aber der Platz vor der Bühne bleibt leer und die gewöhnlichen Leute bleiben zuhause, hinter geschlossenen Türen, aus Angst, dass die Dämonen in ihrem Zuhause Zuflucht nehmen könnten, oder sogar in ihren Körpern.

Die Bühne - Bretter und Leinwand - ist ein heiliger Bereich. Rückwärts gibt es einen Altar für den Verehrung der Puppen, die von den Clowns, den mächtigsten unter ihnen, repräsentiert werden. In den vier Ecken der Bühne rufen talismanische Symbole, in heiligen Schriftzeichen auf gelbe Papierbänder geschrieben, die Schutzgottheiten an, dass sie kommen und die Bühne umgeben mögen. Ein fünftes Symbol, vom Meisterpuppenspieler getragen, korrespondiert mit dem Zentrum des heiligen Bereiches. Hier auf der Bühne, im Herzen des Mikrokosmos, steht er und bildet die Hauptachse. Er ist der Vermittler zwischen den Sphären der Götter und der Menschen, der unsichtbare Meister, der die Puppen (vor allem die Clowns) die exorzistischen Gesten ausführen lässt, Gesten, die zu anderen Anlässen von ihm selbst oder von den von ihm geleiteten Medien ausgeführt würden.

All dies ist verknüpft: die Struktur, die die Beziehung zwischen Puppenmeister und Puppe beherrscht - zwischen dem einen, der im Schatten der die Fäden zieht und dem anderen, der die Mitte der Bühne einnimmt und während der Dauer der Show die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zieht - ist dieselbe Struktur, die sich in der Beziehung zwischen Meister und Medium findet, zwischen Menschen und Göttern. Die Götter sind die Puppen. Die Statuen in den Tempelnischen haben oft bewegliche Glieder, gleich den in Prozessionen auftretenden Figuren wie „Weiße Unbeständigkeit“ und „Schwarze Unbeständigkeit“. Sie sind vollkommen ausgestattet, mit Unterwäsche, Schuhen, Röcken und Hüten, Fächern und Szeptern. Sie können umherbewegt und an ihren Geburtstagen an Tische gesetzt werden, um richtige Festmähler zu erhalten. In diesem Spiel spielen die Menschen mit den Göttern, und der Tempel wird zu einem großen Puppenhaus.

Friday, May 29, 2020

Kerrys Suppe mit Kudzu und Mais - “Ge Gen Yu Mi Tang” 葛根玉米汤


Dies ist ein einfaches Rezept, für die Zeit, wenn das kühlere Frühlingswetter in die wärmeren Sommertage übergeht. Durch den Klimawandel ist es zu dieser Zeit bei uns oft zu trocken, oder das Wetter ändert sich häufig und wechselt zwischen ungewöhnlich kühl und ungewöhnlich heiß.

Das Qi des Körpers, insbesondere das Qi der Verdauung, kann in Übergangszeiten oder in Zeiten wechselhaften Wetters leicht aus dem Gleichgewicht geraten. Durch den Klimawandel verstärkt sich dieser Effekt, als TCM-Ärztin kann ich dies seit Jahren beobachten.

Sowohl der Klimawandel als auch die Covid-19-Pandemie sind klassische Beispiele für ein Umfeld, das die TCM als „extrem“ und „unbeständig“ charakterisiert, und bei dem der Mensch sein Qi täglich regulieren und ausgleichen muss, um seine Gesundheit zu erhalten.

Diese medizinische Suppe befeuchtet und schützt das Yin. Besonders schützt sie die Lunge, befeuchtet Augen, Nase und Rachen, befreit den Körper von leichter Hitze, beruhigt und öffnet den Magen, und erzeugt einen gesunden Appetit. Von den Qi-Eigenschaften her gesehen ist die Suppe von neutraler Temperatur und von leicht süßlichem Geschmack.



Zutaten:

12g Kudzu (Ge gen 葛根 - puerariae radix)
2 Maiskolben, in 3-4 cm Scheiben geschnitten (tiefgefrorener Mais kann als Ersatz verwendet werden, siehe Bemerkung weiter unten)
9g Citri reticulatae Pericarpium - Chen Pi 陈皮 (getrocknete Mandarinenschale), 20 Minuten in kaltem Wasser eingeweicht
80g getrocknete rote Adzuki-Bohnen, über Nacht in kaltem Wasser eingeweicht
80g getrocknete grüne Mung-Bohnen, über Nacht in kaltem Wasser eingeweicht
2 Liter kaltes Wasser




Zubereitung:

Bohnen und Chen Pi abtropfen lassen und und zusammen mit den restlichen Zutaten und dem kalten Wasser in einen großen Topf geben.

Bei starker Flamme zum Kochen bringen, dann abdecken und auf kleine Flamme reduzieren. Etwa 2 Stunden (oder länger) köcheln lassen, langsam, bis die Bohnen vollständig weich und zerfallen sind und die Flüssigkeit so weit reduziert ist, dass die Suppe eine cremige Textur hat.

Die Suppe wird in China so gegessen, dass man die Maiskolbenstücke herausnimmt und die Maiskörner vom Kolben isst, während man die Suppe trinkt.

Die Suppe wird ohne Salz zubereitet und kann auch so gegessenwerden. Oder man salzt sie etwas, wenn sie fertig ist. Keine anderen Gewürze dazugeben!

Die Suppe schmeckt etwas süß, sodass sie sich auch als Nachspeise eignet. In diesem Fall kann man etwas Zucker hinzufügen.



Erklärung der Zutaten:


Kudzu wird in der japanischen Küche verwendet. In Asiengeschäften oder auch Bioläden ist Kudzu üblicherweise leicht erhältlich. Links ist ein Foto von Kudzu der Bio-Marke „Arche“, es gibt auch andere Marken. Kudzu ist nicht billig, aber es ist eben Medizin und man braucht nicht viel. Der chinesische Name ist Ge gen 葛根 und es ist ein wichtiges Kraut der Materia Medica. Es tritt in die Meridiane von Milz und Magen ein und „hebt das klare Yang-Qi“, damit kann es die in den Muskelschichten des oberen Rückens, der Schultern und des Nackens eingeschlossene Wärme lindern. Es unterstützt das Qi des Magens und erzeugt Körperflüssigkeiten, da es von Hitze befreit und den Durst lindert.


Beim Mais ist es am besten, die ganzen Kolben zu verwenden. Yin- und Yang-Aspekt des Qi werden so ausgewogener genährt, da gleichzeitig das Qi der Verdauung reguliert und genährt und die Lunge befeuchtet werden. Man kann als Ersatz auch tiefgefrorenen Mais nehmen, der ist immer noch eine gute Zutat, die das Yin tonisiert und die Qi-Wirkung des gesamten Rezepts unterstützt.


Chen Pi 陈皮, citri reticulatae pericarpium, sollte man von einer seriösen TCM-Apotheke kaufen, um sicherzustellen, dass es nicht verunreinigt ist und korrekt hergestellt wurde. Chen Pi ist eines der am häufigsten verwendeten Arzneimittel der chinesischen Materia Medica und wird häufig in Kräutergetränken und Suppen verwendet. Es gelangt in die Meridiane von Lunge, Milz und Magen, stärkt das Milz-Qi, fördert und reguliert den Fluss von Qi, trocknet Feuchtigkeit und transformiert Schleim.


Die rote Adzuki-Bohne ist eine unglaublich nahrhafte Zutat und ebenfalls Teil der chinesischen Materia Medica. Sie gelangt in die Meridiane von Herzen und Dünndarm und befreit von feuchten Ödemen und feuchten Hitzetoxinen. Sie fördert das Magen-Qi und lindert den Durst.

Die grüne Mung-Bohne besitzt in der Materia Medica eine ähnliche Wirkung wie die Adzuki-Bohne, da sie Sommerhitze klärt und Reizbarkeit und Durst lindert. Sie tritt in die Meridiane von Herz und Magen ein und wird häufig in Kräutertees, Suppen und Reis-Porridge verwendet. Traditionell wurden getrocknete Mungbohnen auch als Kissenfüllung verwendet, gut für Augen und Ohren und um durch „Wind“ hervorgerufene Kopfschmerzen zu behandeln.





Thursday, May 28, 2020

Qigong und Chinesische Medizin - grundlegende Prinzipien




Zur allgemeinen Information. Die Zeit vergeht, wir sind jetzt schon in der 11. Woche dieser unserer Initiative. Kerry und ich werden noch einen Monat weitermachen, also bis Ende Juni. Die Lage hat sich zur Zeit zwar ziemlich entspannt, doch das ändert nichts an der Wichtigkeit der Inhalte. Mit dem Covid-19-Virus müssen wir doch vermutlich noch lange Zeit leben. 

Ich möchte mich hier wieder einmal auf unseren Lehrer Prof. Lin Zhongpeng berufen. Ich zitiere ihn immer wieder, stellt er doch seit Jahrzehnten eine der wichtigsten theoretischen Stimmen des Qigong dar. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeit erhielt Qigong 1979 von der chinesischen Staatsführung die Zulassung, öffentlich unterrichtet und praktiziert werden zu können, er leitete von 1982 bis 1999 das Qigong College for Advanced Studies in Beijing, die einzige unabhängige Ausbildungsinstitution  in China, und er war es, der zusammen mit Dr. Deng Tietao die chinesische Staatsführung umstimmte und erreichte, dass die Chinesische Medizin in der SARS-Epidemie zum Einsatz gebracht wurde und den entscheidenden Beitrag zur raschen Beendigung der Epidemie leisten konnte.

In den Vorträgen, die er im Rahmen unserer Qigong-Fortbildungswochen in Innsbruck hielt, hatte Prof. Lin immer wieder betont, wie wichtig es sei zu verstehen, dass die Chinesische Medizin und Qigong bei Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten mit einem ganz anderen Ansatz arbeiten als die westliche naturwissenschaftliche Medizin. Die gängige westliche Metapher ist der Kampf: der Krankheitserreger muss entweder bekämpft und getötet werden (Bakterien und Viren), oder es muss etwas aus dem Organismus herausgeschnitten werden. „Cut it or weed it“, sagt man auf Englisch. 

Nicht so in der Chinesischen Medizin und im Qigong. Krankheiten bzw. Krankheitserreger werden nicht bekämpft, es werden vielmehr Beziehungen innerhalb eines Systems in Ausgleich gebracht. Es geht um Anpassung und Ordnung. Chinesische Medizin und Qigong verstehen den Organismus als eine Ganzheit, als ein komplexes Netzwerk innerer Aktivitäten und Beziehungen (das ist das Qi). Eine Ganzheit, die in ein weiteres Umfeld, in eine weitere Ganzheit eingebettet ist (einerseits der Ort an dem man lebt, mit seinem Klima, seinem Wetter und all den anderen spezifischen Qualitäten eben dieses Ortes, andererseits auch die Gesellschaft, in der man lebt. Beide repräsentieren wiederum bestimmte Aspekte des Qi). Dieses Umfeld ist wiederum in das große Ganze der Erde (des Planeten) eingebettet. Und so weiter, bis man beim Dao als dem größten Zusammenhang angelangt ist. 

Wenn es um Gesundheit und Krankheit geht, sind es natürlich die engeren Beziehungsfelder, auf die man sich konzentriert, also das Qi im Inneren des Organismus und das Qi des Umfelds. Diese Beziehungsfelder werden analysiert, um herauszufinden, wo das System von seinem geordneten Funktionieren, von seiner geordneten Aktivität abgewichen ist. Die äußerst komplexe Kunst der Diagnostik der Chinesischen Medizin kommt hier ins Spiel. Die korrekte Diagnose gibt vor, wie vorgegangen werden muss, um das System wieder in Gleichgewicht zu bringen (wie das bewegte Beziehungsgefüge des Qi zurechtgerückt werden kann). Stimmt die Diagnose, dann findet das Qi zu seinem Funktionieren zurück, Krankheiten bessern sich und verschwinden. Eine naturwissenschaftliche Analyse eines Krankheitserregers ist hierbei nicht nur nicht notwendig, sondern wäre gar nicht hilfreich, da sie ja auf einem anderen Referenzsystem beruht.

In seinen Vorträgen hatte Prof. Lin die große Stärke der Chinesischen Medizin thematisiert, nämlich  qualitativ beschreiben zu können, wie die individuelle Gesundheit beschaffen ist bzw. wie sich im Krankheitsfall das individuelle Funktionieren des Qi ändert (beides leistet die Chinesische-Medizin-Diagnose) und wie der Organismus durch das Ordnen der Qi-Aktivitäten die nötige Kraft entwickeln kann, von selbst mit einer Krankheit fertig zu werden, sie also entweder kontrollieren oder vollkommen loswerden zu können.

Damals, vor 17 Jahren, hatte er auch vorausgesagt, dass sich einmal eine Situation ergeben würde wie die, mit der wir es jetzt zu tun haben, dass nämlich ein Virus zirkulieren würde, bei dem die naturwissenschaftliche Medizin keine oder nur begrenzte Möglichkeiten der Therapie haben würde. In so einem Fall war und ist es der große Vorteil der Chinesischen Medizin, dass sie augenblicklich reagieren kann und nicht erst auf die Antwort der Forschung (Impfung, Entwicklung einer Therapie) warten muss.

Damit kein Missverständnis entsteht, ich bin in keinster Weise gegen die naturwissenschaftliche Medizin eingestellt und schreibe hier nicht gegen sie an. Ich mache nur ein paar grundsätzliche Aussagen zu Chinesischer Medizin und Qigong und versuche zu zeigen, dass deren Potential viel größer ist als gemeinhin angenommen und sie auch in der modernen Welt einen sinnvollen Platz einnehmen könnten. Dazu muss man aber Vorurteile beiseitelegen und sie aus ihren eigenen theoretischen Hintergründen zu verstehen suchen.

In den chinesischen Medien ist in den letzten Jahren immer wieder die Zahl 321 gefallen. Die Chinesen sind sehr geschichtsbewusst: 321 ist die Zahl der Epidemien, die sich in den letzten 2000 Jahren in China ereignet haben und aufgezeichnet wurden. Jede dieser Epidemien wurde mittels der Chinesischen Medizin beendet. Und nicht nur das, nach jeder großen Epidemie entstand ein medizinischer Klassiker, geschrieben von Ärzten wie Zhang Zhongjing 张仲景 (150-219): Shanghan Zabing Lun 伤寒杂病论 (Diskussion über die kälteinduzierten Krankheiten); Li Dongyuan 李东垣 (1180-1251) und Luo Tianyi 罗天益 (1220-1290); Wu Youke 吴又可 (1582-1652): Theorie der Wärmekrankheiten; Ye Tianshi 叶天士 (1667–1747): Diagnostik der Vier Schichten Wei 卫, Qi 气, Ying 营, Xue 血; Wu Jutong 吴鞠通 (1758-1836): Dreifache-Erwärmer-Diagnostik. Die genannten sind nur einige wenige Ärzte unter vielen.

Die Epidemien führten nicht nur dazu, dass sich der Kanon der Chinesischen Medizin Kompendium um Kompendium erweiterte, alle diese Ärzte entwickelten auch Kräuterrezepturen, die in den damaligen Epidemien zum Einsatz kamen, Rezepturen, die auch heute noch aufgegriffen und mit den notwendigen Adaptionen und Modifikationen verwendet werden. Dr. Deng Tietao meinte einmal: Die Chinesische Medizin ist eine Medizin der Gelehrten. Es geht darum, den Gedankenprozess zu verstehen, durch den eine Rezeptur erstellt wird. Versteht man diesen, dann kann man auch 1800 Jahre alte Rezepturen in einem zeitgenössischen Kontext erfolgreich zur Anwendung bringen. So ist es auch dieses Jahr geschehen. Manche unter den in den letzten Monaten in China verwendeten Rezepturen gehen auf Zhang Zhongjing zurück, andere stammen von Wu Youke und Wu Jutong. Und diese Rezepturen waren in der Behandlung des Covid-19-Virus äußerst erfolgreich, der Staatsrat der Volksrepublik spricht in seinen öffentlichen Verlautbarungen von einer über 90%en Wirksamkeit der Behandlungen. Diese Wirksamkeit hat nun auch dazu geführt, dass für die Chinesische Medizin, die in China zwar im Verfassungsrang steht, von offizieller Seite aber nicht respektiert (weil nicht „wissenschaftlich“) und meist behindert wird, vor ein paar Wochen eine neue, ihren eigenen Kriterien gemäße Administrationsstruktur geschaffen wurde. Manche gehen sogar so weit zu sagen, dass der phänomenale Erfolg der Chinesischen Medizin in der Covid-19-Pandemie zu ihrer Wiedergeburt in China geführt habe.

Zurück zu Prof. Lin und seinen Aussagen zu Chinesischer Medizin und Qigong. Man muss sich bewusst machen, was man tut, wenn man Qigong übt oder zum Arzt für Chinesische Medizin geht. Es geht nicht um die Bekämpfung einer Krankheit, sondern um die Ordnung des Qi, um die Regulierung des Systems und seiner Aktivitäten, um das Gleichgewicht von Yin und Yang (auch wenn dieser Ausdruck etwas unglücklich ist, geht in ihm doch verloren, dass es um die Yin- und Yang-Qualitäten der Qi und seiner Aktivitäten geht und nicht darum, dass man so und so viele Teile Yin und Yang auf die Waage legt und austariert).

Ordnung bzw. Regulierung heißt, dem Qi zu seiner natürlichen Qualität, seinem natürlichen Fluss und seinem natürlichen Rhythmus zu verhelfen. Der natürliche Fluss bedeutet einen Prozess geordneter Aktivität, der auch bei sich wandelnden Qualitäten des Umfelds stabil zu bleiben vermag. Die Qualitäten des Raums (wo man sich befindet, an welchem Ort, unter welchen Umständen) und der Zeit (Tag, Monat, Jahr, himmlischer Stamm - tiangan 天干, irdischer Ast -dizhi 地支, Jahreszeit, Wetter etc.) wandeln sich; Regulierung heißt, dass der Organismus inmitten dieses allgemeinen Wandels stabil bleibt, indem sich sein Qi an die äußeren Bedingungen anpasst. 

Eine Behandlung mittels Chinesischer Medizin hilft dabei, sozusagen von außen. Qigong hilft ebenfalls, die Methode basiert ja auf denselben Zusammenhängen, doch die Wirkung entsteht von innen. Da man es selbst ist, der übt, kommt noch ein wesentlicher Aspekt von Yin und Yang dazu: der von Körper und Geist, sichtbarer Materie und unsichtbarem Qi. Das Verhältnis und die wechselseitige Regulierung von Geist und Körper ist von entscheidender Bedeutung im Qigong. Der Körper ist Yin (greifbar, Substanz), der Geist ist Yang (ungreifbar, Funktion). Beide sind Qi und stellen die einander gegenüberliegenden Pole eines Kontinuums dar. Darum heißt es: Yin cheng xing, yang hua qi. 阴成形, 阳化气. Yin wird zu Form, Yang transformiert zu Qi.

Die Regulierung im Qigong muss demgemäß beide Ebenen einbeziehen, die körperliche wie auch die geistige. Darum sind auch Kerrys Texte über die Drei Prinzipien des Übens so wesentlich. Auf der körperlichen Ebene erfolgt die Regulierung durch Entspannung, Lockerung und Bewegungen, auf der geistigen durch Ruhe, Stille und Meditation. Und es gibt auch eine Ebene dazwischen, über die Körper und Geist kommunizieren (unter anderem Inhalt der Übungen der Heilenden Laute): die innere Bewegung des Atems und des Qi. 

Was die drei Prinzipien betrifft, gibt es eine klare Hierarchie: das körperliche Tun und die Bewegung des Atems/Qi sind der geistigen Regulierung untergeordnet, sie dienen dem Erreichen der inneren Stille und Leere. 

Sie sind deshalb untergeordnet, weil das geordnete Funktionieren des Qi nicht gemacht werden kann. Es ist ein natürlicher Prozess, dem man die Hindernisse aus dem Weg räumt, der dann aber zugelassen werden muss. Der Prozess geschieht ziran 自然 - von selbst oder aus-sich-selbst. Die Instanz, auf der das natürliche Funktionieren des Organismus beruht, ist nicht der bewusste Geist, sondern der Zustand des inhaltslosen Gewahrseins, der tiefsten Stille und Leere. Im Qigong wird dieser Yuanshen 元神 genannt - ursprünglicher Geist.

Um es anders zu formulieren: Die Bewegungsabläufe im Qigong, die Atemübungen und die Meditationstechniken zielen darauf ab, tief in die Stille und Leere einzutauchen. Zhi xu ji, shou jing du 至虚极, 守静笃, heißt es bei Laozi: „Den Gipfel der Leere erreichen, die tiefste Stille bewahren.“ Hat man sich diese Stille und Leere erübt, dann erlangt das Qi die Kraft, sich von selbst zu ordnen. Die natürliche Ordnung und das natürliche Funktionieren des Qi sind am Ende nicht das Ergebnis eines Tuns (das Tun braucht man vorher, beim Üben und Atmen, und zwar jahrelanges Tun), sondern des Nicht-Tuns (also dessen, was sich ohne Zutun spontan ereignet). Wuwei er wu bu wei 无为而无不为 - „Nicht-Tun und nichts bleibt ungetan.“ Dies ist die höchste Ebene des Qigong, die sowohl einer stabilen Gesundheit entspricht als auch, im traditionellen chinesischen Verständnis, dem Zuhause-Sein im großen Sinnzusammenhang des Alls.

Doch wir brauchen nicht ehrfurchtsvoll zu diesen lichten Höhen hochzublicken. Auch wenn man sich nicht ganz so tief in die Stille und Leere findet, erweist sich Qigong im Alltag, im täglichen praktischen Üben für jeden, der die Methode ernst nimmt, als sehr hilfreich. Qigong wirkt von Anfang an, auch wenn man vielleicht nicht alle seiner Möglichkeiten realisiert. Fühlt man sich beim Üben wohl, wird man Übungen auch regelmäßig praktizieren und allmählich die Fähigkeit zu mehr Lockerheit, mehr Entspannung und mehr Ruhe entwickeln können. Damit beginnt sich die Gesundheit ganz von selbst zu verbessern. Aber nicht deswegen, weil man ein Problem oder eine Krankheit gezielt behandelt und beseitigt hat, sondern weil man die Fähigkeit des Organismus (des Qi) unterstützt und gestärkt hat, zum natürlichen ausgeglichenen Funktionieren zurückzufinden und in diesem dann auch zu verweilen (man könnte hier auch sagen: sich selbst zu heilen. Der Ausdruck "Selbstheilung" ist jedoch mit zu unklaren Vorstellungen befrachtet, darum habe ich hier anders formuliert). 

Aus oben Gesagtem geht auch hervor, was ich ganz zu Beginn einmal gemeint habe: jede Qigong-Übung hilft. Wir haben uns in diesen Wochen den Heilenden Lauten gewidmet, und all die anderen Inhalte um diese Übungen gruppiert. Aber natürlich kann man auch andere Übungen üben, wir kennen ja genug. Jede Übung ist sinnvoll, die einen in die Stille führt und das Qi dazu bringt, sich mehr und mehr von selbst zu bewegen und zu ordnen. Ich für mich persönlich übe die Heilenden Laute täglich, praktiziere aber auch regelmäßig das Qigong-Gehen, die Fanhuangong-Übungen sowie diverse Massagen. Die Qigong-Meditation ist in diesen Wochen zu kurz gekommen, durch die Arbeit am Blog bin ich einfach zu müde. 

Um nochmals an den Anfang zurückzukommen. Kerry und ich werden mit dem Blog noch einen Monat weitermachen. Es gibt noch weitere Inhalte, die wir auf diesem Wege weitergeben möchten. Nicht nur um in diesen Covid-Zeiten bei besserer Gesundheit zu sein, um sich nicht anzustecken, oder, wenn es wirklich passieren würde, einen besseren Verlauf der Krankheit zu haben. In den Spitälern in China, in denen die westliche Medizin gemeinsam mit der Chinesischen Medizin zum Einsatz kam, ist es fast nie passiert, dass sich die Krankheitsverläufe von Patienten verschlechtert hätten. Das deckt sich auch mit den Erfahrungen 2003 während der SARS-Epidemie.

Also nicht nur darum. Sondern auch deshalb, weil die Covid-19-Pandemie eigentlich eine Kleinigkeit ist gegenüber den großen Veränderungen auf unserer Erde, die sich vor allem durch den sich immer mehr beschleunigenden Klimawandel abspielen. Um die Gesundheit des Menschen inmitten dieses Wandels aufrechterhalten zu können, werden die Chinesische Medizin und Qigong in Zukunft noch viel mehr und dringender gebraucht werden als jetzt während der Covid-19-Pandemie. 

Wenn man mehr vom theoretischen Hintergrund der Chinesischen Medizin und des Qigong versteht, dann wird man vielleicht auch allmählich fähig, die Beziehungen wahrzunehmen (und sie auch denken zu können), die den Menschen mit der Natur und die Menschheit mit dem ganzen Planeten verbinden. Diese veränderte Wahrnehmung und dieses veränderte Denken wären dann nicht allein das Ergebnis eines intellektuellen Prozesses, sondern resultierten vor allem aus dem Erleben des lebendigen Körpers. Aus einem Wahrnehmen der Welt durch die Lebendigkeit des Körpers (des Qi), wodurch sich auch der Blick auf die Wirklichkeit verändert. 

Um eine Zukunft zu haben, brauchen wir beides: eine andere Art, den Körper zu erleben und mit ihm in der Welt zu sein, und eine daraus resultierende, das allgemeine Handeln anleitende Erkenntnis der Beziehungen und Gemeinsamkeiten, durch die der Menschen, auch wenn er es nicht wahrhaben will, mit der Natur und dem ganzen Planeten verbunden ist.

Ich glaube, jeder, der sich etwas tiefergehender mit Qigong und Chinesischer Medizin beschäftigt, leistet auf seine Art einen Beitrag zu einer solchen Zukunft, in der sich die Beziehung von Mensch und Natur nicht destruktiv, sondern konstruktiv und sinnvoll gestaltet.

Wednesday, May 27, 2020

Zhu Heting 朱鶴亭 - Atemübungen


Heute einmal etwas ganz anderes, etwas, das ich schon seit längerem posten wollte: Ein kurzes Video auf Chinesisch, in dem der 93jährige daoistische Arzt Zhu Heting 朱鶴亭 seine Übungsmethode zur Covid 19-Vorbeugung zeigt.

Das Video ist nur auf Chinesisch, darum gebe ich hier eine kurze Zusammenfassung:

Zu Beginn spricht Zhu Heting von der vom Neuen Coronavirus hervorgerufenen Lungenentzündung und wie wichtig es sei, sich zur Vorbeugung mit der Atmung zu beschäftigen. Die chinesische Medizin als ein System traditionellen Wissens, das über unzählige Generationen überliefert und weitergegeben wurde, verfolgt bei einer epidemischen Erkrankung wie der Neuen Coronavirus-Pandemie die Strategie, das Qi des Organismus zu stärken und damit dem Virus das Eindringen zu erschweren, indem die Funktion der Lungen verbessert und die Atmung gekräftigt wird.

In seinen Übungen, die er dreimal täglich ausführt, konzentriert sich Zhu Heting demgemäß auf die Lungen.

Die Akupunkturpunkte, die in seiner Übungspraxis wichtig sind, sind: Tanzhong 膻中 (Brustmitte) und Zhongfu (der erste Punkt des Lungenmeridians, seitlich oben an der Brust unterhalb des Schlüsselbeins) sowie das Dantian mit den drei Punkten Shenque 神阙 (Nabel), Guanyuan 关元 (drei Zoll unter dem Nabel), Zhongji 中极 (ein Zoll über dem Schambein). Im Video zeigt er auf die Punkte. Ein Zoll entspricht der eigenen Daumenbreite, drei Zoll der Breite der vier aneinandergelegten Finger (Zeige-, Mittel-, Ringfinger und kleiner Finger)

Konkret übt Zhu Heting folgendermassen: In der Früh stellt er sich hin, mit dem Gesicht nach Osten, und macht folgende Bewegungen:

Er hebt die Arme, führt sie zur Seite, während er einatmet, dann legt er die Hände auf die Brustmitte und massiert.

Als zweites werden die Hände nach vorne bewegt, zur Seite, nach oben, nach unten usw. (man sieht ja ohnehin, was er tut, darum brauche ich hier ja nicht alle Bewegungen zu schildern). Die Bewegung ist immer mit der Atmung koordiniert: Wenn er hu-shi sagt (man sieht die Zeichen 呼吸 eingeblendet), heißt es einatmen, wenn er tu-qi 吐气 sagt, ausatmen.

Als drittes kommt ein ähnlicher Ablauf, mit mehr Kraft ausgeführt, bei dem auf die Brustmitte und auf das Dantian geschlagen wird, dann kommen wieder Bewegungen in alle Richtungen. Wieder: Wenn er hu-shi 呼吸 oder hsi 吸 sagt, heißt es einatmen, wenn er tu-qi 吐气 sagt, ausatmen.

Und schließlich sind dann noch ein paar weitere ruhig ausgeführte Bewegungen.

Wie gesagt, ich wollte dies schon des längeren posten. Ich glaube, dass doch viele von uns interessiert sind, einem alten Arzt beim Üben zuzuschauen, und eigentlich ist der Videoclip gut genug gemacht, dass man die Übungen auch selbst ausprobieren könnte.



Tuesday, May 26, 2020

Qigong-Selbstmassage: Daling 大陵 und Shenmen 神门


Dies ist eine weitere der Massagen, die uns die daoistische Meisterin Jia Laoshi vor Jahren als Teil ihres Übungsprogramms gezeigt hat. Auch in chinesischen Spitälern wird diese Massage unterrichtet.

Daling 大陵 heißt "Großer Hügel", es ist der 7. Punkt des Kreislaufmeridians, in der Mitte der Handgelenksquerfalte gelegen. 

Seine Qi-Wirkungen sind: Vor allem wird Hitze gesenkt. Der Punkt wird beschrieben als das Herz-Qi kühlend, das Magen-Qi harmonisierend, Wind zerstreuend, Hitze ausleitend. Weil es sich um einen Punkt des Kreislaufmeridians handelt, hat er eine wichtige Schutzfunktion für Brust und Herz. Der Punkt ist ein wichtiger Punkt gegen Stress, deshalb ist es für jeden gut, ihn regelmäßig zu massieren.

Shenmen 神门 bedeutet "Tor des Shen", "Tor des Geistes". Der Punkt liegt in der Handgelenksfalte an der Kleinfingerseite, in einer Vertiefung neben dem Erbsenbein (os pisiforme).

Seine Qi-Wirkungen sind: das Herz-Qi stützend, Hitze kühlend, das Yang senkend, die Qi-Bahnen öffnend, beruhigend, und wieder, sehr wichtig: er hilft gegen Stress.

Die Massage ist einfach (siehe Videoclip): Die Handwurzeln gegeneinander schlagen. 36 x

Diese Massage wird auch zusammen mit der Massage der Baxie-Punkte unterrichtet, als Hilfe bei Herzproblemen, bei Beklemmungsgefühlen in der Brust, bei Taubheitsgefühlen und zur Unterstützung des Kreislaufs in den Händen, aber auch zur Stimmungsaufhellung und Beruhigung. Beide Punkte helfen gegen Stress.





Ich habe sogar einen kurzen Clip von damals gefunden, als Jia Laoshi uns in dieser Massage unterrichtet hat.



Zum Mitüben: Regulierung des Atems & Heilende Laute



Eine halbe Stunde Qigong:

Übungen zur Regulierung von Atem und Qi, gefolgt von den Heilenden Lauten.









Sunday, May 24, 2020

Stille Berge - Die fotografischen Tuschebilder von Lang Jingshan 郎静山



Heute ein Beitrag mit den wunderbaren Bildern des Fotografen Lang Jingshan (1892-1995, manchmal auch Long Chin-san geschrieben), der einen prägenden Einfluss auf die chinesische Kunstfotografie hatte.

Lang Jingshan war einer der ersten Fotojournalisten Chinas, begann sich nach Gründung der „China Photography Association“ mit Kunstfotografie zu beschäftigen, und war der erste, der in China ein Album mit Aktfotografien veröffentlichte.

Berühmt wurde er durch die von ihm entwickelte Technik der „Zusammengesetzten Fotografie“ (Jijin Sheying 集锦 摄影), durch die er ein Werk von Landschaften, Stillleben und Porträts im Stil traditioneller chinesischer Tuschemalerei schaffen konnte

Nach der Gründung der Volksrepublik ging Lang mit der nationalchinesischen Regierung nach Taiwan. Er war über Jahrzehnte Direktor der China Photography Association Taiwan und lehrte seinen Fotografie-Stil bis zu seinem Tod 1995.

Er war Mitglied der Royal Photographic Society und wurde 1980 von der Photographic Society of America als einer der zehn weltweit wichtigsten Fotografen bezeichnet.

Die „stillen Berge“ oben sind die Übersetzung seines Namen Jingshan 静山. Jing 静 bedeutet still,  Shan 山 bedeutet Berg.

Hier ist der Link zum Eintrag über ihn auf der Website "Photography of China": Lang Jingshan

Saturday, May 23, 2020

Ein Plädoyer für das Rasten


Ich möchte noch einmal auf das Thema Rasten zurückkommen, hat es doch direkt mit dem fundamentalen Inhalt all der Postings dieser Wochen zu tun, nämlich mit der Regulation des Qi. 

Auf der Regulation des Qi basiert das Gleichgewicht von Yin und Yang, welches wiederum die Basis der funktionierenden Gesundheit darstellt. Eines ist dabei wichtig zu verstehen, darum das Plädoyer für das Rasten: Das regulative Tun darf das Qi selbst nicht erschöpfen. 

Wenn man nicht genügend rastet, sich also nicht die Atempausen gönnt, immer im Tun ist, zu wenig isst und zu wenig schläft, dann kann man das Qi nicht einfach dadurch regulieren, dass man noch zusätzlich Übungen macht. Ich meine das nicht als apodiktische Regel, natürlich macht es oft sehr wohl Sinn, zu viel Sitzen (vor allem Arbeit im Sitzen) durch Bewegung auszugleichen, oder zu viel geistige Arbeit durch ein Tun, bei dem man auf den Körper oder körperliche Abläufe konzentriert ist. Doch ist es auch sehr wichtig, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann Ruhe und Rast nötig und wichtiger sind als jedes Tun, wann Nichtstun angebracht ist oder schlichtweg Schlaf, mehr und ausreichender Schlaf.

Das Qi regeneriert sich in der Stille. Dies gilt nicht nur für Übungen, sondern auch und vor allem für den Schlaf. Die Yang-Funktionen des Körpers werden erschöpft, wenn man sich keinen Schlaf gönnt, da sich das Yang ja aus dem Yin regeneriert und nur aus dem Yin regenerieren kann. 

Immer nur im Tun und wach zu sein, das Bedürfnis nach Ruhe zu mißachten oder nach Beendigung des einen Tuns statt auszurasten einfach nur die Art der Aktivität zu ändern, das verletzt das Yin und entwurzelt das Yang. Das Yang kommt in einen Zustand des Exzesses, es wird schwerer und schwerer, seine Aktivität einzuhegen, während das Yin mehr und mehr verletzt und vermindert wird. Das lodernde Feuer des Yang verbrennt sozusagen das Yin. Man kann es auch so ausdrücken: Für den Organismus nutzlose Aktivität macht sich nicht nur selbständig, sondern untergräbt auch und schädigt die eigene gesunde Konstitution. Man verliert dadurch nicht nur die Fähigkeit, ruhig zu sein und Ruhe zuzulassen, sondern überschreitet andauernd die körperlichen und psychischen Grenzen. Beide, Körper und Psyche sind Aspekte des Qi, das dann, überfordert und erschöpft, nicht mehr geordnet funktionieren kann.

Bei einem solchen Zustand der Erschöpfung kann Qigong natürlich sehr hilfreich sein, doch vor allem Üben braucht es zuerst die Ruhe. Und zwar die Ruhe im Sinne des Rastens und Atemholens. Dies nicht zu beachten, heißt im Qigong: einen leeren Topf auf das Feuer stellen, mit einem leeren Topf kochen. Es kommt nicht nur nichts dabei heraus, möglicherweise geht sogar der Topf kaputt. 

Im Großen Lernen des Konfuzius heißt es: „Wenn man zur Ruhe kommt, so gibt es Festigkeit; hat man Festigkeit, gibt es Stille; hat man Stille, gibt es Frieden; hat man Frieden, kann man bedenken; kann man bedenken, so kann man erlangen.“ Diese Passage hat ursprünglich mit der Selbst-Kultivierung des Edlen zu tun, sie wurde aber auch immer wieder als Anleitung zur Lebenspflege gedeutet. 

Und in dieser Deutung bedeutet es: Zuerst ausruhen, bis man ausgerastet ist. Erst dann kann man die Fähigkeit zur Ruhe erwerben, zum Eintreten in den Ruhezustand des Qigong und zur Meditation. Die Ruhe kann dann weiter und weiter vertieft werden, bis sie ganz fest und stabil geworden ist. Dann ist auch der Zustand des Friedens möglich, ein Zustand solch tiefer innerer Stille und Klarheit, dass er durch äußere Einflüsse nicht mehr verlorengeht.

Diese tiefe Stille stellt die am tiefsten gehende Regulation des Qi dar. Der Begriff des Wuwei 无为, des Nicht-Tuns, das nichts ungetan lässt, meint diese Ebene. Für uns in unseren Lebensumständen und auch in unseren Gewohnheiten ist dies vielleicht nicht oder nur sehr schwer erreichbar. Doch muss man ja nicht mit dem Ideal des Nicht-Tuns beginnen, dieses stellt doch letztlich die Kulmination eines sehr langen Prozesses des Einswerdens mit den schöpferischen Mächten von Himmel und Erde und des Einklangs mit dem Dao dar. 

Man kann es ja auch anders angehen, auf eine Art, die jedem sehr wohl möglich ist:  Einfach zu lernen nichts zu tun. Nichts Zielgerichtetes zu tun. Zu spielen. Zu rasten. Zu schlafen. Sich lange Atempausen zu gönnen. Und dann, erst nachdem man gerastet und dem Qi seine Regeneration ermöglicht hat, dann kann man durch Qigong-Übungen allmählich tiefer gehen, tiefere Zustände der Entspannung und Ruhe und Stille entwickeln, und dem Organismus helfen, zu seiner eigenen schöpferischen Ordnung (die unter anderem auch die eigene Gesundheit ist) zu finden, die gleichzeitig Spiegel ist und Ausdruck eines Universum, das selbst dadurch charakterisiert ist, dass es beständig schöpferisch ist. Auf Chinesisch: shengsheng buxi 生生不息 - Leben erzeugend ohne Unterlass.

Friday, May 22, 2020

Selbstmassage - Massage der „Tigermäuler"


Hier eine weitere aus der Reihe der Baxie-Qigong-Massagen:

Die Massage der Hukou 虎口 Tigermäuler. Die Hände werden mit der Daumen- und Zeigefingerseite gegeneinander geschlagen. 36x oder öfter.

Damit werden einerseits wieder die zwischen Daumen und Zeigenfinger liegenden Baxie-Punkte stimuliert, und zusätzlich der gleich danebenliegende Hegu 合谷 - Punkt („Vereinte Täler“ - der vierte Punkt des Dickdarm-Meridians). 

Der Hegu-Punkt ist  sowohl in der Akupunktur als auch im Qigong einer der wichtigsten Akupunkturpunkte. Prof. Cong unterrichtete in seinen Seminaren sehr oft die Massage des Hegu, einfach durch kreisförmige Massage des Punktes mit dem Daumen, 24x in die eine Richtung, 24x in die andere, und zitierte dabei gern den aus der Ming-Dynastie stammenden „Gesang der Vier Haupt-Akupunkturpunkte,“ in dem es heißt: 

Yan mian hegu shou 颜面合谷收 - (Krankheiten im) Gesicht behandelt man durch Hegu. 

Krankheiten im Gesicht bedeutet Probleme der Augen, der Nase, des Munds, Zahnweh, Kopfweh und einiges mehr. 

Die Qi-Funktionen des Hegu-Punkt sind vielfältig: er zerstreut Wind, öffnet die Oberfläche, öffnet die Qi-Bahnen, stärkt und verteilt das Lungen-Qi und stabilisiert das Abwehr-Qi.

Ich will hier wieder nicht zu sehr auf Details eingehen. Wichtig ist weniger die Theorie, als das generelle Verständnis, dass es nie schaden kann, diesen Punkt regelmäßig zu stimulieren.

Durch das Gegeneinanderschlagen der „Tigermäuler“, oder auch durch kreisförmiges Massieren mit dem Daumen, wie oben erwähnt.





Zur Lokalisierung des Hegu: Am einfachsten ist, Daumen und Zeigefinger aneinanderzulegen. Am höchsten Punkt des dadurch entstehenden Muskelbauchs ist der Punkt. Die anatomische Beschreibung wäre: in der Mitte des zweiten Mittelhandknochens (radiale Seite) in einer Vertiefung. Oder man schaut auf das Foto unten. Bei dieser Art der Massage muss man nicht so genau sein, die Daumenoberfläche ist ja groß. Wenn man sich nach dem Foto richtet, erwischt man den Punkt ziemlich sicher.



Thursday, May 21, 2020

Heilende Laute - ein längeres Video zum Mitüben


Hier ist nun ein längeres Video, zum Mitüben gedacht, mit allen sechs Übungen der Heilenden Laute. 

Traditionellerweise praktiziert man diese so, dass jeder Laut 6x wiederholt wird. So habe ich es über den Daumen gepeilt im Video gemacht. Allerdings habe ich nicht mitgezählt, vielleicht sind es manchmal auch 5x oder 7x, in dem Fall bitte ich um Nachsicht. :) Gemeint sind jedenfalls 6 Wiederholungen pro Laut.







Tuesday, May 19, 2020

Chrysanthemenblüten und Goji-Beeren


Ein Tee zur Beruhigung der Leber, zum Nähren des Nieren-Yin und zur Klärung der Augen


Dies ist ein einfacher, traditioneller, medizinischer Tee aus China, zubereitet aus getrockneten Chrysanthemenblüten und Goji-Beeren. Er kann täglich während der heißen Sommermonate als warmes Getränk getrunken werden, um den Körper zu beleben und zu nähren.


Zutaten:

5g   Chrysanthemi Flos (Ju Hua 菊花)
2g   Lycii Fructus (Gou Qi Zi 枸杞子)
1/2  Liter Wasser


Zubereitung:

Chrysanthemenblüten und Goji-Beeren in eine Teekanne geben, die 1/2 Liter Flüssigkeit fasst. Das Wasser zum Kochen bringen, über die Kräuter gießen und 10 - 15 Minuten ziehen lassen.

Die Kräuter lässt man in der Kanne, während man den Tee trinkt. Man kann den Tee dann noch ein oder zwei weitere Male (oder sogar öfter) aufgießen, immer mit kochendem Wasser. Man belässt die Kräuter auch weiterhin in der Teekanne.

Man kann den Tee auch zuckern, mit etwas weißem Zucker. Dies macht man, um die medizinischen Eigenschaften des Tees anzupassen, damit in der heißen Jahreszeit durch Schwitzen verlorengegangene Körperflüssigkeit wieder aufgefüllt wird, oder dann, wenn man sich durstig und dehydriert fühlt. In diesem Fall ist es wichtig, dass man den weißen Zucker nicht durch einen anderen Süßstoff ersetzt.






Eigenschaften und Wirkung:

Das Qi von Chrysanthemenblüten hat folgende medizinische Eigenschaften: es ist sowohl süß als auch bitter im Geschmack, weist eine kühle bis leicht kalte Temperatur auf und gelangt in die Bahnen des Lungen- und Leber-Qi. Da es sich um ein bitteres, leichtes und aromatisches Kraut handelt, kann es nach oben schweben oder aufsteigen, um Hitze oder übermäßiges Yang-Qi im Oberkörper und im Kopf zu beseitigen. 

Da es sich auch um ein süßes Kraut handelt, das über die Qi-Bahnen der Leber und der Lunge in den Körper gelangt, kann es durch diese Bahnen auf- und absteigen - es tonisiert und kühlt das Leber-Qi gleichermaßen (welches empfindlich auf die hohe Sommerhitze reagiert) und leitet die Hitze aus, die sich nachteilig auf das Qi sowohl der Lunge als auch der Leber auswirkt. Durch die Assoziation des Leber-Qi mit den Augen ist es besonders effektiv bei der Beseitigung von Hitze und Reizungen der Augen.

Das Qi der Goji-Beeren ist süß im Geschmack, von neutraler Temperatur und gelangt in die Qi-Bahnen von Lunge, Leber und Niere. Wie ich bereits in einem früheren Posting erwähnt habe, handelt es sich um ein spezielles Heilkraut. Es wird als Tonikum für das Jing- oder Essenz-Qi bezeichnet, da es den Yin-Aspekt der Nieren und Lungen sowie den Blutaspekt der Leber anreichert. Gou Qi Zi ist ein Kraut, das, da es das Essenz-Qi so stark nährt, das Qi der Augen besonders nährt und klärt.

Wenn Chrysanthemenblüten und Goji-Beeren regelmäßig als Tee getrunken werden, dann unterstützen und nähren sie gemeinsam die Qi-, Blut- und Yin-Aspekte des Körpers, helfen der Lunge, die Sommerhitze zu zerstreuen, sie nähren und klären die Augen und lindern durch Hitze verursachte Irritationen, welche das Yang-Qi zum Steigen bringen und die Sinnesorgane stören. 

Bei uns bekommt man Goji-Beeren und Chrysanthemenblüten in Apotheken, die chinesische Heilkräuter verkaufen. Diese sind von höchster Qualität und reguliert, um sicherzustellen, dass sie sauber und ohne Verunreinigungen oder Toxine sind. Die Kräuter in chinesischen Läden werden nicht auf Pestizide getestet, und man kann von ihnen nur abraten! Gleiches gilt für den Kauf von abgepacktem Chrysanthementee online oder in anderen Geschäften.

Monday, May 18, 2020

Tiaoxin 调心 - Regulation des Herzens (des Geistes)



Der Weg des Großen Lernens besteht darin, die klare Tugend zu klären, die Menschen zu lieben und im höchsten Guten zur Ruhe zu kommen.

Wenn man zur Ruhe kommt, so gibt es Festigkeit; hat man Festigkeit, gibt es Stille; hat man Stille, gibt es Frieden; hat man Frieden, kann man bedenken; kann man bedenken, so kann man erlangen.


Die Dinge haben ihre Wurzeln und Zweige, die Angelegenheiten haben Ende und Anfang. Erkennt man, was früher kommt und was später, so nähert man sich dem WEG… (Aus Konfuzius - Das Große Lernen) 



Das zweite der drei Grundprinzipien für den Eintritt in den sogenannten „Qigong-Zustand“ beschreibt eine sich im ganzen Menschen entfaltende tiefe Entspannung, eine Entspannung also nicht nur des Körpers (der Yin 阴 ist), sichtbare und substanzielle Form der Existenz, sondern auch von Geist und Seele (vom Qi her gesehen Yang 阳), die die nicht sichtbare, nicht substanzielle Aktivität und Inspiration der menschlichen Existenz umfassen.


2. Regulation des Herzens (des Geistes).

Wenn man den Körper reguliert, beginnt man bereits, auch das Herz-Qi zu regulieren. Die Entspannung auf der tiefsten physischen Ebene bezieht sowohl den Atemmechanismus als auch den Herzrhythmus ein und führt zu einem gleichmäßigeren Fluss von Atem und Blut, ideal für die Bedürfnisse des Körpers. Ist man lockerer und entspannter während des Qigong-Übens, dann werden sowohl Puls als auch Blutdruck besser und je nach Notwendigkeit reguliert. Ist der Puls normalerweise zu schnell ist, wird er sich verlangsamen. Ist der Blutdruck normalerweise zu hoch oder zu niedrig ist, wird er sich auf einen gesünderen Wert einstellen. Dies stellt den spürbaren Effekt der Regulierung des Yang-Qi des Herzens dar: Kreislauf, Pulsfrequenz und Blutdruck beginnen sich an den entspannteren körperlichen Zustand anzupassen.

Dies ist der physische Aspekt der Regulierung des Herz-Qi. Die Regulierung des Geistes, also der nicht-physischen Aspekte des Herz-Qi, seiner Denk- und Gefühlsaspekte, bedeutet, dass man in einen zutiefst ruhigen Zustand eintritt, in eine weite und stabile innere Stille, die von keinerlei äußeren Sinnesimpulsen (visuelle Eindrücke, Geräusche, Gerüche, auch Wetter oder Raumtemperaturen) beeinflusst wird. Die innere Aktivität mentaler Bilder, von Gefühlen oder emotionalen Reaktionen und der ständige, chaotische Strom der Gedanken verlangsamen sich, während sich Klarheit und Leichtigkeit in Geist und Herz einstellen.

Vor allem anderen entsteht durch die geistige Ruhe ein Gefühl der Weite des Raums und die Erfahrung von Zeitlosigkeit. Gedrängt auf einem unbequemen Platz in einem vollen Zug sitzend, kann man das Gefühl haben, sich allein auf einer stillen Berggwiese zu befinden, eine Reise von Stunden kann sich wie Minuten anfühlen, Geräusche von Maschinen und Gespräche von Leuten können in die Ferne rücken oder kommen und gehen, ohne einen Eindruck zu hinterlassen, ohne dass man aus diesem vertieften und verfeinerten Zustand herausfällt. Dies ist die Essenz des sogenannten „Qigong-Zustands“, und selbst der kürzeste Moment des Eintritts in diesen heißt die Fähigkeit zu üben und kultivieren, das Leben zu nähren.

Im eröffnenden Satz des Konfuzius zugeschriebenen „Großen Lernens“ gibt es drei Begriffe: Ding 定, Jing 静, An 安“, die wörtlich übersetzt bedeuten: fest, ruhig, friedlich. Im Großen Lernen wird beschrieben, wie man Schritt für Schritt die eigene wahre menschliche Natur in Übereinstimmung mit Himmel und Erde entwickeln könnte. Stabilität, Ruhe, Frieden sind drei dieser Schritte: Ding 定 bedeutet ruhige Festigkeit und Stabilität, Jing 静 vertiefte Stille, und An 安 einen Zustand des Friedens.

Letzterer (An 安 - Frieden) ist im normalen Alltag wahrscheinlich schwer erreichbar, besonders in diesen unsicheren Zeiten. Aber innere Festigkeit, Stabilität und Ruhe, die den Zugang ermöglichen zu Weite und Stille des Qigong-Zustands, kann man durch Qigong sicher entwickeln.

Saturday, May 16, 2020

Dong Hong-Oai 單雄威 - Fotografische Landschaftsmalerei


Heute kein Posting über Qigong, sondern eines über den Fotografen Don Hong-Oai 單雄威 und die aus seiner inneren Vision geborenen Landschaften.


Don Hong-Ooai wurde 1929 in Guangzhou, China geboren, verbrachte dann aber einen großen Teil seines Lebens in Saigon, Vietnam, wo er eine Ausbildung zum Fotografen machte und seine spezielle Technik der Landschaftsfotografie entwickelte. Nach dem Vietnamkrieg flüchtete er nach Kalifornien, wo er in einer kleinen Dunkelkammer in San Franciscos Chinatown seine Fotos erstellte und vom Verkauf seiner Werke lebte. Erst in den letzten Jahren seines Lebens wurde er entdeckt. Er starb 2004.


Seine Bilder sind geistige Bilder im Stil traditioneller chinesischer Malerei, Kompositionen, handgefertigt durch die Kombination dreier Negative für Vordergrund, Mitte und Hintergrund des jeweiligen Bildes.

Hier sind zwei Links, einer zu einem Blogeintrag und einer zu einem Youtube-Video mit Werken von Don Hong-Oai:





Friday, May 15, 2020

Tiaoshen 調身 - Regulation des Körpers


Ein Text von Kerry, über das erste der drei grundlegenden Prinzipien des Qigong:




Qigong-Grundlagen 


Vorbereitung auf das Üben. 


Diese Notizen beziehen sich zwar konkret auf das Üben der Liu Zi Jue - Heilenden Laute, da dies die hauptsächliche Methode ist, auf die wir uns in diesen pandemischen Zeiten zum Schutz der Gesundheit konzentrieren, doch gelten die folgenden Inhalte nicht nur für diese eine Qigong-Methode oder nur für Qigong-Anfänger, sondern betreffen das Üben aller Arten von Qigong, ob still oder in Bewegung, und jedes Niveau des Übens. Im Qigong ist es immer so, dass die einfachsten Methoden und grundlegendsten Anweisungen die tiefgehendsten sind, und man immer wieder konsequent zu diesen zurückfinden muss, unabhängig davon, wie fortgeschritten man ist, wie viele Methoden oder Übungs-Formen man gelernt oder welche Erfahrungen man schon gemacht hat.

Es gibt drei Grundprinzipien, die einem ermöglichen, in den sogenannten Qigong-Zustand einzutreten. Diese Prinzipien beachtet man bei allen Qigong-Methoden. Je tiefer man in den Qigong-Zustand findet, desto stärker und freier fließt das Qi, und desto offener wird man als Organismus für die Feinheiten dieses Flusses und die durch ihn ausgelösten Empfindungen.


Das erste der drei Prinzipien ist:


1. Tiaoshen 調身 - Regulation des Körpers

Bevor man zu üben beginnt, egal, ob es eine bewegte Übung ist oder eine Übung im Stehen, Sitzen oder Liegen, ist es wichtig, körperlich tief entspannt zu sein. Wenn man im Qigong von Entspannung spricht, dann meint man nicht nur den Körper, sondern in erster Linie das Qi selbst. Entspannung heißt, das Qi zu öffnen und ihm zu ermöglichen, im Körper besser zu fließen, den Körper besser zu durchdringen und alle Bereiche des Körpers zu erreichen. 

Natürlich findet Entspannung zunächst auf einer relativ oberflächlichen Ebene des Körpers statt, auf der Ebene der Sehnen, der Muskeln und des Bindegewebes. Dort beginnt man, davon geht man aus, und dann versucht man, die Entspannung noch tiefer gehen zu lassen, was mehr Übung erfordert.

Bewegt man sich von der Oberfläche nach innen, lösen sich auch die Spannungen in den großen Gelenken, in Schultern, Hüften, Knien, und im Weiteren auch in den kleineren Gelenken, im Kiefer, in den Ellbogen, Handgelenken, Sprunggelenken und in allen Abschnitten der Wirbelsäule von der Schädelbasis bis zum Kreuzbein.

Wenn man den Körper dermaßen scannt und entspannt, von der äußersten bis hin zur innersten Ebene, von den größten bis zu den kleinsten Gelenken, dann ist es am besten, oben zu beginnen und nach unten zu gehen - vom Kopf zum Hals und zu den Schultern, zu den Armen, Händen und Fingern, die Brust und den oberen Rücken hinunter, zum Bauch und zum unterem Rücken, zu Hüften, Becken und Gesäß, und dann die Beine hinunter zu den Füßen und Zehen.

Indem man lernt, auch die kleinsten Gelenke zu entspannen, lockern sich spürbar auch Bereiche des Gesichts und der Kopfhaut. Das Entspannen der winzigen Gelenke der Finger und Zehen, des Steißbeins und der Wirbelsäule ermöglicht einen volleren und offeneren Fluss von Qi und Blut, von den Fingerspitzen und Zehen zu Gesicht, Kopf, Gehirn, und durch den ganzen Körper.

Unsere lebenswichtigen Organe befinden sich alle nahe der Wirbelsäule. Daher ist es besonders wichtig, diese Fähigkeit der Entspannung und Lockerung zu entwickeln, damit die Wirbel und auf einer tieferen Ebene das Rückenmark keine Spannung halten (hier wird es besonders offensichtlich, dass ich vom Qi spreche: es geht um den Qi-Fluss im Rückenmark). Selbst bei Grunderkrankungen wie z.B. Arthritis, oder bei Rücken- oder Gelenkverletzungen ist es möglich, diese Tiefenentspannung zu erreichen, die den Fluss von Qi und Blut öffnet und die gesamte Körperstruktur stärkt.

Der Körper reagiert auf jede Spannung, auf äußere und auf innere (durch Gefühle oder Gedanken) - wenn man eine feste Faust macht, erzeugt dies Spannung im übrigen Körper; steife Schultern oder ein fester Kiefer erzeugen Spannung; wenn man sich beim Qigong-Üben zu sehr um perfekte Bewegungen bemüht; in tiefere Positionen geht, als die Muskeln gewohnt sind; oder wenn man sich in irgendeiner Weise dazu drängt, die körperlichen Grenzen zu überschreiten, immer dann erzeugt man Spannung. Und jede körperliche Spannung spiegelt sich in Psyche und Geist wider und umgekehrt. Wenn man mit einem Hammer auf den eigenen Daumen schlägt, wird die Reaktion sowohl körperlich sein wie auch emotional. Wenn man glaubt, Kälte nicht aushalten zu können, dann ziehen sich die Schultern zusammen, der Körper spannt sich und man friert buchstäblich ein.

Der Körper ist Form, fest und sichtbar. Es stellt die Struktur der Existenz dar, einer Existenz, welche im großen Bogen durch alle Lebensphasen eine Entwicklung durchläuft und sich dabei stetig wandelt. Der Geist und die Emotionen sind unsichtbar, ohne Form und Substanz. Gedanken und Gefühle bewegen sich schnell, sie kommen und gehen, verbinden unsere äußere mit der inneren Existenz, transformieren und erschaffen die wahrgenommene Wirklichkeit. Geist und Körper arbeiten zusammen, um die tiefsten Ebenen der menschlichen Existenz mit den äußersten Grenzen der physischen Form zu integrieren.

Der Teil unserer Existenz, der sowohl sichtbar als auch unsichtbar ist und sowohl eine physische als auch nicht-physische Qualität hat, ist der Atem. Er ist Luft, er ist feucht, er regt die Zirkulation von Qi und Blut im ganzen Körper an, er bewegt Qi und Blut, er entsteht, wenn wir geboren werden, und hört auf, wenn wir sterben.

Wenn man also lernt, wie es für das Üben von Qigong erforderlich ist, sich auf den tiefsten Ebenen zu entspannen, dann ist es wichtig, dies mittels des Atems zu tun. Man lässt den Atem Spannungen im Körper und im Geist lösen. Indem man auf natürliche Weise atmet, leicht und mühelos, in einem gleichmäßigen und kontinuierlichen Fluss zwischen Ein- und Ausatmen, und sich dabei die Zeit nimmt, alle großen und kleinen, innersten und äußersten Körperbereiche zu entspannen, entwickelt man die eigenen Qigong-Fähigkeiten.

Die Regulierung des Körpers ist ein wesentlicher erster Schritt der Qigong-Übungspraxis. Sie ist aber auch eine nützliche Methode für den Alltag - entspannt im Körper zu bleiben bedeutet sicherzustellen, dass man sich wohl fühlt, egal in welcher Situation, und die körperliche Energie nicht damit verschwendet, Spannungen im Körper aufrechtzuerhalten. Sich im Körper wohl zu fühlen heißt sich auch psychisch, geistig wohler fühlen zu können, was sicherlich der Gesundheit hilft und der Fähigkeit, das Leben zu genießen!

Wednesday, May 13, 2020

Die Sechs Übungen der Heilenden Laute - Video


Hier ist nun ein Video mit der Folge aller sechs Übungen der Heilenden Laute, in der alten Aussprache: 

Lunge - hei (sprich hee-ii) 
Leber - xu (sprich hsüü) 
Milz - hu 
Niere - chui (sprich tschueeii) 
Herz - he (sprich (he-aa) 
Dreifacher Erwärmer - xi (sprich hsii)



Tuesday, May 12, 2020

Qigong und Taiji in Spitälern in China


Heute habe ich getan, was ich schon länger vorhatte, und weiteres Video-Material aus chinesischen Spitälern zusammengesucht, auf denen man Ärzte oder Pfleger zusammen mit Patienten traditionelle Übungen ausführen sieht: Taijiquan, Wuqinxi (das Spiel der Fünf Tiere), Baduanjin (Die Acht Ballen Brokat) und andere mehr. 

Aus den offiziellen Verlautbarungen der Regierung, aus Artikeln in chinesischen Presse und auch aus den Berichten der Patienten selbst geht klar hervor, dass diese nicht-medikamentösen Behandlungen eine wichtige Rolle in der Behandlung von COVID-Patienten gespielt haben: 

Die Behandlung wurde effektiver (egal, ob schulmedizinisch oder TCM), es konnte Verschlechterungen des Krankheitszustandes entgegengewirkt werden, Patienten berichteten nach den Übungen von einer deutlichen Verbesserung der Symptome, die Beziehung und das Vertrauensverhältnis zwischen medizinischem Personal und Patienten sowie der Patienten untereinander wurde gefestigt... 

Nicht nur zur Behandlung, auch zur Vorbeugung sind diese Art der Übungen (Taiji und Qigong) sehr gut geeignet. Wie auch auf einer der Pressekonferenzen des Chinesischen Staatsrats angemerkt wurde: Chinesische Kräutermedizin sei sehr effektiv in der Vorbeugung, aber auch das Üben traditioneller Körpertechniken habe eine so gute Wirkung, dass man ohne Einnahme von Kräuterverschreibungen effektiv Vorbeugung betreiben könne. 

Darauf hat vor Jahren ja schon unser Lehrer Prof. Lin Zhongpeng hingewiesen: Krankheitserreger entstehen laufend neue; der Vorteil der chinesischen Medizin ist, dass sie durch diese hervorgerufene Krankheiten behandeln kann, ohne auf die naturwissenschaftliche Analyse des Erregers und die Entwicklung eines Gegenmittels warten zu müssen. Die TCM hat das diagnostische und therapeutische Arsenal, auch neue epidemische Erkrankungen behandeln zu können. Ebenso Qigong: Genau wie die TCM kämpft es nicht gegen einen Krankheitserreger, sondern reguliert das Qi. Es ist aufgrund der Regulation, dass das Qi des Krankheitserregers nicht eindringen kann. Durch Qigong wird eine innere Qi-Umgebung geschaffen, die einen schlicht und einfach weniger angreifbar macht. 

Die westliche Medizin bekämpft den Erreger, die chinesische Medizin und Qigong kümmern sich nur insofern um den Erreger, als sie dessen Qi-Charakteristika identifizieren, in der Therapie geht es dann jedoch um die Regulation des Systems. Die westliche Behandlung konzentriert sich auf die isolierte Einzelheit (das Virus), die chinesische Behandlung kümmert sich um das Umfeld, das Milieu, das Beziehungsgeflecht. Dies wird bei uns nicht verstanden, wenn man der chinesischen Medizin archaisches Denken und archaische Methoden vorwirft oder sie in die Esoterik-Ecke stellt, da Yin, Yang und Qi keine naturwissenschaftlichen Konzepte sind, oder wenn man behauptet, ohne tatsächliches Wissen und ohne Verständnis der Wirkmechanismen, dass diese Methoden nicht wirken können. 

Hier jedenfalls ein paar Videos, die in Krankenhäusern gedreht wurden, in denen kombiniert mit Schulmedizin und TCM behandelt wurde, oder sogar ausschließlich mit TCM, wie im Fangcang-Spital in Wuhan.


Wuhan: 




Quzhou:




Hefei:




Wuhan:




Wuhan:




Wuhan:




Wuhan:




Guangzhou:




Fujian:


Letztes Posting: Übung zur Stärkung des Körpers im Kampf gegen die Epidemie

Dies ist der letzte Tag unserer Jia You! - Initiative, wir schließen sie mit einem Video ab. Ich hatte schon viel früher vor, dieses Vide...