Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Sunday, November 29, 2020

Tiao Qi 调气 - Das Qi und den Atem regulieren

Eine weitere Übung von Prof. Cong zur Aktivierung der Handmeridiane und zur Regulierung des Qi. 

Die Bewegung ist für niemanden von uns etwas Neues, es ist das Öffnen und Heben, Schließen und Senken, das wir oft zu Beginn der Stunden machen.

Es kommt hier jedoch noch etwas dazu. Während man hebt und senkt, öffnet und schließt, richtet sich die Aufmerksamkeit in einer bestimmten Reihenfolge auf die Finger. 

Während des Öffnens auf die kleinen Finger (Herz- und Dünndarm-Meridian), während des Hebens auf Zeige- und Ringfinger (Dickdarm- und Dreifacher-Erwärmer-Meridian), während des Schließens auf die Daumen (Lungen-Meridian) und während des Senkens auf die Mittelfinger (Kreislauf-Meridian). 

Yi dao qi dao 意到气到 - Wohin sich die Aufmerksamkeit richtet, dorthin gelangt das Qi. 

Die entspannte Aufmerksamkeit, die sich während des Übens in geregelter Abfolge auf die Finger richtet, aktiviert das Qi in den entsprechenden Meridianen. In der Stille des Qigong-Zustands geht der Impuls dann weiter und wirkt sich regulierend auf die entsprechenden Qi-Organe aus. 

Als Prof. Cong 1988 auf Einladung des Wissenschaftsministeriums nach Österreich kam, unterrichtete er neben den uns bekannten Übungen wie dem Yuanminggong, dem Fanhuangong und den diversen Gehübungen auch einfache Übungen zur Aktivierung der Meridiane und Regulation des Qi der Organe. Diese ist eine davon. 

Wichtig: nicht zu viel konzentrieren. Ruhe, Lockerheit, Entspannung sind Leitworte des Qigong, die nicht nur für den Körper, sondern auch für Atem und Aufmerksamkeit, Konzentration und Vorstellung gelten.



Thursday, November 26, 2020

In der Bewegung die Stille suchen

Lang, lang ist es her. Neulich hat mir mein Bruder zwei Fotos von Prof. Cong und mir geschickt. Die Fotos wurden in Südtirol gemacht, ich glaube 1994 in Meran (ganz sicher bin ich mir nicht). 














Jedenfalls habe ich die Bilder gleich zum Anlass genommen, ein Qigong-Video mit Prof. Cong- Übungen zu produzieren, zuerst einfachen Übungen zur Qi-Regulierung (das habe ich für meine Stunden ja ganz von ihm übernommen), gefolgt von den Taiyi Yuanminggong 太乙元明功-Übungen. 

"In der Bewegung die Stille suchen", das war einer der Leitsätze von Prof. Cong, daher auch der Name der heutigen Übungssequenz.


Tuesday, November 24, 2020

Mehr Wildnis!

Letzten Samstag fand im Rahmen der Europäischen Literaturtage 2020 ein Gespräch zwischen dem deutschen Biologen Andreas Weber mit Ariadne von Schirach über das Thema „Mehr Wildnis!“ statt. Wen es interessiert: man kann die Veranstaltung auf YouTube nachschauen. Der Link dazu findet sich unten.

Ich fand die Diskussion sehr wichtig und anregend, und obwohl Qigong oder die Chinesische Medizin nicht thematisiert wurden, sind manche Bezüge sehr offensichtlich.

Im Gespräch wurde betont, wie wichtig es sei, anders denken und fühlen zu lernen, nämlich auf eine Art, die von der Lebendigkeit der Welt ausgeht, um Lösungen für die drängenden Probleme und Bedrohungen finden zu können, der sich die Menschheit heute gegenüber sieht. 

Anders ausgedrückt: es sei wichtig, animistisch denken zu lernen, also ein Denken wiederaufleben zu lassen und einzubeziehen, das die Welt nicht als eine Welt der unbelebten Objekte sieht, sondern versteht, dass wir in einem Beziehungsgeflecht lebendiger Subjekte zuhause sind.

Doch gerade dies ist auch die Erfahrung des Qigong, darum übt man Qigong: um die eigene Lebendigkeit und die Beziehung mit der Lebendigkeit der Welt zu erleben. Immer dann, wenn man Qigong übt, auch wenn es einem nicht bewusst ist, begibt man sich in den lebendigen Bezug zur Welt und kommuniziert als lebendiges Subjekt mit allem, was lebendig ist.

Dies ist ein ganz anderer Ansatz in Bezug auf die Gesundheit, als wir gewohnt sind. Und nicht nur ein anderer gesundheitlicher Ansatz, sondern auch eine andere Art, sich in der Welt zu verorten.

Die Welt ist im alten Verständnis der Chinesen ein lebendiges Gewebe, ein Gewebe von Energien, unendlich schöpferisch, in stetem Wandel, in steter Transformation und steter Kommunikation begriffen. Sheng sheng bu yi 生生不已 - Leben hervorbringend ohne Ende, lautet der Ausdruck. Dieses Gewebe, an dem der Mensch teilhat, ist nicht geschaffen im biblischen Sinn, es ist nicht Ergebnis eines ursprünglichen Aktes, eines fiat lux. Es entsteht ziran 自然 - aus sich selbst so, von selbst so. Alles entsteht und entfaltet sich von selbst, aus sich selbst, ohne von einem göttlichen Willen gelenkt zu sein.

Und eben dieses „ziran 自然“, dieses Von-Selbst-So, liegt der Gesundheit zugrunde, meint es doch die sich im Organismus äußernde schöpferische Bewegung der Welt, die sich entfaltende natürliche und lebenserzeugende Bewegung des Qi. Durch das Üben versucht man dieser teilhaftig zu werden. Und dazu braucht es kein Tun, kein Denken, sondern die Stille. Erst die Stille erlaubt den heilenden Kräfte des Qi zu wirken, und nicht nur dies, sie ermöglicht auch eine andere Beziehung zur Welt. 

Natürlich üben viele Qigong einfach so, weil es sie freut und sie sich dabei wohl fühlen. Und manche meinen auch, sich im Sinne der modernen Leistungsgesellschaft selbst optimieren zu müssen, hip- und zen-like mittels alten esoterischen Wissens. Aber vielleicht macht doch manche die Erfahrung des Qigong nachdenklich, und erlaubt ihnen, zu einer anderen Einstellung und einem anderen Verhalten zu finden, in der man die Welt (und auch sich selbst) nicht mehr als Objekt behandelt, sondern als lebendiges kommunizierendes Subjekt.

Die Gesundheit wird es einem vermutlich danken, ist sie doch im Verständnis des Qigong ein Prozess, der sich von selbst entfaltet und einen in das allumfassende Gewebe des Lebens integriert. Qigong zu üben heißt, still zu werden, um die Möglichkeiten dieses Prozesses nicht zu stören. Als ich in einem der Beiträge der letzten Zeit Laozi zitiert habe: Wuwei er wu bu wei 无为而无不为 - Nicht-tun und nichts bleibt ungetan, und hinzugefügt habe, das sei etwas worüber sich nachzudenken lohne, da habe ich unter anderem dies gemeint.

Um meinen alten Lehrer, den Philosophen Arnold Keyserling zu paraphrasieren: Wahres Wissen geht von der Stille aus, von der Bewusstseinsebene aus ist das Subjekt nicht zu erreichen. Es zu erwecken, erfordert ein anderes Streben als die Wissenschaften und ein anderes Wissen. In allen Überlieferungen wird dieses als Weisheit bezeichnet. 

Qigong kann einen der vielen Wege dazu darstellen.



Sunday, November 22, 2020

Die vierte "Leichte und Unbeschwerte Übung"

Für den Sonntagmorgen, zuerst die vierte der Unbeschwerten Übungen,

und danach die ersten vier Übungen zusammen, alles mit etwas zusätzlichem Qigong-Ezzes.


Friday, November 20, 2020

Ein Abendtee

Mandelmilchtee zum Stärken des Wei-Qi 卫气 (Yang-Abwehr-Qi), Bewegen des Xue 血 (Blutaspekt des Qi), Beruhigen des Xin-Shen 心神 (Herz-Qi und Geist).

Dieser Tee besteht aus bei uns gängigen und häufig verwendeten Zutaten, die aber auch alle in der klassischen Materia Medica der Chinesischen Medizin enthalten sind. 

Die Kombination dieser spezifischen medizinischen Zutaten stärkt nicht nur das Immunsystem und schützt vor grippeähnlichen Winterviren, sondern erwärmt auch das Qi und fördert die Durchblutung, wodurch Herz-Qi und Geist beruhigt werden. Auf diese Weise fördert die Rezeptur den tiefen und erholsamen Schlaf, welcher für die Wiederherstellung und den Schutz der Gesundheit von entscheidender Bedeutung ist.

Zutaten:

2 Tassen Mandelmilch
½ TL Kurkuma
¼ TL Zimtpulver
Eine Prise gemahlener schwarzer Pfeffer
1 Scheibe frischer Ingwer
1 TL roher Honig

Anleitung:

Alle Zutaten außer dem Pfeffer mit einem Mixer (oder mit einem Schneebesen) glatt rühren.

In einen kleinen Topf geben und bei schwacher Hitze unter ständigem Rühren ca. 5-10 Minuten erhitzen, bis die Flüssigkeit heiß ist. Schließlich den Pfeffer hinzufügen und gut umrühren. 

Den Tee warm trinken, aber nicht mehr als einmal pro Tag. Es ist am besten, wenn man den Tee abends vor dem Schlafengehen trinkt, aber in diesen pandemischen Zeiten kann es, wenn man sich schon am Nachmittag erschöpft fühlt, auch vor dem Nachmittagsschlaf sein.

Thursday, November 19, 2020

Ein Nachmittagstee

Dieser Tee ist das Äquivalent zu den „Freien und unbeschwerten Übungen“, er befreit das Qi, erlaubt dem klaren Yang aufzusteigen, beruhigt das Herz und wirkt gegen den durch den Lockdown hervorgerufenen Stress. 


Der Tee wirkt allgemein entspannend und stimmungsaufhellend, und hilft auch speziell gegen Reizbarkeit, Ungeduld, bitteren Geschmack im Mund und blockierte Verdauung (z.B. durch zu viel Sitzen im Lockdown). 

Der Tee hat neutrale Temperatur, d.h. er macht das Qi weder zu warm noch zu kühl, wirkt regulierend und ist für jeden geeignet



1 EL gelbe Chrysanthemenblüten
1 EL Kamillenblüten
1 TL Rosenblüten (oder Jasminblüten)
1 TL getrocknete Minzblätter oder 1 EL frische Minze
ca. 1 L Wasser
Honig, optional
4 dünne Scheiben frische Birne, optional


Zubereitung: 

Alle Zutaten (auch die Birnenscheiben) in eine Teekanne geben. Mit kochendem Wasser aufgießen und 20 Minuten lang ziehen lassen. 

Dann den Tee abgießen und die Birnenscheiben zum Essen herausnehmen. Vor dem Trinken den Tee leicht erwärmen und nach Belieben mit Honig süßen.

Es ist wichtig, dass Teekräuter und -blüten aus biologischem Anbau stammen.

Wednesday, November 18, 2020

Ein Morgentee: Pu'er (普洱茶 pu'ercha)

Wenn man noch nie hochwertigen Pu'er-Tee oder verwandte Tees getrunken hat, wird man den Tee als Überraschung erleben. Pu’er hat einen etwas erdigen Geschmack, er hebt die Stimmung und entspannt. Er enthält natürlich Koffein, doch stimuliert (hebt) er das Qi nur langsam.
 
Er unterstützt die Aufwärtsbewegung des klaren Yang-Qi und die Zirkulation des Lungen-Qi, und er weckt das Verdauungs-Qi. Dadurch, dass Pu’er-Tee das Qi reguliert und inmitten dieser stressigen pandemischen Zeiten auf den Tag vorbereitet, kann man sich gleichzeitig lebendig und ruhig fühlen.
Pu'er stammt aus der Provinz Yunnan und wird sowohl von den Chinesen als auch von den Tibetern geliebt. Die Tibeter mischen ihn normalerweise mit Yak- oder Kuhmilch und/oder Butter; die Chinesen brauen und trinken ihn als einfachen Tee und sich sich einig, dass Pu’er bemerkenswerte medizinische Eigenschaften besitzt.

Es gibt sowohl grünen, weißen als auch roten Pu’er, „rohen“ und „gereiften“ (also fermentierten), verkauft als loser Blatt-Tee oder gepresst als Teeziegel oder Teekuchen.

Bei uns ist meist nur der rote (schwarze) Pu’er als Blatt-Tee erhältlich, man findet ihn in Teegeschäften oder im Bioladen. In China ist er ein Kennerartikel, und ein guter, gealterter, gereifter Tee kann sehr teuer sein. 

Für unsere Zwecke ist gut genug, was wir in einem seriösen Biogeschäft finden können! Der Tee wird immer noch alle von mir beschriebenen medizinischen Eigenschaften haben und gut schmecken. 

Um dem Qi einen zusätzlichen Schub zu geben, kann man den Tee mit den chinesischen roten Datteln (Hong Zao 红枣) zubereiten, die ich schon in anderen Rezepten auf unserem Blog erwähnt habe. Dazu kocht man zuerst ein oder zwei rote Datteln 10 Minuten lang in Wasser, dann gießt man den Tee mit dem Wasser (inklusive der Datteln) auf. Wenn man möchte, kann man die Datteln nach dem Trinken des Tees essen.  

Eine weitere Variante ist, zusätzlich zu den Datteln ein paar Goji-Beeren hinzuzufügen (Zubereitungsart gleich wie beim Pu'er mit Datteln).

Sunday, November 15, 2020

Die ersten drei "Leichten und Unbeschwerten Übungen"

Qigong am Sonntag Vormittag: zuerst die dritte der leichten und unbeschwerten Übungen, und dann die ersten drei alle zusammen.

Das "Leichte" und das "Unbeschwerte" brauchen wir, es ist traurig, dass Österreich nun die höchste Neuinfektionsrate weltweit hat, doppelt so viel wie die USA, die ja wohl eines der Musterbeispiele katastrophalen Corona-Managements darstellen.




Darum Übungen wie diese. Leicht und unbeschwert, das ist weit mehr als nur lockerwerden und entspannen, damit man die Krise und den Lockdown besser übersteht. 

Übungen wie diese stellen ein im medizinischen Sinn vorbeugendes Programm dar. Bei reguliertem Qi reduziert sich das Risiko der Ansteckung. Wir haben in Österreich leider nicht eine niederschwellige Möglichkeit, Qigong mit vorbeugenden TCM-Rezepturen zu verbinden, wodurch, wie China vorgezeigt hat, Infektionen effektiv unterbunden werden können.

Doch können wir Qigong üben und verstehen, dass das Qi zu regulieren (nicht nur durch Qigong und TCM, auch durch Ernährung und generellen Lebensstil) eine der wichtigsten Maßnahmen zur Infektions-Prävention ist. Warum das funktioniert, darüber habe ich im Frühjahr schon geschrieben, und ich werde das in der nächsten Zeit auch wieder tun. 

Wenn ich nur an Einzelheiten aus meinem persönlichen Umfeld denke, z.B. was ich von meinem Bruder höre, wo in dem Spital in Tirol, in dem er arbeitet, sich mehr und mehr Personal ansteckt und in den letzten Tagen eine ganze Station geschlossen werden musste, wenn ich höre, dass auf der Intensivstation der Neurochirurgie in Innsbruck, wo mein Vater im Frühjahr nach seiner Hirnblutung operiert wurde, nun ausschließlich Covid-Patienten liegen und kein einziger neurochirurgischer Fall, wenn ich daran denke, was Kerrys behandelnde Ärztin ihr schon im Oktober geschildert hat, dass im Innsbrucker Landeskrankenhaus tagtäglich auf irgendwelchen Stationen Krise herrscht und laufend improvisiert werden muss, um den Betrieb am Laufen zu halten, wenn ich daran denke, dass wir nun auch schon Covid-Fälle in der engeren Familie haben und allein in der letzten Woche mehr als 10 Freunde als K1-Kontakt in Quarantäne mussten, dann kann ich nicht umhin, an die bei uns vergebenen Chancen der Vorbeugung durch TCM zu denken. 

Mir ist vollkommen bewusst, dass, wenn man die TCM oder noch schlimmer, Qigong erwähnt, und über den unglaublichen Erfolg Chinas in der Bekämpfung und Kontrolle der Pandemie spricht, vornehmlich auf Unglauben stößt, als naiv belächelt wird, als esoterischer Spinner oder von manchen auch als Verteidiger der chinesischen Autokratie mit ihren Menschenrechtsverletzungen gesehen wird, kurz, ich weiß, dass das bei uns aus vielerlei Gründen kein Thema ist und leider kein Thema sein wird. Trotzdem spreche ich es hier an.

In China wurde während der Pandemie das Krankenhauspersonal mittels TCM-Vorbeuge-Rezepturen geschützt, mit hervorragendem Erfolg, es gab unzählige Spitäler und andere medizinische Einrichtungen, in denen sich weder Ärzte noch Krankenschwestern und Pfleger angesteckt haben. Der Vorschlag von Mag. Stöger zusammen mit den österreichischen TCM-Ärzten, Ähnliches in Österreich zu tun, um den Infektionsdruck von den Spitälern zu nehmen, im Februar dem Gesundheitsministerium übermittelt, hat bis heute keine Reaktion zur Folge gehabt.

Bei uns wird manchmal in Nebensätzen berichtet, dass die Pandemie in China unter Kontrolle ist. Tatsächlich ist sie für den Durchschnittsbürger seit einem halben Jahr vorbei. Bei uns wird, man kann nur sagen: fahrlässigerweise, nie dargestellt, woraus das chinesische Gesamtpaket der Pandemiebekämpfung bestanden hat. Es wird immer so getan, als ob die Maßnahmen, die China gesetzt hat, nur in einer Diktatur funktionieren können. TCM und Qigong haben jedoch keine Kompatibilitätsprobleme mit demokratischen Systemen, und ausgerechnet darüber, dass und wie die TCM den entscheidenden Beitrag zur erfolgreichen Eindämmung und Kontrolle des Virus geleistet hat, wird nicht berichtet.

Ich bin in stetem Kontakt mit meinen chinesischen Freunden, natürlich auch mit unseren Qigong-Lehrern, und sehe, dass in China das Leben wieder seine ganz normalen Gänge geht. Schon im Sommer gab wieder Massenevents in Wuhan, z.B. das HOHA Water Electrical Musical Festival. Der innerchinesische Tourismus blüht, vor einem Monat, anlässlich des chinesischen Nationalfeiertags, waren über 600 Millionen Menschen unterwegs. Bei uns wird hin und wieder über lokale Ausbrüche berichtet, wie über den in Qingdao. Ausbrüche dieser winzigen Dimension wären bei uns ein Traum, in Qingdao handelte es sich um 12 Fälle, in der Folge wurden binnen weniger Tage 9 Millionen Leute getestet, und damit die Weiterverbreitung verhindert. (Die Gesamtzahl der Tests für Österreich für das ganze Jahr liegt bei ca. 2,5 Millionen.)

Die Neuansteckungsrate pro Million Einwohner beträgt in China 0,1, in Österreich mit dem gestrigen Tag 995,1.

Doch mehr dazu ein anderes Mal. Es ist einfach traurig, dass eine billige und effektive Hilfe im Corona-Management, die auch nicht im Widerspruch zu den bei uns getroffenen und zu treffenden Maßnahmen steht, nicht einmal ignoriert wird.

Darum zurück zu Qigong, zurück zum Weichen, Langsamen, Sanften, zurück zu Stille und Entspannung und zur Öffnung gegenüber den schöpferischen Kräften der Natur.

Hier die „Einfachen und Unbeschwerten Übungen 1 bis 3:



Thursday, November 12, 2020

Die dritte "Unbeschwerte Übung" und eine weitere Massage zur Unterstützung des Lungen-Qi

Hier ist ein weiteres Übungs-Video:

Zuerst mit der dritten der "Unbeschwerten Übungen" im Sitzen (ein Video mit der Übung im Stehen kommt natürlich noch), und darauf mit einer weiteren Akupunkt-Massage zur Stärkung des Lungen-Qi.

Der Punkt, um den es sich dreht, heißt Tanzhong (man findet oft auch: Shanzhong). Dieser ist Punkt 17 auf dem Konzeptionsgefäß (renmai 任脉), auch der obere Ozean des Qi (shang qihai 上气海) genannt, ein wichtiger Punkt nicht nur zur Stärkung des Qi der Lunge und des Herzens, sondern auch des Zong-Qi 宗气 (wörtlich des Ahnen-Qi, des Qi der Atmung) und des Qi des ganzen Körpers.


Monday, November 9, 2020

Einfache Massagen zur Unterstützung des Lungen-Qi

Neben den diversen Qigong-Übungen möchten wir auch weiterhin, wie im Frühjahr schon, verschiedene Möglichkeiten der Selbstmassage in das pandemische Übungsprogramm miteinbeziehen. 

Einer der Leitgedanken hierbei ist Einfachheit. 

Es hat keinen Sinn, komplizierte, lang dauernde Übungen zu posten, das erschwert es für jeden, die Dinge in den Alltag einzubeziehen und höchstwahrscheinlich ist es dann so, dass man die Inhalte zur Kenntnis nimmt, sie dann gleich wieder vergisst und nichts damit macht.

Darum Einfachheit. Und darum werden wir wieder Akupunkturpunkte vorstellen, die man ohne viel Aufwand einfach dann während des Tages massieren kann, wenn es einem gerade einfällt. Das kann zuhause sein, oder in der Arbeit, oder wenn man irgendwohin unterwegs ist, früh, mittags, abends. Wenn die Schwelle zum Tun niedrig ist, ist es viel wahrscheinlicher, dass man die Dinge auch macht und zu einer gewissen Regelmäßigkeit findet. Und damit die gewünschten Wirkungen erzeugt. 

Hier nun: 

Es gibt eine Reihe von Akupunkturpunkten, die man regelmäßig massieren sollte, zur Vorbeugung, um die Lungen zu schützen und das Lungen-Qi zu unterstützen.

Zwei dieser wichtigen und effektiven Punkte haben wir schon im Zusammenhang mit den Baxie-Übungen erwähnt.

Der erste wichtige Punkt zum Schutz der Lunge heißt Yuji (鱼际穴). Es ist der 10. Punkt des Lungenmeridians und befindet sich auf dem Daumenballen in der Mitte der Verbindung zwischen Daumenwurzel und Handgelenk.

Der Yuji-Punkt stellt im Qi-Mechanismus das Tor zur Lunge dar. Er wird häufig zur Behandlung und Linderung von Erkältungen angewendet und kommt vor allem bei Halsschmerzen zur Anwendung. Das Tor zur Lunge (also die Kehle) wird durch Yuji geöffnet, Schleim und Feuchtigkeit werden umgewandelt und ausgeschieden, Kopfschmerzen können behandelt werden usw. 

Wenn man Yuji zusammen mit Hegu (Dickdarm 4, siehe unten) massiert, kann man auch Asthmaanfälle wirksam lindern.

Wie ich im Video zeige, massiert man den Punkt ca. ein, zwei Minuten lang, entweder mit einem Finger, oder man legt die Hände ineinander und streicht mit dem Daumen der einen Hand über den Daumenballen der anderen Hand. Damit massiert man nicht nur den Punkt selbst, sondern erreicht den ganzen Verlauf des Lungenmeridians in der Hand.

Hegu (合谷穴), den vierten Punkt des Dickdarm-Meridians findet man, indem man Daumen und Zeigefinger aneinanderlegt. Am höchsten Punkt des dadurch entstehenden Muskelbauchs ist der Punkt. Die anatomische Lokalisierung ist: in der Mitte des zweiten Mittelhandknochens (an der Seite zum Daumen hin) in einer Vertiefung. Er ist einer der im Qigong wichtigsten Akupunkturpunkte und kommt dementsprechend oft zur Anwendung.

Die Qi-Funktionen des Hegu-Punkt sind vielfältig: er zerstreut Wind, öffnet die Oberfläche, öffnet die Qi-Bahnen, stärkt und verteilt das Lungen-Qi und stabilisiert das Abwehr-Qi, alles Funktionen, die jetzt in der Pandemie zur Vorbeugung wichtig sind.

Man massiert den Punkt am besten mit dem Daumen, entweder ein, zwei Minuten pressen oder kreisförmig in beiden Richtungen massieren.



Friday, November 6, 2020

Regulierung des Atems und die "Unbeschwerten Übungen"

Hier ist ein Video zum Mitüben, für Anfänger wie auch für Fortgeschrittene geeignet, zuerst mit ein paar Bewegungen zur Regulierung des Atems und des Qi, gefolgt von den ersten beiden der "Leichten und unbeschwerten Übungen".

Eine kurze Anmerkung dazu:

Beim Qigong-Üben sind Genauigkeit oder Bemühung nicht nötig, meist sogar kontraproduktiv. Man kann beim Üben ruhig nachlässig und etwas schlampig sein. Gute Qigong-Übungen sind ohnehin einfach und leicht zu merken, und wirken auch, wenn man es nicht so "gut" oder "schön" macht.

Wir sind ohnehin so vielem Stress ausgesetzt, da braucht man sich beim Qigong nicht noch zusätzlich zu bemühen und unnötig unter Druck zu setzen.

Qigong wirkt nicht durch Genauigkeit, Anstrengung oder Bemühung, sondern durch das Loslassen und durch den während des Übens erzeugten Zustand tieferer Ruhe und Entspannung. Vielleicht fällt einem das Loslassen und Ruhigwerden anfangs nicht so leicht, aber dafür ist das Üben ja da. 

Übt man halbwegs regelmäßig und überfordert sich dabei nicht, dann stellen sich Ruhe und Entspannung ganz sicher ein. Ist man ruhig und entspannt, dann fließt das Qi ungehindert und harmonisch, mit all den positiven Auswirkungen auf die Gesundheit. 

Entspannt, ruhig, natürlich, dies sind Grundprinzipien und Leitgedanken beim Qigong-Üben. Solange man beim Qigong loslässt und ruhig wird, macht man alles richtig. 

 


Monday, November 2, 2020

Die Unbeschwerten Übungen im Sitzen und Liegen



Kerry hat nun ein Video gemacht, eine Ergänzung zum Video der ersten „freien und unbeschwerten Übung“. 

Das Video ist zwar auf Englisch, man kann den Bewegungen sicher auch bei mangelnden Englischkenntnissen folgen. Für diejenigen, die es brauchen, übersetze ich hier, was Kerry im Video spricht:

Dies ist eine Variante der vorgestern veröffentlichten ersten Xiaoyaogong-Übung im Sitzen und Liegen für diejenigen, für die das Üben im Stehen aufgrund von von Verletzung oder Krankheit zu anstrengend oder nicht möglich ist, und auch für diejenigen, die aufgrund von Müdigkeit und Erschöpfung eine Alternative zum Üben im Stehen brauchen.

Wenn man krank ist, ist es im Allgemeinen so, dass das Qi in der Mitte blockiert, dort, wo sich die lebenswichtigen Organe befinden. Der Fluss zu den Extremitäten ist vermindert, man merkt dies daran, dass man sich schwächer fühlt, man bekommt vielleicht kalte Hände und Füße oder auch Krämpfe, es mag sein, dass sich die Klarheit der Gedanken vermindert, dass man Kopfweh entwickelt, Schwindel usw. 

Dies kommt daher, dass sich die Hauptaktivität des Qi auf die für den Organismus wesentlichsten Organe und Bereiche konzentriert: auf Herz, Lungen, Nieren, Leber, Verdauung, damit die Lebensaktivitäten geordnet weitergehen können und der Organismus sich schrittweise erholen kann, bis die Gesundheit und der gesunde Fluss des Qi in alle Richtungen wieder hergestellt ist.

Wenn man die Übung im Sitzen machen möchte: ideal ist das Sitzen mit verschränkten Beinen, so wie Kerry im Video. Es ist auch möglich, auf einem Sessel zu sitzen, in diesem Fall etwas weiter vorne auf dem Sessel, sodass der Rücken frei ist und die Bewegung des Qi nicht behindert wird.

Um die Übung auszuführen, macht man es sich im Sitzen bequem, legt die Hände auf die Beine und lässt den Atem für eine kurze Weile fließen, solange, bis sich ein Gefühl der inneren Ruhe einstellt. Durch die Nase atmen, Einatmung und Ausatmung nur durch die Nase. 

Daraufhin entspannt man sich. Man entspannt den Körper schrittweise und geht ihn durch, vom Kopf über Hals und Nacken zu den Schultern, zu den Armen, Ellbogen, Händen, Fingern, dann geht es zu Brust und Bauch, zu oberem und unterem Rücken, zu den Hüften, den Beinen bis zu den Füßen und Zehen.

Als legt man die Hände übereinander auf den Bauch, man versucht zu spüren, wie sich die Wärme der Hände auf den Bauch überträgt, während der Atem fließt und sich die Bauchdecke hebt und senkt. 

Man kann dies solange tun, wie man möchte, es führt zu tiefer Entspannung, verankert den Geist in den Körper und erzeugt einen angenehmen Zustand der Ruhe.

Dann kann man mit der Bewegung beginnen, ganz gleich so wie beim Üben im Stehen. Man hebt die Hände auf Schulterhöhe, die Handflächen sind eher nach unten gerichtet, und senkt sie dann wieder auf den Bauch. 

Man atmet dabei ruhig durch die Nase, im eigenen Rhythmus. Vielleicht entwickelt sich die Atmung auch so, dass das Heben dem Einatmen und das Senken dem Ausatmen entspricht, man forciert dies aber nicht.

Die Augen sind geschlossen, man kann sie auch offen lassen, in diesem Fall richtet man den Blick etwas nach vor und hinunter, ohne konkret etwas anzusehen.

Man ist sich bewusst, dass der Körper zwischen Himmel und Erde ausgerichtet ist. Die Wirbelsäule ist aufrecht, das Kinn wird leicht nach innen genommen.

Wenn man nur diese eine Übung macht, wiederholt man die Bewegung zumindest 9, 10 Mal. Man kann aber auch viel länger üben, solange, wie man möchte. Auch kann man die Bewegung sehr langsam ausführen, vor allem wenn man länger übt, stellt sich ein Gefühl der Leichtigkeit, Einfachheit, Mühelosigkeit ein, dem sich zu überlassen sehr angenehm ist. Die Bewegungen werden dann wahrscheinlich sehr langsam werden.

Das Gesicht entspannen, den Kiefer, ruhig atmen.. Heben, das Qi steigt, senken, das Qi bewegt sich nach innen.. Ein fortwährendes Ausdehnen und Zusammenziehen.

Zum Beenden der Übung werden die Hände auf den Bauch gelegt. Die Konzentration richtet sich dorthin, wo sich die Hände befinden. Man denkt an das Qi, das ins Zentrum zurückkehrt, ins Dantian, den Speicher aller Lebensenergie.

Man lässt die Hände dort eine Weile liegen, bis man spürt, wie die Nieren, der Bauch, auch die Hände und die Füße wärmer werden.

Zum Abschluss die Hände reiben, dann das Gesicht, den Hinterkopf, die Ohren, über den ganzen Kopf streichen, dann die Nierengegend massieren, und schließlich die Hände auf den Bauch legen. 

Wenn man sich in letzter Zeit nicht wohl gefühlt hat und das Qi in der Mitte blockiert, ist es gut, auch noch mit den Händen über den Bauch zu kreisen, langsam und konzentriert, in konzentrischen Kreisen zuerst nach außen und dann in Gegenrichtung nach innen.

Ist man zu schwach zum Sitzen, kann man die Übung auch im Liegen machen, so wie Kerry im Video zeigt. Man kann flach im Bett liegen, oder Kopf und Oberkörper durch Polster stützen. 

Hauptsache es ist bequem. Im Liegen versucht man, ganz loszulassen. man stellt sich vor, man liegt auf der Erde oder noch besser auf Sand, und man überlässt sich dem Zug der Schwerkraft nach unten.

Sobald man sich wohl fühlt, beginnt man und führt die Übung so aus, wie oben schon beschrieben. Im Video sieht man ja gut, wie man dies tut.

Auch wenn man nicht krank ist, ist dies eine sehr angenehme Art zu üben. Auch vor dem Schlafengehen ist die Übungsvariante im Liegen sehr geeignet.

Die Unbeschwerten Übungen und ein Grundprinzip der Yin-Yang-Theorie

Hier ein kurzer Text von Kerry über die „Leichten und unbeschwerten Übungen“:


Die Unbeschwerten Übungen und ein Grundprinzip der Yin-Yang-Theorie

Die Yin-Yang-Theorie der TCM beschreibt, wie sich das Leben (das Qi) in vier Richtungen (hinauf und hinab, hinein und hinaus) bewegt und dadurch den nötigen Raum für die Integration und Transformation aller Lebensprozesse schafft - im Menschen, in der Natur, im ganzen Universum. 

Die 4 Bewegungsrichtungen stellen komplementäre Polaritäten dar, zwei Paare, die nicht getrennt werden können. Es gibt kein Heben ohne Senken, keine Kontraktion ohne Ausdehnung, keine Bewegung nach innen ohne eine nach außen. Atmet man ein, drückt das Zwerchfell nach unten, während sich die Brust hebt und der Bauch ausdehnt. Atmet man aus, steigt das Zwerchfell, während die Brust sinkt und sich der Bauch zusammenzieht.

Alle Qi-Prozesse unseres Körpers sind auf diese Weise koordiniert. Wird die Bewegung in die vier Richtungen nicht beeinträchtigt oder gehemmt, dann können wir unseres Gesundseins sicher sein. Es existiert dann der notwendige Raum für die Gesundheit, der Raum, den Qi, Blut, Atem und Geist brauchen, um kontinuierlich durch alle Aspekte unseres Seins strömen können.

Dies ist Teil des TCM-Verständnisses der Bedeutung von „ungehindert“, „ungebunden“, „frei“ und „leicht“ (xiaoyao 逍遥 auf Chinesisch) als natürlicher Qualitäten des Lebens.

Beim Üben der Unbeschwerten Übungen richtet man sich zuerst zwischen Himmel und Erde aus, entlang der vertikalen Achse der Wirbelsäule. Der Geist wird ruhig, während man durch die Nase ein- und ausatmet. Die Handflächen ruhen auf dem Unterbauch, um diesen zentralen Speicher alles gesunden Potentials zu aktivieren und ein Gefühl der Wärme im „Dantian“ oder „Meer des Qi“ hervorzurufen. 

Dies öffnet die Grenzen unseres Seins hin zu einem anderen Raum und einer anderen Zeit, die sich entspannt, grenzenlos und still anfühlen. Ein Raum, in dem alles passieren kann, in dem alles möglich ist. Ein Raum, in dem das Leben fließen kann, natürlich und ohne Behinderung.

Während der Übung, um diesen Fluss des Lebens zu unterstützen und nicht zu stören, bewegt man sich langsam und koordiniert in den vier Richtungen - der Atem strömt ein und aus, der Körper steigt und sinkt, die Arme öffnen und schließen. Je mehr man sich entspannt, desto mehr beruhigt sich der Geist. Die geistige Ruhe ermöglicht die freie Bewegung des Qi, so dass es nähren kann und festigen, transformieren und verfeinern. Dies wiederum führt zu weiterer Entspannung und einem tiefen Gefühl des Wohlbefindens.

Es gibt viele Möglichkeiten, wie man das Qi wahrnehmen kann, dieses Wohlbefinden ist eine davon. Es ist die Verkörperung des Ausdrucks „xiaoyao“ „frei, unbeschwert, ungebunden und einfach“ , es ist das, was diese Übung und Qigong im Allgemeinen so schön und wohltuend macht.

Zhuanyangong 转眼功 - Eine Übung für die Augen

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