Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift, gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftliche Artikel zu historischen, anthropologischen, soziologischen und philologischen Aspekten der Asiatischen Medizin sowie Praxisberichte von Klinikern in und außerhalb Asiens publiziert werden.
Herausgegeben von Michael Stanley-Baker, Ronit Yoeli-Tlalim and Dolly Yang, wurde letztes Jahr eine Spezialausgabe des Journals zum Thema der Covid-Pandemie publiziert. Diese Spezialausgabe "Asian Medicine and COVID-19" ist auf der Webseite des Brill-Verlags öffentlich zugänglich, die einzelnen Artikel können direkt im Netz gelesen oder als PDF heruntergeladen werden.Vielleicht ist ja dieses Journal für manche von uns interessant (ganz unten im Text ist der Link). Ich übersetze hier den ersten Teil des einleitenden Artikels, verfasst von Michael Stanley-Baker und Ronit Yoeli-Tlalim. Ich finde das Gesagte äußerst wichtig, es formuliert sehr gut und kurz das Problem, das wir mit Traditionen wie der Asiatischen Medizin (im Falle von Covid vor allem der Chinesischen Medizin) haben.
In wenigen Absätzen wird klar angesprochen, dass es in erster Linie um ein erkenntnistheoretisches Problem geht. Das mechanisch-materialistische wissenschaftliche Weltbild mit seinem (unwissenschaftlichen) Alleinerklärungsanspruch verhindert andere, sinnvolle, effektive Möglichkeiten der Covid-Beämpfung, diese werden nicht nur nicht wahr- und ernstgenommen geschweige denn verstanden, sondern auch attackiert und lächerlich gemacht. Zu unser aller Verlust. In einigen früheren Beiträgen auf diesem Blog habe ich das ja schon des öfteren thematisiert.
Dass die Chinesische Medizin oder auch Qigong sinn- und wirkungsvoll in der Pandemie zum Einsatz kommen könnten, ist bei uns einfach nicht vorstellbar, selbst für viele derjenigen nicht, die selbst therapeutische Erfahrungen mit der Chinesischen Medizin gemacht haben oder Qigong praktizieren. Dies weist in erster Linie auf ein Verständnisproblem hin, auf ein mangelndes Verständnis, dessen, was Wissenschaft ist bzw. sein könnte. Eine organische Wissenschaft vor dem Hintergrund einer organischen Philosophie und einer organischen Kosmogonie, wie sie in der chinesischen Philosophie und Medizin zum Ausdruck kommen, ist zwar mit dem mechanisch-materialistischen Denken nicht vereinbar, ist sie deshalb aber grundsätzlich falsch? Diskussionen, wie das wissenschaftliche Weltbild zu erweitern bzw. verändern wäre (wodurch auch Wissenstraditionen wie die asiatische Medizin sinnvoll integrierbar wären), gibt es in der Wissenschaft schon seit langem. Doch der öffentliche Diskurs, in der Pandemie unangenehm szientistisch ideologisiert, operiert fast ausschließlich mit dummen Vorurteilen, was leider zu einer Situation geführt hat, die in Bezug auf Covid einen differenzierten Dialog fast unmöglich macht. Umso wichtiger sind solche Initiativen, wie die der Herausgeber von Asian Medicine.
Hier nun meine Teilübersetzung des einleitenden Artikels. Der Artikel gibt dann auch eine Synopsis der verschiedenen Journalbeiträge, doch dies ist schon spezieller, darum habe ich auf eine Übersetzung verzichtet.
„Als wir vor etwa einem Jahr (d.h. 2020) die Herausgabe dieser Sonderausgabe in Angriff nahmen, sah bezüglich COVID-19 praktisch alles anders aus als heute. Die asiatischen Länder hatten es geschafft, die Pandemie in Schach zu halten, während Europa und die USA die schlimmste medizinische Katastrophe seit Menschengedenken erlebten. In dem Krankenhaus, in dessen Nähe eine von uns in London wohnt, starben Hunderte von Menschen. Jeder ihrer Bekannten hatte Freunde oder Verwandte, die entweder sehr ernst erkrankt oder gestorben waren.
Gleichzeitig begann sich in Singapur das Leben, abgesehen von einem gewaltigen Ausbruch in den Quartieren für Wanderarbeiter, schon wieder zu normalisieren, als die Stadt eine frühzeitig verhängte sogenannte „Sicherungs"-Lockdownperiode vergleichsweise unbeschadet überstanden hatte. Freunde und Kollegen in London fanden diese Kluft verblüffend. Sie fragten sich: Wie machen die das bloß? Während einige der Gründe für die Erfolge im Kampf gegen COVID-19 in Ostasien in den biomedizinischen Institutionen, Kenntnissen und Praktiken liegen, die als Reaktion auf frühere SARS-Ausbrüche entstanden sind, gibt es andere Aspekte der Geschichte, die noch erzählt werden müssen.
Ein Teil der Geschichte besteht darin, dass Narrative über ältere regionale medizinische Traditionen in den englischsprachigen Medien nicht willkommen waren oder, schlimmer noch, aktiv unterdrückt wurden. Die asiatische Medizin wurde in hochrangigen Publikationen wie Foreign Policy und Nature bewusst falsch dargestellt, wobei Tropen des neunzehnten Jahrhunderts wie Quacksalberei, Täuschung und Betrug verwendet wurden. Gleichzeitig haben Verschwörungstheorien und die Verbreitung von Fehlinformationen im Internet alternative, ganzheitliche Neigungen zur asiatischen Medizin in eine antiwissenschaftliche Haltung verwandelt, die sich mit der Gegnerschaft zu Impfstoffen und Wissenschaftsfeindlichkeit verbündet.
Beide Positionen, weit verbreitet in den englischsprachigen und europäischen Medien, stellen die asiatische Medizin falsch dar und beeinträchtigen aktiv unsere Fähigkeit, als globale Gemeinschaft von den Strategien, die sie zu bieten hat, zu lernen, sie anzuwenden und zu integrieren. Sie leiden daran, dass sie die asiatische Medizin auf verflachte Weise und auf simplem, verdummtem Niveau schildern, mit einer erkenntnistheoretischen Taubheit, die versäumt anzuerkennen, dass diese Länder über solide, seit langem bestehende Traditionen von Praxis, Experiment und Verifikation, institutioneller Autorität und der Feststellung von Wirksamkeit verfügen, in deren Rahmen sie Antworten auf Epidemien entwickelt haben.
Diese werden nicht willkürlich festgelegt, weder aus der Laune eines Staatsoberhaupts heraus, um wirtschaftlichen oder politischen Gewinn zu erzielen, noch durch fantastische Vorstellungen unsichtbarer Manipulatoren der Wahrheit. Sie sind das Ergebnis einer langen Geschichte von Epidemien, Medizin und Traditionen von Behandlung und Pflege, und diese Prinzipien und Herangehensweisen müssen in ihrer jeweiligen Bedeutung sorgfältig verstanden werden, um sicher, verlässlich und produktiv umgesetzt und integriert werden zu können.
Es war diese Krise der Repräsentation inmitten der globalen Gesundheitskrise, die uns dazu veranlasste, unsere Kräfte zu bündeln und Experten für asiatische medizinische Traditionen einzuladen, um unser Verständnis dieser Traditionen aufzufrischen und zu vertiefen. Letztes Jahr haben wir eine Reihe von Webinaren veranstaltet, um das Gespräch in Gang zu bringen, einige Redner kommen auch in dieser Ausgabe zu Wort. Die Webinare können online auf der IASTAM-Website angesehen und für den Unterricht genutzt werden, vielleicht in Kombination mit den Artikeln hier. Unterdessen waren die Autoren damit beschäftigt, ihre Artikel in schnellem Tempo zu verfassen, und die Zeitschrift unterstützte uns freundlicherweise dabei, die Ausgabe im Schnellverfahren zu veröffentlichen, damit sie für den Unterricht und als zeitgemäßer Kommentar zur Pandemie zur Verfügung stehen kann.
Unser Ziel ist es nicht, für bestimmte therapeutische Maßnahmen zu plädieren. Die Entscheidung darüber wird durch klinische Studien getroffen und obliegt medizinischen Einrichtungen, staatlichen Institutionen und den einzelnen Ärzten. Unser Ziel ist es vielmehr, für ein tiefergehendes Zuhören einzutreten - und vor allem beizutragen, ein Bewusstsein für die kulturellen, erkenntnistheoretischen und institutionellen Barrieren in der heutigen Gesundheitsversorgung zu schaffen: die falsche Gleichsetzung von erkenntnistheoretischen Unterschieden mit Unprofessionalität und die Hybris, zu glauben, dass das Vermögen der wissenschaftlichen Methode, gute Antworten zu finden, bedeutet, dass sie die einzigen Antworten liefert. Wir gehen davon aus, dass die Diskussion über COVID-19 ein langer Prozess sein und sich nicht nur auf den aktuellen Ausbruch beschränken, sondern auch auf künftige globale Ausbrüche und neue Gesundheitskrisen erstrecken wird. Wir wollen intellektuelle Flexibilität, Nuancierung und einen Ton des Dialogs unterstützen, die es den Angehörigen der Gesundheitsberufe aus unterschiedlichen Paradigmen ermöglichen, zusammenzuarbeiten, voneinander zu lernen und sich gegenseitig im gemeinsamen Bestreben zu unterstützen, unsere Mitmenschen vor Schaden und Krankheiten zu schützen. Ein solcher Dialog erfordert kritische Werkzeuge, und wir glauben, dass diese Werkzeuge in dieser Ausgabe in ausreichendem Maße vorhanden sind.
Wir können viel lernen, wenn wir die Perspektive bezüglich COVID-19 erweitern: zeitlich, geografisch und kulturell. Es geht nicht um oberflächliche Vergleiche, sondern vielmehr um Wege des Forschens und des Dialogs: Welche Fragen müssen wir uns als Weltbürger des einundzwanzigsten Jahrhunderts angesichts dieser welterschütternden Erfahrung stellen? Welche Lehren können wir daraus ziehen? Welches Vokabular und welche Stile des vergleichenden Diskurses sind destruktiv und schädlich für weiteres Lernen und gegenseitige Unterstützung? Welche wertvollen Lehren laufen Gefahr, ignoriert zu werden? Welche geschichtlichen Aspekte sind für Historiker, Anthropologen und Praktiker der asiatischen Medizin klarer? Können uns diese Blickwinkel helfen, die verschiedenen, oft konkurrierenden Arten und Weisen des Verständnisses von Pandemien zu verstehen? Verändert ein vergleichsweise hohes Niveau historischen Bewusstseins bezüglich Pandemien bei Politikern und Gesundheitsexperten deren Reaktionsfähigkeit? Wie können Pandemien ein erneuertes und revidiertes Denken bezüglich sozialer Gerechtigkeit anregen? ..."
Soweit meine Übersetzung. Vielleicht übersetze ich auch noch den zweiten Teil des Artikels, aber eben nur vielleicht. Das im ersten Teil Gesagte ist das Wichtigste, was kommt ist dann spezieller und detaillierter, ich vermute, das interessiert nicht jeden.
Hier der Link zum Journal:
Asian Medicine, Volume 16 (2021): Special Issue: Asian Medicine and COVID-19
Es war diese Krise der Repräsentation inmitten der globalen Gesundheitskrise, die uns dazu veranlasste, unsere Kräfte zu bündeln und Experten für asiatische medizinische Traditionen einzuladen, um unser Verständnis dieser Traditionen aufzufrischen und zu vertiefen. Letztes Jahr haben wir eine Reihe von Webinaren veranstaltet, um das Gespräch in Gang zu bringen, einige Redner kommen auch in dieser Ausgabe zu Wort. Die Webinare können online auf der IASTAM-Website angesehen und für den Unterricht genutzt werden, vielleicht in Kombination mit den Artikeln hier. Unterdessen waren die Autoren damit beschäftigt, ihre Artikel in schnellem Tempo zu verfassen, und die Zeitschrift unterstützte uns freundlicherweise dabei, die Ausgabe im Schnellverfahren zu veröffentlichen, damit sie für den Unterricht und als zeitgemäßer Kommentar zur Pandemie zur Verfügung stehen kann.
Unser Ziel ist es nicht, für bestimmte therapeutische Maßnahmen zu plädieren. Die Entscheidung darüber wird durch klinische Studien getroffen und obliegt medizinischen Einrichtungen, staatlichen Institutionen und den einzelnen Ärzten. Unser Ziel ist es vielmehr, für ein tiefergehendes Zuhören einzutreten - und vor allem beizutragen, ein Bewusstsein für die kulturellen, erkenntnistheoretischen und institutionellen Barrieren in der heutigen Gesundheitsversorgung zu schaffen: die falsche Gleichsetzung von erkenntnistheoretischen Unterschieden mit Unprofessionalität und die Hybris, zu glauben, dass das Vermögen der wissenschaftlichen Methode, gute Antworten zu finden, bedeutet, dass sie die einzigen Antworten liefert. Wir gehen davon aus, dass die Diskussion über COVID-19 ein langer Prozess sein und sich nicht nur auf den aktuellen Ausbruch beschränken, sondern auch auf künftige globale Ausbrüche und neue Gesundheitskrisen erstrecken wird. Wir wollen intellektuelle Flexibilität, Nuancierung und einen Ton des Dialogs unterstützen, die es den Angehörigen der Gesundheitsberufe aus unterschiedlichen Paradigmen ermöglichen, zusammenzuarbeiten, voneinander zu lernen und sich gegenseitig im gemeinsamen Bestreben zu unterstützen, unsere Mitmenschen vor Schaden und Krankheiten zu schützen. Ein solcher Dialog erfordert kritische Werkzeuge, und wir glauben, dass diese Werkzeuge in dieser Ausgabe in ausreichendem Maße vorhanden sind.
Wir können viel lernen, wenn wir die Perspektive bezüglich COVID-19 erweitern: zeitlich, geografisch und kulturell. Es geht nicht um oberflächliche Vergleiche, sondern vielmehr um Wege des Forschens und des Dialogs: Welche Fragen müssen wir uns als Weltbürger des einundzwanzigsten Jahrhunderts angesichts dieser welterschütternden Erfahrung stellen? Welche Lehren können wir daraus ziehen? Welches Vokabular und welche Stile des vergleichenden Diskurses sind destruktiv und schädlich für weiteres Lernen und gegenseitige Unterstützung? Welche wertvollen Lehren laufen Gefahr, ignoriert zu werden? Welche geschichtlichen Aspekte sind für Historiker, Anthropologen und Praktiker der asiatischen Medizin klarer? Können uns diese Blickwinkel helfen, die verschiedenen, oft konkurrierenden Arten und Weisen des Verständnisses von Pandemien zu verstehen? Verändert ein vergleichsweise hohes Niveau historischen Bewusstseins bezüglich Pandemien bei Politikern und Gesundheitsexperten deren Reaktionsfähigkeit? Wie können Pandemien ein erneuertes und revidiertes Denken bezüglich sozialer Gerechtigkeit anregen? ..."
Soweit meine Übersetzung. Vielleicht übersetze ich auch noch den zweiten Teil des Artikels, aber eben nur vielleicht. Das im ersten Teil Gesagte ist das Wichtigste, was kommt ist dann spezieller und detaillierter, ich vermute, das interessiert nicht jeden.
Hier der Link zum Journal: