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Monday, February 22, 2021

Fangsonggong - Entspannungsübung für die Augen

Noch einmal zurück zu den Entspannungsübungen, und noch einmal zurück zu den Augen.

Mit den bisherigen Postings und Videos habe ich Entspannungsübungen für den ganzen Körper beschrieben:

Die Entspannung bestimmter Körpersegmente (Kopf und Hals, Brust und oberer Rücken, Bauch und unterer Rücken, Arme, Beine) bzw. die Entspannung entlang dreier Linien: 

- vom Kopf bis in die Hände zu den Mittelfingern (Akupunkturpunkt Herzbeutel 9 - Zhongchong)
- vom Kopf zu den Füßen zur großen Zehe (Milz 1 - Yinbai) 
- vom Kopf zu den Füßen zu den Fußsohlen (Punkt Niere 1 - Yongquan).

Die Übungssequenz ist dabei immer gleich: 

Zuerst setzt, stellt oder legt man sich in der vorgegebenen Haltung hin und beruhigt die Atmung. 

Dann geht man den Körper durch, entspannt den entsprechenden Bereich, intoniert innerlich den Laut „sung“ und versucht das resultierende Entspannen, Lockern und Weiten zu spüren.

Dann folgt eine Phase der Konzentration auf das Dantian.

Und schließlich beendet man die Übung, indem man den Speichel schluckt und in der Vorstellung ins Dantian sendet.

Entspannungsübungen können natürlich auch lokal, mit der Konzentration auf nur auf einen Körperbereich, ausgeführt werden.

Wie man dies praktiziert,  möchte ich hier am Beispiel der Augen beschreiben. Die Übung passt auch gut zum Augen-Kreisen von Dr. He Puren, das ich vor ein paar Wochen vorgestellt habe.

Als erstes achtet man auf die Körperhaltung (aufrecht und locker im Sitzen oder Stehen oder gerade ausgerichtet, wenn man auf dem Rücken liegt) und konzentriert sich auf das ruhige Kommen und Gehen des Atems. Dann richtet man die Aufmerksamkeit auf die Augen, intoniert beim Ausatmen innerlich den Laut „sung“ und spürt der Wirkung nach.

Zu Beginn wird man wahrscheinlich keine sehr differenzierte Wahrnehmung haben. Man spürt natürlich die Augen und die umliegenden Bereiche des Gesichts, vermutlich jedoch nur vage, und wahrscheinlich bemerkt man gar nicht, wo die Spannungen sitzen bzw. wieviel Spannung in den Augen und im Gesicht ist. 

Mit der Zeit wird man bemerken, dass sich das Gefühl der Ruhe immer mehr vertieft. Und damit einhergehend wird man allmählich anfänglich verborgen gebliebene Spannungen wahrzunehmen beginnen. Vielleicht bemerkt man auch, dass die Augen zu trocken sind, dass man die Augenbrauen oder Stirn gewohnheitsmäßig runzelt, die Augen zu fest schließt, oder dass sich die Augen nicht sehr beweglich anfühlen.

Spürt man dies, kann man während des Übens ein paar kleine Bewegungen machen: die Augen mehrmals öffnen oder schließen, sie ein paar Mal auf und ab und links und rechts bewegen, die Stirn und die Augenbrauen ein paar Mal absichtlich runzeln und wieder entspannen etc.. Simple Dinge. Und dann wieder weitermachen mit „sung - sung - sung“.

Je mehr sich die Augen entspannen, desto mehr wird man auch wahrnehmen können: die einzelnen Bereiche (Stirn, Augenbrauen, Augenhöhlen, Augen, Nase…), deren Verbindungen untereinander, wie die Augenlider auf den Augen liegen, die sich verändernde Feuchtigkeit der Augen, sich entwickelnde Tränen… 

Und es wird sich der Zustand der Ruhe immer weiter vertiefen. Die Atmung wird sich verändern, ruhiger und tiefer werden, auch der Laut „sung“ wird feiner und mehr gespürt als innerlich gehört werden. 

Die Entspannung wird schließlich den Augengrund erreichen und auch das Dunkel, das man bei geschlossenen Augen sieht, wird sich wandeln, vielleicht taucht sogar ein Licht auf oder es zeigen sich Farben.

Reaktionen auf die vertiefte Entspannung sind immer individuell. Ich gebe hier eine allgemeine Beschreibung, doch werden sich die allmähliche Entspannung und der  Fluss des Qi in den Augen und im Gesicht bei jedem etwas anders auswirken. 

Es wird auch sicher dauern, bis es zu einem vertieften Entspannen und Loslassen kommt. Es ist ein Prozess, der regelmäßiges Üben und Geduld braucht. 

Wichtig! Wie immer im Qigong gilt die Regel, nicht zu versuchen, bestimmte Phänomene, bestimmte Wahrnehmungen, bestimmte Empfindungen absichtlich herbeizuführen. Damit erreicht man nichts, man verhindert die natürlichen Wirkungen der Übung und erzeugt unter Umständen sogar unerwünschte Nebenwirkungen.

Geduld, Entspannung, Ruhe, das ist alles, was es braucht. Wirkungen stellen sich früher oder später von selbst ein.


Konkreter Übungsablauf:

- Man übt am besten im Sitzen oder Liegen.

- Zuerst lässt man den Atem durch die Nase ein- und ausströmen, für ein paar Minuten, und spürt, wie sich ein Gefühl der inneren Ruhe ausbreitet.

- Dann verwendet man die Ausatmung zusammen mit den gedachten Laut „sung", um zu entspannen, zu öffnen, zu weiten und dem Qi zu freiem Fluss zu verhelfen.

- Die Augen schließen und entspannen: „sung - sung - sung“.

- Die Augenlider entspannen „sung - sung - sung“.

- Die Feuchtigkeit der Augen spüren: „sung - sung - sung“ (3x)

- Die Augenbrauen entspannen: „sung - sung - sung“ (3x).

- Das Gesicht entspannen: „sung - sung - sung“ (3x).

- Den Augengrund entspannen: „sung - sung - sung“ (3x).

- Die Augen entspannen „sung - sung - sung“ (3x).

- Dann richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Dantian. Dreimal tief aus- und einatmen.

- Und schließlich schluckt man den während des Übens entstandenen Speichel, dreimal, sendet ihn mittels der Vorstellung ins Dantian und beendet damit die Übung.

Tuesday, February 9, 2021

Fangsonggong - Entspannung entlang dreier Bahnen - Video

Dies ist nun das angekündigte Video zur im letzten Posting beschriebenen Übung.

Man entspannt entlang dreier Bahnen - seitlich, vorne und hinten - von oben nach unten zu den Händen bzw. zu den Füßen. Falls man sich die Details der Übung nicht ganz merkt, ist es kein Problem. Man geht einfach die Bahnen von oben nach unten durch, ob in mehr oder weniger Segmenten, ist nicht so wichtig.

Zu Beginn am besten im Sitzen oder Liegen üben. Später kann man es auch im Stehen oder Gehen probieren.

Natürlich atmen. Den Laut „sung" stellt man sich bei der Ausatmung vor. 

Nicht zu sehr konzentrieren. 

Diese Art des Qigong-Übens ist zwar sehr einfach, fällt aber nicht jedem auf Anhieb leicht. Es kann gut sein, dass man die Übung als zu eintönig oder langweilig erlebt, und dass die Aufmerksamkeit auszubrechen versucht. Sitzen und Galoppieren (zuochi 坐驰) heißt das bei Zhuangzi. 

Falls es einem so geht, hilft es meist nicht, wenn man die Aufmerksamkeit zu zwingen sucht. Es ist in so einem Fall besser, es sich einfach leichter zu machen, sich weniger zu konzentrieren, nachlässiger zu üben, die Übung etwas schneller zu machen, oder auch die Übung abzubrechen und zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen. 

Setzt man sich nicht unter Druck, findet man früher oder später ins ruhige Entspannen hinein. Und kann sich dann während des Übens, um es mit Joachim Ringelnatz zu sagen, als „luftglücklich leicht" erleben.

        Vorbereitung: 
  • Für ein paar Minuten ruhig ein- und ausatmen.
  • Die Zähne aufeinander klappen. Mit der Zunge im Mund kreisen. Den Speichel ins Dantian schlucken. Die Hände aufeinanderlegen und im Uhrzeigersinn über den Bauch kreisen.
        Hauptübung: 
  • Man verwendet die Ausatmung, den gedachten Laut „sung" und die Konzentration auf die entsprechenden Körperbereiche, um zu entspannen und dem Qi zu freierer Bewegung zu verhelfen.
        Abschluss: 
  • Ruhig ein paar Minuten lang auf das Dantian konzentrieren.
  • Den Speichel in der Vorstellung ins Dantian schlucken.
  • Massagen: Kopf, Ohren, Hinterkopf, unterer Rücken.

Monday, February 8, 2021

Fangsonggong - Entspannung entlang dreier Bahnen

Diese ist eine wichtige der traditionellen Entspannungsübungen. Der Name der Übung rührt daher, dass man entlang dreier Bahnen entspannt, die vom Kopf bis zu den Füßen verlaufen: einer seitlich, einer vorne und einer hinten am Körper verlaufenden Bahn. 

Die Übung kann im Sitzen, Stehen, Liegen, und sogar, wenn man eine gewisse Fertigkeit erworben hat, auch im Gehen ausgeführt werden.

Beim Üben atmet auf natürliche Weise. Wenn sich dabei eine langsame, ruhige und tiefe Bauchatmung einstellt, umso besser!

Wenn man während der Konzentration auf einen Körperbereich das Gefühl hat, dass sich dort keine Entspannung einstellt, beachtet man das nicht weiter und geht einfach zum nächsten Bereich über. Wichtig ist, geistig und psychisch locker und entspannt zu bleiben und sich nicht zu sehr zu konzentrieren. 

Wenn man im Liegen übt, wird man höchstwahrscheinlich einschlafen. Beim Aufwachen macht man einfach weiter. Wenn sich irgendwann das Qi ungehindert im Körper zu bewegen beginnt, wird man auch fähig, beim Üben wach zu bleiben. Mit der Zeit entwickeln sich dann für fortgeschrittenes Qigong typische Zustände körperlichen Wohlseins, tiefer Ruhe und Gedankenfreiheit, auf denen auch die therapeutischen Möglichkeiten solchen Übens beruhen.

Man richtet die Aufmerksamkeit nacheinander auf bestimmte Körperbereiche, um in Verbindung mit der Ausatmung und dem gedachten Laut  sung" zu entspannen, zu weiten und das Qi zu bewegen.

Die drei Bahnen, entlang derer man entspannt, sind:

Bahn 1:    

Die beiden Seiten des Kopfes - die beiden Seiten des Halses - Schultern - Oberarme - Ellbogen - Unterarme - Handgelenke - Finger. 
Endpunkt ist der Zhongchong 中冲 -Akupunkturpunkt (Herzbeutel 9) an der Spitze des Mittelfingers.

Bahn 2:    

Gesicht - die Vorderseite des Halses - Brust - Bauch - die Vorderseite der Oberschenkel - Knie - Unterschenkel - Füße - Zehen. 
Endpunkt ist der Yinbai 隐白 - Akupunkturpunkt an der Großzehe (Milz 1), innen knapp neben dem Nagelwinkel).

Bahn 3:    

Hinterkopf - Nacken - oberer Rücken - unterer Rücken - Rückseite der Oberschenkel - Kniekehle - Rückseite der Unterschenkel - Fersen - Fußsohlen.
Endpunkt ist der Yongquan 涌泉 - Akupunkturpunkt (Niere 1) in der Mitte der Fußsohle, am Übergang vom 1. zum 2. Drittel der Fußsohle (wenn man die Fußsohle in drei Teile teilt und die Zehen nicht mitrechnet).

Konkreter Übungsablauf:

Zu Beginn atmet man ruhig durch die Nase und bleibt für ein paar Minuten auf die Atembewegung konzentriert.

Dann verwendet man Ausatmung, den gedachten Laut sung" und die Konzentration auf die entsprechenden Körperbereiche, um zu entspannen, zu öffnen, zu weiten, wodurch man dem Qi zu freierer Bewegung hilft.

Man beginnt mit der ersten Bahn, konzentriert sich auf die Seiten des Kopfes und entspannt mit derAusatmung: sung - sung - sung". Dann konzentriert man sich auf die Seiten des Halses und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: sung - sung - sung". Und so geht es weiter, Abschnitt für Abschnitt, bis man beim Endpunkt der ersten Bahn (Spitze des Mittelfingers) angelangt ist. Dort lässt man die Aufmerksamkeit ein paar Minuten verweilen.

Dann geht es weiter mit der zweiten Bahn. Man konzentriert sich auf das Gesicht, und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: sung - sung - sung". Man konzentriert sich vorne auf den Hals und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: sung - sung - sung". Und so weiter, bis man beim Endpunkt der zweiten Bahn (großer Zeh, innen neben dem Nagelwinkel) angelangt ist. Dort lässt man die Aufmerksamkeit ein paar Minuten verweilen. Die Konzentration auf die Punkte muss nicht sehr präzis sein, es genügt an die Großzehe zu denken.

Dann geht es weiter mit der dritten Bahn. Man konzentriert sich auf den Hinterkopf, und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: sung - sung - sung". Man konzentriert sich auf den Nacken und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: sung - sung - sung". Und so weiter, bis man beim Endpunkt der dritten Bahn (Mitte und etwas weiter vorne an der Fußsohle) angelangt ist. Dort lässt man die Aufmerksamkeit ein paar Minuten verweilen.

Ist man damit fertig, richtet man die Aufmerksamkeit für ein paar Minuten auf das Dantian.

Zum Abschluss schluckt man den während des Übens entstandenen Speichel (3x) und sendet ihn gedanklich ins Dantian.

Danach kann man noch Massagen anschließen: Kopf, Augen, Ohren, Nase Hinterkopf, unterer Rücken.

Die Übung ist sehr ähnlich der, die ich letzte Woche gepostet habe, die Aufmerksamkeit richtet sich einfach auf mehr Bereiche des Körpers. Wenn man sich einmal den Ablauf gemerkt hat, braucht man für die Übung nicht lange, ca. 15 Minuten. 

Ein Video zur Erklärung der Übung folgt noch.

Sunday, February 7, 2021

Alllgemeine Bemerkungen zu den Entspannungsübungen

Ich möchte heute mit ein paar allgemeinen erklärenden Bemerkungen noch einmal auf die Fangsonggong/Entspannungsübungen eingehen.

Diese stellen nicht nur hervorragende Basisübungen des Qigong dar, sie sind auch ein wichtiges Übungselement, um ein weiter bis sehr fortgeschrittenes Qigong-Niveau erreichen zu können, und darüberhinaus gehören sie auch zu den am häufigsten angewandten therapeutischen Qigong-Methoden.

Die Entspannungsübungen gehören zu den Stille-Übungen. Im Qigong unterscheidet man ja zwischen den beiden großen Kategorien Bewegung und Ruhe/Stille, also Übungen in Bewegung und Übungen in Ruhe.

Wechselseitig stellen die Übungen der einen Kategorie die Basis der anderen dar, das heißt, durch ruhige Übungen erwirbt man dasjenige stabile Fundament, auf dem aufbauend bewegte Übungen erst eine bessere bis hohe Wirksamkeit entfalten können. Fehlt dieses Fundament, entwickelt man sich nie über ein bestimmtes Niveau hinaus, und, was vor allem therapeutisch bedeutsam ist, es bleibt die Wirksamkeit des bewegten Qigong ziemlich beschränkt, mit anderen Worten, man kommt selbst bei fleißigem Üben nicht sehr weit. 
 
Umgekehrt ist es so, dass es das regelmäßige Üben von bewegtem Qigong braucht, damit man die Fähigkeit zum Eintreten in Zustände tieferer Ruhe und Stille erwirbt. Die stillen Übungen fallen einem auf Basis der bewegten Übungen viel leichter, auch sie wirken dann besser, und man kann auch vermeiden, dass es zu gewissen Qigong-Fehlentwicklungen kommt.

Übungen in Bewegung und in Ruhe sind also gleichermaßen wichtig. Qigong nur mit Übungen einer Kategorie zu üben ist einseitig, es wirkt auf die Dauer einschränkend und erschwert bzw. verhindert, dass sich die erwünschten tiefergehenden Wirkungen und Übungserfolge einstellen.

Wie erwähnt, Ruhe-Übungen gehören zu den am häufigsten angewandten therapeutischen Qigong-Methoden. Drei Aspekte sind charakteristisch für sie: spezielle Körperhaltungen, spezielle Atemtechniken und spezielle Methoden der Versenkung in die Stille. Typisch für diese Art der Übungen ist, dass sich der Körper zwar in einem Zustand der Ruhe befindet (ruhiges Sitzen, Liegen, oder auch Stehen), doch bezieht sich dieser Zustand der Ruhe nur auf das Außen, auf die physische Unbewegtheit. Das Innere des Körpers (Meridiane, Qi-Bahnen, innere Organe) ist hingegen nicht ruhig, sondern befindet sich in einem Zustand gesteigerter Qi-Aktivität.

Während des letzten Jahres habe ich auf dem Blog und auf YouTube eine Reihe von Übungen vorgestellt, Übungen, wie sie Prof. Cong (Taiyi Yuanminggong - Die Übung des Ursprünglichen Lichtes) und Prof Lin (Tongtian Guandigong - die Übung der Kommunikation mit Himmel und Erde) vor Jahren unterrichtet hatten, darüberhinaus auch Übungen wie die Sechs Heilenden Laute, die Leichten und Unbeschwerten Übungen, das Einfache Taiji zur Förderung der Gesundheit und eine Reihe von Massagen. All diese Übungen gehören zur Kategorie des Qigong in Bewegung.

Von mir ist das nicht so gemeint, dass man nun all dies üben sollte, das wäre viel zu viel. Ich wollte sinnvolle Übungen für die Pandemie zeigen, und auch die Zwangspause dazu nutzen, Qigong-Methoden zu zeigen, die bisher in den Kursen zu kurz gekommen sind, und denjenigen, die interessiert sind, einen ein wenig weiteren Überblick über das schier unendliche „Meer des Qi“ zu geben.

Was das konkrete Üben betrifft: Man wählt am besten einfach eine oder zwei dieser Methoden aus und übt diese dann, allerdings so regelmäßig wie möglich. Oder man bleibt bei Übungen, die früher in den normalen „analogen“ Qigongzeiten Inhalt der Kurstunden und Seminare waren (Fanhuangong, Qigong-Gehen, Laozis Übung der Kultivierung des Wirklichen, die Übung des Schwimmenden Drachen, die Übungen von Jia Laoshi und Prof. Xia Shuangquan etc.).

Man braucht keine künstlichen Hierarchien herzustellen, es handelt sich bei allen Übungen um hervorragende Qigong-Methoden. Beim Posten von Übungen achte ich auch sehr darauf, dass die Übungen untereinander nicht im Widerspruch stehen, und auch nicht mit den Übungen, die ich sonst in den Kursen unterrichte. Das heißt man kann unbesorgt auch eine Kombination dieser Übungen üben.

Stille-Übungen habe ich bisher jedoch nur eine gepostet, das auf Zhu Xi zurückgehende Betrachten des Atems (Guanxifa). Das ist zu wenig, darum werde ich in der nächsten Zeit, neben bewegten Übungen, auch noch einige weitere Fangsonggong/ Entspannungsübungen posten.

Wie gesagt, sie gehören zur Kategorie der Stille-Übungen und ich kann sie, als wesentliche Ergänzung zu den bewegten Übungen, nur wärmstens empfehlen.

Friday, January 29, 2021

Fangsonggong - Zwei Videos

Hier sind nun zwei Videos. 

Das eine mit allgemeinen Bemerkungen und Erklärungen zu den Qigong-Entspannungsübungen. Das zweite Video ist zum Mitüben.




Die Struktur der Übung (und eigentlich der meisten Fangsonggong-Übungen) ist folgende:
  • Man übt im Sitzen, Stehen, Liegen, oder auch Gehen.
  • Man beginnt mit ruhigem Atmen durch die Nase und konzentriert sich für ein paar Minuten auf das Kommen und Gehen des Atems.
  • Dann verwendet man Ausatmung, den gedachten Laut song 松 (Aussprache: sung) und die Konzentration auf die entsprechenden Körperbereiche, um zu entspannen, zu öffnen, zu weiten, wodurch man dem Qi zu freierer Bewegung hilft.
  • Danach folgt eine Phase der ruhigen Konzentration auf das Dantian (ein paar Minuten lang). Die Aufmerksamkeit dorthin zu richten, ist für jeden gut, je nach individueller Notwendigkeit kann die Konzentration auch auf andere Orte gerichtet werden (mehr dazu ein anderes Mal).
  • Und schließlich schluckt man den während des Übens entstandenen Speichel und sendet ihn mittels der Vorstellung ins Dantian.
  • Die Übung beendet man mit einer Reihe von Massagen: Kopf, Ohren, Hinterkopf, unterer Rücken.
Hier auch noch zwei weitere Kalligraphien des Zeichens song 松, von den Malern und Kalligraphen 

Wu Changshuo 吴昌硕 (1844-1927):


und Zhao Mengfu 赵孟頫 (1254-1322):

 

Wednesday, January 27, 2021

Ein paar Bemerkungen zur Methode der Entspannungsübungen

Die moderne Geschichte des Qigong setzt Ende der 1940er-Jahre an, als durch Liu Guizhen 刘贵珍 das Neiyanggong 内养功 - das das Innere nährende Qigong - den Weg in die Öffentlichkeit fand, schnell an Popularität gewann und in den 1950er und -60er-Jahren fester Bestandteil des Therapie-Programms in den chinesischen Qigong-Sanatorien wurde. 

Fangsonggong stellt eine weitere der großen und wichtigen ursprünglichen Schulen des Qigong dar und kam in dieser Zeit ebenfalls in den diversen therapeutischen Qigong-Einrichtungen zum Einsatz. Beide Methoden erwiesen sich als so wirksam, dass sie zusammen mit dem Ehrennamen nanbei shuangyu 南北双玉 - nord-südliche doppelte Jade - bedacht wurden.

Im letzten Video habe ich das Fangsonggong nur sehr vereinfacht vorgestellt, ist die Methode bei aller Einfachheit doch sehr umfangreich mit einer Vielzahl von Übungen, simplen Bewegungen, Atem- und Entspannungsanweisungen, Methoden der Konzentration und Visualisation etc.  - Manche Teilnehmer Kerrys und meiner Kurse haben mit dem Songtong yangxinfa 松通养心法 - der Methode des Entspannens und Öffnens, und des Nährens des Herzens - schon eine der Übungen aus dem Fangsonggong besser kennengelernt.

Ich will hier nur ein paar Aspekte dieser Methode auflisten:

1. Fangsonggong gehört zu den Stille-Übungen des Qigong, stellt eine wichtige Vorbereitung für Übungen in Bewegung dar, und ist auch eine wichtige Ergänzung des bewegten Qigong. 

2. Beim Qigong-Üben muss man immer auch Konstitution, Gesundheitszustand und körperliche Verfassung des Einzelnen berücksichtigen, es ist nicht so, dass jeder auf die gleiche Art und Weise üben kann. Im allgemeinen gilt: weniger ist mehr. Natürlich braucht es ein gewisses Mindestmaß, aber zwanzig bis dreißig Minuten Qigong im Tag sind meist ausreichend, um einen positiven Übungseffekt erzielen zu können. Positiver Übungseffekt heißt: das Qi wird bewegt, die körpereigene Regulation gefördert und gesundheitsfördernde regenerative Prozesse werden in Gang gebracht.

Zwanzig bis dreißig Minuten Qigong sind ausreichend, einen längeren Zeitraum auf einmal zu üben, wird für manche zuviel sein. Um die Regulationsprozesse anzuregen, ist es wichtig das Qi ausreichend zu stimulieren,  doch übertreibt man, führt es dazu, dass sich das gesunde Qi erschöpft und man der positiven Wirkungen der Übung beraubt wird. Auf welche Art man am besten übt, hängt also vom individuellen Gesundheitszustand oder, besser gesagt, vom individuellen Qi-Muster ab. 

 Das gilt auch für das Verhältnis Bewegung und Ruhe. Wenn das Qi geschwächt ist, kann man nicht nur bewegtes Qigong üben, es braucht auch den Ausgleich durch die Stille. Dazu gehören der Schlaf, die Qigong-Meditation (die wiederum ein eigenes Kapitel darstellt), und dazu gehören eben auch die Fangsonggong-Übungen.

3. Die Fangsonggong-Übungen haben den Vorteil, dass sie auf viele verschiedene Arten geübt werden können, im Gehen, im Stehen, im aufrechten Sitzen, im Angelehnt-Sitzen und auch im Liegen. 

4. Typisch ist, dass man sich auf bestimmte Körperareale konzentriert (wie immer: sehr behutsam, mit nur leichter Konzentration) und mittels eines vorgestellten Lautes (song 松 - entspannen) dieses Areal öffnet und durchlässiger macht für die Bewegung des Qi. Die Areale können Bahnen sein, wie im Video, oder einzelne Bereiche, je nachdem, worauf die Übung abzielt.

5. Für jemanden, der regelmäßig Qigong übt, ist es wichtig, zumindest ein paar solche Übungen zu kennen. Einerseits sind dies Vorbereitungsübungen. Ganz einfach: je entspannter man ist, desto besser und freier kann sich das Qi bewegen. Welche Art von Qigong man auch übt, wenn man nicht locker ist, entspannt und offen, werden einem die positiven Wirkungen des Qigong nur eingeschränkt zuteil, und es können sich auch Nebenwirkungen in Form eines gewissen Unwohlseins einstellen. Darum ist es wichtig, eine gute Grundlage für das Qigong-Üben zu haben. Die Fangsonggong-Übungen vermitteln diese Grundlage.

6. Andererseits können diese Übungen zu Qigong-Zuständen sehr fortgeschrittenen Niveaus hinführen, gleich denen, die durch Meditation erreicht werden können. Darum sind dieserart Übungen auch für diejenigen sehr zu empfehlen, die sich schon lange Zeit mit Qigong beschäftigen. 

7. Qigong zielt auf die Selbstregulationsfähigkeit des Organismus ab, diese soll unterstützt und zu ihrem bestmöglichen Funktionieren gebracht werden. Mit anderen Worten: der Organismus besitzt eine Funktion der Selbstregulation und Selbstorganisation, die aller Gesundung, Regeneration und Heilung zugrunde liegt. Qigong-Übungen heilen und regenerieren nicht direkt, doch die sich durch Entspannung und Ruhe einstellende Bewegung des Qi verbessert die Selbstregulation und Selbstorganisation. Gesundung und Regeneration sind die Folge davon.

8. Es gibt verschiedene Ebenen des Song 松- des Gelöstseins, Entspanntseins, Offenseins, Durchgängigseins. 

Die erste Ebene ist die der entspannten Stille. Diese ist mit ein wenig regelmäßigem Üben für jeden erreichbar, und wird sicher als sehr angenehm erlebt, lernt man doch die durch Stress hervorgerufenen Spannungen zu vermindern und den Körper in einer lebendigen Weichheit kennenzulernen, die der Alltag sonst nicht zulässt. Dies genügt für viele, hat man damit doch ein gewisses Gegenmittel gegen den alltäglichen Stress, und kennt dann auch eine gute und einfache ruhige Ergänzung zum bewegten Qigong.

Doch kann man die Übung auch weiterentwickeln, zu einem Zustand der entspannten Offenheit und freien Zirkulation von Qi und Blut, wie zum Beispiel durch die oben erwähnte songtong yangxinfa-Übung.

Und es kann noch weiter gehen, zu einem Zustand der innerlich leeren Entspanntheit, gekennzeichnet durch die Absenz von Gedanken und eine Reihe von körperlichen und auch geistigen Erlebnissen, wie sie sich sonst erst in tiefer Meditation einstellen.

9. Und abschließend noch ein Satz, der all das oben Gesagte beinhaltet, umfasst und erweitert: Entspannung ist das Herz des Qigong, sie schafft den Raum für all den natürlichen Wandel und all die natürlichen Transformationen des Lebens, und vermittelt eine Ahnung von der Unermesslichkeit und Grenzenlosigkeit des universalen Qi-Feldes. 

Dies sind nur ein paar „hingestreute“ Bemerkungen, um anzudeuten, dass diese Art des Qigong-Übens zwar sehr simpel aussieht, doch tatsächlich sehr tiefgehend ist und wohl wert, auf die eine oder andere Art in die eigene Praxis integriert zu werden.

Ich werde noch ein oder zwei weitere Videos zum Thema machen, in der Hoffnung, die Thematik vertiefen und ein wenig mehr von den Möglichkeiten dieses einfachen, lockeren, ruhigen und entspannten Übens vermitteln zu können .

















Ren Xun 任询 (1133-1204): Grasschrift-Kalligraphie des Zeichens song 松

Monday, January 25, 2021

Fangsonggong 放鬆功 - Qigong-Übungen zur Entspannung

Hier ist ein Video mit sogenannten Qigong-Entspannungsübungen, auf Chinesisch fangsonggong 放鬆功 genannt. 

Ich war mir zuerst nicht so sicher, ob sich diese Art der Übungen zur Vermittlung auf Youtube eignen würde, aber ich probiere es halt. Jedenfalls sind diese Übungen sehr wichtig und stellen eine wesentliche Ergänzung des bisherigen Programms dar.

Entspannung heißt nicht Schlaffheit. Wenn im Qigong von song 鬆 - Entspannung - gesprochen wird, dann geht es nicht um den Verlust jedweden Tonus oder um ein vollkommenes Loslassen und Wegsacken, sondern um diejenige Weichheit, Offenheit und Lockerheit, durch die der freie innere Fluss von Qi und Blut sich einstellen und entwickeln kann. All dies in Verbindung mit den üblichen Qigong-Körperhaltungen wie z.B. dem lockeren aufrechten Stehen oder der an der Vertikalen ausgerichteten Wirbelsäule bei Übungen im Sitzen.

Entspannung ist Mittel, Prozess und Zustand, bezieht sich auf Körper, Atem, Aufmerksamkeit und Konzentration. Diese Art der Übungen sind einerseits Basisübungen, die gut mit all den anderen Übungen, die wir schon gepostet haben, verbunden werden können, andererseits handelt es sich um Übungen, durch die Qigong-Zustände eines sehr fortgeschrittenen Niveaus erreicht werden können.

Ich erwähne es ja oft: Gute Qigong-Übungen sind oft äußerst simpel und einfach. Selbst bei „oberflächlichem“ Üben werden sie sicherlich Wirkungen erzielen, doch wenn man geduldig ist und sich über einen langen Zeitraum dieser Art des ruhigen Übens widmet, wird man entdecken, was es heißt, wenn im Qigong von der möglichen Einheit von Atem, Körper und Aufmerksamkeit gesprochen wird. Oder wie es Prof. Xia, Kerrys Qigong-Lehrer an der TCM-Universität Guangzhou, einmal ausdrückte: „Man kann kaum glauben, wie es sich anfühlt, wenn sich das Qi einmal wirklich bewegt“.

Diese Kaligraphie des Zeichens song 鬆 stammt von der Dichterin und Kalligraphin Wu Cailuan 吳彩鸞 aus dem 9. Jahrhundert.


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