Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie
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Wednesday, June 9, 2021

Eine weitere einfache Massage zur Erhaltung der Gesundheit

In den letzten Postings habe ich mehrmals das feuchte Qi" erwähnt. In der TCM und im Qigong wird dieses sehr ernst genommen, so heißt es: Die zehntausend Krankheiten haben ihre Wurzel in der Feuchtigkeit".

Im chinesischen Verständnis ist Gesundheit die Regulation, das ausgewogene Funktionieren der Yin- und Yang-Aspekte des Lebens. Alles was die Balance von Yin und Yang beeinträchtigt, kann zum Verlust der Regulation und damit zum Entstehen von Krankheiten führen. Darum zielen TCM und Qigong bei der Behandlung von Krankheiten darauf ab, die verlorengegangene Regulation wiederherzustellen bzw. zur Prävention die Regulation zu verbessern und zu stützen. Gerade der letztere Aspekt ist eminent wichtig. Eine der Leitaussagen der TCM lautet: „shanyi zhi weibing 善醫治未病 - Der gute Arzt behandelt Krankheiten, bevor sie entstanden sind."

Feuchtigkeit ist einer dieser Faktoren, die den Fluss von Qi und Blut behindern, die Regulation beeinträchtigen und eventuell zu ihrem Verlust führen können. Der Symptome sind viele: Wenn man das Gefühl hat, antriebslos zu sein, sich schwer zu etwas aufraffen kann, bei mangelnder Kraft in den Gliedmaßen, wenn sich beim Stiegensteigen (oder generell beim aufwärts gehen) die Beine schwer anfühlen oder kaum heben lassen, bei Wassereinlagerungen im Gewebe, wenn man im Kopf unklar ist oder sich sogar wie im Nebel fühlt, wenn man sich nicht konzentrieren und keine klaren Gedanken fassen kann, wenn man vergesslich ist, wenn die Verdauung beeinträchtigt ist, bei Blähungen, zu losem Stuhl oder Verstopfung, wenn man sich nach dem Essen zu voll fühlt, wenn man sich „down" fühlt, nervös oder unterschwellige Ängste oder Beklemmungen hat, all dies deutet auf die Akkumulation von  Feuchtigkeit".

Mehr dazu findet man in dem kurzen Text, den Kerry letztes Jahr verfasst hat, ich verlinke ihn hier nochmals: 

 
Auch Covid 19 ist eine Krankheit, die mit Feuchtigkeit zu tun hat (allerdings viel schlimmer und aggressiver, da geht es um ein Feuchtigkeitstoxin - shidu 湿毒 - und nicht um simples feuchtes Qi wie oben beschrieben), darum haben wir auf diesem Blog besonders darauf geachtet, immer wieder Methoden zu posten, die schützen und vorbeugen, indem sie die Yang-Funktionen des Qi unterstützen und damit der Ansammlung von feuchtem Qi entgegenwirken. 

Im heutigen Posting möchte ich zusätzlich eine Massage zeigen. Eine sehr einfache Massage, sie dauert nicht lange, ein paar Minuten nur. Wenn man sich etwas Zeit gibt und diese Massage über den Zeitraum von zwei oder drei Wochen einmal täglich praktiziert, wird man sicher die Wirkung wahrzunehmen beginnen.

Es wird nur ein einziger Akupunkturpunkt massiert, und zwar der 57. Punkt des Blasenmeridians. Dieser trägt den Namen chengshan 承山, das bedeutet den Berg tragen". Mit dem Berg ist der Körper gemeint, dessen Gewicht der chengshan trägt. Chengshan ist ein wichtiger Knotenpunkt für die Bewegung des Qi, unter seinen vielen Funktionen ist die wichtigste die Ausleitung von Feuchtigkeit. 

Der Punkt befindet sich hinten am Unterschenkel, genau in der Mitte zwischen den Punkten weizhong 委中 Blase 40 und kunlun 崑崙 Blase 60.  Blase 40 befindet sich in der Kniekehle, Blase 60 zwischen dem Knöchel außen (malleolus externus) und der Achillessehne. 

Die genaue Lokalisierung von chengshan lautet: der Punkt zwischen den Gastrocnemius-Muskelköpfen. Auf Deutsch: der Punkt zwischen den beiden Muskelköpfen des Wadenmuskels. Am leichtesten findet man den Punkt, wenn man im Stehen mit einem Finger hinten an der Mittellinie des Beins hochfährt. Ungefähr in der Mitte des Unterschenkels, gerade unterhalb des Wadenmuskels rutscht der Finger in eine Vertiefung, dort ist der Punkt.

Den Punkt massiert man mit den Daumen, auf einem Stuhl oder auch auf dem Boden sitzend, so wie ich es im Video zeige. Ein, zwei Minuten den Punkt drücken, und danach ein paar Minuten in beide Richtungen kreisförmig massieren. Zuerst sanft massieren, und allmählich etwas mehr Kraft verwenden. Aber nicht zu stark massieren.

Wenn man ein paar Minuten lang massiert, wird sich Wärme entwickeln. Der Blasenmeridian ist ja der Große Yang-Meridian der Beine (zu taiyang jing 足太陽經), das Massieren stimuliert das Yang-Qi und zeigt sich als Wärme. Feuchtigkeit blockiert das Qi, es kann dann nicht aufsteigen - das zeigt sich z.B. in unklaren Gedanken, mangelnder Kraft und fehlendem Antrieb. Ist der Blasenmeridian hingegen durchgängig, kann durch das aufsteigende Yang-Qi die Feuchtigkeit transformiert und ausgeschieden werden. Mit dem Steigen des klaren Yang wird auch der Kopf in Folge frei und klar, und auch die anderen oben erwähnten Symptome werden sich verbessern. Darüber hinaus hilft chengshan gegen Krämpfe im Unterschenkel (praktisch beim Bergsteigen oder Schwimmen) und ist auch ein sehr wirksamer Punkt bei Schulterbeschwerden.

Der Punkt ist oft druckempfindlich, vor allem dann, wenn es viel feuchtes Qi im Körper gibt. Das ändert sich durch regelmäßiges Massieren. Was am Anfang wehtut, spürt man nach ein paar Wochen kaum mehr, ein Zeichen, dass die Massage wirkt.


Friday, May 7, 2021

Einfache Massage zur Erhaltung der Gesundheit - Alle vier Übungen

Wir befinden uns seit schon über einem Jahr in einer Ausnahmesituation. Die Lage bei uns in Europa bessert sich zwar, doch ist ist sie immer noch angespannter als im Mai des letzten Jahres, und die Pandemie ist bei weitem noch nicht vorbei.

Der Untertitel des Studios der Weißen Wolken gilt immer noch: „Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie“. So sind die vielen Inhalte zu verstehen, die diversen Übungen, angefangen bei den „Heilenden Lauten“ bis zu den derzeitigen „Weichen und Entspannten Übungen“, die Diätratschläge, die verschiedenen Massagen usw.

In China konnte die Pandemie durch die Kombination von westlicher mit traditioneller chinesischer Medizin rasch und effektiv beendet werden, im April letzten Jahres, nach einer Phase des strengen Lockdowns von 40 Tagen, war sie mehr oder minder vorbei. Auch die wenigen lokalen Ausbrüche danach waren durch die Kombination von raschen Lockdowns und kombinierter westlich-chinesischer Therapie rasch unter Kontrolle. Und beim bisher größten Wiederausbruch im Jänner in der Provinz Hebei kam dann aufgrund ihrer hohen Effektivität ausschließlich nur mehr die TCM zum Einsatz.

Was können wir daraus lernen? Ich bin kein Arzt, es wäre nicht seriös, würde ich die konkreten Kräuterrezepturen, die in China verwendet wurden und im Bedarfsfall immer noch eingesetzt werden, hier auflisten. Diese können und dürfen nur unter Aufsicht eines TCM-Arztes eingenommen werden. TCMconnect, die Initiative österreichischer TCM-Ärzte zur Covid-Prävention, Begleitung und Nachsorge ist die entsprechende Adresse hierfür. Hier ist noch einmal der Link zu TCMconnect.

Doch gibt es auch chinesische Corona-Behandlungsprotokolle jenseits der Kräutermedizin, auch diese haben für uns eine Relevanz und sind vielfach sehr praktikabel. Darum konzentriere ich mich hier auf dem Blog vor allem auf diese Qigong-, Diät- und Massage-Methoden.

Die „Selbstmassagen zur Erhaltung der Gesundheit“, zu denen ich schon ein paar Videos und Postings hier auf dem Blog gemacht habe, gehören z.B. zu den einfachen adjuvanten Corona-Behandlungsmethoden chinesischer Spitäler.

Auf Chinesisch heißt die Methode die „Massage der Acht Schwachstellen“ (ba xu 八虚). Xu 虚 heißt wörtlich leer, hier übersetzt man das Wort am besten als „erschöpft“,  „geschwächt" oder „schwach“. Im Numinose Achse" (Lingshu 灵枢) genannten Teil des Inneren Klassikers des Gelben Kaisers (Huangdi Neijing 黄帝内经) - im Kapitel „Pathogene Eindringlinge“ (Xieke 邪客) - findet sich die von mir schon in Teilen zitierte relevante Passage bezüglich der „Massage der Acht Schwachstellen“. 

Der Gelbe Kaiser fragt darin den Arzt Qi Bo: „Die Menschen haben acht Schwachstellen, was kann durch sie diagnostiziert werden?“ Qi Bo erwidert: „Krankheiten der inneren Organe“. Auf weiteres Nachfragen des Gelben Kaiser erkärt Qi Bo: „Pathogenes Qi, das Lunge und Herz angegriffen hat, sammelt sich in den Ellenbeugen, pathogenes Qi, das die Leber angegriffen hat, sammelt sich in den Achselhöhlen, pathogenes Qi, das die Milz angegriffen hat, sammelt sich in den Hüften, und pathogenes Qi, das die Niere angegriffen hat, sammelt sich in den Kniebeugen.

Die Acht Schwachstellen sind Angelpunkte, an denen die Gelenke gestreckt und gebeugt werden, es sind wichtige Orte, die vom Zhenqi (真气) durchflossen und von den Blutgefäßen durchzogen werden. Pathogenes Qi und Blut dürfen sich dort nicht verfangen oder stagnieren, sonst werden Meridiane, Sehnen und Gelenke verletzt. Die Bewegungsfähigkeit der Gelenke leidet in Folge und es kann zu Krämpfen kommen.“

Soweit das Lingshu. Im weiteren zitiere ich Dr. Xie Zhanqing 谢占清 vom Zweiten Krankenhaus für Integrative Westliche und Traditionelle Chinesische Medizin der Stadt Baoding in der Provinz Hebei:

„Die Massage der Acht Schwachstellen ist sehr vielseitig, einfache Erkältungen bis hin zu schweren Krankheiten können damit behandelt werden. Darüber hinaus ist sie auch eine sehr effektive Methode zur generellen Unterstützung der Gesundheit.

Xie zhi suo cou, qi qi bi xu 邪之所凑,其气必虚. Dies ist ein Leitsatz der TCM: „Wo sich pathogenes Qi sammelt, ist das (körpereigene) Qi notwendigerweise geschwächt."

Erschöpfung und Schwäche (xu 虚) sind wie das schwache Glied einer Kette. Bei einer Krankheit kommen meist innere und äußere Ursachen zusammen. Der Mangel an Zhengqi (正气 aufrechtes, gesundes Qi) ist die innere Ursache der Krankheit, das eingedrungene pathogene Qi (xieqi 邪气) stellt wiederum eine wichtige Bedingung dafür dar, dass sich eine Krankheit überhaupt manifestiert.

Das Coronavirus ist als heißes (manchmal auch kaltes) und feuchtes toxisches Qi qualifiziert. Um einer Coronainfektion vorzubeugen bzw. um diese zu behandeln, müssen die Verbreitung des pathogenen Qi kontrolliert und das gesunde, aufrechte Qi des Körpers verbessert werden.

Es ist das Yang des menschlichen Organismus, das die Hitze-, Kälte- und Feuchtigkeits-Pathogene des Coronavirus bekämpft, deshalb ist die Stärkung des Yang eine Schlüsselmaßnahme zur Corona-Vorbeugung, Behandlung und Rehabilitation.

Im „Yixiao Michuan" (医效秘传 „Geheime Überlieferung medizinischer Wirkungen") heißt es: „Bewegung erzeugt Yang, Ruhe erzeugt Yin". Darum ist die Klopfmassage der Acht Schwachstellen eine geeignete, bewegte (Yang), regulative Behandlung von durch das Coronavirus ausgelösten Lungenentzündungen.

Durch die Ellenbeuge verlaufen der Herz-, der Herzbeutel- und der Lungenmeridian. Ist der Fluss dieser drei Meridiane blockiert, entstehen unmerkliche Schädigungen an Herz und Lunge, was zu Erkrankungen dieser beiden Organe führt. Zerstreut man das stagnierende pathogene Qi (des Herzens und der Lunge) durch Klopfen der Ellenbeugen, dann kann sich das gesunde Qi erholen und das pathogene Qi findet keinen Ort mehr, sich festzusetzen.

Ein Prinzip der traditionellen chinesischen Medizin besagt: San fen zhi, qi fen yang 三分治,七分养 „Drei Teile Behandlung und sieben Teile Pflege“. Basierend auf diesem Prinzip wurde diese Massage zur unterstützenden Behandlung von Corona-Patienten ausgewählt.

Geklopft wird mit der leicht gewölbten Handfläche. Durch die Massage werden eine Reihe komplexer biochemischer Prozesse angeregt, durch die Giftstoffe aus den tiefen Körperschichten an die Oberfläche geholt und ausgeleitet werden. Dies verbessert die Immunantwort des Körpers und stabilisiert die Gesundheit.

Meine Patienten werden instruiert, gleich morgens nach dem Aufstehen die Acht Schwachstellen zu beklopfen, jede Stelle zumindest 30 Mal, und dies nach Möglichkeit während des Tages zu wiederholen. Sie lernen damit, selbständig pathogenes Qi auszuleiten und das gesunde Qi zu stärken. Mit der Zeit erzielen viele von ihnen gesundheitliche Wirkungen, die ihre Erwartungen und Vorstellungen bei weitem übertreffen."
 
Hier ist das schon angekündigte Video mit allen vier Selbstmassagen zur Erhaltung der Gesundheit.


Saturday, May 1, 2021

Einfache Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit - Teil 4

Der vierte Teil der einfachen Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit. Im Lingshu 靈書 heißt es  Befindet sich xieqi 邪氣 (pathogenes Qi) in den Nieren, so stagniert es in den Kniekehlen.“

Die Massage der Kniekehlen bringt nicht nur das stagnierende Qi in Bewegung, man stärkt auch das Qi der Nieren und kann Schmerzen im unteren Rücken behandeln. 

Man massiert ein paar Minuten lang. Man verwendet wieder die Handflächen beider Hände, um mittels leichten Klopfens oder Schlagens zu massieren. Die Wärme in den Handflächen hilft, die Meridiane durchgängig zu machen. Nicht zu stark klopfen oder schlagen, um die Haut nicht zu verletzen. 

In der Kniekehle befindet sich ein wichtiger Akupukturpunkt weizhong 委中 (der 40. Punkt des Blasenmeridians, in der Mitte der Kniekehle), der mittels der Massage stimuliert wird. Ein Merksatz von Qigong und TCM sagt: Bei Schmerzen im Rücken, suche weizhong." Sowohl akuter als auch chronische Rückenschmerzen können über diesen Punkt behandelt werden.

Bei all den vier Massagen gibt es auch einen zusätzlichen Effekt. Durch Verwenden der Handflächen werden die vielen Akupunkturpunkte der Hand sowie die sechs Handmeridiane (Lunge-, Herzbeutel-, Herz-, Dickdarm-, Dreifacher Erwärmer- und Dünndarm-Meridian) aktiviert, indirekt durch die Vernetzung der Bahnen und den Kreislauf des Qi durch den ganzen Körper auch die sechs Fußmeridiane (Milz-, Leber-, Nieren-, Magen, Gallenblasen- und Blasen-Meridian. Diese Massage wirkt somit lokal und auch als Behandlung für den gesamten Körper.

Wie bei den anderen Massagen braucht es nicht viel Aufwand, man massiert ein paar Minuten lang. Die Anfangsintensität der Massage sollte eher gering sein, mit der Zeit kann sie die etwas erhöht werden. Der Effekt stellt sich nicht sofort ein, bei regelmäßiger Massage wird er jedoch immer mehr spürbar. 


Thursday, April 8, 2021

Einfache Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit - Teil 3

Dies ist nun der dritte Teil der einfachen Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit. Der relevante Satz aus dem Huangdi Neijing - Lingshu lautet folgendermaßen: Befindet sich pathogenes Qi in der Milz, so  stagniert es in den Hüften."

Mit Hüfte ist hier ein ganzer Bereich gemeint, Oberschenkelansatz, Leisten, Hüftgelenke, generell der Verbindungsbereich von Oberschenkel und Becken, überall dort sammelt sich das xieqi 邪气 der Milz. Auch zwei wichtige Akupunkturpunkte liegen in diesem Bereich: Qichong 气冲 und Chongmen 冲门. 

Qichong ist der 30. Punkt des Magenmeridians, der Punkt befindet sich zwei Daumenbreit seitlich der Körpermittellinie auf Höhe des Schambeins. Chongmen ist der 12. Punkt des Milzmeridians und liegt viereinhalb Finger seitlich des Oberrands der Schambeinfuge. Für die Massage braucht man aber die genaue Lokalisation nicht zu wissen, da man ja nicht nadelt, sondern mit der flachen Hand gegen die Leistengegend klopft. So ungenau kann man nicht sein, dass man die Punkte verfehlen würde.

Die Massage der Hüften (Leiste, Oberschenkelansatz, Unterbauch) verbessert die lokale Zirkulation von Qi und Blut, die Qi-Funktionen von Milz und Magen werden unterstützt. Die Stimulation von Qichong stärkt die Funktionskreisläufe Niere und Blase, Erschöpfungszustände von Niere und Blase können verbessert und Kältezustände ausgeglichen werden. Die Stimulation von Chongmen wirkt der Erschöpfung des Yin und pathogener Hitze entgegen, das Yang wird gesenkt und das Yin gekräftigt. Beide Punkte sind von großer therapeutischer Wichtigkeit. Sie haben auch eine direkte Verbindung zu den Außerordentlichen Meridianen (qijing bamai 奇经八脉) und liegen ganz nah an der Oberschenkelarterie, wodurch sehr effektiv auf den Fluss von Qi und Blut eingewirkt werden kann.  

Die Massage ist wieder sehr einfach: Man macht die flache Hand etwas hohl und klopft - im Stehen - gegen die Leistengegend, zuerst leicht und allmählich ein wenig fester, bis man das Gefühl hat, dass sich die Gegend erwärmt. Auf keinen Fall zu fest schlagen, man tut sich nichts Gutes und die Wirkung wird nicht verbessert, wenn man sich prügelt.


Monday, March 29, 2021

Einfache Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit - Teil 2

Vor einigen Wochen habe ich die erste aus einem Set von vier einfachen Selbstmassagen gepostet, hier ist nun die zweite.

Wie schon beim letzten Mal erwähnt, Patienten lernen diese Selbstmassage, als präventive Methode und auch zur Unterstützung notwendiger Therapien, in denjenigen chinesischen Spitälern, in denen die TCM oder Qigong zur Anwendung kommen. Die Massagen basieren auf der Beobachtung (verzeichnet im Lingshu 靈樞, einem der Klassiker der TCM), dass das pathogene Qi (xieqi 邪氣) der diversen Organe sich in bestimmten Körperregionen sammelt, dort stagniert und den natürlichen Fluss von Qi 氣 und Blut (xue 血) behindert. Damit sich die Gesundheit als geordneter Qi-Prozess (zhengqi 正氣) frei ausbreiten kann, ist es nötig, das stagnierende pathogene Qi zu beseitigen, dann kann sich der normale Fluss von Qi und Blut auch wieder einstellen.

„Befindet sich pathogenes Qi in der Leber, so stagniert es in den beiden Achselhöhlen", so heißt es im Lingshu. Die zweite Massage betrifft also die Achselhöhlen.

In den und um die Achselhöhlen verlaufen vier Meridiane: Lungenmeridian, Kreislaufmeridian (Herzbeutelmeridian), Gallenblasenmeridian und Herzmeridian. Ein für die Massage wichtiger Punkt befindet sich in der Mitte der Achselhöhle, es ist Jiquan 極泉 (der erste Punkt des Herzmeridians). 

Die Massage erweitert die Brust, befreit die Atmung, reguliert das Qi, hilft bei der schnellen Wiederherstellung des Yang, bewegt das Blut nach oben und macht geistig wach und klar. Sie wirkt Stauungen von Qi und Blut entgegen, auch Gefühlen der Enge in der Brust, Atemnot, Schlafproblemen, Herzklopfen, Schwellungen, Durchblutungsproblemen in den Armen, Ruhelosigkeit. Da sich der Fluss von Qi und Blut verbessert, wird man generell leichter und schneller in einen Zustand der Ruhe finden. 

Für die tägliche Gesundheitsversorgung braucht es nicht viel Aufwand, man massiert ein paar Minuten lang. Zuerst mit den Fingerspitzen leicht in der Achselhöhle massieren, greifen und zupfen, danach mit der flachen Hand leicht gegen die Achselhöhle schlagen. Oder nur letzteres. Damit können oben genannte Symptome gelindert werden. Die traditionelle Aussage ist lakonisch: Die Achselhöhlen zu massieren beseitigt Krankheiten der Leber und des Herzens. 

Wie bei der ersten Massage gilt: Gibt es einen Stau von Qi in den Achselhöhlen, dann zeigen sich nach dem Massieren vielleicht anfänglich Hautrötungen, nach regelmäßiger Massage treten diese nicht mehr auf.

Damit es hier keine Missverständnisse gibt: Diese Massagen, wenn regelmäßig praktiziert, sind hervorragende Methoden zur Unterstützung der Gesundheit und Prävention. Sie können auch als unterstützende Therapie eingesetzt werden, jedoch braucht es dazu einen TCM-Arzt, der sie in die entsprechende Behandlungsstrategie integriert. Als Selbsttherapie im Krankheitsfall können diese Übungen den Arzt nicht ersetzen. 

Eine kurze Anmerkung: Die chinesischen Bezeichnungen der Organe korrelieren nicht mit den anatomischen Organen in unserem Verständnis. Wer sich in die Materie vertiefen möchte, nimmt sich am besten die Bücher vor, die Prof. Dr. Manfred Porkert über die Chinesische Medizin verfasst hat. Er übersetzt Organ als Orbis/Funktionskreislauf, als einen Zusammenhang, innerhalb dessen sich die Lebensfunktionen auf spezifische, zyklische, komplexe Art äußern, der am besten unabhängig vom Organ verstanden wird. Bei manchen „Organen" wie dem Sanjiao, dem Dreifachen Erwärmer, ist es ohnehin offensichtlich, dass es keine ihm entsprechende anatomische Körperstruktur gibt. 

Der Einfachheit halber verwende ich im Blog trotzdem das Worte „Organ", weise jedoch hin und wieder darauf hin, dass die Chinesen einen anderen Blick auf das Körperganze haben und sich sich diesem anderen Blick auch andere Zusammenhänge erschließen. Direkte, unkommentierte Übersetzungen aus dem Chinesischen, auch dort wo sie vordergründig möglich sind, führen unter Umständen zu groben Missverständnissen. Die Sechs Speicherorgane der TCM  und ihre Funktionen hat Kerry letztes Jahr, auf diesem Blog, im Zusammenhang mit den Übungen der Heilenden Laute beschrieben. Liest man diese Blogeinträge nochmals durch, werden die Unterschiede zwischen unserem Organbegriff und dem der Chinesen besser verständlich. Man findet die Beschreibungen der Organe rechts auf der Blogseite unter dem Stichwort: Organe.



Friday, March 5, 2021

Einfache Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit - Teil 1

Es ist schon lange her, dass ich eine Massage gepostet habe. Hier ist nun Teil eins einer Folge von vier einfachen Klopfmassagen. 

Im „Numinose Achse" (Lingshu 靈樞) genannten Teil des „Inneren Klassikers des Gelben Kaisers" (Huangdi Neijing 黃帝內經) gibt es folgende Passage:

„Befindet sich xieqi (邪氣)* in Lunge und Herz, so fließt es zu den den beiden Ellbogen und stagniert dort. ... Zhenqi (真氣)** und Xue 血 (Blut) fließen durch diesen zentralen Angelpunkt, pathogenes Qi und gestautes Blut dürfen sich dort nicht sammeln, sonst werden die Energiebahnen und Gelenke verletzt.“ 

Um das gestaute Qi im Ellbogen und in der Folge das pathogene Qi in Lunge und Herz zu beseitigen, gibt es die einfache Methode der Klopfmassage. Durch leichtes Klopfen werden dabei lokale Stagnationen beseitigt, darüber hinaus, da die beiden Ellbogen als zwei von acht Schlüsselbereichen der Gesundheit verstanden werden, in denen Qi 氣 und Xue 血 ungehindert fließen sollten, wird das regelmäßige Ellbogen-Massieren/Klopfen auch als effektive Methode zur generellen Unterstützung der Gesundheit gesehen.

Die Methode ist nicht drastisch, das heißt, man verletzt nicht das Yang-Qi, sie eignet sich für jeden, besonders auch für Menschen, denen leicht kalt ist oder bei denen innere Hitze nach oben steigt (shang huo 上火 - Feuer steigt nach oben). Wird die Stagnation des pathogenen Qi aufgelöst, kann sich das Zheng-Qi 正氣 (das gesunde Qi) erholen. Gibt es einen Stau von Qi in den Ellbogen, dann werden sich bei der Klopfmassagen anfänglich Hautrötungen zeigen, später dann, nach regelmäßiger Ausführung der Massage, zeigen sich diese weniger deutlich oder gar nicht mehr.

Während der Pandemie letztes Jahr in China wurde diese Massage sowohl als vorbeugende Methode als auch als unterstützende Selbstbehandlung im Krankheitsfall unterrichtet. Patienten in den Spitälern (wie in diesem Foto aus dem Jiangxia-Spital in Wuhan), praktizierten die Methode, um das pathogene feuchte und heiße Qi aus den Lungen auszuleiten.

Man massiert am besten so, dass man zuerst mit den Fingerspitzen leicht die Ellenbeuge beklopft (Akupunkturpunkte Chize 尺澤 Lunge 5 und quze 曲澤 Perikard 3), danach nimmt man die flache Hand und beklopft damit den ganzen Bereich der Ellenbeuge (zhouliao 肘髎 Dickdarm 12 - quchi 曲池 Dickdarm 11 - shaohai 少海 Herz 3). Wenn man wie beschrieben massiert, werden diese Punkte auf jeden Fall stimuliert. Ich erwähne sie hier nur beiläufig, da es bei der Massage nicht direkt um die Punkte geht, sondern um den ganzen Bereich der Ellenbeuge. Für das Praktizieren der Massage ist es nicht notwendig, die genaue Lokalisation der Punkte zu kennen.

Auch wenn man zu viel sitzt oder liegt, eine weitverbreitete Folge des Lockdowns, stagniert das Qi. Durch die Massage der Ellbogen bringt man es wieder in Bewegung, man kann Kälte, die sich im Körperinneren festgesetzt hat, zur Oberfläche und aus dem Körper bewegen, und man fördert die Aktivität der inneren Organe. Im Fall der Ellbogen sind es vor allem Herz und Lunge, die von der Massage profitieren.

*xieqi 邪氣 ist pathogenes Qi, das das normale Funktionieren des Organismus stört und behindert

** das zhenqi 真氣 (das wahre Qi) wird aus Nahrung und Atmung gebildet


Asian Medicine and COVID-19

Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift,   gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftlic...