Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Monday, March 29, 2021

Einfache Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit - Teil 2

Vor einigen Wochen habe ich die erste aus einem Set von vier einfachen Selbstmassagen gepostet, hier ist nun die zweite.

Wie schon beim letzten Mal erwähnt, Patienten lernen diese Selbstmassage, als präventive Methode und auch zur Unterstützung notwendiger Therapien, in denjenigen chinesischen Spitälern, in denen die TCM oder Qigong zur Anwendung kommen. Die Massagen basieren auf der Beobachtung (verzeichnet im Lingshu 靈樞, einem der Klassiker der TCM), dass das pathogene Qi (xieqi 邪氣) der diversen Organe sich in bestimmten Körperregionen sammelt, dort stagniert und den natürlichen Fluss von Qi 氣 und Blut (xue 血) behindert. Damit sich die Gesundheit als geordneter Qi-Prozess (zhengqi 正氣) frei ausbreiten kann, ist es nötig, das stagnierende pathogene Qi zu beseitigen, dann kann sich der normale Fluss von Qi und Blut auch wieder einstellen.

„Befindet sich pathogenes Qi in der Leber, so stagniert es in den beiden Achselhöhlen", so heißt es im Lingshu. Die zweite Massage betrifft also die Achselhöhlen.

In den und um die Achselhöhlen verlaufen vier Meridiane: Lungenmeridian, Kreislaufmeridian (Herzbeutelmeridian), Gallenblasenmeridian und Herzmeridian. Ein für die Massage wichtiger Punkt befindet sich in der Mitte der Achselhöhle, es ist Jiquan 極泉 (der erste Punkt des Herzmeridians). 

Die Massage erweitert die Brust, befreit die Atmung, reguliert das Qi, hilft bei der schnellen Wiederherstellung des Yang, bewegt das Blut nach oben und macht geistig wach und klar. Sie wirkt Stauungen von Qi und Blut entgegen, auch Gefühlen der Enge in der Brust, Atemnot, Schlafproblemen, Herzklopfen, Schwellungen, Durchblutungsproblemen in den Armen, Ruhelosigkeit. Da sich der Fluss von Qi und Blut verbessert, wird man generell leichter und schneller in einen Zustand der Ruhe finden. 

Für die tägliche Gesundheitsversorgung braucht es nicht viel Aufwand, man massiert ein paar Minuten lang. Zuerst mit den Fingerspitzen leicht in der Achselhöhle massieren, greifen und zupfen, danach mit der flachen Hand leicht gegen die Achselhöhle schlagen. Oder nur letzteres. Damit können oben genannte Symptome gelindert werden. Die traditionelle Aussage ist lakonisch: Die Achselhöhlen zu massieren beseitigt Krankheiten der Leber und des Herzens. 

Wie bei der ersten Massage gilt: Gibt es einen Stau von Qi in den Achselhöhlen, dann zeigen sich nach dem Massieren vielleicht anfänglich Hautrötungen, nach regelmäßiger Massage treten diese nicht mehr auf.

Damit es hier keine Missverständnisse gibt: Diese Massagen, wenn regelmäßig praktiziert, sind hervorragende Methoden zur Unterstützung der Gesundheit und Prävention. Sie können auch als unterstützende Therapie eingesetzt werden, jedoch braucht es dazu einen TCM-Arzt, der sie in die entsprechende Behandlungsstrategie integriert. Als Selbsttherapie im Krankheitsfall können diese Übungen den Arzt nicht ersetzen. 

Eine kurze Anmerkung: Die chinesischen Bezeichnungen der Organe korrelieren nicht mit den anatomischen Organen in unserem Verständnis. Wer sich in die Materie vertiefen möchte, nimmt sich am besten die Bücher vor, die Prof. Dr. Manfred Porkert über die Chinesische Medizin verfasst hat. Er übersetzt Organ als Orbis/Funktionskreislauf, als einen Zusammenhang, innerhalb dessen sich die Lebensfunktionen auf spezifische, zyklische, komplexe Art äußern, der am besten unabhängig vom Organ verstanden wird. Bei manchen „Organen" wie dem Sanjiao, dem Dreifachen Erwärmer, ist es ohnehin offensichtlich, dass es keine ihm entsprechende anatomische Körperstruktur gibt. 

Der Einfachheit halber verwende ich im Blog trotzdem das Worte „Organ", weise jedoch hin und wieder darauf hin, dass die Chinesen einen anderen Blick auf das Körperganze haben und sich sich diesem anderen Blick auch andere Zusammenhänge erschließen. Direkte, unkommentierte Übersetzungen aus dem Chinesischen, auch dort wo sie vordergründig möglich sind, führen unter Umständen zu groben Missverständnissen. Die Sechs Speicherorgane der TCM  und ihre Funktionen hat Kerry letztes Jahr, auf diesem Blog, im Zusammenhang mit den Übungen der Heilenden Laute beschrieben. Liest man diese Blogeinträge nochmals durch, werden die Unterschiede zwischen unserem Organbegriff und dem der Chinesen besser verständlich. Man findet die Beschreibungen der Organe rechts auf der Blogseite unter dem Stichwort: Organe.



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