Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Wednesday, March 31, 2021

Das Sammeln des Qi - ein Übungsvideo

In diesem Video zeige ich eine der Methoden, die Prof. Cong in seinen Seminaren unterrichtet hatte: das Sammeln des Qi von Himmel, Erde und Mensch.

Tian di ren 天地人 - Himmel, Erde und Mensch, das ist die große Triade des chinesischen Kosmos: der Himmel als Reich des Geistes, der schöpferischen Anfänge, die Erde als Reich des Konkreten, des Empfangens, Werdens und Vollendens, und in der Mitte der Mensch, der in Resonanz tritt mit der kosmischen Ordnung und in sich das Wirken von Himmel und Erde vereint. 

Der Himmel ist das große Yang, die Erde das große Yin, und im Menschen werden die Möglichkeiten von Erde und Himmel, Yin und Yang zu ihrem höchstmöglichen Ausdruck gebracht. Dies ist chinesische Philosophie, die die Frage stellt nach der Beziehung zwischen Himmel, Natur, Gesellschaft und Mensch und die nach der Harmonie zwischen diesen verschiedenen Bereichen sucht. Dieses philosophische Denken hat auch die chinesische Medizin und das Qigong geprägt, die ja auch auf den Gedanken der natürlichen Ordnung und Harmonie aufbauen bzw. diese bei Verlust wieder herzustellen suchen.

Ich erwähne auf diesem Blog immer wieder die Begriffe Ordnung und Regulation. Gesundheit ist reguliertes Qi. Gesundheit ist geordnetes Qi. Und da Regulation und Ordnung des Qi alle Aspekte des Menschseins, der menschlichen Existenz betreffen (und sogar über diese hinaus gehen können), ist auch das Wort Gesundheit zu eng. Vor allem im Qigong geht es nicht (nur) um Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit oder um Heilung, sondern um ein Ganz-Werden, um die Verwirklichung der eigenen Anlage in einem Zusammenhang, der das Persönliche und Individuelle umfasst und sich über diese hinaus weitet. Daher auch die chinesische Vorstellung des xiushen 修身, der Kultivierung des ganzen Menschen (shen heißt eigentlich Körper, wird hier aber besser als Person, Ich, ganzer Mensch übersetzt), in der es um die Ausrichtung des Menschen auf das Ganze geht, um die Verwirklichung des Sinns (dao 道) in einem sinn-und bedeutungsvollen Universum (dao 道).

Doch genug der Philosophie. Man kann auch ganz einfach, simpel und pragmatisch denken und nach Möglichkeiten suchen, die eigenen Energien durch die Energien von Himmel und Erde zu stützen und zu ergänzen. Dies wird in dieser Übung gemacht, durch diverse Haltungen (die eigentlich Gesten sind), öffnet man sich dem Qi des Himmels und dem Qi der Erde und lernt, diese dem eigenen Qi zu verbinden

Die Übung wird in drei Postionen ausgeführt, einer tiefen, bei der die Handflächen nach unten gerichtet sind, einer hohen mit den Handflächen nach oben und einer in der Mitte, mit den Handflächen zum Körper. 

Sind die Handflächen nach unten gerichtet, befinden sich die Hände in einer Yin-Position, sind die Handflächen nach oben gerichtet, befinden sich die Hände in einer Yang-Position, sind die Hände weder nach oben noch nach unten, sondern wie in dieser Übung zum Körper gerichtet, sind sie in einer Position in der Yin und Yang im Gleichgewicht sind (wenn auch die zum Bauch gerichteten Handflächen mehr den Yin-Aspekt betonen).

Das Sammeln erfolgt, indem man das Qi greift und wieder lässt, indem man spannt und hebt und entspannt und senkt, so wie ich im Video zeige. Durch den rhythmischen Wechsel zwischen Tun und Lassen, Spannen und Entspannen stellt sich allmählich ein bestimmter Austausch zwischen dem eigenen Qi und dem der Umgebung ein, auch wenn man dies anfänglich wohl nicht so leicht spüren wird. 

Am besten übt man im Freien, im Grünen. Irgendwann, wenn man geduldig ist und die Übung immer wieder übt, ist dieser Austausch nicht mehr nur ein Gedanke, sondern wird sich zur konkreten Wahrnehmung einer lebendigen (Qi-) Beziehung entwickeln, die sich zwischen einem selbst und der Natur aufbaut. 

Das Kleine geht hin, das Große kommt her - Ein Übungsvideo

Der Friede: Das Kleine geht hin, das Große kommt her. Heil! Gelingen! Auf diese Weise vereinigen sich Himmel und Erde, und alle Wesen kommen...