Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Wednesday, April 28, 2021

Die Weichen und Entspannten Übungen - Zweite Übung

Hier ist nun das Video mit der zweiten der „Weichen und Entspannten Übungen".

Die Übung orientiert sich an den vier Grundrichtungen der Qi-Bewegung (hinauf und hinab, hinein und hinaus). 

Durch das Öffnen, Heben, Schließen und Senken wird der notwendige innere Raum für die Qi-Prozesse geschaffen, sodass Qi und Blut, Atem und Geist (qixue 氣血, shenqi 神氣) ungehindert durch alle Aspekte des Seins fließen können. 

Das Qi wird bewegt, die Qi-Bahnen werden durchgängig, das klare Yang (qing yang 清陽) steigt, das trübe Yin (zhuo yin 濁陰) wird gesenkt. Das hieraus resultierende geordnete Funktionieren des Qi stellt die Basis der Gesundheit dar.

Tuesday, April 27, 2021

Jiang Luobo 酱萝卜 - Eingelegter Rettich

Über die Wichtigkeit von Congee oder Zhou als diätetisches Gericht haben wir schon geschrieben, und auch zwei Rezepte gepostet (hier und hier). 

Hier ist eine traditionelle Beilage dazu: Jiang luobo 酱萝卜 - Eingelegter Rettich.

Rettich ist ein wichtiges diätetisches Nahrungsmittel. Er unterstützt die Funktion der Lungen, wirkt befeuchtend (shengjin 生津), weitet die Mitte und stärkt die Funktion der Milz, wirkt Stagnationen im Verdauungstrakt entgegen, transformiert Schleim, und leitet innere Hitze aus. Wirkungen auf das Qi, die jeder von uns brauchen kann.


   Zutaten:

   250g weißer Rettich
   1 Teelöffel Salz
   1 Esslöffel Sojasauce
   ½ Teelöffel Zucker
   ½ Teelöffel Sesamöl
   Schwarzer Sesam
   Koriander (wer den nicht mag, kann Petersilie nehmen)


Zubereitung:

Den Rettich der Länge nach halbieren. Dann quer in sehr dünne halbmondförmige Stücke schneiden. In eine Schüssel geben und das Salz leicht einmassieren. 15 Minuten rasten lassen, dann unter kaltem Wasser abspülen und abtropfen.

Sojasauce und Zucker zum Rettich mischen. Zugedeckt zwei Tage im Kühlschrank lagern.

Vor dem Servieren den Rettich abseihen, d.h. die Marinade abtropfen lassen, die braucht es nicht mehr. Das Sesamöl untermischen, fertig.

Wenn man möchte, bestreut man den Rettich mit etwas schwarzem Sesam und gehacktem Koriander (oder Petersilie).

Monday, April 26, 2021

In Memoriam Kristofer Schipper

Der heutige Beitrag ist für diejenigen, die sich für den Daoismus interessieren. Ansonsten kann man ihn gerne auslassen.

Vor zwei Monaten ist der Sinologe Kristofer Schipper gestorben, einer der herausragendsten und berufensten Kenner des Daoismus, dessen Werk kann gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Es gibt wenige Menschen, die ich so sehr  bewundere, darum möchte ich heute einen Blogeintrag über ihn verfassen. 

Kristofer Schipper hatte in Paris bei den französischen Sinologen Rolf Stein und Max Kaltenmark studiert, letzterer einer aus einer Reihe französischer Gelehrter - Édouard Chavannes, Marcel Granet, Henri Maspero - die sich der Erforschung des Daoismus gewidmet hatten. Anfang der 60er-Jahre ging Professor Schipper nach Taiwan, um an der Academia Sinica zu studieren. Der Daoismus wird seit Jahrhunderten von den chinesischen Intellektuellen verachtet, so nimmt es nicht wunder, dass ihm an der Academia Sinica mitgeteilt wurde, dass der Daoismus nicht mehr existiere und der letzte Daoist gerade gestorben sei. Doch hatte Kristofer Schipper das Glück, in Tainan, im Süden Taiwans, der lebendigen Tradition zu begegnen und vor Augen geführt zu bekommen, dass die Überlieferungslinie tatsächlich ungebrochen war. Diese Begegnung änderte alles, was den Daoismus, seine Rezeption und sein Verständnis im Westen betraf. Damals, trotz über 100 Jahren Forschung, wusste man kaum etwas über den Daoismus - das gilt in vieler Hinsicht auch noch für unsere heutige Zeit. Um den Daoismus studieren zu können, traf Kristofer Schipper damals die Entscheidung, das Gewand des ausschließlich universitären Forschers abzustreifen und begann eine jahrelange Ausbildung beim daoistischen Meister Chen Rongsheng 陳榮盛, bis er schließlich zum Priester der Schule des Weges der orthodoxen Einheit (Zhengyidao 正一道) geweiht wurde.

Nach Europe zurückgekehrt, lehrte er in Paris an der École Française d'Extrême-Orient und der École Pratique des Hautes Études sowie an der Universität Leiden, war Leiter des Instituts des Hautes Études Chinoises am Collège de France, und unterrichtete auch an der Fuzhou University und am Zhangzhou College. Nach seiner Pensionierung zog er zusammen mit seiner Frau Yuan Bingling nach Fuzhou in China, wo er an der dortigen Universität die Library of the Western Belvedere (Xiguan cangshulou 西观藏书楼) gründete.

Seine Bücher „Le Corps Taoïste" und „La Religion de la Chine: La Tradition Vivante" sind bahnbrechende Werke, die leider nie auf Deutsch übersetzt wurden. Niemand vor ihm hatte es vermocht, den Daoismus und die chinesische Religion in dieser Klarheit, Tiefe und auch Empathie zu schildern. Sein ambitioniertestes Projekt, das Jahrzehnte in Anspruch nahm, war die Herausgabe eines historischen Begleiters (Historical Companion) zum Daoistischen Kanon, einer bis ins 5. Jh. zurückgehenden Sammlung von 1500 daoistischen Werken. In seiner heutigen Version wurde der Daoistische Kanon auf kaiserliche Anordnung in der Ming-Dynastie im 15. Jh. kompiliert. Der Umfang dieses Schrifttums ist ungeheuer. Den von Kristofer Schipper zusammen mit Franciscus Verellen verfassten Historical Companion habe ich zuhause, allein dieser umfasst über 1600 Seiten.

Es gibt auf Youtube einige sehenswerte Videos, in denen Kristofer Schipper über China, den Daoismus und auch seinen persönlichen Werdegang spricht. Die Videos sind auf Englisch, leider ohne deutsche Untertitel. Hier sind die Links: 










Hier ist ein Link zu einer Reihe von Nachrufen auf der Webseite der Society for the Study of Chinese Religions, verfasst von Schülern von Kristofer Schipper, selbst alle hervorragende Gelehrte des Daoismus:



Hier der Nachruf auf Kristofer Schipper in der New York Times: 



In China wurden an vielen Orten daoistische Begräbnis- und Übergangsritale abgehalten, das Fastenritual des Gelben Registers im Heling-Tempel auf dem Huotong-Berg in Fujian, weitere Rituale auf dem Longhu-Berg, Sitz der Himmelsmeister, im Xuanmiao-Tempel in Suzhou, im Tempel des Stadtgottes in Shanghai und im Dongyue-Tempel in Peking.

Dazu hier der Link zu diesen Ritualen auf einer daoistischen Webseite: Daoism.orgDie Seite befindet sich in China und ist natürlich in chinesischer Sprache, aber jedes Foto ist ein weiterer Link, der angeklickt werden kann, sodass man neben den Berichten auf Chinesisch einige Fotos von den vielen Ritualen sehen kann, die für Kristofer Schipper abgehalten wurden.

Der Sinologe John Lagerwey hat eine Aussage über den Daoismus getroffen, die auch von Kristofer Schipper stammen könnte (und vielleicht wirklich von ihm stammt, da sie ganz seinem Denken entspricht): „Der Daoismus ist die wirkliche Religion des chinesischen Volkes und lehrt uns, was es heißt, Mensch zu sein, oder besser, Mensch zu werden." 

Dazu meint Norman Girardot, Professor für Religion an der Lehigh University: „Eine der unausgesprochenen Lehren des Laozi, des Edlen Lao, und des ganzen Korpus daoistischer Offenbarung und Rituals, betrifft im Grunde und ganz einfach den Weg, wie man die ganz normale und gewöhnliche Menschlichkeit inmitten des alltäglichen Lebens wiedererlangen kann. Es ist diese wortlose Lehre, von der Kristofer Schipper so überzeugend spricht."

Kristofer Schipper selbst zitiert in seinem „Le Corps Taoïste" Zhuangzi, der sich fortwährend auf die Dimension des Alltagslebens bezieht und die Ergebnisse der vielen Wege des Daoismus so zusammenfasst: „Wer kann sich mit anderen zusammentun, ohne sich mit anderen zusammenzutun? Wer kann etwas mit anderen tun, ohne etwas mit anderen zu tun?“ Um der Welt in ihrem täglichen Verlauf folgen zu können, teilt uns Zhuangzi mit: „Um ein vollkommener Mensch zu werden, muss man sich mit anderen zusammentun, um von der Erde genährt zu werden, und man muss sich unter andere mischen, um sich am Himmel zu erfreuen.“

Und am Ende des Buches schreibt Kristofer Schipper:

„Große Perfektion ist wie Mangel“, sagt das Daodejing. Die Meisterung der Zeit, die demjenigen gehört, der sein Schicksals zu formen versteht, erlaubt ihm, im Inneren den Fluss und den Antrieb der Ewigkeit zu finden. Der Durchgang durch den Bruch im System, so einfach und natürlich, folgt keiner Formel, keiner Doktrin, keinem Rezept, und verlangt nicht mehr, als mit den Zeiten mitzuleben, ganz, verschlossen, versiegelt, vollständig wie ein Klumpen Erde, sich anderen zugesellend, um unsere irdische Nahrung und himmlischen Freuden zu suchen.

Bei den Festen, die abgehalten werden, um diese Freude zu feiern, versammeln sich die Kinder beim örtlichen Tempel, um die alten Balladen zu singen. Sie singen die Lieder der vier Jahreszeiten, vom Säen und Ernten, und von den Stunden des Tages und der Nacht. Das Repertoire beinhaltet immer auch ein Stück über die zehn Monde der Schwangerschaft. Es besingt die Verwandlungen des Embryo und die Nahrung, die die schwangere Mutter zu sich nimmt. Inmitten dieses Festes, das das Vergehen der Zeit bedeutet, erinnert dieses Lied an die andere Zeit, die vollständige, regressive Zeit der Mutter und ihres Kindes, in welcher das Leben der Welt transformiert und erneuert wird.

Dies ist es, was Zhuangzi inspiriert haben muss, den Daoismus als Religion ohne Doktrin zu beschreiben, ohne Dogma oder Institutionen, deren Überlieferung nicht der Weltgeschichte eingeschrieben ist. Für ihn gehört die Geschichte des Daoismus zur anderen Zeit und – nicht überraschend - richtet sie sich nach den Phasen der Verwandlungen der Eins, nach den neun Transformationen des Embryo in der Gebärmutter, den aufeinander folgenden Stadien des Zyklus, der vom Unsichtbaren zum Sichtbaren geht, welchen er natürlich in umgekehrter Folge beschreibt.

Es ist Nü Yu 女偊, die Bucklige, die im Buch Zhuangzi diese Geschichte der Verwandlung schildert. Gefragt, wann sie vom Dao erfahren habe, erwidert sie:

„Ich hörte es von Nachkommen der Kalligraphie,
der es vom Kind von Wiederholte-Rezitation gehört hatte,
der wiederum erfuhr es Vision-von-Licht.
Vision-von-Licht hatte es von Geflüsterte-Anleitung,
der hatte es wiederum von Harte-Lehre.
Harte-Lehre hatte es von Beliebtes-Lied,
Beliebtes-Lied von Dunkelheit,
Dunkelheit von Dreifache-Leere,
der es gehört hatte von
Vielleicht-ein-Anfang?“

(Zitate alle aus Kristofer Schipper „Le Corps Taoïste". Die Übersetzungen stammen von mir.)

Friday, April 23, 2021

Die Weichen und Entspannten Übungen - Erste Übung

Heute beginnen wir mit den „Weichen und Entspannten Übungen", einer Übungsfolge, die ich ebenfalls durch Prof. Lin Zhongpeng kennengelernt habe. Es handelt sich dabei um ein Set von acht traditionellen Daoyin 導引-Übungen, das - wie auch die „Leichten und Unbeschwerten Übungen" - sehr einfach, leicht zu erlernen und zu praktizieren ist und sehr gut mit den bisher auf dem Blog behandelten Übungen kombiniert werden kann.

Wie jedes gute Qigong führen diese Übungen in immer tiefere Zustände der Ruhe und Entspannung, öffnen die Qi-Bahnen, helfen der Zirkulation von Qi und Blut, stärken die Funktionen der inneren Organe und fördern Ordnung und harmonisches Funktionieren des Qi. Sie sind geeignet sowohl für Anfänger als auch für im Qigong weit Fortgeschrittene.

Prof. Lin meint zu diesen Übungen:

„Daoyin-Übungen war immer Teil der Praktiken chinesischer Gesundheitskultivierung. Sie wurden sowohl zur Krankheitsvorbeugung als auch zur Therapie verwendet, noch vor der Entwicklung von Akupunktur, Moxibustion und Kräutertherapie.

Schriftliche Aufzeichnungen zu Daoyin gehen zurück bis zu Zhuangzi 莊子 (4. Jh. v. Chr.), dem Lüshi Chunqiu 吕氏春秋 (Die Annalen des Lü Buwei - 3. Jh. v. Chr.), dem Huangdi Neijing 黄帝内經 (Der Innere Klassiker des Gelben Kaisers - 2. Jh. v. Chr.) und zu in den letzten Jahrzehnten bei Ausgrabungen entdeckten Dokumenten wie dem Yinshu 引書 (Das Buch des Streckens - ca. 200 v. Chr.) und der Daoyintu 導引圖 (Karte des Daoyin - 2. Jh. v. Chr.).

Die Methoden des Daoyin wurden über mehr als zwei Jahrtausende tradiert, und immer wieder erneuert und weiterentwickelt. Im 20. Jahrhundert erlangten sie unter dem Namen Qigong schließlich außerordentliche Popularität. Das profunde und umfassende theoretische System des Daoyin erforscht die Interaktion von Körper (jing 精 - Essenz, die materielle Basis des Lebens) und Geist (shen 神) sowie die Fähigkeit der Selbstorganisation des Organismus, und sucht nach Wegen, Harmonie und interne Koordination im komplexesten System dieser Erde - dem Menschen - zu erzeugen."

Hier zeige ich die erste Bewegung, zusammen mit der achten Bewegung, die den Abschluss der Folge bildet.


Wednesday, April 21, 2021

Einfache Taiji-Übungen zur Förderung der Gesundheit - Ruhiges Sitzen - Korrektur

Ein kurzer Nachtrag: Ich hatte nicht bemerkt, dass es beim Hochladen auf Youtube Probleme gegeben hatte und das Video mit dem Ruhigen Sitzen, der letzten der Einfachen Taiji-Übungen, nicht abgespielt werden konnte. 

Gestern habe ich es nochmals auf Youtube gestellt, hier ist der Link:

Das ursprüngliche Blogbeitrag war dieser hier:

Einfache Taiji-Übungen zur Förderung der Gesundheit - Ruhiges Sitzen

Tuesday, April 20, 2021

Guyu 穀雨 - Getreideregen

Ein paar Nachbemerkungen zum gestrigen Posting. Ich habe im gestrigen Video erwähnt, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für Pai Qi 排氣 - das Klären des Qi" sei.

Ich habe damit auf den heutigen Tag angespielt, der im chinesischen Kalender den Namen Guyu 穀雨 - Getreideregen" trägt. Es handelt sich um einen der 24 Jieqi 節氣, der 24 solaren Begriffe oder Qi-Knoten des Jahres. Ein jeder von ihnen ist durch eine bestimmte Qualität des Qi (des Klimas, des Wetters, der Atmosphäre) charakterisiert. 

„Guyu - Getreideregen" markiert das Ende des Frühlings (der nächste Qi-Knoten in ca. zwei Wochen ist dann schon Lixia 立夏 - Beginn des Sommers"). Das Wetter ist zu dieser Zeit zwar noch wechselhaft, doch das Yang-Qi wächst und steigt, das Yin-Qi wird weniger und weniger, die Kälte nimmt ab, Wärme und Feuchtigkeit nehmen zu. 

Es ist in dieser Zeit wichtig, dafür zu sorgen, dass das eigene Qi nicht von den atmosphärischen Einflüssen (Feuchtigkeit, Wärme, Kälte) verletzt wird. Zu dieser Jahreszeit fällt oft Regen, ist das eigene gesunde Qi nicht stark genug, dann kann das feuchte Qi der Jahreszeit in den Körper eindringen und Schmerzen in Schulter, Nacken und Gelenken verursachen. 

Die Feuchtigkeit kann aber auch anderweitig zu Problemen führen. Isst man in dieser Zeit zu viel und bewegt sich zu wenig, fällt es dem Körper schwer, das feuchte Qi zu transformieren, was die Verdauung beeinträchtigen wird. 

Die Aktivität des Leber- und Nieren-Qi sind zu dieser Zeit schwächer, das Herz-Qi ist hingegen aktiver. Darum ist es wichtig, Dinge zu tun, die einen freuen, Spaziergänge im Grünen, Musik hören, im Freien Qigong und Taiji praktizieren, alles, was die Brust weitet und die Stimmung hebt. Indem man die Psyche positiven Einflüssen aussetzt und weniger an Ärger, Sorgen und Ängste denkt, werden das Qi der Leber und das der Nieren unterstützt (und man kann vermeiden, dass das Qi der Leber blockiert und entgleist).

In China ist es die Zeit der ersten Tee-Ernte. Zu den positiven Wirkungen von Tee auf die Gesundheit brauche ich hier nicht viel zu sagen, die sind ja bekannt. Vielleicht dies: Tee kann helfen, das kalte Qi, das sich während des Winter im Körper gesammelt hat, auszuleiten und die Entfaltung des Yang-Qi im Körper zu fördern. Da Tee geistig erfrischt, wirkt er auch der Frühlingsmüdigkeit entgegen. 

Getreideregen" ist die Zeit des Übergangs von Frühling zu Sommer. Im Jahr sind alle Übergangszeiten kalendarisch der Milz zugeordnet, konkret die 15 Tage vor und nach dem jeweiligen Zeitpunkt. Das Qi von Milz und Magen ist zu dieser Zeit stark, es ist also ein guter Zeitpunkt, um das Qi durch bestimmte Nahrungsmittel zu kräftigen. Isst man zu dieser Zeit recht und achtet auf den Einklang mit dem Qi der Jahreszeit, dann fällt (dem Organismus, dem eigenen Qi) der Übergang in den Sommer leicht. 

Diverse Getreide sind sehr zu empfehlen, Hafer, Hirse, Gerste, auch verschiedenste Bohnen, schwarzer Sesam usw. Das Qi der Leber freut sich über grüne Blattgemüse wie z.B. Spinat. Der zunehmenden  Feuchtigkeit kann man durch Lebensmittel wie Gerste, weißer Rettich, Radieschen, Mungbohnen, Adzukibohnen, Hiobstränen, Mandarinenschale, Lotuswurzel, Sojasprossen usw. entgegenwirken.

Wir haben letztes Jahr einiges dazu geschrieben und auch Rezepte gepostet. All dies gilt immer noch, auf dem Blog können diese Beiträge unter diesen beiden Links gefunden werden:

Yangsheng-Rezepte 1 & Yangsheng-Rezepte 2 

Monday, April 19, 2021

Pai Qi und die Übung vom Ursprünglichen Licht

Kerry hat in ihrem Beitrag letzte Woche die „Pai Qi “ 排气 - Klären des Qi“ genannten Methoden des Qi-Austausches zwischen Mensch und Natur angesprochen, wichtige Übungen, durch die das Yingqi (营气 - das tiefe innere nährende Yin) mit dem Weiqi (卫气 - das schützende äußerste Yang) verbunden und die allgemeine Wirkung des Qigong konsolidiert und verstärkt wird.

Im heutigen Video nehme ich den Pai-Qi-Faden wieder auf.

In der Gesundheit geht es um die Beziehung zwischen Zheng und Xie, zwischen dem aufrechten, gesunden, natürlich fließenden und funktionierenden Qi (Zhengqi 正气) und den Qi-Aspekten, die die Ordnung des gesunden Qi beeinträchtigen und Krankheiten verursachen (Xieqi 邪气).

Zhengqi cun nei, xie bu ke gan 正气存内,邪不可干 „Die Kraft eines starken Zhengqi im Inneren lässt Xieqi nicht eindringen." Dies ist eines der Grundprinzipien sowohl der Chinesischen Medizin als auch des Qigong: das Zhengqi zu stärken und die Beziehung des Körpers mit der Natur zu regulieren, um mit der daraus resultierenden stabilen Gesundheit krankmachenden Einflüssen besser widerstehen zu können.

Die Passage aus dem Inneren Klassiker des Gelben Kaisers, aus der dieser Satz ursprünglich stammt, hat einen aktuellen Bezug, es geht darin nämlich um epidemisches Geschehen. Der Gelbe Kaiser fragt den Arzt Qi Bo, was zu tun sei, wenn während Epidemien Alt und Jung gleicherart erkranken und nicht gerettet werden können, worauf Qi Bo antwortet, dass man mit einem starken Zhengqi nicht erkranke, darüberhinaus gelte es, das giftige Qi (Duqi 毒气) zu vermeiden, welches durch die Nase in den Körper eindringe. Es brauche ein kräftiges Zhengqi, um solch toxisches Qi am Eindringen hindern zu können.

So einfach dies klingt, so klar ist die Aussage und so klar auch die Anleitung, was zu tun sei: Das Zhengqi gehört gestärkt. Wie dies zu geschehen hat, dafür besitzt die Chinesische Medizin sowohl die Theorien als auch die Verfahren, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte.

Auch im Qigong weiß man, wie vorzugehen ist. Es braucht das Ruhigwerden (Rujing 入静 - Eintreten in die Stille), um die regulativen Prozesse des Körpers zu stimulieren, es braucht die feine Qigong-Atmung, um das innere Qi anzutreiben, und es braucht spezielle Bewegungsabläufe, um die Meridiane besser durchgängig zu machen, das Qi in bestimmte Bereich zu führen, stagnierendes Qi wieder in Fluss zu bringen und Einschlüsse von Xieqi aus dem Körper auszuleiten.

Letzteres heißt Pai Qi - Qi klären, austreiben, ausstoßen. Dies erfolgt meist mittels bestimmter Massagen, Bewegungs- oder Atemtechniken. Im Video zeige ich, dass es auch durch geistige Intention geschehen kann. Ich wollte dafür keine extra Übung verwenden, darum greife ich wieder auf die Yuanminggong-Übungen zurück. An der Übung selbst ändert sich nichts, es kommt nur für einen kurzen Moment der geistige Impuls hinzu, das Xieqi nach unten und aus dem Körper hinaus zu bewegen.

Äußerst wichtig: nicht zu viel konzentrieren. Aufmerksamkeit, Intention, Vorstellung, Konzentration - all das darf nicht zu stark werden. Dan 淡 ist der chinesische Ausdruck, mit dem die rechte Qualität der Aufmerksamkeit, Intention und Vorstellung während des Qigong-Übens beschrieben wird: dan bedeutet mild, leicht, fade, indifferent...


Saturday, April 17, 2021

Die Übungen der Kommunikation mit Himmel und Erde - ein weiteres Übungsvideo

Die Übungen der Kommunikation mit Himmel und Erde sind einfach, leicht zu erlernen und können ohne viel Zeitaufwand geübt werden. In den bisherigen Videos ging es um die Bewegungen, dies ist jedoch nur der erste in einer Hierarchie von vier wichtigen Aspekten und Stufen des Übens.

Im heutigen Video zeige ich, wie die Vorstellung mit der Bewegung zusammengeführt wird, und gehe damit auf den zweiten Aspekt ein. Wie die Vorstellung verwendet wird, ist überhaupt eines der wichtigsten Themen des Qigong. Prof. Lin Zhongpeng meinte dazu: Die Vorstellung kann einem großen, breiten Strom verglichen werden. Das Wasser des Stromes kann ein Boot tragen, es kann ein Boot jedoch auch zum Kentern bringen. Darum ist es so wesentlich, korrekt zu verstehen, wie man während des Qigong-Übens mit der Vorstellung umgeht.

Einige der diesbezüglich wichtigsten Punkte erkläre ich im Video, in einem zukünftigen Beitrag werde ich dann noch detaillierter auf das Thema eingehen.

Wednesday, April 14, 2021

Das Kleine geht hin, das Große kommt her - Ein Übungsvideo

Der Friede: Das Kleine geht hin, das Große kommt her. Heil! Gelingen! Auf diese Weise vereinigen sich Himmel und Erde, und alle Wesen kommen in Verbindung. Obere und Untere vereinigen sich, und ihr Wille ist gemeinsam. Innen ist das Lichte, außen das Schattige, innen der Edle, außen der Gemeine. Der Weg des Edlen ist im Wachsen, der Weg des Gemeinen im Abnehmen.

So der Urteilsspruch zu Tai 泰 (Der Friede), dem 11. Hexagramm des Buchs der Wandlungen, das durch die Übung des heutigen Videos verkörpert wird. Es ist eine sehr wesentliche Übung, durch die man einen der wichtigsten Inhalte des Qigong zu verstehen lernt.

Der Name der Übung lautet: Qian kun jiao tai 乾坤交泰 - Das Schöpferische und das Empfangende treffen einander in Frieden". Sie stammt aus dem Qigong des Laozi", einer Übungsfolge, auch Das Kultivieren des Wirklichen" genannt, die auf Inhalten des Daodejing und des Buchs der Wandlungen basiert. Prof. Cong hatte sie vor Jahren unterrichtet. 

Das ganze obige Urteil kann als Kommentar zur Qi-Bewegung der Übung gelesen werden, in der Yang und Yin auf eine solche Art und Weise in Bezug gebracht werden, dass alles fördert" oder zu „Heil" und „Gelingen" führt, um in der Sprache des Buchs der Wandlungen zu bleiben.

Kommunizieren Yin und Yang nicht, entsteht Gefahr. Die Trennung von Yin und Yang ist das Ende (d.h. der Tod) von Essenz und Qi", heißt es im Inneren Klassiker des Gelben Kaisers. Darum achtet man im Qigong darauf, Yin und Yang einander zu „verheiraten" und ihre Verbindung zu festigen. Dann kann das Xieqi (邪气 das pathogene Qi - das Kleine und Gemeine) weichen und das Zhengqi (正气 der Edle - das aufrechte Qi des funktionierenden Organismus) wachsen. Das Yang wird an zentraler Stelle sein und den Zusammenhalt des Ganzen schützen. Gesundheit ereignet sich als Folge.

Es ist das „innere Umstellen“, welches dies zuwege bringt. Das Yang, in seiner Bewegung nach oben und außen, kann sonst das Yin nicht treffen. Was oben ist, muss nach unten gebracht werden, was außen, nach innen. Dann erst vereinigen sich Himmel und Erde und alles Leben wird gefördert und entfaltet.

Das Zeichen entspricht dem Frühling, der Zeit, in der Himmel und Erde zu allgemeinem Blühen und Gedeihen zusammenwirken, darum hatte ich den Gedanken zu diesem Video und diesem Beitrag. Und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Qigong zu üben genau dieses heißt, nämlich die Begegnung von Himmel und Erde in der inneren Stille und Ruhe (auch eine mögliche Übersetzung von Tai 泰) immer wieder wirklich werden zu lassen, als eine Zeit des inneren Frühlings, der jederzeit, auch unabhängig von der tatsächlichen Jahreszeit, erlebt werden kann.


Monday, April 12, 2021

Ein paar verstreute Frühlingsgedanken

Frühling. Das Leben entfaltet sich. Alles wächst. Die Bäume knospen und ergrünen, Blütenduft erfüllt die Luft, überall zwitschern Vögel, während sie nach Nahrung suchen und Nester bauen. Doch ist der Übergang vom dunklen Winter zu den langen Tagen des lichten Sommers oft auch turbulent, mit raschen und plötzlichen Wechseln von Wind, Regen, Schnee, Sonne, mit Frosttemperaturen, die über Nacht sonniger Wärme weichen, und genauso plötzlich wieder zurückkehren.

Die Veränderungen in der Natur spiegeln sich im Körper und kommen in einer veränderten Qi-Bewegung zum Ausdruck. Im Frühling erwacht das Qi, es steigt und drückt nach oben und außen. Diesen Yang-Aspekt des Qi, kräftigend und stärkend, kann man schon in den frühen Stadien des jahreszeitlichen Übergangs spüren, dann, wenn sich im Körper empfundene Kälte oder Steifheit in Wärme oder Leichtigkeit verwandeln, wenn man durch einen plötzlichen Energieschub Erschöpfung und Langeweile überwindet, wenn sich die Stimmung hebt und wartende Möglichkeiten spürbar werden. All dies, obwohl wir alle natürlich weiterhin die Last und den Stress der schon mehr als ein Jahr dauernden globalen Krise zu tragen haben.

Der Frühling ist die Zeit, in der das Essenz-Qi (Jingqi 精气) das Qi öffnet, sein Erwachen  unterstützt, den Fluss von Qi 气 und Xue (Blut  und der Qi-Aspekt des Blutes) verbessert und sich mit dem kraftvollen Qi von Himmel und Erde verbindet, um Leben in all seiner Zartheit zu schaffen, zu erneuern und in seinen Transformationen zu schützen.

Beim Qigong-Üben ist es so, als würde man einen Frühjahrsputz halten und das Wohnzimmer auslüften ... Türen und Fenster werden weit geöffnet, um die abgestandene, staubige Luft mit frischer, lebendiger Luft zu ersetzen. Beim Üben kann das auf verschiedene Arten und Weisen geschehen, mittels spezieller Massagen (klopfen, streichen, vibrieren), durch bestimmte Methoden des Armschwingens, oder auch durch spezielle Atemtechniken. 

Diese „Pai Qi “ 排气 - Klären des Qi“ genannten Qigong-Methoden ermöglichen den umfassenden und raschen Qi-Austausch zwischen Mensch und Natur, wodurch alle transformativen Qi-Prozesse gestärkt werden. Praktiziert man Pai Qi als Abschluss des Übens, dann harmonisiert es den inneren Fluss des nährenden Yin-Qi mit dem äußeren Fluss des schützenden Yang-Qi. Die allgemeine Wirkung des Übens wird so konsolidiert und verstärkt. 

Ideal ist, wenn man frühmorgens Qigong draußen an der frischen Luft, in der Nähe von Bäumen oder in einem Park üben kann. In der Stadt ist dies nicht immer möglich. Das Qi der Natur ist jedoch überall, auch im eigenen Wohnzimmer. Das Wichtigste ist die frische Luft. Und die ist am besten nach einem Frühlingsregen, dessen feines Qi zusammen mit der feuchten und kühlen Luft sich leicht mit dem eigenen Qi verbindet und vermischt.

Es ist normal, wenn man im Frühling das Qi stärker spürt, wenn man also intensivere Qi-Wahrnehmungen hat. Zum Beispiel kann es sein, dass sich Hände und Füße während oder nach dem Qigong-Üben kühl oder sogar kalt anfühlen. Dies bedeutet, dass das Yang-Qi das im Körper befindliche abgestandene, kalte Qi, das den gleichmäßigen, leichtgängigen, schnellen Fluss des gesunden, warmen Qi blockiert, nach außen drückt. Oder man beginnt beim Üben oder auch später, wenn man sich nach dem Üben ausruht, leicht zu schwitzen - das kommt daher, dass sich das nährende Yin-Qi des Körperinneren mit dem schützenden Yang-Qi der Körperoberfläche harmonisiert. Dadurch fällt es dem Qi der Lunge leichter, die Poren zu öffnen und zu schließen, und die Haut beginnt besser zu atmen.

Das steigende Yang-Qi des Frühlings ist von Natur aus schöpferisch und warm, und gewinnt, während es 
dem Sommer zugeht, mehr und mehr an Kraft. Es steigt auf, drängt kräftig nach oben und außen und befördert die natürliche Transformation jedes Aspekts des Lebens. Ist man aufmerksam, lässt einen diese innere Bewegung eine engere Verbindung mit der Natur erleben, nicht nur draußen, auch zuhause. Ideen werden einem zufliegen, und die Gesundheit wird sich mit dem Qi heben und in Möglichkeiten des Tuns verwandeln.

Hoffentlich können wir in Zukunft wieder einmal einige von den speziellen Qigong-Methoden zeigen, durch die man auf engere und direktere Art mit der Natur zu kommunizieren lernt. Diese Art von Erfahrung ist inspirierend und belebend, und sie lässt eine Freude entdecken, die die Natur eigentlich immer bereit hält und die zu jeder Jahreszeit anders erlebt wird .. Noch ist Geduld vonnöten, aber es wird sich schon wieder die Gelegenheit ergeben. 

Wir wünschen allen einen schönen Frühling! 

PS: Die vier Kalligraphien zeigen alle das Zeichen: 春 Chun - Frühling. 

Saturday, April 10, 2021

Eine Übung zur Stärkung von Milz und Magen

In diesen nicht enden-wollenden pandemischen Zeiten sehr angebracht, möchte ich heute eine Übung zur Stärkung des Qi von Milz und Magen zeigen.

Der Funktionskreislauf von Magen und Milz wird „erworbene (houtian 后天- nachhimmlische) Qi-Quelle“ genannt und ist von entscheidender Wichtigkeit für das Funktionieren des gesamten Organismus.*

Sind Magen und Milz geschwächt, wird die „Transportieren und Transformieren“ genannte Funktion der Milz beeinträchtigt, durch die Nahrung in Qi und Blut umgewandelt wird. Mangelnde Bewegung (auch als Folge des Lockdowns), einseitige Ernährungsgewohnheiten (unregelmäßiges Essen, übermäßiges Essen, kaltes Essen, schweres Essen, zu stark gewürztes Essen, zu viel Rohkost etc.) schwächen Milz und Magen und verletzen das Yang der Milz. Dieser fehlt dann die Energie für das Transportieren und Transformieren der Nahrung, die Erzeugung von Qi und Blut funktioniert dann nicht recht, und eine Reihe von Problemen können entstehen: stagnierende Verdauung, kalte Hände und Füße, Wasseransammlungen im Gewebe und viele mehr.

Darum diese Übung zur Unterstützung des Qi von Milz und Magen. Sie nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, man braucht auch keine komplizierten Bewegungen zu lernen.

Der erste Teil besteht aus dem großen Kreis zur Regulierung des Qi (Öffnen, Heben, Schließen und Senken), verbunden mit dem Heilenden Laut 
„Hu“ für die Milz.

Während des Hebens atmet man durch die Nase ein während das Senkens rundet man die Lippen, atmet durch den Mund aus und stellt sich den Laut „Hu“ vor.. Diese Bewegung zusammen mit der Hu-Ausatmung wird einige Male wiederholt. Prof. Cong, der dies in seinen Seminaren unterrichtet hatte, meinte, sechs bis neun Wiederholungen genügten schon, man könne die Übung aber auch länger machen.

Der zweite Teil entspricht mehr oder minder der Baduanjin-Übung für Milz und Magen. Bei den Baduanjin lautet der Name der Übung: tiaoli piwei xu dan ju 调理脾胃需单举 - Um Milz und Magen zu regulieren sollte man einen Arm heben.

Die Hände werden dafür vor den Unterbauch gebracht, die Handflächen sind nach oben gerichtet. Dann - nomen der Übung est omen - wird eine Hand über Kopfhöhe gehoben, die Handfläche wird dabei nach oben gedreht, während die andere zur Seite bewegt wird, die Handfläche wendet sich nach unten. Am Ende des Hebens bzw. Senkens drücken die Hände nach oben bzw. unten. Die Bewegung seitenverkehrt wiederholen. Während des Hebens bzw. Senkens der Hände einatmen, beim Drücken ausatmen. Dabei wird der Bauch etwas nach innen gezogen.

Im Kontext der Baduanjin-Übungen würde man diese zweite Bewegung nur wenige Male machen, hier kann sie viel öfter wiederholt werden.

Zum Abschluss ein paarmal Öffnen, Heben, Schließen und Senken. Die Hände auf den Unterbauch legen und für ein paar Atemzüge so stehenbleiben.

Die Übung kann zu jeder Tageszeit durchgeführt werden, die beste Zeit ist allerdings morgens nach dem Aufstehen. Auch ist dies eine Übung, die leicht draußen geübt werden kann. 

Die Funktionen von Milz und Magen stellen einen der wichtigen Aspekte des eigenen Qi dar. Sie brauchen regelmäßige Kräftigung und Unterstützung, wie z.B. durch diese Übung, sind sie dochabgesehen von der Pandemie und ihren Folgen, ganz generell im Kontext des modernen Lebens erheblicher Belastung ausgesetzt.

*Ein ausführlichere Beschreibung der Qi-Funktionen von Milz und Magen (im Zusammenhang mit den Übungen der Heilenden Laute) findet sich hier, unter diesem Link.


Thursday, April 8, 2021

Einfache Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit - Teil 3

Dies ist nun der dritte Teil der einfachen Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit. Der relevante Satz aus dem Huangdi Neijing - Lingshu lautet folgendermaßen: Befindet sich pathogenes Qi in der Milz, so  stagniert es in den Hüften."

Mit Hüfte ist hier ein ganzer Bereich gemeint, Oberschenkelansatz, Leisten, Hüftgelenke, generell der Verbindungsbereich von Oberschenkel und Becken, überall dort sammelt sich das xieqi 邪气 der Milz. Auch zwei wichtige Akupunkturpunkte liegen in diesem Bereich: Qichong 气冲 und Chongmen 冲门. 

Qichong ist der 30. Punkt des Magenmeridians, der Punkt befindet sich zwei Daumenbreit seitlich der Körpermittellinie auf Höhe des Schambeins. Chongmen ist der 12. Punkt des Milzmeridians und liegt viereinhalb Finger seitlich des Oberrands der Schambeinfuge. Für die Massage braucht man aber die genaue Lokalisation nicht zu wissen, da man ja nicht nadelt, sondern mit der flachen Hand gegen die Leistengegend klopft. So ungenau kann man nicht sein, dass man die Punkte verfehlen würde.

Die Massage der Hüften (Leiste, Oberschenkelansatz, Unterbauch) verbessert die lokale Zirkulation von Qi und Blut, die Qi-Funktionen von Milz und Magen werden unterstützt. Die Stimulation von Qichong stärkt die Funktionskreisläufe Niere und Blase, Erschöpfungszustände von Niere und Blase können verbessert und Kältezustände ausgeglichen werden. Die Stimulation von Chongmen wirkt der Erschöpfung des Yin und pathogener Hitze entgegen, das Yang wird gesenkt und das Yin gekräftigt. Beide Punkte sind von großer therapeutischer Wichtigkeit. Sie haben auch eine direkte Verbindung zu den Außerordentlichen Meridianen (qijing bamai 奇经八脉) und liegen ganz nah an der Oberschenkelarterie, wodurch sehr effektiv auf den Fluss von Qi und Blut eingewirkt werden kann.  

Die Massage ist wieder sehr einfach: Man macht die flache Hand etwas hohl und klopft - im Stehen - gegen die Leistengegend, zuerst leicht und allmählich ein wenig fester, bis man das Gefühl hat, dass sich die Gegend erwärmt. Auf keinen Fall zu fest schlagen, man tut sich nichts Gutes und die Wirkung wird nicht verbessert, wenn man sich prügelt.


Tuesday, April 6, 2021

Regulation von Atem und Bewegung - ein Video zum Mitüben

Diese Übungen verwende ich sehr gerne in meinen Kursstunden. Ich habe sie vor vielen Jahren von Prof Cong gelernt, der sie in fast allen seiner Seminare unterrichtete.

Er meinte dazu: Bei meinen Seminaren liegt mir am Herzen, die gesundheitlichen Möglichkeiten des Qigong möglichst wirkungsvoll zu vermitteln. Dabei ist es am Wichtigsten, das Qi aller Seminar-Teilnehmer so schnell wie möglich zu regulieren und sie in die tiefe Ruhe des Qigong zu führen. Das geht mit einfachen Bewegungsabläufen am besten, man muss keine komplizierten Bewegungen lernen und erlebt sehr schnell die Wirkungen der Übung. Je tiefer die Stille, desto kräftiger bewegt sich das Qi, desto besser wird es reguliert, desto wirksamer das Qigong. Tiefe Ruhe, Regulation und Regeneration - Heilung und Gesundheit ergeben sich daraus. "

Im Video verbinde ich den Atem mit den Bewegungen. und zeige eine Technik von Prof. Cong, die er Wissen und vergessen" nannte. Vor allem, dann, wenn man den Atem mit größeren Bewegungen verbinden will, kann diese Technik hilfreich sein. 

Wissen und Vergessen heißt, dass man die Aufmerksamkeit immer nur kurz auf den Atem richtet, z.B. zu Beginn des Heben. Man beginnt einzuatmen (wissen, man weiß, dass jetzt die Einatmung kommt), kümmert sich aber im Verlauf des Hebens nicht weiter um den Atem (vergessen). Ebenso beim Senken, man beginnt auszuatmen und denkt im  weiteren Verlauf nicht weiter an den Atem. Prof. Cong meinte, dies sei eine gute Methode, um ohne Bemühung, wie von selbst, die lange, ruhige und tiefe Qigong-Atmung zu entwickeln. 


Friday, April 2, 2021

Aufmerksamkeit und Bewegung - Ein Übungsvideo

Mit der Aufmerksamkeit recht umzugehen, ist die größte Kunst im Qigong. Man kann verschiedene Definitionen des Qigong geben, eine einfache wäre diese: Immer dann, wenn sich die Aufmerksamkeit mit einer Bewegung (oder Haltung) verbindet, dann übt man Qigong. Ob die Bewegungsabläufe dabei einfach sind oder komplex, ist unerheblich, das Entscheidende ist die Aufmerksamkeit, durch sie erst wird eine Bewegung zu Qigong.

Um dies auf den Punkt zu bringen, wird in chinesischen Qigongkreisen oft folgender Spruch zitiert: Bodhidharma (der Begründer des Zen-Buddhismus),  aus dem Westen (d.h. aus Indien) gekommen, wirkte ohne Worte, nur durch die geistige Intention." 

Das heißt jedoch nicht, dass Qigong nur geistig geübt und das Qi gedanklich bewegt werden sollte. Ich habe in China keinen einzigen traditionellen Qigong-Lehrer kennen gelernt, der dies befürwortet hätte, ganz im Gegenteil, es wird als oberflächlich und irreführend abgelehnt.

Die Aufmerksamkeit soll in die Stille und Leere führen, sie ist Mittel, nicht Ziel. Sie darf nicht Selbstzweck werden und auch nicht im Übermaß eingesetzt werden. Üblicherweise wird die Aufmerksamkeit auf die Bewegung gerichtet (meist die Hände) und sehr dosiert verwendet. Da sie nicht zu stark werden sollte, ist Nachlässigkeit wichtig. Als ich noch für Prof. Cong übersetzte, war dies der Aspekt des Übens, auf den er am meisten achtete. Yong yi tai zhong 用意太重 Die verwendete Aufmerksamkeit ist zu stark, so findet man nicht in die Ruhe und das Qi kann sich nicht harmonisch und auf natürliche Weise entwickeln", so seine Ermahnung an zu beflissene und brave Schüler. 

Wohin die Bewegung geht, dorthin geht die Aufmerksamkeit. Folgt die Aufmerksamkeit der Bewegung der Hände, wird das Qi im Körper ganz von selbst folgen, und es wird entlang der natürlichen Bahnen fließen. Alles Weitere im Qigong baut auf diesem korrekten ersten Schritt auf.


Ganzheitsmedizinischer Kongress in Wien zu Covid 19 - Therapie, Prävention und Nachsorge

Über die wichtige, wesentliche und äußerst erfolgreiche Rolle, die die TCM in der Pandemiebekämpfung und -kontrolle in China spielt, wird in...