Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Monday, April 12, 2021

Ein paar verstreute Frühlingsgedanken

Frühling. Das Leben entfaltet sich. Alles wächst. Die Bäume knospen und ergrünen, Blütenduft erfüllt die Luft, überall zwitschern Vögel, während sie nach Nahrung suchen und Nester bauen. Doch ist der Übergang vom dunklen Winter zu den langen Tagen des lichten Sommers oft auch turbulent, mit raschen und plötzlichen Wechseln von Wind, Regen, Schnee, Sonne, mit Frosttemperaturen, die über Nacht sonniger Wärme weichen, und genauso plötzlich wieder zurückkehren.

Die Veränderungen in der Natur spiegeln sich im Körper und kommen in einer veränderten Qi-Bewegung zum Ausdruck. Im Frühling erwacht das Qi, es steigt und drückt nach oben und außen. Diesen Yang-Aspekt des Qi, kräftigend und stärkend, kann man schon in den frühen Stadien des jahreszeitlichen Übergangs spüren, dann, wenn sich im Körper empfundene Kälte oder Steifheit in Wärme oder Leichtigkeit verwandeln, wenn man durch einen plötzlichen Energieschub Erschöpfung und Langeweile überwindet, wenn sich die Stimmung hebt und wartende Möglichkeiten spürbar werden. All dies, obwohl wir alle natürlich weiterhin die Last und den Stress der schon mehr als ein Jahr dauernden globalen Krise zu tragen haben.

Der Frühling ist die Zeit, in der das Essenz-Qi (Jingqi 精气) das Qi öffnet, sein Erwachen  unterstützt, den Fluss von Qi 气 und Xue (Blut  und der Qi-Aspekt des Blutes) verbessert und sich mit dem kraftvollen Qi von Himmel und Erde verbindet, um Leben in all seiner Zartheit zu schaffen, zu erneuern und in seinen Transformationen zu schützen.

Beim Qigong-Üben ist es so, als würde man einen Frühjahrsputz halten und das Wohnzimmer auslüften ... Türen und Fenster werden weit geöffnet, um die abgestandene, staubige Luft mit frischer, lebendiger Luft zu ersetzen. Beim Üben kann das auf verschiedene Arten und Weisen geschehen, mittels spezieller Massagen (klopfen, streichen, vibrieren), durch bestimmte Methoden des Armschwingens, oder auch durch spezielle Atemtechniken. 

Diese „Pai Qi “ 排气 - Klären des Qi“ genannten Qigong-Methoden ermöglichen den umfassenden und raschen Qi-Austausch zwischen Mensch und Natur, wodurch alle transformativen Qi-Prozesse gestärkt werden. Praktiziert man Pai Qi als Abschluss des Übens, dann harmonisiert es den inneren Fluss des nährenden Yin-Qi mit dem äußeren Fluss des schützenden Yang-Qi. Die allgemeine Wirkung des Übens wird so konsolidiert und verstärkt. 

Ideal ist, wenn man frühmorgens Qigong draußen an der frischen Luft, in der Nähe von Bäumen oder in einem Park üben kann. In der Stadt ist dies nicht immer möglich. Das Qi der Natur ist jedoch überall, auch im eigenen Wohnzimmer. Das Wichtigste ist die frische Luft. Und die ist am besten nach einem Frühlingsregen, dessen feines Qi zusammen mit der feuchten und kühlen Luft sich leicht mit dem eigenen Qi verbindet und vermischt.

Es ist normal, wenn man im Frühling das Qi stärker spürt, wenn man also intensivere Qi-Wahrnehmungen hat. Zum Beispiel kann es sein, dass sich Hände und Füße während oder nach dem Qigong-Üben kühl oder sogar kalt anfühlen. Dies bedeutet, dass das Yang-Qi das im Körper befindliche abgestandene, kalte Qi, das den gleichmäßigen, leichtgängigen, schnellen Fluss des gesunden, warmen Qi blockiert, nach außen drückt. Oder man beginnt beim Üben oder auch später, wenn man sich nach dem Üben ausruht, leicht zu schwitzen - das kommt daher, dass sich das nährende Yin-Qi des Körperinneren mit dem schützenden Yang-Qi der Körperoberfläche harmonisiert. Dadurch fällt es dem Qi der Lunge leichter, die Poren zu öffnen und zu schließen, und die Haut beginnt besser zu atmen.

Das steigende Yang-Qi des Frühlings ist von Natur aus schöpferisch und warm, und gewinnt, während es 
dem Sommer zugeht, mehr und mehr an Kraft. Es steigt auf, drängt kräftig nach oben und außen und befördert die natürliche Transformation jedes Aspekts des Lebens. Ist man aufmerksam, lässt einen diese innere Bewegung eine engere Verbindung mit der Natur erleben, nicht nur draußen, auch zuhause. Ideen werden einem zufliegen, und die Gesundheit wird sich mit dem Qi heben und in Möglichkeiten des Tuns verwandeln.

Hoffentlich können wir in Zukunft wieder einmal einige von den speziellen Qigong-Methoden zeigen, durch die man auf engere und direktere Art mit der Natur zu kommunizieren lernt. Diese Art von Erfahrung ist inspirierend und belebend, und sie lässt eine Freude entdecken, die die Natur eigentlich immer bereit hält und die zu jeder Jahreszeit anders erlebt wird .. Noch ist Geduld vonnöten, aber es wird sich schon wieder die Gelegenheit ergeben. 

Wir wünschen allen einen schönen Frühling! 

PS: Die vier Kalligraphien zeigen alle das Zeichen: 春 Chun - Frühling. 

Eine Qigong-Übungsstunde

Es ist schon einige Zeit her, dass ich eine ganze Qigongstunde zum Mitüben gepostet habe. Heute ist es wieder einmal soweit. Das heutige Vid...