Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie
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Thursday, May 27, 2021

Inmitten der Bewegung die Ruhe suchen - eine Qigong-Übungsstunde

Im heutigen Videos zeige ich eine Übungsfolge von Prof. Cong Yongchun. Die einzelnen Übungen habe ich schon früher auf diesem Blog und auf Youtube gepostet, hier sind sie in einem sinnvollen Zusammenhang. 

Zuerst wird das Qi mittels der großen Kreisbewegung (Öffnen, Schließen, Heben und Senken) harmonisiert, das heißt,  die geordnete Bewegung des Qi nach oben, unten, hinein und hinaus wird gefördert.

Daran schließen sich die Übungen vom Ursprünglichen Licht an (Taiyi Yuanming Gong 太乙元明功 und Da Lianxing 大練形). 

Und schließlich folgen Übungen zur Regulation der Meridiane (Jingluo Daoyin 經絡導引).

Die Übungen sind einfach, leicht zu merken und leicht mitzuüben. Und damit findet man auch leichter in die Ruhe. Dongzhong qiu jing 動中求静 - Inmitten der Bewegung die Ruhe suchen", dies ist eines der wichtigsten und wesentlichsten Prinzipien des Qigong. 


Monday, April 19, 2021

Pai Qi und die Übung vom Ursprünglichen Licht

Kerry hat in ihrem Beitrag letzte Woche die „Pai Qi “ 排气 - Klären des Qi“ genannten Methoden des Qi-Austausches zwischen Mensch und Natur angesprochen, wichtige Übungen, durch die das Yingqi (营气 - das tiefe innere nährende Yin) mit dem Weiqi (卫气 - das schützende äußerste Yang) verbunden und die allgemeine Wirkung des Qigong konsolidiert und verstärkt wird.

Im heutigen Video nehme ich den Pai-Qi-Faden wieder auf.

In der Gesundheit geht es um die Beziehung zwischen Zheng und Xie, zwischen dem aufrechten, gesunden, natürlich fließenden und funktionierenden Qi (Zhengqi 正气) und den Qi-Aspekten, die die Ordnung des gesunden Qi beeinträchtigen und Krankheiten verursachen (Xieqi 邪气).

Zhengqi cun nei, xie bu ke gan 正气存内,邪不可干 „Die Kraft eines starken Zhengqi im Inneren lässt Xieqi nicht eindringen." Dies ist eines der Grundprinzipien sowohl der Chinesischen Medizin als auch des Qigong: das Zhengqi zu stärken und die Beziehung des Körpers mit der Natur zu regulieren, um mit der daraus resultierenden stabilen Gesundheit krankmachenden Einflüssen besser widerstehen zu können.

Die Passage aus dem Inneren Klassiker des Gelben Kaisers, aus der dieser Satz ursprünglich stammt, hat einen aktuellen Bezug, es geht darin nämlich um epidemisches Geschehen. Der Gelbe Kaiser fragt den Arzt Qi Bo, was zu tun sei, wenn während Epidemien Alt und Jung gleicherart erkranken und nicht gerettet werden können, worauf Qi Bo antwortet, dass man mit einem starken Zhengqi nicht erkranke, darüberhinaus gelte es, das giftige Qi (Duqi 毒气) zu vermeiden, welches durch die Nase in den Körper eindringe. Es brauche ein kräftiges Zhengqi, um solch toxisches Qi am Eindringen hindern zu können.

So einfach dies klingt, so klar ist die Aussage und so klar auch die Anleitung, was zu tun sei: Das Zhengqi gehört gestärkt. Wie dies zu geschehen hat, dafür besitzt die Chinesische Medizin sowohl die Theorien als auch die Verfahren, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte.

Auch im Qigong weiß man, wie vorzugehen ist. Es braucht das Ruhigwerden (Rujing 入静 - Eintreten in die Stille), um die regulativen Prozesse des Körpers zu stimulieren, es braucht die feine Qigong-Atmung, um das innere Qi anzutreiben, und es braucht spezielle Bewegungsabläufe, um die Meridiane besser durchgängig zu machen, das Qi in bestimmte Bereich zu führen, stagnierendes Qi wieder in Fluss zu bringen und Einschlüsse von Xieqi aus dem Körper auszuleiten.

Letzteres heißt Pai Qi - Qi klären, austreiben, ausstoßen. Dies erfolgt meist mittels bestimmter Massagen, Bewegungs- oder Atemtechniken. Im Video zeige ich, dass es auch durch geistige Intention geschehen kann. Ich wollte dafür keine extra Übung verwenden, darum greife ich wieder auf die Yuanminggong-Übungen zurück. An der Übung selbst ändert sich nichts, es kommt nur für einen kurzen Moment der geistige Impuls hinzu, das Xieqi nach unten und aus dem Körper hinaus zu bewegen.

Äußerst wichtig: nicht zu viel konzentrieren. Aufmerksamkeit, Intention, Vorstellung, Konzentration - all das darf nicht zu stark werden. Dan 淡 ist der chinesische Ausdruck, mit dem die rechte Qualität der Aufmerksamkeit, Intention und Vorstellung während des Qigong-Übens beschrieben wird: dan bedeutet mild, leicht, fade, indifferent...


Monday, March 1, 2021

Die Übung vom Ursprünglichen Licht - Teil 1 & 2

Zum Mitüben: Ein Video mit beiden Teilen des Taiyi Yuanming Gong 太乙元明功, so wie sie Prof. Cong bei seinen Kursen in Österreich und Deutschland unterrichtet hatte.

Prof. Cong meinte, dass die regelmäßige Praxis des Taiyi Yuanminggong die Gesundheit auf ein stabiles Fundament stelle. Der erste Teil stärkt die Basis (er baut das Qi auf), der zweite Teil kräftigt den ganzen Körper. 

Das stabile Fundament ergibt sich - im ersten Teil der Übung - aus dem Ausgleich der verschiedenen Yin und Yang-Aspekte des Qi (vor allem aus dem Nähren" des Yin-Aspekts des Qi), der resultierenden starken inneren Bewegung des Qi und der Öffnung gegenüber dem Qi von Erde und Himmel. 

Die drei anschließenden Bewegungen bauen auf dem ersten Teil der Übung auf und stärken den ganzen Körper. So heißt der zweite Teil der Übung auch da lian xing 大练形 - Große Übung der Gestalt. 

Prof. Cong sagte dazu: Der zweite Teil des Yuanminggong baut auf dem ersten auf, er ist eine anspruchsvolle und auch für manche auch anstrengende Übung. Mit Gestalt ist der physische Körper gemeint. Mit dem ersten Teil der Übung baut man das innere Qi auf, im zweiten Teil wird dieses stark bewegt und kräftigt den ganzen Körper, von den inneren Organe bis zu den Knochen, Sehnen und Muskeln. 


Tuesday, June 16, 2020

Weitere Informationen zum Taiyi Yuanming Gong (der Übung des Ursprünglichen Lichts)

Die Übung vom Ursprünglichen Licht heißt auf chinesisch: wudang taiyi yuanming gong 武当太乙元明功. 

Es handelt sich um eine daoistische Übung, Teil der Wudang-Tradition. Der Wudang-Berg (wudang shan 武当山) war schon seit Ende der Han-Dynastie mit dem Daoismus assoziiert, ab der Yuan-Dynastie und besonders dann zu den Zeiten der Ming- und Qing-Dynastien wurde er zu einem wichtigen Zentrum des Daoismus. 

Die Yuanminggong-Übungen stammen aus einer bestimmten Richtung der Wudang-Tradition genannt tiesongpai 铁松派 - Schule der Eisernen Kiefer. 

Der Ursprung dieser Schule war zwar im Wudang-Gebirge, am Ende der Ming- und zu Beginn der Qing-Dynastie (17. Jh.) verlegte sie jedoch ihren Standort. Die diversen Kampfkunstschulen waren damals verwickelt in die Gewalt, die der Dynastiewechsel mit sich brachte und hatten starke Anti-Qing-Emotionen, waren die Qing doch Mandschus, für die Chinesen also barbarische Eroberer. Um diesen Wirren zu entkommen, und sich "fern der Welt des Staubes“ daoistischen Praktiken widmen zu können, übersiedelte die Schule in den Nord-Osten Chinas.

Prof. Cong hatte die Übungen bei Li Zhaosheng 李兆生, dem damaligen Stammhalter der Schule der Eisernen Pinie in 13. Generation gelernt und sie dann am TCM-College in Fuzhou unterrichtet, mit sehr guten therapeutischen Erfolgen. 

Als er 1988 zum ersten Mal im Rahmen des wissenschaftlichen Austauschprojekts zwischen westlicher und chinesischer Medizin nach Österreich kam, hatte er diese Übungen im Gepäck und unterrichtete sie auf der Akademie für Ganzheitsmedizin, auf der pulmonologischen Station auf der Baumgartner Höhe, in einem mehrmonatigen Qigong-Intensivkurs für Jungärzte und in den vielen Kursen, die Dr. Gerhard Wenzel für Patienten und Interessierte in Schwarzach/St. Veit organisierte.

Prof. Lin Zhongpeng hat mir dann später erzählt, warum Prof. Cong gerade diese Übung schwerpunktmäßig unterrichtet hatte. Prof. Lin und die Qigong-Spezialisten seines Instituts hatten überlegt, ausgehend von den sowohl positiven als auch negativen Erfahrungen, die man in China seit der Popularisierung des Qigong gemacht hatte, welche Übungen sich am besten für den Unterricht im Westen eignen würden.

Übungen sollten einfach sein, leicht zu erlernen, und solide verankert in der alten Tradition der Qi-Übungen. Auch sollten sie frei von möglichen Nebenwirkungen sein, damit bezog sich Prof. Lin auf problematische Entwicklungen im chinesischen Qigong im Zusammenhang mit einer Reihe von zu der damaligen Zeit äußerst populären Übungen, wie z.B. dem Kranich-Qigong (鹤翔庄 hexiangzhuang), der Meditation des Kleinen Himmlischen Kreislaufs (xiao zhoutian 小周天) oder dem Qigong der Vorhimmlischen Natur (xiantian ziran gong 先天自然功). Und schließlich sollten, auch nicht selbstverständlich, die unterrichteten Übungen die Möglichkeit der Weiterentwicklung bieten; es sollte durch sie ein Fundament geschaffen werden, eine stabile Ordnung des Qi als Basis, um das eigene Qigong-Niveau auf korrekte Art entwickeln und heben zu können.

Die Yuanminggong-Übungen waren ein Ergebnis dieser Überlegungen, und Prof. Cong wurde dann beauftragt, sie bei uns zu unterrichten. Die anderen Übungen, die Prof. Cong damals als erster Qigong-Lehrer nach Europa gebracht hatte, habe ich ja schon in einem Posting von vor ein paar Tagen erwähnt. Abgesehen von den Gehübungen, die sogenanntes Neues Qigong (xin qigong liaofa 新气功疗法) darstellen, waren alle Übungen, die Prof Cong unterrichtet hatte, traditionelle Übungen mit daoistischem Hintergrund und einer langen Überlieferungslinie.

Yuanming 元明 als "ursprüngliches Licht" zu übersetzen, ist eigentlich nur ein Behelf. 

Yuan 元 heißt Anfang, Beginn. Richard Wilhelm in seiner Goethe'schen Diktion hätte wie in seiner I Ging-Übersetzung gesagt: "Erhabenes Licht“, „erhaben“ im Sinne von „in den Anfängen sein“. 

Taiyi 太乙, eine der Gottheiten des chinesischen Altertums, steht hier für das Dao selbst. Ming 明, das Licht, aus den Zeichen Sonne 日 und Mond 月 zusammengesetzt, verweist auf Yin und Yang.

Taiyi Yuanming Gong bedeutet also eigentlich: 

Die Übung von ursprünglichem Yin und Yang des Großen Dao.

Monday, June 15, 2020

Taiyi Yuanming Gong 太乙元明功 - Übungsvideo

Wie angekündigt: ein Übungsvideo mit dem Taiyi Yuanming Gong 太乙元明功, einer traditionellen Qigong-Übung, die Prof. Cong damals unterrichtete, als er das erste Mal nach Österreich kam, und die er sehr schätzte.


Die Übung ist sehr einfach, den Bewegungsablauf hat man schnell gelernt. Vielleicht gibt es anfänglich noch ein paar Details, die einem unklar sind, doch braucht man sich keine Sorgen zu machen, auch schlampig und ungenau geübt, wird sich diese Übung sehr positiv auf die Gesundheit auswirken.

Genauigkeit beim Qigong-Üben ist nicht nur nicht wichtig, sondern oft sogar kontraproduktiv. Ist man zu sehr konzentriert ist und klebt an der Form, dann fällt es einem viel schwerer, in die Entspannung und Stille zu finden und ein harmonisches Qi zu entwickeln.

Das Wesentliche ist: dongzhong qiu jing 动中求静 - In der Bewegung die Ruhe suchen.

Das Yang entspringt dem Yin, die innere Bewegung des Qi entspringt der körperlichen Entspanntheit und der geistigen Stille. Das ist der wesentliche Punkt, um den alles Üben kreist.

Die Bewegung am besten sechs Mal ausführen ( öfter oder weniger oft geht natürlich auch), und am besten zwei Mal am Tag. 



Asian Medicine and COVID-19

Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift,   gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftlic...