Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie
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Wednesday, December 9, 2020

Die sechste "Leichte und Unbeschwerte Übung"

Hier ist nun die sechste der Unbeschwerten Übungen, ähnlich einfach und leicht zu lernen wie die anderen. 

Die Bewegung besteht aus einem Heben und Senken, Öffnen und Schließen, damit orientiert sie sich an den Grundrichtungen des Qi, fördert und unterstützt die Qi-Bewegung in all diese Richtungen und reguliert vor allem die Qi-Aktivitäten der inneren Organe.

Wenn man diese Übung länger übt, dabei immer ruhiger und entspannter wird und sich die tiefe Versenkung in den Qigong-Zustand erlaubt, dann kann und wird sich das Qi besser ordnen.

Diese höhere und stabilere Ordnung des Qi führt zu einer stabileren Gesundheit, wahrscheinlich auch zu einer besseren Laune (braucht jeder heutzutage dringend) und zu einem generellen Gefühl des Wohlbefindens (brauchen wir auch dringend).


Wednesday, December 2, 2020

Die fünfte "Leichte und unbeschwerte Übung"

Nach den zwei Videos mit Prof. Cong-Übungen sind wir wieder zurück bei den "Leichten und Unbeschwerten Übungen.

Das Video ist wieder zum Mitüben gedacht. Zuerst kommt die fünfte Bewegung, und dann alle fünf Bewegungen zusammen.

Die Übungen sind sehr einfach, damit fällt es einem sicher auch leichter, abzuschalten, locker und ruhig zu werden. Man muss sich nicht mit komplizierten Bewegungsabläufen herumschlagen, sondern kann sich gleich auf das Wesentliche konzentrieren. Und das heißt in erster Linie: sich geistig zu sammeln und ruhig zu werden. Die Bewegungen können etwas ungenau ausgeführt werden, ist doch das viel Wesentlichere die Ruhe. Solange man in sich in ein gewisses Maß an Ruhe findet, wird die Übung wirken.

Wichtig ist, die Yin-Yang-Dynamik des Qi zu verstehen. Yin und Yang wurzeln ineinander, d.h. das Yang entsteht dann, wenn das Yin am größten ist und umgekehrt, das Yin entsteht, wenn das Yang seinen Höhepunkt erreicht hat. Beim Üben heißt dies: das Yang entsteht aus dem Yin, die Bewegung entsteht aus der Ruhe, das warme, lebendige Yang-Qi bewegt sich und breitet sich aus, wenn man körperlich entspannt ist, wenn man weich und fein atmet, und wenn man die Gedanken fahren lässt und ruhig ist.

Im Yijing 易经 (dem Buch der Wandlungen) wird dies durch das Hexagramm 24, Fu 复 die Wiederkehr, dargestellt.

Fu 复

 

Das Zeichen zeigt eine ungebrochene Yang-Linie, die unter den fünf gebrochenen Yin-Linien in das Zeichen eintritt. Es verbildlicht damit, in Entsprechung zur Wintersonnenwende, den Prozess der Wiederkehr des Lichts zur Zeit des tiefsten Dunkels, der Bewegung in der tiefsten Stille, des Yang im tiefsten Yin.

"Die Wiederkehr. Gelingen. Ausgang und Eingang ohne Fehl." So heißt es unter anderem im Urteil des Zeichens.

In seinem Kommentar dazu meint Richard Wilhelm: "Nach einer Zeit des Zerfalls kommt die Wendezeit. Das starke Licht, das zuvor vertrieben war, tritt wieder ein. Es gibt Bewegung. Diese Bewegung ist aber nicht erzwungen. Das obere Zeichen Kun hat als Charakter die Hingebung. Es ist also eine natürliche Bewegung, die sich von selbst ergibt. Darum ist die Umgestaltung des Alten auch ganz leicht. Altes wird abgeschafft, Neues wird eingeführt, beides entspricht der Zeit und bringt daher keinen Schaden. ... Die Wiederkehr ist im Naturlauf begründet. Die Bewegung ist kreisförmig. Der Weg ist in sich geschlossen. Darum braucht man nichts künstlich zu überstürzen. Es kommt alles von selber, wie es an der Zeit ist. Das ist der Sinn von Himmel und Erde."

Und im Weiteren meint er: "Im Winter ist die Lebenskraft – symbolisiert durch das Erregende, den Donner – noch unter der Erde. Die Bewegung ist in ihren ersten Anfängen. Darum muß man sie durch Ruhe kräftigen, damit sie nicht durch vorzeitigen Verbrauch sich verläuft. Dieser Grundsatz, die wieder einsetzende Kraft durch Ruhe erstarken zu lassen, gilt von allen entsprechenden Verhältnissen. Die wiederkehrende Gesundheit nach einer Krankheit, die wiederkehrende Verständigung nach einer Entzweiung: alles muß im ersten Anfang zart und schonend behandelt werden, damit die Wiederkehr zur Blüte führt."

Dies sind philosophische Gedanken, sie beschreiben aber auch, was beim Qigong-Üben wesentlich ist:

Wird man still, bewegt sich das Qi. Bewegt sich das Qi, braucht es kein weiteres Tun, sondern ein Lassen. Im Lassen ergibt sich alles von selber, wie es an der Zeit ist. Indem das Qi seine Bahnen und seine Ordnung findet, findet der Körper Wege und Möglichkeiten zur Regeneration. 

Dies sind für uns ungewohnte und eigentlich provokative Gedanken, in der chinesischen Philosophie, in den Künsten der Lebenspflege, in der chinesischen Meditation und im Qigong sind sie jedoch grundlegend.

Ich zitiere noch einmal Laozi: Wu wei er wu bu wei 无为而无不为 - Nicht-Tun und nichts bleibt ungetan. 自然 Von-selbst-so, das ist das Wirken des Dao, und, wie Richard Wilhelm anmerkt, das ist der Sinn von Himmel und Erde.

Sunday, November 22, 2020

Die vierte "Leichte und Unbeschwerte Übung"

Für den Sonntagmorgen, zuerst die vierte der Unbeschwerten Übungen, und danach die ersten vier Übungen zusammen, alles mit etwas zusätzlichem Qigong-Ezzes.


Sunday, November 15, 2020

Die ersten drei "Leichten und Unbeschwerten Übungen"

Qigong am Sonntag Vormittag: zuerst die dritte der leichten und unbeschwerten Übungen, und dann die ersten drei alle zusammen.

Das "Leichte" und das "Unbeschwerte" brauchen wir, es ist traurig, dass Österreich nun die höchste Neuinfektionsrate weltweit hat, doppelt so viel wie die USA, die ja wohl eines der Musterbeispiele katastrophalen Corona-Managements darstellen.




Darum Übungen wie diese. Leicht und unbeschwert, das ist weit mehr als nur lockerwerden und entspannen, damit man die Krise und den Lockdown besser übersteht. 

Übungen wie diese stellen ein im medizinischen Sinn vorbeugendes Programm dar. Bei reguliertem Qi reduziert sich das Risiko der Ansteckung. Wir haben in Österreich leider nicht eine niederschwellige Möglichkeit, Qigong mit vorbeugenden TCM-Rezepturen zu verbinden, wodurch, wie China vorgezeigt hat, Infektionen effektiv unterbunden werden können.

Doch können wir Qigong üben und verstehen, dass das Qi zu regulieren (nicht nur durch Qigong und TCM, auch durch Ernährung und generellen Lebensstil) eine der wichtigsten Maßnahmen zur Infektions-Prävention ist. Warum das funktioniert, darüber habe ich im Frühjahr schon geschrieben, und ich werde das in der nächsten Zeit auch wieder tun. 

Wenn ich nur an Einzelheiten aus meinem persönlichen Umfeld denke, z.B. was ich von meinem Bruder höre, wo in dem Spital in Tirol, in dem er arbeitet, sich mehr und mehr Personal ansteckt und in den letzten Tagen eine ganze Station geschlossen werden musste, wenn ich höre, dass auf der Intensivstation der Neurochirurgie in Innsbruck, wo mein Vater im Frühjahr nach seiner Hirnblutung operiert wurde, nun ausschließlich Covid-Patienten liegen und kein einziger neurochirurgischer Fall, wenn ich daran denke, was Kerrys behandelnde Ärztin ihr schon im Oktober geschildert hat, dass im Innsbrucker Landeskrankenhaus tagtäglich auf irgendwelchen Stationen Krise herrscht und laufend improvisiert werden muss, um den Betrieb am Laufen zu halten, wenn ich daran denke, dass wir nun auch schon Covid-Fälle in der engeren Familie haben und allein in der letzten Woche mehr als 10 Freunde als K1-Kontakt in Quarantäne mussten, dann kann ich nicht umhin, an die bei uns vergebenen Chancen der Vorbeugung durch TCM zu denken. 

Mir ist vollkommen bewusst, dass, wenn man die TCM oder noch schlimmer, Qigong erwähnt, und über den unglaublichen Erfolg Chinas in der Bekämpfung und Kontrolle der Pandemie spricht, vornehmlich auf Unglauben stößt, als naiv belächelt wird, als esoterischer Spinner oder von manchen auch als Verteidiger der chinesischen Autokratie mit ihren Menschenrechtsverletzungen gesehen wird, kurz, ich weiß, dass das bei uns aus vielerlei Gründen kein Thema ist und leider kein Thema sein wird. Trotzdem spreche ich es hier an.

In China wurde während der Pandemie das Krankenhauspersonal mittels TCM-Vorbeuge-Rezepturen geschützt, mit hervorragendem Erfolg, es gab unzählige Spitäler und andere medizinische Einrichtungen, in denen sich weder Ärzte noch Krankenschwestern und Pfleger angesteckt haben. Der Vorschlag von Mag. Stöger zusammen mit den österreichischen TCM-Ärzten, Ähnliches in Österreich zu tun, um den Infektionsdruck von den Spitälern zu nehmen, im Februar dem Gesundheitsministerium übermittelt, hat bis heute keine Reaktion zur Folge gehabt.

Bei uns wird manchmal in Nebensätzen berichtet, dass die Pandemie in China unter Kontrolle ist. Tatsächlich ist sie für den Durchschnittsbürger seit einem halben Jahr vorbei. Bei uns wird, man kann nur sagen: fahrlässigerweise, nie dargestellt, woraus das chinesische Gesamtpaket der Pandemiebekämpfung bestanden hat. Es wird immer so getan, als ob die Maßnahmen, die China gesetzt hat, nur in einer Diktatur funktionieren können. TCM und Qigong haben jedoch keine Kompatibilitätsprobleme mit demokratischen Systemen, und ausgerechnet darüber, dass und wie die TCM den entscheidenden Beitrag zur erfolgreichen Eindämmung und Kontrolle des Virus geleistet hat, wird nicht berichtet.

Ich bin in stetem Kontakt mit meinen chinesischen Freunden, natürlich auch mit unseren Qigong-Lehrern, und sehe, dass in China das Leben wieder seine ganz normalen Gänge geht. Schon im Sommer gab wieder Massenevents in Wuhan, z.B. das HOHA Water Electrical Musical Festival. Der innerchinesische Tourismus blüht, vor einem Monat, anlässlich des chinesischen Nationalfeiertags, waren über 600 Millionen Menschen unterwegs. Bei uns wird hin und wieder über lokale Ausbrüche berichtet, wie über den in Qingdao. Ausbrüche dieser winzigen Dimension wären bei uns ein Traum, in Qingdao handelte es sich um 12 Fälle, in der Folge wurden binnen weniger Tage 9 Millionen Leute getestet, und damit die Weiterverbreitung verhindert. (Die Gesamtzahl der Tests für Österreich für das ganze Jahr liegt bei ca. 2,5 Millionen.)

Die Neuansteckungsrate pro Million Einwohner beträgt in China 0,1, in Österreich mit dem gestrigen Tag 995,1.

Doch mehr dazu ein anderes Mal. Es ist einfach traurig, dass eine billige und effektive Hilfe im Corona-Management, die auch nicht im Widerspruch zu den bei uns getroffenen und zu treffenden Maßnahmen steht, nicht einmal ignoriert wird.

Darum zurück zu Qigong, zurück zum Weichen, Langsamen, Sanften, zurück zu Stille und Entspannung und zur Öffnung gegenüber den schöpferischen Kräften der Natur.

Hier die „Einfachen und Unbeschwerten Übungen 1 bis 3:


Thursday, November 12, 2020

Die dritte "Unbeschwerte Übung" und eine weitere Massage zur Unterstützung des Lungen-Qi

Hier ist ein weiteres Übungs-Video:

Zuerst mit der dritten der "Unbeschwerten Übungen" im Sitzen (ein Video mit der Übung im Stehen kommt natürlich noch), und darauf mit einer weiteren Akupunkt-Massage zur Stärkung des Lungen-Qi.

Der Punkt, um den es sich dreht, heißt Tanzhong (man findet oft auch: Shanzhong). Dieser ist Punkt 17 auf dem Konzeptionsgefäß (renmai 任脉), auch der obere Ozean des Qi (shang qihai 上气海) genannt, ein wichtiger Punkt nicht nur zur Stärkung des Qi der Lunge und des Herzens, sondern auch des Zong-Qi 宗气 (wörtlich des Ahnen-Qi, des Qi der Atmung) und des Qi des ganzen Körpers.

Friday, November 6, 2020

Regulierung des Atems und die "Unbeschwerten Übungen"

Hier ist ein Video zum Mitüben, für Anfänger wie auch für Fortgeschrittene geeignet, zuerst mit ein paar Bewegungen zur Regulierung des Atems und des Qi, gefolgt von den ersten beiden der "Leichten und unbeschwerten Übungen".

Eine kurze Anmerkung dazu:

Beim Qigong-Üben sind Genauigkeit oder Bemühung nicht nötig, meist sogar kontraproduktiv. Man kann beim Üben ruhig nachlässig und etwas schlampig sein. Gute Qigong-Übungen sind ohnehin einfach und leicht zu merken, und wirken auch, wenn man es nicht so "gut" oder "schön" macht.

Wir sind ohnehin so vielem Stress ausgesetzt, da braucht man sich beim Qigong nicht noch zusätzlich zu bemühen und unnötig unter Druck zu setzen.

Qigong wirkt nicht durch Genauigkeit, Anstrengung oder Bemühung, sondern durch das Loslassen und durch den während des Übens erzeugten Zustand tieferer Ruhe und Entspannung. Vielleicht fällt einem das Loslassen und Ruhigwerden anfangs nicht so leicht, aber dafür ist das Üben ja da. 

Übt man halbwegs regelmäßig und überfordert sich dabei nicht, dann stellen sich Ruhe und Entspannung ganz sicher ein. Ist man ruhig und entspannt, dann fließt das Qi ungehindert und harmonisch, mit all den positiven Auswirkungen auf die Gesundheit. 

Entspannt, ruhig, natürlich, dies sind Grundprinzipien und Leitgedanken beim Qigong-Üben. Solange man beim Qigong loslässt und ruhig wird, macht man alles richtig. 


Monday, November 2, 2020

Die Unbeschwerten Übungen im Sitzen und Liegen


Kerry hat ein Video gedreht, als Ergänzung zum Video der ersten „freien und unbeschwerten Übung“. 

Das Video ist zwar auf Englisch, man kann den Bewegungen sicher auch bei mangelnden Englischkenntnissen folgen. Für diejenigen, die es brauchen, übersetze ich hier, was Kerry im Video spricht:

Dies ist eine Variante der vorgestern veröffentlichten ersten Xiaoyaogong-Übung im Sitzen und Liegen für diejenigen, für die das Üben im Stehen aufgrund von von Verletzung oder Krankheit zu anstrengend oder nicht möglich ist, und auch für diejenigen, die aufgrund von Müdigkeit und Erschöpfung eine Alternative zum Üben im Stehen brauchen.

Wenn man krank ist, ist es im Allgemeinen so, dass das Qi in der Mitte blockiert, dort, wo sich die lebenswichtigen Organe befinden. Der Fluss zu den Extremitäten ist vermindert, man merkt dies daran, dass man sich schwächer fühlt, man bekommt vielleicht kalte Hände und Füße oder auch Krämpfe, es mag sein, dass sich die Klarheit der Gedanken vermindert, dass man Kopfweh entwickelt, Schwindel usw. 

Dies kommt daher, dass sich die Hauptaktivität des Qi auf die für den Organismus wesentlichsten Organe und Bereiche konzentriert: auf Herz, Lungen, Nieren, Leber, Verdauung, damit die Lebensaktivitäten geordnet weitergehen können und der Organismus sich schrittweise erholen kann, bis die Gesundheit und der gesunde Fluss des Qi in alle Richtungen wieder hergestellt ist.

Wenn man die Übung im Sitzen machen möchte: ideal ist das Sitzen mit verschränkten Beinen, so wie Kerry im Video. Es ist auch möglich, auf einem Sessel zu sitzen, in diesem Fall etwas weiter vorne auf dem Sessel, sodass der Rücken frei ist und die Bewegung des Qi nicht behindert wird.

Um die Übung auszuführen, macht man es sich im Sitzen bequem, legt die Hände auf die Beine und lässt den Atem für eine kurze Weile fließen, solange, bis sich ein Gefühl der inneren Ruhe einstellt. Durch die Nase atmen, Einatmung und Ausatmung nur durch die Nase. 

Daraufhin entspannt man sich. Man entspannt den Körper schrittweise und geht ihn durch, vom Kopf über Hals und Nacken zu den Schultern, zu den Armen, Ellbogen, Händen, Fingern, dann geht es zu Brust und Bauch, zu oberem und unterem Rücken, zu den Hüften, den Beinen bis zu den Füßen und Zehen.

Als legt man die Hände übereinander auf den Bauch, man versucht zu spüren, wie sich die Wärme der Hände auf den Bauch überträgt, während der Atem fließt und sich die Bauchdecke hebt und senkt. 

Man kann dies solange tun, wie man möchte, es führt zu tiefer Entspannung, verankert den Geist in den Körper und erzeugt einen angenehmen Zustand der Ruhe.

Dann kann man mit der Bewegung beginnen, ganz gleich so wie beim Üben im Stehen. Man hebt die Hände auf Schulterhöhe, die Handflächen sind eher nach unten gerichtet, und senkt sie dann wieder auf den Bauch. 

Man atmet dabei ruhig durch die Nase, im eigenen Rhythmus. Vielleicht entwickelt sich die Atmung auch so, dass das Heben dem Einatmen und das Senken dem Ausatmen entspricht, man forciert dies aber nicht.

Die Augen sind geschlossen, man kann sie auch offen lassen, in diesem Fall richtet man den Blick etwas nach vor und hinunter, ohne konkret etwas anzusehen.

Man ist sich bewusst, dass der Körper zwischen Himmel und Erde ausgerichtet ist. Die Wirbelsäule ist aufrecht, das Kinn wird leicht nach innen genommen.

Wenn man nur diese eine Übung macht, wiederholt man die Bewegung zumindest 9, 10 Mal. Man kann aber auch viel länger üben, solange, wie man möchte. Auch kann man die Bewegung sehr langsam ausführen, vor allem wenn man länger übt, stellt sich ein Gefühl der Leichtigkeit, Einfachheit, Mühelosigkeit ein, dem sich zu überlassen sehr angenehm ist. Die Bewegungen werden dann wahrscheinlich sehr langsam werden.

Das Gesicht entspannen, den Kiefer, ruhig atmen.. Heben, das Qi steigt, senken, das Qi bewegt sich nach innen.. Ein fortwährendes Ausdehnen und Zusammenziehen.

Zum Beenden der Übung werden die Hände auf den Bauch gelegt. Die Konzentration richtet sich dorthin, wo sich die Hände befinden. Man denkt an das Qi, das ins Zentrum zurückkehrt, ins Dantian, den Speicher aller Lebensenergie.

Man lässt die Hände dort eine Weile liegen, bis man spürt, wie die Nieren, der Bauch, auch die Hände und die Füße wärmer werden.

Zum Abschluss die Hände reiben, dann das Gesicht, den Hinterkopf, die Ohren, über den ganzen Kopf streichen, dann die Nierengegend massieren, und schließlich die Hände auf den Bauch legen. 

Wenn man sich in letzter Zeit nicht wohl gefühlt hat und das Qi in der Mitte blockiert, ist es gut, auch noch mit den Händen über den Bauch zu kreisen, langsam und konzentriert, in konzentrischen Kreisen zuerst nach außen und dann in Gegenrichtung nach innen.

Ist man zu schwach zum Sitzen, kann man die Übung auch im Liegen machen, so wie Kerry im Video zeigt. Man kann flach im Bett liegen, oder Kopf und Oberkörper durch Polster stützen. 

Hauptsache es ist bequem. Im Liegen versucht man, ganz loszulassen. man stellt sich vor, man liegt auf der Erde oder noch besser auf Sand, und man überlässt sich dem Zug der Schwerkraft nach unten.

Sobald man sich wohl fühlt, beginnt man und führt die Übung so aus, wie oben schon beschrieben. Im Video sieht man ja gut, wie man dies tut.

Auch wenn man nicht krank ist, ist dies eine sehr angenehme Art zu üben. Auch vor dem Schlafengehen ist die Übungsvariante im Liegen sehr geeignet.

Die Unbeschwerten Übungen und ein Grundprinzip der Yin-Yang-Theorie

Hier ein kurzer Text von Kerry über die „Leichten und unbeschwerten Übungen“ und ein Grundprinzip der Yin-Yang-Theorie:

Die Yin-Yang-Theorie der TCM beschreibt, wie sich das Leben (das Qi) in vier Richtungen (hinauf und hinab, hinein und hinaus) bewegt und dadurch den nötigen Raum für die Integration und Transformation aller Lebensprozesse schafft - im Menschen, in der Natur, im ganzen Universum.

Die 4 Bewegungsrichtungen stellen komplementäre Polaritäten dar, zwei Paare, die nicht getrennt werden können. Es gibt kein Heben ohne Senken, keine Kontraktion ohne Ausdehnung, keine Bewegung nach innen ohne eine nach außen. Atmet man ein, drückt das Zwerchfell nach unten, während sich die Brust hebt und der Bauch ausdehnt. Atmet man aus, steigt das Zwerchfell, während die Brust sinkt und sich der Bauch zusammenzieht.

Alle Qi-Prozesse unseres Körpers sind auf diese Weise koordiniert. Wird die Bewegung in die vier Richtungen nicht beeinträchtigt oder gehemmt, dann können wir unseres Gesundseins sicher sein. Es existiert dann der notwendige Raum für die Gesundheit, der Raum, den Qi, Blut, Atem und Geist brauchen, um kontinuierlich durch alle Aspekte unseres Seins strömen können.

Dies ist Teil des TCM-Verständnisses der Bedeutung von „ungehindert“, „ungebunden“, „frei“ und „leicht“ (xiaoyao 逍遥 auf Chinesisch) als natürlicher Qualitäten des Lebens.

Beim Üben der Unbeschwerten Übungen richtet man sich zuerst zwischen Himmel und Erde aus, entlang der vertikalen Achse der Wirbelsäule. Der Geist wird ruhig, während man durch die Nase ein- und ausatmet. Die Handflächen ruhen auf dem Unterbauch, um diesen zentralen Speicher alles gesunden Potentials zu aktivieren und ein Gefühl der Wärme im „Dantian“ oder „Meer des Qi“ hervorzurufen.

Dies öffnet die Grenzen unseres Seins hin zu einem anderen Raum und einer anderen Zeit, die sich entspannt, grenzenlos und still anfühlen. Ein Raum, in dem alles passieren kann, in dem alles möglich ist. Ein Raum, in dem das Leben fließen kann, natürlich und ohne Behinderung.

Während der Übung, um diesen Fluss des Lebens zu unterstützen und nicht zu stören, bewegt man sich langsam und koordiniert in den vier Richtungen - der Atem strömt ein und aus, der Körper steigt und sinkt, die Arme öffnen und schließen. Je mehr man sich entspannt, desto mehr beruhigt sich der Geist. Die geistige Ruhe ermöglicht die freie Bewegung des Qi, so dass es nähren kann und festigen, transformieren und verfeinern. Dies wiederum führt zu weiterer Entspannung und einem tiefen Gefühl des Wohlbefindens.

Es gibt viele Möglichkeiten, wie man das Qi wahrnehmen kann, dieses Wohlbefinden ist eine davon. Es ist die Verkörperung des Ausdrucks „xiaoyao“ „frei, unbeschwert, ungebunden und einfach“ , es ist das, was diese Übung und Qigong im Allgemeinen so schön und wohltuend macht.

Saturday, October 31, 2020

Die unbeschwerten Übungen

Hier nun, nach der langen Pause, wieder einmal ein Übungsvideo, mit der ersten von sechs Übungen aus einer Folge, genannt „Die freien, leichten, unbeschwerten Übungen“. Diese Übungen lernte ich, wie schon die Sechs Heilenden Laute in der ursprünglichen Form, durch Prof. Lin Zhongpeng vom Qigong College in Peking kennen.

Die Bewegungen sind sehr einfach und leicht zu erlernen, geeignet sowohl für Anfänger als auch für diejenigen, die schon viel Qigong-Erfahrung besitzen. Und ich glaube, gerade jetzt in der Pandemie können diese Übungen sehr hilfreich sein, eben, weil sie so einfach und leicht zu erlernen und gut mit den uns bekannten Übungen kombinierbar sind, weil sie tiefe Ruhe und Entspannung zu vermitteln vermögen sowie ein gutes und stabiles Fundament für die Gesundheit durch den aus dem Üben resultierenden kraftvollen Fluss von Qi und Blut.

Leichtigkeit und Unbeschwertheit, dies sind Grundprinzipien des Daoismus, so beginnt auch das klassische Buch „Zhuangzi“ mit dem Kapitel über das „leichte, unbeschwerte Wandern“ , von Richard Wilhelm als „Wandern in Muße“ übersetzt.

Die Muße ist uns ja heute in Österreich offiziell verordnet worden, jetzt gilt es, sie in etwas Sinnvolles, etwas der Entspannung, der inneren Ruhe und der Gesundheit Zuträgliches zu verwandeln.

Das unbeschwerte Wandern in Muße verkörpert eine Reihe von Qualitäten, die charakteristisch sind für den Daoismus und wesentlich für das Qigong-Üben. Es sind dies die Qualitäten von Klarheit und Stille (qingjing 清净), Natürlichkeit (ziran 自然), Nicht-Tun (wuwei 无为), Weichheit und Harmonie (rouhe 柔和).

Im Qigong findet man in den Zustand des „unbeschwerten Wanderns“ durch Verständnis und Befolgen der sogenannten „Drei Grundprinzipien“ song 松 - Entspannung, jing 静 - Stille, Ruhe, ziran 自然 - Natürlichkeit. Diese dienen nicht nur als wichtige und wesentliche Anleitung für alles Üben, sie sind vor allem auch dafür da, in die richtige innere Einstellung zu finden, in eine weite und offene innere Verfasstheit, die einen der Bedrücktheit und Stagnation enthebt und damit erst die möglichen Wirkungen des Übens zur Entfaltung bringt.

Wenn ich von Bedrücktheit und Stagnation spreche, dann meine ich hier das Qi, das bedrückt, blockiert und zum Stagnieren gebracht wird. Zur Zeit erleben wir das Bedrückende als von außen kommend, aber wenn es dann in einem drinsitzt und drückt, dann bedrückt und behindert es konkret die natürliche Bewegung von Qi und Blut, es führt zu Schmerzen und Unwohlsein, physisch wie auch psychisch, zu inneren Spannungen, Unsicherheiten, Ängsten usw., und es wird einem schwer, sich daraus zu befreien.

Darum diese Übungsfolge. Heute machen wir nur eine der sechs Übungen, eine simple Bewegung, um den Atem zu regulieren, das Qi im Dantian zu stärken und die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass Qi und Blut besser fließen können, dass alle Bereiche des Körpers besser mit Qi und Blut versorgt werden können.

Immer dann, wenn durch das Üben Qi und Blut bewegt werden, stellen sich positive, therapeutische Effekte ein. Die Bewegungsabläufe, die konkreten Übungen sind hierfür wichtig, doch wichtiger sind das innerlich Weit-und-Offen-Werden, die Beruhigung des fortwährenden inneren Gedankenflusses und das Loslassen.

Song, jing, ziran, Entspannung, Ruhe und Natürlichkeit - dies bedeutet auch das Vertrauen zu haben, das alles wieder werden kann, dass sich die Dinge fügen können; der Organismus besitzt die Fähigkeit der Selbstregulation, er vermag, gesund und ganz zu werden und auch gesund und ganz zu bleiben, ist diese Fähigkeit auch bei jedem zu einem gewissen Ausmaß blockiert.

Das ist so wichtig bei den alten Methoden des Yangsheng 养生 , des Nährens der Vitalität. In ihnen ist das Wissen tradiert, wie die Fähigkeiten des Organismus zur Selbstregulation unterstützt werden können, durch die stärkere Bewegung der Körperenergien und den Ausgleich der Yin- und Yangaspekte des Qi.

Für das konkrete Üben heißt dies:

Nicht auf Anstrengung setzen, sondern auf Weichheit, nicht auf das Bemühen, sondern auf Entspannung, und darüberhinaus Geduld zu haben und das unbedingte Vertrauen, dass sich die Dinge zum Besseren fügen können, dass durch die Bewegung des Qi sich die Gesundheit allmählich verbessert.

Wu wei er wu bu wei 无为而无不为 „Nicht-Tun und nichts bleibt ungetan“, dies ist ein Satz, über den es sich nachzudenken lohnt.

Hier ist das Video:


Asian Medicine and COVID-19

Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift,   gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftlic...