Hier ein kurzer Text von Kerry über die „Leichten und unbeschwerten Übungen“ und ein Grundprinzip der Yin-Yang-Theorie:
Die Yin-Yang-Theorie der TCM beschreibt, wie sich das Leben (das Qi) in vier Richtungen (hinauf und hinab, hinein und hinaus) bewegt und dadurch den nötigen Raum für die Integration und Transformation aller Lebensprozesse schafft - im Menschen, in der Natur, im ganzen Universum.
Die 4 Bewegungsrichtungen stellen komplementäre Polaritäten dar, zwei Paare, die nicht getrennt werden können. Es gibt kein Heben ohne Senken, keine Kontraktion ohne Ausdehnung, keine Bewegung nach innen ohne eine nach außen. Atmet man ein, drückt das Zwerchfell nach unten, während sich die Brust hebt und der Bauch ausdehnt. Atmet man aus, steigt das Zwerchfell, während die Brust sinkt und sich der Bauch zusammenzieht.
Alle Qi-Prozesse unseres Körpers sind auf diese Weise koordiniert. Wird die Bewegung in die vier Richtungen nicht beeinträchtigt oder gehemmt, dann können wir unseres Gesundseins sicher sein. Es existiert dann der notwendige Raum für die Gesundheit, der Raum, den Qi, Blut, Atem und Geist brauchen, um kontinuierlich durch alle Aspekte unseres Seins strömen können.
Dies ist Teil des TCM-Verständnisses der Bedeutung von „ungehindert“, „ungebunden“, „frei“ und „leicht“ (xiaoyao 逍遥 auf Chinesisch) als natürlicher Qualitäten des Lebens.
Beim Üben der Unbeschwerten Übungen richtet man sich zuerst zwischen Himmel und Erde aus, entlang der vertikalen Achse der Wirbelsäule. Der Geist wird ruhig, während man durch die Nase ein- und ausatmet. Die Handflächen ruhen auf dem Unterbauch, um diesen zentralen Speicher alles gesunden Potentials zu aktivieren und ein Gefühl der Wärme im „Dantian“ oder „Meer des Qi“ hervorzurufen.
Dies öffnet die Grenzen unseres Seins hin zu einem anderen Raum und einer anderen Zeit, die sich entspannt, grenzenlos und still anfühlen. Ein Raum, in dem alles passieren kann, in dem alles möglich ist. Ein Raum, in dem das Leben fließen kann, natürlich und ohne Behinderung.
Während der Übung, um diesen Fluss des Lebens zu unterstützen und nicht zu stören, bewegt man sich langsam und koordiniert in den vier Richtungen - der Atem strömt ein und aus, der Körper steigt und sinkt, die Arme öffnen und schließen. Je mehr man sich entspannt, desto mehr beruhigt sich der Geist. Die geistige Ruhe ermöglicht die freie Bewegung des Qi, so dass es nähren kann und festigen, transformieren und verfeinern. Dies wiederum führt zu weiterer Entspannung und einem tiefen Gefühl des Wohlbefindens.
Es gibt viele Möglichkeiten, wie man das Qi wahrnehmen kann, dieses Wohlbefinden ist eine davon. Es ist die Verkörperung des Ausdrucks „xiaoyao“ „frei, unbeschwert, ungebunden und einfach“ , es ist das, was diese Übung und Qigong im Allgemeinen so schön und wohltuend macht.