Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Tuesday, April 7, 2020

Reis-Congee

Congee oder Zhou 粥 ist ein schlichtes, einfaches Gericht aus weißem Reis, der in Wasser lange gekocht wird, ähnlich einem suppenartigen Brei. Er ist ein Grundnahrungsmittel der Chinesen und wird gleichermaßen von Jung und Alt gegessen, zum Frühstück, als Heilmittel, Tonikum oder auch als Nachtjause nach einem feuchtfröhlichen Abend mit Freunden.

Als Gericht der chinesischen Diätetik ist er von größter Bedeutung, weil er mild im Geschmack und von der Temperatur her neutral ist, eine weich und dennoch feste Textur besitzt und sowohl die Yin-Säfte nährt als auch die Yang-Qi-Funktion der Umwandlung von „Getreide und Säften“ unterstützt.

Mit anderen Worten: Congee besitzt sehr spezifische medizinische Wirkungen, welche als „Harmonisierung der Mitte", „Tonisierung" des Magen- und des Milz-Qi“ und „Regulierung des Qi der Verdauung“ bezeichnet werden. Diese medizinischen Wirkungen sind der Schlüssel zur Wiedererlangung und Erhaltung der Gesundheit.

Congee ist ein Gericht mit hohem Nährwert. Er kann mit anderen diätetischen Rezepten kombiniert werden, um deren Wirkung zu moderieren oder zu unterstützen. Und er kann für sich allein gegessen werden, um körperliche „Zustände des Übermaßes“ zu mildern, wie z.B. die Nebenwirkungen einer Behandlung mit Chemo- oder Strahlentherapie oder die selbstverursachten Auswirkungen von exzessivem Trinken oder Essen. Er kann auch der Hauptbestandteil einer Mahlzeit sein. Auf welche Art und Weise man seine harmonisierenden, ausgleichenden Eigenschaften nutzt, wenn er zentrales Element einer Mahlzeit ist, hängt vom individuellen Gesundheitszustand oder dem Grad des gesundheitlichen Ungleichgewichts ab.

Als Frühstücksbrei wird Congee üblicherweise mit einigen kleinen Beilagen wie Kimchi oder anderem eingelegten Gemüse gegessen, vielleicht mit einem gekochten Ei oder einem Spiegelei, mit etwas gebratenem Gemüse oder anderen Resten … wie ein Frühstück mit verschiedenen „Tapas“!

Zutaten:

1 Tasse Reis
10 Tassen Wasser

Zubereitung:
  • Den Reis gründlich so lange mit frischem Wasser waschen, bis das Wasser klar ist.
  • Wasser und Reis in einen großen Kochtopf geben, zudecken und bei starker Hitze zum Kochen bringen.
  • Sobald das Wasser kocht, abdecken und die Temperatur auf sehr niedrig stellen. Zwei Stäbchen oder Messer über den Rand des Topfs legen, den Deckel darauf legen. So entsteht ein Spalt zwischen Topf und Deckel, durch den genügend Dampf entweichen kann, damit der Reis nicht überkocht und trotzdem nicht zu viel Wasser verdunstet.
  • Mindestens 45 Minuten oder auch länger kochen (abhängig von der Art des Reises, den man verwendet: Es ist wichtig, dass der Reis „zerfällt“, um eine cremige Konsistenz zu erzielen, zugleich soll er fest genug bleiben, um eine gewisse Textur zu haben). Gelegentlich umrühren und Wasser hinzu fügen, wenn der Reis beim Kochen zu viel Flüssigkeit aufnimmt.
Reiscongee oder Zhou als wichtiges Gericht der chinesischen Küche (jeder in China liebt Zhou) und auch als wichtiges diätetisches Gericht ist den meisten unter uns sicher fremd. Nur Reis und Wasser, in der simpelsten Variation auch noch ohne Salz, ist nicht unsere Vorstellung von Kulinarik oder aufbauendem Essen. Wer des öfteren oder länger in Asien war, der wird Reis-Congee allmählich schätzen lernen. Man muss eben lernen, das Einfache und vordergründig Fade zu schätzen.

„Wenn man vom Großen Dao spricht, wie fade ist es und ohne Geschmack", heißt es bei Laozi.

Jeder Geschmack bedeutet eine Einseitigkeit und hat damit eine spezifische Wirkung, den Hintergrund oder die Möglichkeit aller Wirkungen findet man aber in dem, was neutral ist und ohne Geschmack. Gerade durch die Abwesenheit des Geschmacks vermag sich das Qi in der Mitte zu verankern und in alle Richtungen zu kommunizieren. Im Qigong sind es die Bewegungen in den vier Richtungen, die wirken, der Urgrund aller Wirkung findet sich jedoch nicht in der Bewegung, die notwendigerweise einseitig ist, sondern in der Stille und inneren Leere.

„Still und leer, dem folgt das wahre Qi", wie es im Inneren Klassiker des Gelben Kaisers heißt.

In der chinesischen Kräutertherapie und auch Diätetik entspricht dem die Einseitigkeit des Qi der verwendeten Substanzen (Geschmack, Temperatur, Meridian-Assoziation usw.). Diese Einseitigkeit erzeugt Wirkungen, aber auch diese Wirkungen sind auf eine Mitte bezogen, die durch das Neutrale und Einfache konstituiert wird.

Aus diesen wenigen Gedanken kann man vielleicht erahnen, was wesentlich ist an einem so simplen und unaufgeregten Gericht wie in viel Wasser gekochtem Reis.

Yuan Mei 袁枚 (1716-1797), einer der großen Dichter und Autor eines der berühmtesten Kochbücher Chinas, des „Speisezettels des Sui-Gartens“, äußert sich folgendermaßen über Congee:

Konfuzius spricht: Der Edle widmet seine Anstrengungen den Grundlagen. Erst wenn die Grundlagen feststehen, kann man über den Weg, das Dao sprechen." Congee und Reis sind die Grundlagen einer Mahlzeit, all die begleitenden Speisen sind extra. Nur durch das solide Wissen um die Grundlagen kann man über den Weg sprechen. Wang Mang sagte: ‚Reis ist der Befehlshaber der hundert Arten von Fleisch und Fischgerichten.' Ich sage dazu: Reis ist die Grundlage der hundert Geschmäcker."..

Oft sieht man reiche Familien, die zwar viel von guten Gerichten hoher Qualität, jedoch nichts von Reis verstehen. Sie verdienen es ausgelacht zu werden, so wie sie sich um Bagatellen kümmern und die Grundlagen vergessen. …

Die Süße von Reis ist hundert anderen Geschmäckern überlegen. Wenn ein Liebhaber guten Reis serviert bekommt, dann kann er ihn ohne irgendwelche Zuspeisen genießen...

Sieht man Wasser, aber keinen Reis, ist es kein Congee. Sieht man Reis, aber kein Wasser, ist es auch kein Congee. Wasser und Reis müssen auf harmonische Weise eins werden, in Weichheit und Sämigkeit, dann erst können sie Congee genannt werden. Meister Yin Wenrui sagte: Es ist besser, dass die Leute auf den Congee warten anstatt dass der Congee auf die Leute wartet." Es steckt viel Wahrheit in diesem wohlbekannten Satz. Wenn man den Congee zu lange stehen lässt, dann verändert sich sein Geschmack und er wird trocken.

In letzter Zeit machen die Leute auch Enten-Congee, indem sie dieses stark schmeckende Fleisch beigeben, oder sie machen Acht-Schätze-Congee durch Hinzufügen von Nüssen und Früchten. Aber all dies lässt Congee seinen eigentlichen Geschmack verlieren. Möchte man wirklich etwas hinzufügen, dann Mungbohnen im Sommer und Hirse im Winter. Wenn die Fünf Getreide miteinander gepaart oder Dinge aus derselben Kategorie verbunden werden, dann vermeidet man, dem Congee zu schaden.

Ich war im Haus eines gewissen Inspektors zu Gast, der verschiedene Gerichte auftragen ließ, die ganz ordentlich waren. Reis und Congee waren jedoch so plump und unkultiviert zubereitet, dass ich mich zum Schlucken zwingen musste. Nachdem ich nach Hause zurückgekehrt war, wurde ich sehr krank. Ich scherze gern mit anderen und sage: Dieses Unglück wurde durch den heftigen Zorn der Gottheiten meiner Fünf Organe verursacht, es gab nichts, was ich dagegen tun hätte können."

Eine Qigong-Übungsstunde

Es ist schon einige Zeit her, dass ich eine ganze Qigongstunde zum Mitüben gepostet habe. Heute ist es wieder einmal soweit. Das heutige Vid...