Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Wednesday, June 9, 2021

Eine weitere einfache Massage zur Erhaltung der Gesundheit

In den letzten Postings habe ich mehrmals das feuchte Qi" erwähnt. In der TCM und im Qigong wird dieses sehr ernst genommen, so heißt es: Die zehntausend Krankheiten haben ihre Wurzel in der Feuchtigkeit".

Im chinesischen Verständnis ist Gesundheit die Regulation, das ausgewogene Funktionieren der Yin- und Yang-Aspekte des Lebens. Alles was die Balance von Yin und Yang beeinträchtigt, kann zum Verlust der Regulation und damit zum Entstehen von Krankheiten führen. Darum zielen TCM und Qigong bei der Behandlung von Krankheiten darauf ab, die verlorengegangene Regulation wiederherzustellen bzw. zur Prävention die Regulation zu verbessern und zu stützen. Gerade der letztere Aspekt ist eminent wichtig. Eine der Leitaussagen der TCM lautet: „shanyi zhi weibing 善醫治未病 - Der gute Arzt behandelt Krankheiten, bevor sie entstanden sind."

Feuchtigkeit ist einer dieser Faktoren, die den Fluss von Qi und Blut behindern, die Regulation beeinträchtigen und eventuell zu ihrem Verlust führen können. Der Symptome sind viele: Wenn man das Gefühl hat, antriebslos zu sein, sich schwer zu etwas aufraffen kann, bei mangelnder Kraft in den Gliedmaßen, wenn sich beim Stiegensteigen (oder generell beim aufwärts gehen) die Beine schwer anfühlen oder kaum heben lassen, bei Wassereinlagerungen im Gewebe, wenn man im Kopf unklar ist oder sich sogar wie im Nebel fühlt, wenn man sich nicht konzentrieren und keine klaren Gedanken fassen kann, wenn man vergesslich ist, wenn die Verdauung beeinträchtigt ist, bei Blähungen, zu losem Stuhl oder Verstopfung, wenn man sich nach dem Essen zu voll fühlt, wenn man sich „down" fühlt, nervös oder unterschwellige Ängste oder Beklemmungen hat, all dies deutet auf die Akkumulation von  Feuchtigkeit".

Mehr dazu findet man in dem kurzen Text, den Kerry letztes Jahr verfasst hat, ich verlinke ihn hier nochmals: 

 
Auch Covid 19 ist eine Krankheit, die mit Feuchtigkeit zu tun hat (allerdings viel schlimmer und aggressiver, da geht es um ein Feuchtigkeitstoxin - shidu 湿毒 - und nicht um simples feuchtes Qi wie oben beschrieben), darum haben wir auf diesem Blog besonders darauf geachtet, immer wieder Methoden zu posten, die schützen und vorbeugen, indem sie die Yang-Funktionen des Qi unterstützen und damit der Ansammlung von feuchtem Qi entgegenwirken. 

Im heutigen Posting möchte ich zusätzlich eine Massage zeigen. Eine sehr einfache Massage, sie dauert nicht lange, ein paar Minuten nur. Wenn man sich etwas Zeit gibt und diese Massage über den Zeitraum von zwei oder drei Wochen einmal täglich praktiziert, wird man sicher die Wirkung wahrzunehmen beginnen.

Es wird nur ein einziger Akupunkturpunkt massiert, und zwar der 57. Punkt des Blasenmeridians. Dieser trägt den Namen chengshan 承山, das bedeutet den Berg tragen". Mit dem Berg ist der Körper gemeint, dessen Gewicht der chengshan trägt. Chengshan ist ein wichtiger Knotenpunkt für die Bewegung des Qi, unter seinen vielen Funktionen ist die wichtigste die Ausleitung von Feuchtigkeit. 

Der Punkt befindet sich hinten am Unterschenkel, genau in der Mitte zwischen den Punkten weizhong 委中 Blase 40 und kunlun 崑崙 Blase 60.  Blase 40 befindet sich in der Kniekehle, Blase 60 zwischen dem Knöchel außen (malleolus externus) und der Achillessehne. 

Die genaue Lokalisierung von chengshan lautet: der Punkt zwischen den Gastrocnemius-Muskelköpfen. Auf Deutsch: der Punkt zwischen den beiden Muskelköpfen des Wadenmuskels. Am leichtesten findet man den Punkt, wenn man im Stehen mit einem Finger hinten an der Mittellinie des Beins hochfährt. Ungefähr in der Mitte des Unterschenkels, gerade unterhalb des Wadenmuskels rutscht der Finger in eine Vertiefung, dort ist der Punkt.

Den Punkt massiert man mit den Daumen, auf einem Stuhl oder auch auf dem Boden sitzend, so wie ich es im Video zeige. Ein, zwei Minuten den Punkt drücken, und danach ein paar Minuten in beide Richtungen kreisförmig massieren. Zuerst sanft massieren, und allmählich etwas mehr Kraft verwenden. Aber nicht zu stark massieren.

Wenn man ein paar Minuten lang massiert, wird sich Wärme entwickeln. Der Blasenmeridian ist ja der Große Yang-Meridian der Beine (zu taiyang jing 足太陽經), das Massieren stimuliert das Yang-Qi und zeigt sich als Wärme. Feuchtigkeit blockiert das Qi, es kann dann nicht aufsteigen - das zeigt sich z.B. in unklaren Gedanken, mangelnder Kraft und fehlendem Antrieb. Ist der Blasenmeridian hingegen durchgängig, kann durch das aufsteigende Yang-Qi die Feuchtigkeit transformiert und ausgeschieden werden. Mit dem Steigen des klaren Yang wird auch der Kopf in Folge frei und klar, und auch die anderen oben erwähnten Symptome werden sich verbessern. Darüber hinaus hilft chengshan gegen Krämpfe im Unterschenkel (praktisch beim Bergsteigen oder Schwimmen) und ist auch ein sehr wirksamer Punkt bei Schulterbeschwerden.

Der Punkt ist oft druckempfindlich, vor allem dann, wenn es viel feuchtes Qi im Körper gibt. Das ändert sich durch regelmäßiges Massieren. Was am Anfang wehtut, spürt man nach ein paar Wochen kaum mehr, ein Zeichen, dass die Massage wirkt.


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