Diese ist eine wichtige der traditionellen Entspannungsübungen. Der Name der Übung rührt daher, dass man entlang dreier Bahnen entspannt, die vom Kopf bis zu den Füßen verlaufen: einer seitlich, einer vorne und einer hinten am Körper verlaufenden Bahn.
Die Übung kann im Sitzen, Stehen, Liegen, und sogar, wenn man eine gewisse Fertigkeit erworben hat, auch im Gehen ausgeführt werden.
Beim Üben atmet auf natürliche Weise. Wenn sich dabei eine langsame, ruhige und tiefe Bauchatmung einstellt, umso besser!
Wenn man während der Konzentration auf einen Körperbereich das Gefühl hat, dass sich dort keine Entspannung einstellt, beachtet man das nicht weiter und geht einfach zum nächsten Bereich über. Wichtig ist, geistig und psychisch locker und entspannt zu bleiben und sich nicht zu sehr zu konzentrieren.
Wenn man im Liegen übt, wird man höchstwahrscheinlich einschlafen. Beim Aufwachen macht man einfach weiter. Wenn sich irgendwann das Qi ungehindert im Körper zu bewegen beginnt, wird man auch fähig, beim Üben wach zu bleiben. Mit der Zeit entwickeln sich dann für fortgeschrittenes Qigong typische Zustände körperlichen Wohlseins, tiefer Ruhe und Gedankenfreiheit, auf denen auch die therapeutischen Möglichkeiten solchen Übens beruhen.
Man richtet die Aufmerksamkeit nacheinander auf bestimmte Körperbereiche, um in Verbindung mit der Ausatmung und dem gedachten Laut „sung" zu entspannen, zu weiten und das Qi zu bewegen.
Die drei Bahnen, entlang derer man entspannt, sind:
Bahn 1:
Die beiden Seiten des Kopfes - die beiden Seiten des Halses - Schultern - Oberarme - Ellbogen - Unterarme - Handgelenke - Finger.
Endpunkt ist der Zhongchong 中冲 -Akupunkturpunkt (Herzbeutel 9) an der Spitze des Mittelfingers.
Bahn 2:
Gesicht - die Vorderseite des Halses - Brust - Bauch - die Vorderseite der Oberschenkel - Knie - Unterschenkel - Füße - Zehen.
Endpunkt ist der Yinbai 隐白 - Akupunkturpunkt an der Großzehe (Milz 1), innen knapp neben dem Nagelwinkel).
Bahn 3:
Hinterkopf - Nacken - oberer Rücken - unterer Rücken - Rückseite der Oberschenkel - Kniekehle - Rückseite der Unterschenkel - Fersen - Fußsohlen.
Endpunkt ist der Yongquan 涌泉 - Akupunkturpunkt (Niere 1) in der Mitte der Fußsohle, am Übergang vom 1. zum 2. Drittel der Fußsohle (wenn man die Fußsohle in drei Teile teilt und die Zehen nicht mitrechnet).
Konkreter Übungsablauf:
Zu Beginn atmet man ruhig durch die Nase und bleibt für ein paar Minuten auf die Atembewegung konzentriert.
Dann verwendet man Ausatmung, den gedachten Laut „sung" und die Konzentration auf die entsprechenden Körperbereiche, um zu entspannen, zu öffnen, zu weiten, wodurch man dem Qi zu freierer Bewegung hilft.
Man beginnt mit der ersten Bahn, konzentriert sich auf die Seiten des Kopfes und entspannt mit derAusatmung: „sung - sung - sung". Dann konzentriert man sich auf die Seiten des Halses und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: „sung - sung - sung". Und so geht es weiter, Abschnitt für Abschnitt, bis man beim Endpunkt der ersten Bahn (Spitze des Mittelfingers) angelangt ist. Dort lässt man die Aufmerksamkeit ein paar Minuten verweilen.
Dann geht es weiter mit der zweiten Bahn. Man konzentriert sich auf das Gesicht, und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: „sung - sung - sung". Man konzentriert sich vorne auf den Hals und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: „sung - sung - sung". Und so weiter, bis man beim Endpunkt der zweiten Bahn (großer Zeh, innen neben dem Nagelwinkel) angelangt ist. Dort lässt man die Aufmerksamkeit ein paar Minuten verweilen. Die Konzentration auf die Punkte muss nicht sehr präzis sein, es genügt an die Großzehe zu denken.
Dann geht es weiter mit der dritten Bahn. Man konzentriert sich auf den Hinterkopf, und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: „sung - sung - sung". Man konzentriert sich auf den Nacken und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: „sung - sung - sung". Und so weiter, bis man beim Endpunkt der dritten Bahn (Mitte und etwas weiter vorne an der Fußsohle) angelangt ist. Dort lässt man die Aufmerksamkeit ein paar Minuten verweilen.
Ist man damit fertig, richtet man die Aufmerksamkeit für ein paar Minuten auf das Dantian.
Zum Abschluss schluckt man den während des Übens entstandenen Speichel (3x) und sendet ihn gedanklich ins Dantian.
Danach kann man noch Massagen anschließen: Kopf, Augen, Ohren, Nase Hinterkopf, unterer Rücken.
Die Übung ist sehr ähnlich der, die ich letzte Woche gepostet habe, die Aufmerksamkeit richtet sich einfach auf mehr Bereiche des Körpers. Wenn man sich einmal den Ablauf gemerkt hat, braucht man für die Übung nicht lange, ca. 15 Minuten.
Ein Video zur Erklärung der Übung folgt noch.


