Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Monday, February 22, 2021

Fangsonggong - Entspannungsübung für die Augen

Noch einmal zurück zu den Entspannungsübungen, und noch einmal zurück zu den Augen.

Mit den bisherigen Postings und Videos habe ich Entspannungsübungen für den ganzen Körper beschrieben:

Die Entspannung bestimmter Körpersegmente (Kopf und Hals, Brust und oberer Rücken, Bauch und unterer Rücken, Arme, Beine) bzw. die Entspannung entlang dreier Linien: 

- vom Kopf bis in die Hände zu den Mittelfingern (Akupunkturpunkt Herzbeutel 9 - Zhongchong)
- vom Kopf zu den Füßen zur großen Zehe (Milz 1 - Yinbai) 
- vom Kopf zu den Füßen zu den Fußsohlen (Punkt Niere 1 - Yongquan).

Die Übungssequenz ist dabei immer gleich: 

Zuerst setzt, stellt oder legt man sich in der vorgegebenen Haltung hin und beruhigt die Atmung. 

Dann geht man den Körper durch, entspannt den entsprechenden Bereich, intoniert innerlich den Laut „sung“ und versucht das resultierende Entspannen, Lockern und Weiten zu spüren.

Dann folgt eine Phase der Konzentration auf das Dantian.

Und schließlich beendet man die Übung, indem man den Speichel schluckt und in der Vorstellung ins Dantian sendet.

Entspannungsübungen können natürlich auch lokal, mit der Konzentration auf nur auf einen Körperbereich, ausgeführt werden.

Wie man dies praktiziert,  möchte ich hier am Beispiel der Augen beschreiben. Die Übung passt auch gut zum Augen-Kreisen von Dr. He Puren, das ich vor ein paar Wochen vorgestellt habe.

Als erstes achtet man auf die Körperhaltung (aufrecht und locker im Sitzen oder Stehen oder gerade ausgerichtet, wenn man auf dem Rücken liegt) und konzentriert sich auf das ruhige Kommen und Gehen des Atems. Dann richtet man die Aufmerksamkeit auf die Augen, intoniert beim Ausatmen innerlich den Laut „sung“ und spürt der Wirkung nach.

Zu Beginn wird man wahrscheinlich keine sehr differenzierte Wahrnehmung haben. Man spürt natürlich die Augen und die umliegenden Bereiche des Gesichts, vermutlich jedoch nur vage, und wahrscheinlich bemerkt man gar nicht, wo die Spannungen sitzen bzw. wieviel Spannung in den Augen und im Gesicht ist. 

Mit der Zeit wird man bemerken, dass sich das Gefühl der Ruhe immer mehr vertieft. Und damit einhergehend wird man allmählich anfänglich verborgen gebliebene Spannungen wahrzunehmen beginnen. Vielleicht bemerkt man auch, dass die Augen zu trocken sind, dass man die Augenbrauen oder Stirn gewohnheitsmäßig runzelt, die Augen zu fest schließt, oder dass sich die Augen nicht sehr beweglich anfühlen.

Spürt man dies, kann man während des Übens ein paar kleine Bewegungen machen: die Augen mehrmals öffnen oder schließen, sie ein paar Mal auf und ab und links und rechts bewegen, die Stirn und die Augenbrauen ein paar Mal absichtlich runzeln und wieder entspannen etc.. Simple Dinge. Und dann wieder weitermachen mit „sung - sung - sung“.

Je mehr sich die Augen entspannen, desto mehr wird man auch wahrnehmen können: die einzelnen Bereiche (Stirn, Augenbrauen, Augenhöhlen, Augen, Nase…), deren Verbindungen untereinander, wie die Augenlider auf den Augen liegen, die sich verändernde Feuchtigkeit der Augen, sich entwickelnde Tränen… 

Und es wird sich der Zustand der Ruhe immer weiter vertiefen. Die Atmung wird sich verändern, ruhiger und tiefer werden, auch der Laut „sung“ wird feiner und mehr gespürt als innerlich gehört werden. 

Die Entspannung wird schließlich den Augengrund erreichen und auch das Dunkel, das man bei geschlossenen Augen sieht, wird sich wandeln, vielleicht taucht sogar ein Licht auf oder es zeigen sich Farben.

Reaktionen auf die vertiefte Entspannung sind immer individuell. Ich gebe hier eine allgemeine Beschreibung, doch werden sich die allmähliche Entspannung und der  Fluss des Qi in den Augen und im Gesicht bei jedem etwas anders auswirken. 

Es wird auch sicher dauern, bis es zu einem vertieften Entspannen und Loslassen kommt. Es ist ein Prozess, der regelmäßiges Üben und Geduld braucht. 

Wichtig! Wie immer im Qigong gilt die Regel, nicht zu versuchen, bestimmte Phänomene, bestimmte Wahrnehmungen, bestimmte Empfindungen absichtlich herbeizuführen. Damit erreicht man nichts, man verhindert die natürlichen Wirkungen der Übung und erzeugt unter Umständen sogar unerwünschte Nebenwirkungen.

Geduld, Entspannung, Ruhe, das ist alles, was es braucht. Wirkungen stellen sich früher oder später von selbst ein.


Konkreter Übungsablauf:

- Man übt am besten im Sitzen oder Liegen.

- Zuerst lässt man den Atem durch die Nase ein- und ausströmen, für ein paar Minuten, und spürt, wie sich ein Gefühl der inneren Ruhe ausbreitet.

- Dann verwendet man die Ausatmung zusammen mit den gedachten Laut „sung", um zu entspannen, zu öffnen, zu weiten und dem Qi zu freiem Fluss zu verhelfen.

- Die Augen schließen und entspannen: „sung - sung - sung“.

- Die Augenlider entspannen „sung - sung - sung“.

- Die Feuchtigkeit der Augen spüren: „sung - sung - sung“ (3x)

- Die Augenbrauen entspannen: „sung - sung - sung“ (3x).

- Das Gesicht entspannen: „sung - sung - sung“ (3x).

- Den Augengrund entspannen: „sung - sung - sung“ (3x).

- Die Augen entspannen „sung - sung - sung“ (3x).

- Dann richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Dantian. Dreimal tief aus- und einatmen.

- Und schließlich schluckt man den während des Übens entstandenen Speichel, dreimal, sendet ihn mittels der Vorstellung ins Dantian und beendet damit die Übung.

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