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Saturday, February 20, 2021

Das ruhige Stehen

Im vorgestern geposteten Video zeige ich unter anderem eine Übung des ruhigen Stehens, mit den Händen vor dem Unterbauch, gekoppelt mit der Vorstellung, im warmen Wasser eines Sees leicht von den Wellen bewegt zu werden.

Diese Übung habe ich vor vielen Jahren von Prof. Cong gelernt. Diese und andere Steh-Übungen hatte er in vielen seiner Seminare unterrichtet, manchmal als eigenständige Übung, sehr oft auch in Verbindung mit den anderen Übungen, die Teil seines Repertoires waren, wie Fanhuangong, Taiyi Yuanminggong, Qigong-Gehen etc. Manche der von ihm gelehrten Übungsfolgen, wie Laozis großes Dao des Wirklichen und der Natur" sind sogar so aufgebaut, dass auf Phasen der Bewegung ebenso lange Phasen ruhigen Stehens folgen.

Hundert (bewegte) Übungen reichen nicht an ein einmaliges Stehen heran", dies ist ein in Qigong-Kreisen weit verbreiteter Spruch. Natürlich braucht man dies nicht als absolute Aussage zu verstehen, doch ist unbestritten, dass das Stehen erhebliche positive Wirkungen auf die Gesundheit hat. Auch Prof. Cong meinte mehr als einmal im Privaten zu mir, dass das ruhige Stehen zu den Übungen gehörte, von denen er gesundheitlich am meisten profitiert hatte.

Stehübungen sind Teil des traditionellen Kampfkunsttrainings, doch nicht nur, sie stellen auch eine eigenständige große Richtung des Qigong dar, mit wie gesagt, hervorragenden therapeutischen Wirkungen.

Ich möchte hier Yu Yongnian 于永年 zitieren, einen berühmten Meister des Stehens und Arzt aus Peking, der diese Art Übungen als erster in die Pekinger Spitäler eingeführt hatte: 

Das ruhige Stehen stellt eine sehr besondere und spezielle Form der Bewegung unter all den therapeutischen Übungen des Qigong dar. Es hat keinerlei Nebenwirkungen, da man nichts absichtlich mit dem Atem macht und nicht verlangt wird, sich in einen tiefen Ruhezustand zu versenken. 

Man braucht sich nur hinzustellen, an einem Ort mit genügend Sonnenlicht und frischer Luft, drinnen oder draußen, die entsprechende Stellung einzunehmen, gleich einem Baumstamm unbewegt zu stehen und natürlich zu atmen. Man entspannt den ganzen Körper, ohne schlaff zu werden, und hält gleichzeitig eine gewisse Spannung, ohne starr und steif zu werden. Das genügt. 

Die Methode ist sehr einfach, und man kann die Übungszeit selbst sehr gut variieren. Man beginnt üblicherweise mit 5 Minuten, kann das Üben aber bis zu maximal einer Stunde ausdehnen. Das ruhige Stehen eignet sich für Mann und Frau, Alt und Jung, und kann überall praktiziert werden."

In den Übungen dieses Blogs findet sich das Stehen ebenfalls, als Eröffnungsübung der Heilenden Laute, als spezielle Übung mit gekreuzten Armen vor der Brust zur Unterstützung des Qi der Lunge, als wesentliches Übungselement von Prof. Lins Kommunikation mit Himmel und Erde" und, in der vorgestrigen Übungsstunde, als ruhige Ergänzung der anderen Übungen. 

Alle diese Stehübungen können auch gesondert als alleinige Übung für sich praktiziert werden.

Am Beispiel der zu Beginn erwähnten vorgestern geposteten Übung: 

Wie man auch im Video sehen kann, stellt man sich hin (kann man nicht stehen, setzt man sich hin) und bringt die Hände vor den Unterbauch. Die Hände sind nicht zu eng am Körper, auch nicht zu weit weg. Der Abstand beider Hände ist ca. eine Handspanne, die Handflächen schauen zum Boden. 

Der Stand ist ca. schulterbreit oder etwas breiter, die Knie sind etwas gebeugt, der Körper ist aufrecht und das Kinn etwas nach innen gezogen. 

Den Atem lässt man natürlich fließen, ohne ihn zu beeinflussen. Auch mit der Zunge braucht man nichts zu machen, d.h. sie wird nicht an den Gaumen angelegt.

Die körperliche Haltung wird durch die Vorstellung ergänzt, dass man im warmen Wasser eines Sees steht und sanft vom Wasser bewegt wird. 

Man steht dann so lange, wie man möchte. Das Qi reguliert sich beim Üben ganz von selbst, man braucht nichts weiter zu tun, als ruhig stehen zu bleiben und die Vorstellung beizubehalten. 

Bei den Steh-Übungen braucht es keine Eröffnungsübung, und auch keine Abschlussübung. Zu Beginn stellt man sich hin, wenn man abschließen möchte, lässt man einfach die Hände sinken, und das war's.

Wenn man sich nicht überfordert, wird man entdecken, dass diese Art des Übens sehr angenehm ist. Zu Beginn ist es sicher besser, die Zeit kurz zu halten, entdeckt man das durch das Üben ausgelöste große Wohlbefinden, dann wird man wie von selbst auch länger stehen wollen.

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