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Wednesday, March 25, 2020

Ein paar Worte zur Methode der Heilenden Laute für das Lungen-Qi

Die Liu Zi Jue 六字诀 - Übung (Übung der Heilenden Laute für das Lungen-Qi), die wir hier vorstellen, ist Teil einer daoistischen Gesundheitstradition, die spezifische Methoden von Lebensstil, Meditation und Qigong kombiniert, um Krankheiten zu beseitigen, den Geist zu beruhigen und das Leben zu verlängern. Sie nutzt eine fein abgestimmte Kombination von Elementen, die ähnlich einer ärztlichen Verschreibung zusammenspielen und auf das Qi-System im Körper wirken, das die Zirkulation von Atem, Qi und Blut steuert.

Um zu verstehen, warum und wie diese Methode funktioniert, kann es hilfreich sein, einige ihrer Schlüsselelemente aus TCM-Perspektive zu betrachten.

Aber nicht vergessen: Das Wichtigste ist es, Qigong zu üben, jeden Tag ein wenig und dann täglich etwas mehr. Das ist es, was sich auf die Gesundheit auswirkt – nicht das Verständnis der chinesischen Medizin oder der daoistischen Philosophie oder gar der Qigong-Methodik. Unabhängig von Alter, Gesundheitszustand und Erfahrung, können alle diese Methoden anwenden und positive Effekte erzielen. Man kann die Gesundheit zurückgewinnen, schützen oder verbessern, das Immunsystem stärken, den Geist beruhigen und ein Gefühl von Leichtigkeit und Wohlgefühl erlangen.

Die Liu Zi Jue-Übung für das Lungen-Qi (wie alle anderen Qigong-Übungen) beginnt damit, dass man ruhig wird und den Körper entspannt, während man sich von Kopf bis Fuß ausrichtet, um in einen bestimmten „Raum“ einzutreten. Dies ist weder ein physischer Ort noch einfach nur ein Geisteszustand. Es ist eher eine Öffnung nach innen, ein Verstummen der Geräusche des Geistes, ein Prozess der Lockerung von Körper und Atem, so dass das Qi des Körpers zwischen dem „Qi von Himmel und Erde“ (den größeren Yang- und Yin-Aspekten des Universums) ausgerichtet ist und dabei in Resonanz mit der wahren Realität der Natur tritt. Diese Resonanz ist eine Art von Kommunikation, die buchstäblich für Erdung sorgt und die angeborene gesundheitliche Körperkraft aktiviert, während sie mit dem Atem fließt, ungehindert von den Störungen, Blockaden und Schwächen, die durch den physischen und mentalen Stress im Lauf von Alterungsprozessen, Krankheit und Alltag auftreten.

Alle Bewegungen verstärken diese Resonanz, mit besonderem Fokus sowohl auf den physischen als auch auf den subtileren Qi-Aspekten, die beim Atmen und beim Zirkulieren von Qi und Blut im gesamten Organismus eine Rolle spielen. Sie öffnen und stärken die Verbindung zwischen dem ursprünglichen Qi (der angeborenen, gesundheitlichen Gesamtkapazität des Körpers) und dem Qi, das man vom Moment der Geburt an mit jedem einzelnen Atemzug erwirbt.

Während der ersten Bewegung beim Einatmen Arme, Hände und Handflächen nach außen drehen, um die Brust beim Einströmen der Luft zu weiten. Brust und Lunge öffnen sich, der Atem kann einfacher und leichter fließen. Auf diese Weise wird das Qi auf einer tieferen inneren Ebene, während es mit dem einströmenden Atem auf einer zentralen Bahn durch den Körpers fließt, geöffnet und verfeinert. Mit etwas mehr Übung kann ein feiner Sog spürbar werden, eine Art Magnetismus, von den Spitzen der Hände und Füße, von den Fingern und Zehen. Die chinesische Medizin betrachtet diesen Vorgang wie eine wirkungsvolle Akupunkturbehandlung, die den Qi-Fluss von der Lunge durch die Akupunkturpunkte entlang des Lungen-Qi-Meridians (手太阴 Hand-Tai-Yin-Meridian) öffnet.

Beim Ausatmen werden die Hände nach innen gedreht, die Handflächen zeigen zum Bauch. Dabei öffnen sich der obere Rücken, die Wirbelsäule und bestimmte Akupunkturpunkte in dieser Region, sodass das warme Qi zum physischen Zentrum des Körpers im Bereich der Nieren, des unteren Rückens und des Bauches (das sog. Dan Tian 丹田) zurückkehren kann, wo das ursprüngliche Qi gespeichert ist.

In dieser Region stärkt das Qi des Atems das ursprüngliche Qi und regt dessen Zirkulation entlang der tiefen inneren Meridiane des Körpers an und erfüllt den gesamten Organismus buchstäblich mit Wärme und Kraft. Beim Einatmen ist es, als würde man etwas magnetisch anziehen und hineinziehen. Das Ausatmen ist zugleich ein Öffnen und Verteilen von Wärme und Magnetismus im ganzen Körper. Mit mehr Übung ist diese Strömung oder auch ein Kribbeln zu spüren, das sich von der Körpermitte hin zu den Extremitäten bewegt.

Beim erneuten Einatmen berühren sich kurz und leicht die Fingerspitzen vor dem Herzen, der Blick geht zu den Fingerspitzen. So wird die Bewegung des Geistes (gelenkt durch Blick) kombiniert mit der Bewegung des Körpers und dem Fluss von Qi und Atem, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

Nichts im Leben bewegt sich schneller als der Geist. In der Qigong-Praxis zügeln wir diese Bewegung und beruhigen sein konstantes, ablenkendes Geräusch, indem wir dem Geist erlauben, unserem Atem zu folgen. So entsteht ein ruhiger Raum im Inneren, in dem sich die natürliche Kraft des Lebens entfalten und frei fließen kann. Im täglichen Leben führt das ständige, bewusste Bemühen, alles um uns wahrzunehmen und zu kontrollieren, zu einer Trennung von der gesamten Realität der Natur, und es behindert die natürliche Fähigkeit zu Gesundheit und Gleichgewicht.
Die wenigen Fälle im Qigong, in denen die Vorstellungskraft eingesetzt oder der Blick oder die Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes gerichtet wird, sind vergleichbar mit einem präzisen, schnellen Speerwurf. Die bewusste Berührung der Finger und der Blick auf sie aktiviert das Qi aller Yin- und Yang-Meridiane und regt eine starke Zirkulation von Herz- und Lungen-Qi stark im Körper an. Das alles dauert nur eine Sekunde, aber der Effekt schwingt mit jeder Wiederholung dieser Übung immer länger und länger im ganzen Körper. Wie beim Betreten eines dunklen Raums und dem Betätigen des Lichtschalters, dauert es letztendlich nur diese Sekunde, um die Natur unseres Innenraums zu verändern.

Eine Übung aus dem medizinischen Qigong ist wie eine Verschreibung von Kräutermedizin – die Hauptwirkung der Verschreibung wird von allen Bestandteilen unterstützt und verändert. So ist die nächste Bewegung der Liu Zi Jue-Übung der medizinisch entscheidende Teil für das Lungen-Qi.
Die Arme bewegen sich nach oben und die Brust dehnt sich aus, während sich der Kopf zurückbewegt, um Hals und Brustkorb zu öffnen. Die Ausatmung entsteht wie ein „Dampf“, der durch den offenen Mund fließt, und die innere Resonanz der Klangvorstellung ermöglicht es der gesamten Kraft des Wahren Qi (Zhen Qi 真气 – im Grunde die umfassende Realität des Qi der Natur, von dem wir nur ein Teil sind) in die Lunge zu fließen. Das Drehen der Handgelenke, sodass die Handflächen nach oben zeigen, bewirkt die Aktivierung wichtiger Akupunkturpunkte des Herzens und der Lunge, die sich auf der Innenseite der Handgelenke befinden.

Die Resonanz des vorgestellten heilenden Lautes, der mit der Lunge in Zusammenhang gebracht wird, ist die Speerspitze des medizinischen Effekts (Die Stimmbänder zu verwenden, um eine hörbare Intonation zu erzielen, hat einen völlig anderen Effekt, der in diesem speziellen „Qigong-Rezept“ nicht so nützlich ist). Das Zurückbewegen des Kopfes und das Ausatmen durch den Mund ist wie das Aufdrehen eines Wasserhahns; die Form des Mundes bei der Imagination des Lautes „Hei“, ist wie das vollständige Öffnen dieses Wasserhahns, sodass das Qi wie Wasser durch das „Tor der Lunge “(den Hals) und durch den „Durchgang zur Lunge“ (Brustkorb) zum Organ selbst fließt.

Die weiteren Schritte der Übung öffnen und stärken die Verbindung zwischen dem Lungen-Qi und dem Nieren-Qi und stellen so sicher, dass der Atem frei in den Körper fließt, wo er dann festgehalten wird, so dass eine Art Verbrennung von Energie stattfinden kann bevor der Atem wieder leicht ausgestoßen wird. Bei diesem Vorgang verbindet sich das Qi der Atemluft mit dem ursprünglichen Qi des Dan Tian.

Es gäbe noch mehr zu sagen, aber ich glaube, es genügt, und ich kann hiermit diese Erklärung der traditionellen medizinischen Auswirkungen der Liu Zi Jue-Übung für das Lungen-Qi beenden. Ich hoffe, es ist mir gelungen zu zeigen, wie differenziert und komplex Qigong-Übungen wirken. Ebenso möchte ich motivieren, Qigong regelmäßig jeden Tag auf einfache und entspannte Weise zu üben, im Vertrauen auf seine positive Wirkung für die Gesundheit und die Regenerationsfähigkeit des Körpers. Selbst die einfachsten Übungen, wie Kreise mit den Armen bei ruhigem Atem, haben verschiedene Bedeutungsschichten und einen potenziellen Nutzen für die Gesundheit von Körper und Geist.
Man kann das Üben genießen; kann genießen, dabei einen Raum der Stille voll tiefer Bedeutung zu betreten, um sich vom Ansturm der täglichen Sorgen zu erholen und die Leichtigkeit, die Kreativität, die regenerative Kraft der eigenen, wahren Natur zu spüren!


Abbildung des Lungen-Meridians

Aus dem Shisi Jing Fahui 十四经发挥  - Sorgfältige Ausführungen zu den 14 Meridianen des Arztes Hua Shou 滑寿 (ca. 1304-1386).

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