Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Monday, March 23, 2020

Yangshen 养神 - Das Nähren des Geistes

Qigong bedeutet nicht nur ein physisches Ausführen von Übungen. Qigong hat auch einen geistigen Aspekt, der auf Chinesisch Yangshen 养神 genannt wird. Yangshen, wörtlich: den Geist nähren, ist genau so wichtig wie das körperliche Qi-Üben.

Mag westliche Medizin Wissenschaft sein (zumindest ist es ihr Anspruch), so ist chinesische Medizin Philosophie und kann gesondert von der Philosophie nicht verstanden werden. Überhaupt sind alle Aspekte der alten chinesischen Kultur nicht nur nicht abgegrenzt von der Philosophie, sie sind vielmehr konkrete Verkörperungen dieser.

Und im Zentrum der chinesischen Philosophie finden wir immer dieselben Begriffe, die selbst die schon gehört haben, denen China sonst fremd ist:

Dao 道, Yin und Yang 阴阳, Qi 气, Taiji 太极 (der Höchste Pol), Ziran 自然 (die Natur, als das Was-aus-sich-selbst-heraus-so-ist) usw. Um diese und noch einige Begriffe mehr kreist das alte Denken der Chinesen, und in diesem Denken entdecken sie auch die Quelle von Gesundung und Heilung.

Diese Quelle von Gesundung und Heilung liegt in der Wiederkehr zur Natur. Nicht im romantischen Sinn, vielmehr im Gewahrwerden der lebendigen Kräfte der Natur und in der Entdeckung, dass dieselben Kräfte (dasselbe Qi), das in der Natur wirkt, auch im Menschen wirkt. Ein eigentlich tautologischer Gedanke, und doch, für uns geht es kaum fremder, wir verstehen nicht, was damit gemeint ist und haben keine Sprache dafür.

Wir sind der Natur körperlich entfremdet, und und auch im Denken entfremdet - äußerst entfremdet. Darum die Wichtigkeit von Qigong und chinesischer Philosophie, darum vermögen diese auch im Westen viele zu inspirieren, und bereiten denen Freude, die sich ihnen gegenüber offen zeigen.

Natürlich kann man Qigong einfach so üben, ohne darüber nachzudenken. Ruhe, Entspannung und Natürlichkeit während des Übens brauchen keinen philosophischen Diskurs. Doch vielleicht beginnt der eine oder andere auch zu spüren, wenn auch vielleicht nur undeutlich und vage, dass Qigong-Übungen uns lehren, die Regungen der allgegenwärtigen natürlichen Kräfte in uns wieder zu entdecken.

Unser Denken, es ist zwar der Natur entfremdet, doch eigentlich ist es nicht das Denken selbst, das schlecht ist und das Problem, es ist der Wirbel mechanischer Gedanken und die jedem bekannte Mischung aus Fühlen und Denken (einem oft auch noch entkörperlichten Denken), die den Menschen der lebendigen Welt, der lebendigen Natur entfremden.

Darum die Betonung der Stille im Qigong. Allein still zu werden, ohne Übung, ist schon heilend. Und dies umso mehr, als nicht nur die Gedanken gestillt werden, sondern sich der ganze Organismus dem Kraftfeld der Welt öffnet. Und noch mehr, wenn man versteht und spürt, dass und wie sich die Kreativität des All (Qian 乾 - das Schöpferische im Buch der Wandlungen) im kreativen Tun des Menschen äußert. Dass Kreativität und Kunst das Potential zur Heilung haben.

Das ist Yangshen, das Nähren des Geistes. Des Wirkens des reinen Yang-Impulses, des Schöpferischen, gewahr zu werden, und durch dessen Kraft in einen Raum transportiert zu werden –  im Innen wie im Außen -, der ganzmachend wirkt und heilend.

Zitat: "Die vielen verschiedenen Gedanken zu klären und sie zu stillen, sodass der Körper nicht unter dem Einfluss eines menschgemachten Denkens steht (im Unterschied zu einem Denken, das im Einklang ist mit dem Großen Weg, dem Dao), den Körper in die Natur zurückzuführen, das nannten die Altvorderen das Nähren des Geistes.

Durch das Nähren des Geistes gelangen sowohl Körper als auch Psyche in einen Zustand des Friedens und der Ruhe. Sich der Gedanken zu entledigen und das Herz zu beruhigen, solcherart vermag man sowohl geistige als auch körperliche Kraft wiederzuerlangen."

In diesem Sinne haben, während der Coronavirus-Epidemie der letzten Wochen in China, einige Universitäten für Chinesische Medizin auch Musikstücke für traditionelle Instrumente (Guqin, Xiao etc.) propagiert, um Patienten in der Heilung zu unterstützen. Yiyi zhanyi 以艺战疫 – mittels Kunst die Epidemie bekämpfen, lautete der Slogan.

Dies sind hier nur einige meiner Gedanken, die natürlich viel weiter ausgeführt werden müssten. Hier müssen sie Plauderei bleiben, da Kerry und ich ja dauernd am Posten oder Vorbereiten von Postings sind, und die Zeit beschränkt ist.

Zum Nähren des Geistes hier ein kurzes Stück auf der Xiao-Flöte. Die Zeit der Pflaumenblüte (während der Schnee noch auf den Zweigen der Pflaumenbäume liegt) ist schon vorbei. Aber es ist ja wieder kalt geworden, also passt es schon.


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