Eine paar Bemerkungen zu all dem, was wir bisher gepostet haben. Es werden sich sicher manche wundern, warum so viele diätetische Ratschläge und noch nicht so viele Übungen dabei waren.
Dies hat damit zu tun, dass es Kerry und mir ein Anliegen ist, allen die Mittel zur bestmöglichen Prävention in die Hand zu geben. Die diätetischen Ratschläge sind hierbei neben dem Qigong ein notwendiges zusätzliches Werkzeug.
Am idealsten wäre es natürlich, wenn man Prävention mittels chinesischer Kräutermedizin betreiben könnte. Das ist in Österreich, Deutschland und Italien nicht möglich. In dieser idealen Welt leben wir nicht.
Der Durchschnittsbürger hat keinen Zugang zu Ärzten für Chinesische Medizin, die ausreichend in der chinesischen Kräutermedizin ausgebildet sind, und selbst wenn, dann ist der Zugang zu den chinesischen Heilkräutern oft nicht einfach. Oder wie zur Zeit: fast unmöglich. Es kommt in dieser weltweiten Krise nichts mehr nach.
Und dazu kommt noch die Kurzsichtigkeit und mangelnde Informiertheit der offiziellen Stellen: Es gab von Ende Jänner bis heute keine Reaktion von Seiten des österreichischen Gesundheitsministeriums auf den von allen TCM-Schulen unterschriebenen Vorschlag meines Studienkollegen Mag. Stöger, österreichweit vor allem in den Spitälern Prävention mittels in China bewährter und erprobter Kräuterrezepturen zu betreiben, noch ging die Stadt Wien auf den Vorschlag ein. Dieser Weg ist bei uns also nicht gangbar.
Darum Kerrys Versuch, ein wenig chinesische Diätetik zu unterrichten. Wie so oft bei chinesischen Methoden, sieht alles eher unspektakulär aus, und die üblichen abwertenden Bemerkungen, wie schlecht das alles schmecke, kennen wir zur Genüge.
Wirksam sind diese Rezepte jedoch sehr. Wenn man sie ernst nimmt und versteht, dass, wie Kerry klar kommuniziert hat, es bei solchen Rezepten um eine sehr spezifische Wirkung geht, die langsam, über einen längeren Zeitraum, aufgebaut und immer stärker wird.
Es ist wie beim Qigong: Einmal üben ist schon gut, aber erst der regelmäßige Impuls beginnt, das Qi zu verändern. Und darum geht es: um die Veränderung des Qi. Um die Veränderung des eigenen Qi-Musters. Um die Veränderung der inneren Qi-Umgebung. Der Qi-Umgebung im Körper.
Ich hatte in diesen Tagen wieder Kontakt mit Prof. Lin Zhongpeng in Peking. Er meinte, dass er unsere Initiative mit allen Kräften unterstützt, und er war ganz unserer Meinung: Dass es in erster Linie wichtig sei, ein Verständnis dafür zu wecken, dass Gesundheit Regulation heißt und dass alle traditionellen chinesischen Methoden diese fördern.
Was konkrete Qigongübungen betrifft: Wir werden in Zukunft noch einige posten. Da jeder von uns aber schon viele Übungen kennt, sehen Kerry und ich es als nicht zielführend, abgesehen von der medizinischen Qigong-Übung für die Lunge gleich viele Übungen vorzustellen. Das wäre vermutlich sogar kontraproduktiv. Es ist wichtig, nicht den Eindruck zu erwecken, dass in dieser Pandemie nichts mehr gilt und nichts mehr hilft, was man in der Vergangenheit gelernt hat. Das Gegenteil ist richtig.
Genau für Situationen wie diese hat man Qigong gelernt. Jede Übung, die man kennt, ist dann die richtige, ist wichtig, wirksam und hilfreich. Die ganz konkreten Übungen, die man schon Jahre geübt hat. In der Form, in der man sie gelernt hat. Und es gibt keine besonderen, geheimen, esoterischen, besonders wirksamen Qigong-Übungen, die nach einer jahrzehntelangen Zeit des Dürstens dann wenigen Auserwählten mitgeteilt werden. Solche Vorstellungen sind kindischer Unsinn.
Das Qi entsteht aus der Stille. Zu glauben, man braucht eine bestimmte Übung, das ist keine Stille. An Übungen zu zweifeln, das ist keine Stille. Zu glauben, man muss zuerst die Theorie einer Übung kennen, das ist keine Stille. Eine Übung abwandeln zu wollen, das ist keine Stille.
Das Qi gewinnt seine Kraft in der Stille. Die Ruhe gebiert die Bewegung. Das Yang entspringt dem Yin. Es tut mir leid, aber es ist eben so einfach.
Darum auch meine Aussage schon vor ein paar Tagen: Jede Übung, die einen in die Stille führt, ist die rechte Übung. Und eben diese Übung birgt das gesundheitliche Potential, das man braucht. Und durch das regelmäßige Üben dann allmählich realisieren kann.
Ich muss mir halt die Zeit nehmen, das Handy aus der Hand legen, den Chat verlassen und mich in die analoge Stille versenken. Mittels einer der Übungen, die ich schon kenne, mit einer, in der ich mich wohl fühle, einer, die mir erlaubt, dem Qi zu erlauben, seine natürliche Organisation zu finden.
Durch Qigong zu regulieren und die innere Qi-Umgebung zu beeinflussen, das ist das Eine.
Aber alles andere, das man tagtäglich tut oder lässt, beeinflusst das Qi natürlich auch. Und die Nahrung gehört da auf jeden Fall dazu.
Yao shi tong yuan 药食同源 – „Arznei und Nahrungsmittel entstammen dem gleichen Ursprung“, heißt es auf Chinesisch. Wir können niemanden so schnell lehren, chinesisch zu kochen oder Prinzipien der chinesischen Diätetik ins Kochen miteinzubeziehen, aber wir können sehr wohl ein paar Rezepte zur Verfügung stellen, durch die man in einem gewissen Ausmaß das Qi zu regulieren vermag. Regulieren heißt, bestimmte Aspekte des eigenen Qi mit anderen zu einem für das geordnete Funktionieren des Organismus wichtigen Zusammenwirken zu bringen.
In unserem Gespräch hat Prof. Lin Zhang Xiaotong, einen alten, traditionellen Arzt aus Peking zitiert, der vor kurzem, befragt zur Coronavirus-Epidemie, dies sagte (ich übersetze wörtlich):
„Wenn es im Körperinneren keine feucht-heiße Qi-Umgebung gibt, dann steckt man sich nicht so leicht an. Wenn alle Leute Prophylaxe mittels chinesischer Medizin betreiben würden, mit Selbstisolation als unterstützender Maßnahme, dann wären die Ergebnisse exzellent, die Kosten für diese Maßnahmen wären niedrig, und es käme nicht zu solch massiven Beeinträchtigungen des Alltagslebens der Menschen. Und die Wirtschaft würde auch nicht so extrem in Mitleidenschaft gezogen.“ ... „Wenn man zur Vorbeugung die chinesische Kräutermedizin zur Verfügung hat, dann kann man positive Wirkungen erzielen, die denen von Quarantänemaßnahmen überlegen sind. Als zu Zeiten der SARS-Epidemie der 90jährige Dr. Deng Tietao an vorderster Front im Einsatz war, trug er keinen Schutzanzug und keine Maske. Nicht weil er naiv war und unwissend, sondern weil er volles Vertrauen in die Chinesische Medizin hatte und wusste, dass, man, wenn es im Inneren des Körpers keine feuchte Hitze gibt, nicht leicht angesteckt wird."
Wie gesagt, Kerry und ich haben selbst keinen Zugang zu den chinesischen Heilkräutern, die zur Prävention eingesetzt werden.
Doch Qigong vermag Gleiches in der Vorbeugung von Krankheiten zu leisten, und auch die Food Medicine – die diätetischen Rezepte. Das sind die Leitgedanken, an denen wir uns ausrichten, und denen die Inhalte, die wir hier posten, folgen.