Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Thursday, April 23, 2020

Das aufrechte Qi stärken, um pathogenes Qi abzuwehren

Diese Initiative befindet sich nun schon in der sechsten Woche, darum hier ein paar Bemerkungen, zur Erinnerung, warum wir diesen Blog machen.

Covid 19 hat in Italien gewütet, Österreich und Deutschland sind bisher noch mit einem blauen Auge davongekommen. Doch wie immer die momentane pandemische Situation, alle Prognosen gehen davon aus, dass wir die nächsten ein, zwei Jahre mit dem Virus leben müssen. Die Bedrohung bleibt, und wie schnell die Situation kippen kann, konnte und kann man sehen in Italien und Spanien, in den USA, in England usw.

Mit dem Blog möchten wir zeigen, dass man für die eigene Gesundheit und ein Immunsystem, stärker als das Virus, etwas machen kann, und zwar mit einfachen Mitteln, klar und gezielt. Das ist umso wichtiger, als wir auf die Lösungen der Schulmedizin, Impfung und Arzneimittel gegen Covid 19, noch warten müssen. Auch Quarantäne, Ausgangsbeschränkungen und Social Distancing können auf die Dauer nicht aufrechterhalten werden, wäre doch der wirtschaftliche Schaden immens. So wie Kerry und mir, die wir de facto auf unbestimmte Zeit ohne Einkommen arbeitslos sind, geht es ja vielen. Und nicht nur um den wirtschaftlichen Schaden geht es, auch um den kulturellen und sozialen Schaden, um den möglichen Schaden an der Demokratie, und vieles mehr, das uns jetzt noch gar nicht so bewusst sein kann.

Darum diese Initiative eines Blogs mit TCM- und Qigong-Informationen in pandemischen Zeiten. Wir haben schon sehr viel gepostet, vielmehr, als ich dachte, dass wir in diesen Wochen produzieren könnten, mehr oder minder jeden einzelnen Tag. Mir ist klar, dass es viel Information ist, und ich hoffe, dass sie für die, die mit Qigong und TCM nicht vertraut sind nicht überwältigend wirkt, doch sie dies alles in Kerrys und meiner Meinung eine sehr wichtige und eine überaus notwendige Ergänzung zu all den Informationen und Leitlinien für die Pandemie, die uns über andere Kanäle erreichen.

In all dem, was wir posten, gibt es einen Faden, der alles verbindet. Einen einfachen Faden, der ein wichtiges Behandlungsprinzip der TCM darstellt und auch eines der wesentlichen Prinzipien des Qigong ist. Der Faden, der alles verbindet, heißt:

Fu zheng qu xie 扶正祛邪 - Das Aufrechte unterstützen, um das Üble auszutreiben. - Das Zheng-Qi (das aufrechte Qi) stärken, um pathogenes Qi abwehren zu können.

Bei einer Krankheit wie Covid 19 ist das ungemein wichtig. Schulmedizinisch gibt es kein Mittel gegen Covid 19, auch eine Impfung gibt es (noch) nicht. Doch die TCM hat sehr wohl Behandlungsmöglichkeiten, wobei in erster Linie die Kräuterverschreibungen zu nennen sind, die in den vom Nationalen Gesundheitsrat Chinas herausgegebenen Leitlinien für Diagnose und Behandlung der durch das Neue Coronavirus hervorgerufenen Pneumonie angeführt sind. Zu den Kräuterverschreibungen gehört z.B. Qingfei paidu tang 清肺排毒汤 – die "Abkochung zur Klärung der Lunge und Elimination von Toxinen", in der Pandemie in China großflächig zum Einsatz gebracht, eine Rezeptur, die, wie auch die letzte Woche vom Chinesischen Staatsrat im Rahmen einer Pressekonferenz veröffentlichten Zahlen zeigen, sich als äußerst wirksam erwiesen hat.

Es gibt kein Mittel gegen Covid 19, aber es gibt Behandlungsmöglichkeiten mittels der TCM für alle Stadien der Krankheit. Die Presse in den westlichen Ländern ignoriert diese Tatsache beharrlich. Dass die TCM in der Bekämpfung der Covid 19-Pandemie einen entscheidenden Beitrag geleistet hat, trotz der anfänglichen Zensur und der Behinderungsversuche von staatlicher Seite, dass dies auch in der chinesischen Presse ein Thema ist und die entsprechenden Fakten vom Staatsrat, dem höchsten Verwaltungsorgan der Volksrepublik, veröffentlicht und in internationalen Pressekonferenzen vorgestellt wurden, ist kein Thema, das von unseren Medienkorrespondenten in China aufgegriffen und bei uns berichtet wird.

Die TCM kann Covid 19 vorbeugen und behandeln, sie ist aber kein Mittel gegen das Virus. Wenn man diesen paradox klingenden Satz versteht, dann versteht man auch, was wir im Qigong machen und was wir mittels des Blogs zu erreichen suchen.

Die TCM bekämpft keine Krankheit, auch Qigong tut dies nicht. Die TCM reguliert, das heißt sie ordnet das Qi, bringt Zustände des Ungleichgewichts wieder ins Gleichgewicht, vermindert Zustände des Exzesses, stärkt bei Qi- oder Blut-Zuständen der Erschöpfung, senkt, was zu weit oben ist, hebt, was zu weit unten ist, kühlt, was zu heiß ist, wärmt, was zu kalt ist, trocknet, was zu feucht ist, befeuchtet, was zu trocken ist und so weiter und so fort. Das alles ist Regulation. Ein gesunder Organismus reguliert sich von selbst, das gesunde Qi reguliert sich von selbst. Der entscheidende Punkt ist: ein Organismus mit reguliertem Qi wird mit Krankheiten von selbst fertig. Man könnte dementsprechend sagen, dass das ganze unglaublich komplexe Gebäude der TCM, die gesamte chinesische Materia Medica, auch die nicht-medikamentösen Therapie-Modalitäten der TCM bis hin zu Qigong und Meditation, zeigen, wie die blockierte Selbstregulationsfähigkeit, sprich Selbstheilungsfähigkeit des Organismus deblockiert werden kann.

Auch wenn es nie so gesagt wird: Die TCM ist die Theorie der Fähigkeit zur Selbstregulation, zur Selbstheilung, welche also keinen schwammigen, esoterischen Begriff darstellt, sondern Ausdruck ist der funktionierenden Gesundheit, das heißt des geordneten Verhaltens eines funktionierenden Qi. Die TCM-Behandlungen von Covid 19 bekämpfen nicht das Virus, sondern sie verändern die innere Qi-Umgebung des Organismus derart, dass er mit dem Virus von selbst fertig werden kann. Wie ungemein erfolgreich dies ist, belegen die Zahlen aus China, auch wenn diese bei uns nicht einmal ignoriert werden.

Die Theorie der TCM ist keine naturwissenschaftliche Theorie. Dies ist sicher einer der Gründe, warum man sich mit ihnen nicht abgibt, und warum der TCM (ganz zu schweigen von Qigong) auch in China von wissenschaftlicher Seite große Skepsis bis Ablehnung entgegengebracht wird. Doch zu sagen, dass dies keine Wissenschaft ist, ist nur der Spiegel der eigenen Vorurteile. Es wäre vielmehr angebracht zu fragen, wie die so andere Wissenschaft der TCM funktioniert, die ein vollkommen rationales Wissensgebäude ist, mit klaren Diagnose-, Therapie- und Prognose-Modellen, die sich auch in der modernen Welt bewähren, wie man 2003 bei SARS sehen konnte und heuer bei der Covid 19-Pandemie, aber auch bei anderen Epidemien im modernen China, bei uns unbekannt, die durch die TCM erfolgreich beendet werden konnten.

Was wir also hier auf dem Blog machen: Sehr einfach, wir versuchen zu erklären, wie man mit einfachen Mitteln, die für jeden möglich und machbar sein sollen, das Qi effektiv regulieren und das Zheng-Qi stärken kann.

Fuzhen quxie 扶正祛邪 - das aufrechte Qi unterstützen, um pathogenes Qi abwehren bzw. loswerden zu können.

Dazu braucht es mehr als nur eine Zugangsweise. Die bewegten Qigong-Übungen sind eine davon. Jedes Üben heißt das Qi bewegen, und immer, wenn man das Qi bewegt, gibt man dem Qi die Möglichkeit, sich Richtung inBalance und Gleichgewicht zu entwickeln. Je mehr das Qi im Gleichgewicht ist, desto weniger Belastung für den Organismus, und desto weniger auch Belastung für das Qi selbst. Darüberhinaus gibt es die ruhigen Qigong-Übungen, also das Sitzen in Stille. Das Qi braucht nicht nur Bewegung, sondern auch Ruhe. Wenn das Qi erschöpft ist, muss es sich regenerieren können. Dies erfolgt durch den Schlaf, durch Rasten und Pausen, und am effektivsten, neben dem Tiefschlaf, durch die Versenkung in einen Zustand der tiefen inneren Stille. Durch das Sitzen in Stille, durch Zuwang 坐忘 Sitzen und Vergessen, wie es bei Zhuangzi heißt, durch Übungen der Stille, Jinggong 静功, wie diese Übungen von Chen Yingning bezeichnet wurden.

Dies ist auch im Zusammenhang mit Covid 19 wichtig. Das Virus ist ein feuchtes Pathogen (shi xie 湿邪), es gehört zur Kategorie der Wärme-Pestilenzen (wen yi 温疫) und attackiert Lunge und Milz, darum ist so wichtig, vor allem Qi-Zustände der Feuchtigkeit und im Weiteren der Hitze zu beheben. Aber das Tor für ein pathogenes Qi ist auch offen, wenn das Zheng-Qi 正气 (das aufrechte Qi) durch einen Zustand der Erschöpfung oder Leere (xu 虚 auf Chinesisch) geschwächt ist. Ruhiges Sitzen wirkt dieser pathologischen Leere entgegen, es hilft gegen die Erschöpfung des Qi.

Es braucht ein gewisses Verständnis, wie Nahrung und Lebensweise das Qi in seiner natürlichen Ordnung fördern bzw. wie sie das Qi durcheinanderbringen können. Darum Kerrys Food Medicine, darum die diätetischen Rezepte. Morgen oder übermorgen posten wir wieder eines. Ich habe den Satz schon einmal erwähnt: Yaoshi tongyuan 药食同源 Arznei und Nahrung haben de gleichen Ursprung. Die chinesische Diätetik ist hochentwickelt, mit ihrem Wissen um die Gesetzmäßigkeiten des Qi beruht sie auf denselben Prinzipien wie die TCM und Qigong. Kerry versucht mit ihren Rezepten allen einen möglichst einfachen, pragmatischen und praktikablen Zugang zu vermitteln.

Eine weitere Möglichkeit der Regulation bieten einfache Selbstbehandlungstechniken. Wir werden in der nächsten Zeit einige posten, Methoden, die man ohne viel Aufwand in den Alltag inkorporieren kann.

Und zu all dem praktischen Tun, dem Qigong-Üben, Meditieren, Essen, Massieren braucht es ein Verständnis dessen, was man tut und warum man es tut. Also mehr allgemeine, theoretische Texte, wie auch diesen hier.

Alles um - fuzhen quxie 扶正祛邪 - das aufrechte Qi zu unterstützen, um pathogenes Qi abwehren bzw. loswerden zu können.

Asian Medicine and COVID-19

Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift,   gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftlic...