Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Tuesday, May 5, 2020

Selbstmassage - Ba Xie 八邪

Mit diesem Posting beginnen wir einfache praktische Methoden der Selbstmassage zu zeigen. Einfache und doch sehr spezielle Methoden, die Kerry und ich ursprünglich bei unserer Lehrerin Jia Laoshi 贾老师 in Beijing gelernt haben. Wie ich inzwischen gesehen habe, wurden auch im Rahmen der Coronavirus-Pandemie Patienten in den Spitälern in dieser oder ähnlichen Methoden unterrichtet.

Jia Laoshi meinte, diese simplen Massagen seien Teil daoistischen Trainings, und erklärte, dass solche Techniken dazu verwendet werden, das Qi der inneren Organe zu stärken und den Körper vor allem auf die Methoden des stillen Sitzens vorzubereiten. Für Kerry und mich fühlte es sich damals etwas eigentümlich an, den langen Weg nach China zu machen und dann während unseres ganzen Aufenthalts in Beijing mit Jia Laoshi fast ausschließlich solche äußerst einfachen Methoden zu praktizieren. Aber sie bestand darauf und meinte, dass diese für den Fortschritt im Qigong unabdingbar seien.

Wie es so oft ist, man lernt etwas und obwohl es eigentlich einfach ist und kaum Zeit in Anspruch nimmt, praktiziert man es kaum. So ging es jedenfalls mir. Erst nach einer ziemlichen Zeit habe ich diese Übungen wieder aufgenommen. Als ich dann versucht habe, mehr darüber herauszufinden, habe ich bemerkt, dass ähnliche Übungen generell in China als Teil der Gesundheitsvorsorge unterrichtet werden und dass sie auch Teil des Übungs-Repertoires bekannter Qigong-Schulen sind. Frau Guo Lins Finger- und Handübungen gehören zum Beispiel dazu. Diese sind Frau Jias Übungen sehr ähnlich, manche von uns kennen diese inzwischen, in Innsbruck habe ich sie schon unterrichtet.

Die meisten der Übungen, die ich hier in der WhatsApp-Gruppe zeigen will, sind Massage-Übungen durch Klopfen. Theoretisch gibt es nicht viel zu verstehen, man tut die Dinge einfach. Es braucht keine spezielle Vorbereitung, man kann dabei sitzen oder stehen. Natürlich ist es besser, den Oberkörper aufrecht zu halten. Locker bleiben, und nicht zu viel Kraft verwenden.

Hier heute die erste Übung. Massiert (durch Klopfen) werden insgesamt acht Akupunkturpunkte, die außerhalb der Meridiane liegen. Die Punkte heißen Ba Xie 八邪 - Die Acht Übel. Xie 邪 - Übel steht für Xieqi 邪气 krankheitsverursachendes Qi. Durch Massage der Punkte kann Xieqi aus dem Körper befördert werden. Konkret: Hitze wird geklärt, toxisches Qi, Wind, pathogenes Qi werden beseitigt, Schmerzen werden gelindert. (Toxisch, pathogen, Wind, Hitze, all dies sind keine Alltags- sondern TCM-Begriffe.) Auf konkrete Symptome, die durch diese Punkte behandelt werden, brauchen wir hier nicht einzugehen, unser Ansatz ist hier nicht therapeutisch, sondern die Punkte zu Regulation und Prävention einzusetzen und auch zur Unterstützung der Qigong-Praxis.


Die Punkte liegen zwischen den Knöcheln am Handrücken, wenn man eine lockere Faust macht, findet man sie am Übergang zwischen rotem und weißem Fleisch.

Die Massage erfolgt, indem man die Finger spreizt und die Hände mit verschränkten Fingern gegeneinander klopft. Nicht zu sanft klopfen, aber auch nicht zu hart, so, dass man den Impuls deutlich spürt.


Durch das Verschränken der Finger erreicht man 6 der acht Ba-Xie-Punkte, die restlichen zwei (zwischen Daumen und Zeigefinger) massiert man mit derselben Methode, indem man den Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger (hukou 虎口auf Chinesisch - Tigermaul) gegeneinander klopft.

Man schlägt mit den Händen 36x gegeneinander, oder 50x oder 100x. Die genaue Zahl ist nicht so wichtig

Das ist alles. Sehr simpel, sehr effektiv, man kann das einmal im Tag oder öfter machen, wann immer es einem einfällt. Wie immer, je regelmäßiger, desto besser.

Massage der Ba-Xie-Punkte - Video:




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Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift,   gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftlic...