Eine Frage, die mir gestern gestellt wurde, hat mich zu diesen paar Bemerkungen über ein Bewegungsdetail unserer Heilenden-Laut-Übungen motiviert.
Es geht um die Fäuste, die für einen kurzen Moment gemacht werden, während man einatmet und die Hände zu den Hüften bringt.
Die Fäuste werden nämlich so geformt, dass die Daumen innen sind und locker von den anderen Fingern umschlossen werden. Für einen kurzen Moment. (In den ersten Videos war mir die Situation beim Filmen neu, und ich musste mich auf zu viele Dinge konzentrieren, die mit dem Qigong selbst nichts zu tun hatten, dementsprechend war ich abgelenkt und habe manchmal vergessen, die Daumen zu umgreifen.)
Diese Handhaltung heißt wogu 握固 - Greifen und Festigen und stellt eine sehr alte, oft verwendete daoistische Gesundheitsmethode dar.
Schon im Daodejing des Laozi wird die Handhaltung erwähnt. Dort heißt es vom Neugeborenen: Seine Knochen sind wohl schwach und seine Sehnen weich, doch vermag es fest zu greifen (wogu).
Ge Hong, berühmter Daoist der Jin-Dynastie, beschreibt in seinem Werk Baopuzi (Der den unbehauenen Block umarmende Meister) die Methode des "Festen Greifens und des Bewahrens des Einen - wogu shouyi 握固守一".
Chao Yuanfang, Hofarzt der Sui-Dynastie, erwähnt die Handhaltung im Zhubing Yuanhoulun (Diskussion von Ursprung und Symptomen der Krankheiten): "Die Hände fest halten wie die eines Babys und das Qi nicht entkommen lassen."
Das Greifen kann unser aufrechtes Qi stärken, sodass es pathogenem Qi von außen widerstehen kann. "Gibt es das aufrechte Qi im Inneren, kann pathogenes Qi nicht eindringen", heißt es im Inneren Klassiker des Gelben Kaisers.
Auch im heutigen Qigong wird diese Methode noch verwendet und hochgeschätzt, da sie einfach und sehr effektiv ist:
Auch wenn man draußen unterwegs, bei kaltem, feuchten nebligem Wetter, kann man die Fäuste schließen, um das Zheng-Qi (das aufrechte Qi) zu schützen, oder auch in einer Umgebung, in der man potentiell Krankheitserregern ausgesetzt ist.
Die Handhaltung festigt und schützt Nieren-Qi, Nieren-Jing und Nieren-Wasser, sie nährt das Yin, senkt das Feuer, und sorgt für bessere Zirkulation von Qi und Blut. Das Yang-Jing wird gestärkt, darum kann man auch in kaltem Winterwetter mittels „Greifens und Festigens“ die Füße wärmen.
Es ist die Fülle des Leber-Qi, die dem neugeborenen Baby ermöglicht, weich zu sein und doch einen festen Griff zu haben. Leber und Niere haben in der Chinesischen Medizin „denselben Ursprung“, darum kann diese spezielle Faust sowohl beruhigen (was mit den psychischen Qi-Funktionen von Lunge und Leber zu tun hat) als auch die Nieren stärken.