Aus dem Buch Xunzi 荀子 (Meister Xun - 3. Jh. v. Chr.)
Konfuzius 孔子 betrachtete einmal einen ostwärts fließenden Strom. Zigong 子貢 wandte sich an Konfuzius und fragte: "Warum fühlt der Edler, wenn er einen großen Fluss sieht, die Notwendigkeit, ihn zu betrachten*?"
Konfuzius antwortete: "Ach! Wasser - überall versorgt es alle Lebewesen überall, aber es handelt nicht; darin gleicht es der Tugend. Sein Strömen geht in Richtung des Niedrigen und Tiefen, ob gewunden oder gerade, folgt es diesem Prinzip; darin gleicht es der Gerechtigkeit.
Sein rauschendes Strömen wird nie vermindert oder erschöpft: darin ähnelt es dem Weg. Schafft man ihm eine Öffnung durchzufließen, antwortet es darauf wie ein hallendes Echo und rauscht furchtlos durch hundert Faden tiefe Abgründe; darin ist es wie Mut.
Fließt es in ein Becken, wird es sicher einen ebenen, ausgewogenen Zustand erreichen; darin gleicht es den Vorbildern.
Es füllt aus, ohne einen Nivellierstab zu brauchen; darin gleicht es dem Aufrechten.
Weich und anpassungsfähig dringt es in das Feinste ein; darin gleicht es dem Urteilen.
Alles was in es hineingeht und herauskommt, wird erneuert und gereinigt; darin gleicht es der verwandelnden Kraft des Guten.
Windet und wendet es sich auch zehntausend Male, es wird mit Sicherheit nach Osten fließen**; darin gleicht es dem Willen.
Darum wird der Edle, wenn er einen großen Strom sieht, ihn sicher betrachten.
*wie im Deutschen hier im Doppelsinn: anschauen und Betrachtungen anstellen
**alle Flüsse in Zentral-China fließen nach Osten
Dieses traditionelle Guqin-Stück heißt Liushui 流水 – Fließendes Wasser.
In dieser Aufnahme von Guan Pinghu 管平湖, einem der wichtigsten Guqin-Künstler des letzten Jahrhunderts, ist Liushui 流水 seit 1977 auf der Voyager-Raumsonde in die Tiefen des interstellaren Raums unterwegs.