Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Tuesday, June 2, 2020

Das Kraut gegen Covid-19

Mir wurde dieser Artikel aus der Wiener Zeitung von Ende April zugeschickt, ein Artikel, der mir entgangen war. Immerhin, ein positiver Bericht über die kombinierte Therapie von Covid-19 mittels westlicher und chinesischer Medizin. Die zwei Links im Bericht hänge ich unten auch noch extra an, wer sich diese zwei Artikel durchlesen oder überfliegen möchte, kriegt auch als Nicht-Spezialist einen besseren Eindruck, wie von Seiten der chinesischen Medizin bei Covid-19 vorgegangen wurde und wird.


Trotzdem hinterlässt der Artikel bei mir gemischte Gefühle.  Der erste Teil, in dem die bessere Wirksamkeit der Covid-Therapie bei einer Verbindung von westliche und chinesischer Medizin beschrieben wird, ist gut, und es ist auch gut, dass da zwei weiterführende Links angeboten werden.

Der zweite Teil bezüglich der Forschung nach natürlichen antiviralen Wirkstoffen stellt inhaltlich einen Bruch dar und gehört eigentlich nicht in den Artikel hinein. Auch wenn es vielleicht nicht so intendiert ist, wird das weitverbreitete Missverständnis bezüglich der chinesischen Phytotherapie gefördert, dass es um die chemischen Inhaltsstoffe der Pflanzen gehe.

Chinesische Kräuterrezepturen können jedoch so nicht verstanden werden. Eine Kräuterrezeptur kann nur aufgrund einer TCM-Diagnose (also einer Qi-Diagnose) erstellt und nur in Qi-Begriffen verstanden werden. Eine Rezeptur wird nicht über die chemischen Inhaltsstoffe definiert, sondern es geht um die Qi-Aktion der Kräuter, also darum, welche Qi-Eigenschaften sie haben, was sie im Organismus bewirken, wie sich ihre Qi-Eigenschaften synergistisch mit denen anderer Kräuter verbinden, auf welchen Qi-Bahnen (Meridianen) das Qi der verwendeten Kräuter in den Körper eintritt etc. etc. 

Eine Rezeptur besteht immer aus mehreren Kräutern, die hierarchisch angeordnet werden. Manche der Kräuter "regieren" die Rezeptur, manche dienen als "Bote", um also den Effekt an einen bestimmten Ort im Körper zu bringen, manche dienen der Modifikation des Haupteffekts, manche dienen der Harmonisierung der Rezeptur usw. Auch macht es bei gleicher chemischer Zusammensetzung einen Unterschied, welchen Teil der Pflanze man verwendet. Und noch vieles mehr... 

Eine Kräuterrezeptur manipuliert das Qi, aufgrund des medizinischen Verständnisses, welche Regulierung bei einem Patienten nötig ist, um den Organismus wieder zu einem harmonischen Qi-Geschehen zurückzuführen. Das heißt auch, dass bei der gleichen Krankheit je nach Patient unterschiedlich behandelt werden muss, zum Haareraufen für diejenigen, die auf kontrollierten Doppelblindversuchen zum Wirksamkeitsnachweis einer bestimmten Therapie bestehen.  

Die chinesische Kräutertherapie ist ungemein schwierig und komplex, und sie anzuwenden braucht ein tiefgehendes Verständnis der TCM, ausreichende Praxis und vor allem die Fähigkeit, zu diagnostizieren, also die korrekte TCM-Diagnose erstellen zu können. Ohne Diagnose ist keine Therapie möglich.

Darum meine Bemerkung, dass der zweite Teil eigentlich nicht in den Artikel hineingehört. Er stellt einen Bruch im Bericht dar, und zeigt leider die grundlegenden Missverständnisse auf, die bezüglich der TCM existieren. Für mich in vieler Hinsicht auch nachvollziehbar. Die Wissenschaft des Qi (und eine solche haben die Chinesen) stellt unser Wissenschaftsverständnis doch vor große Herausforderungen.

Hier noch extra die beiden Links:

How COVID-19 (2019-nCoV) is Currently Treated in China with TCM

Treatment efficacy analysis of traditional Chinese medicine for novel coronavirus pneumonia (COVID-19): an empirical study from Wuhan, Hubei Province, China

Asian Medicine and COVID-19

Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift,   gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftlic...