Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Friday, June 26, 2020

Letztes Posting: Übung zur Stärkung des Körpers im Kampf gegen die Epidemie


Dies ist der letzte Tag unserer Jia You! - Initiative, wir schließen sie mit einem Video ab. Ich hatte schon viel früher vor, dieses Video zu posten, konnte es aber nur im chinesischen Netz finden und wollte niemandem das Navigieren durch Seiten voller chinesischer Schriftzeichen zumuten. Doch neulich habe ich entdeckt, dass das Video inzwischen auch auf Youtube hochgeladen wurde und damit leicht zugänglich ist.





Dies ist der letzte Tag unserer Initiative, wir schließen sie mit einem Video ab. Ich hatte schon viel früher vor, dieses Video zu posten, konnte es aber nur im chinesischen Netz finden und wollte niemandem das Navigieren durch Seiten voller chinesischer Schriftzeichen zumuten. Doch neulich habe ich entdeckt, dass das Video inzwischen auch auf Youtube hochgeladen wurde und damit leicht zugänglich ist.

Im Video wird eine Qigong-Methode vorgeführt, die ‚Übung zur Stärkung des Körpers im Kampf gegen die Epidemie‘ kangyi qiangsheng gong 抗疫强身功, welche vom Team um Prof. Fang Min 房敏 an der Universität für Traditionelle Chinesische Medizin Shanghai speziell für die Covid-19-Pandemie entwickelt wurde. Vielleicht erinnern sich manche an Prof. Fang Min, ich hatte ihn schon in einem früheren Beitrag über die nicht-medikamentösen Therapiemodalitäten der TCM erwähnt und ihn mit dieser Aussage zitiert:

"Obwohl traditionelle chinesische Übungen die Übertragungswege des neuen Coronavirus nicht blockieren und eine durch das Neue Coronavirus ausgelöste Lungenentzündung alleine nicht wirksam behandeln können, kann ihre aktive Anwendung auf der Grundlage herkömmlicher Behandlungen die kardio-pulmonale Funktion von Patienten verbessern, zur Förderung der Lebensqualität und der Immunregulierung beitragen sowie einen positiven Einfluss auf die psychische Gestimmtheit von Patienten ausüben, bei gleichzeitiger positiver Wirkung auf Prävention, Behandlung und Rehabilitation von Grunderkrankungen…

… Wir glauben, dass die nicht-medikamentösen Therapiemodalitäten der traditionellen chinesischen Medizin so früh wie möglich bei Prävention, Behandlung und Rehabilitation der Covid 19-Pneumonien angewendet werden sollten, um ihre synergistischen Eigenschaften und Vorteile voll auszuschöpfen, als hilfreicher Beitrag zur Seuchenbekämpfung gemeinsam mit der westlichen Medizin."

In der Übung zur Stärkung des Körpers im Kampf gegen die Epidemie werden unter anderen Elemente aus dem Yijingjing 易筋经, den Heilenden Lauten 六字诀, dem Shaolin Qigong 少林内功 und dem Taijiquan 太极拳 kombiniert, um das Zheng-Qi 正气 und die Körperkonstitution zu stärken, die Funktionen von Herz und Lungen zu verbessern, die Muskeln zu kräftigen, die inneren Organe zu regulieren sowie psychologische Unterstützung zu bieten.

Die Ausführenden im Video sind Prof. Fang Lei 方磊, Prof. Yao Pei 姚斐 und Dr. Sun Pingping 孙萍萍.

Auf vielen der Videoclips aus denjenigen chinesischen Spitälern, in denen die TCM zum Einsatz kam, erkennt man dieses Video auf Bildschirmen im Hintergrund. Es wurde überall in China verbreitet und zu Therapie und Vorbeugung verwendet. Die Methode richtet sich in erster Linie an Covid-19-Patienten mit einer Lungenentzündung leichten und normalen Verlaufs, an Patienten, die nach einer Covid-Infektion aus dem Krankenhaus entlassen wurden und an alle, die zuhause Vorbeugung betreiben wollen.

Das Video ist gut gemacht, auch ohne Sprachkenntnisse kann man mitüben. Es werden zwar in einem durch Instruktionen auf Chinesisch gegeben, die beschreiben aber eben genau die Bewegungsabläufe, die man sieht. Und keine Sorge, dies ist eine vollkommen sichere Methode, man kann nichts falsch machen. Selbst wenn man etwas missversteht, wird das Üben immer noch eine gute Wirkung haben. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, werde ich diese Methode in der Zukunft ohnehin einmal in allen Details durchbesprechen.

Wir posten dieses Video nicht, um zu den Übungen, wie wir in den letzten Monaten behandelt haben, noch eine weitere hinzuzufügen. Natürlich kann jeder, der Interesse hat, auch diese Übung zu seinem Übungsrepertoire hinzufügen. Und jeder, der eine gewisse Erfahrung mit Qigong hat, wird sich leicht damit zurechtfinden. Mir geht es vielmehr darum, zu zeigen, dass die Prinzipien, auf der diese Vorbeugungs- und Behandlungsmethode beruht, auch den Methoden zugrundeliegt, die wir in den letzten Monaten verwendet haben.

Das Grundprinzip ist: fuzheng quxie 扶正祛邪. Das aufrechte Qi unterstützen, um pathogenes Qi abwehren bzw. loswerden zu können. Dies geschieht durch die im Video gezeigte Methode, durch die Übungen, die wir vorgestellt haben (die Heilenden Laute, die Massagen, die Yuanminggong-Übungen) und auch durch andere traditionelle Qigong-Übungen. Darum habe ich schon ganz zu Beginn gemeint: jede Qigong-Übung, mit der man sich wohlfühlt und die man darum regelmäßig praktizieren kann, ist die richtige. Wichtig ist die regelmäßige Praxis, der regelmäßig wiederkehrende Regulationsimpuls ist es, der die notwendigen Veränderungen im Qi-Gefüge herbeiführt.

Ich betone hier noch einmal: Qigong und TCM bekämpfen keine Krankheit. Sie regulieren, das heißt sie ordnen das Qi, bringen Zustände des Ungleichgewichts wieder ins Gleichgewicht, vermindern Zustände des Exzesses, stärken bei Zuständen der Erschöpfung von Qi und Blut , senken, was zu weit oben ist, heben, was zu weit unten ist, kühlen, was zu heiß, wärmen, was zu kalt, trocknen, was zu feucht und befeuchten, was zu trocken ist. Das alles ist Regulation. Jede gute Qigong-Übung macht genau dies: sie fördert und unterstützt die Regulation.

Ein gesunder Organismus reguliert sich von selbst, das gesunde Qi reguliert sich von selbst. Ein Organismus mit reguliertem Qi wird mit Krankheiten von selbst fertig. Das wäre der Idealzustand, doch oft ist die Selbstregulation, aus unterschiedlichen Gründen, blockiert. Darum braucht es dann die Intervention durch TCM, Qigong und Meditation. Diese sind Methoden, diese Fähigkeit des Organismus zu Selbstregulation und Selbstheilung wieder herzustellen.

Gesundheit und Heilung basieren auf der Selbstregulation, die wiederum auf dem starken Zheng-Qi beruht, dem geordneten Verhaltens eines starken, gut funktionierenden Qi. Diesen simplen Satz haben wir in den vergangenen Monaten von verschiedenen Seiten zu beleuchten, zu erklären und in Methoden zu übertragen versucht:

- In bewegte Qigong-Übungen. Diese sind vor allem dazu da, das Qi zu bewegen, damit sich das Qi harmonisch und ausgeglichen entwickelt. Je besser das Gleichgewicht des Qi, desto besser die Regulation und desto stabiler die Gesundheit.

- In ruhige Qigong-Übungen, das Sitzen in Stille. Das Qi muss sich regenerieren können, durch Schlaf, Rasten und Pausen, und auch durch das stille Sitzen. Ein pathogenes Qi kann das Zheng-Qi überwältigen, wenn man durch Müdigkeit und Erschöpfung geschwächt ist. Ruhiges Sitzen wirkt dem entgegen und hilft, das erschöpfte Qi zu regenerieren.

- Durch gezielte Massagen. Die Massagen, die wir gezeigt haben, konzentrieren sich vor allem auf den Lungenmeridian und/oder dienen der Behebung von Qi-Zuständen der Hitze und Feuchtigkeit, die einen anfälliger für das Virus machen, und helfen der Zirkulation des Abwehr-Qi.

- Durch diätetische Hinweise. Diese sind wichtig, weil man gezielt den Qi-Eigenschaften des Virus entgegenwirken kann. Das Virus ist ein feuchtes Pathogen, es gehört zur Kategorie der Wärme-Epidemien und attackiert Lunge und Milz. Darum ist es so wichtig, falls das eigene Qi zu Feuchtigkeit und Hitze tendiert, dem entgegenzuwirken. Dies kann durch die Übungen und Massagen geschehen, aber sehr wirksam eben auch durch die Diätetik. Diätetische Prinzipien umzusetzen, ist nicht leicht, wir hoffen, dabei im Bereich des Simplen und Praktikablen geblieben zu sein.

- Durch theoretische Erklärungen. Qigong kann man ohne Theorie üben, keine Frage. Allerdings hilft das theoretische Verständnis der Praxis, sogar sehr. Man kann es ja langsam angehen. Wenn man sich unsere verschiedenen Ausführungen zur Qigong- und TCM-Theorie hin und wieder durchliest, wird man allmählich besser zu verstehen beginnen, was es heißt, in Qi-Begriffen zu denken und das eigene Verständnis von Qi zur praktischen Anwendung zu bringen.

Ich hoffe, dass die Inhalte, die wir gepostet haben, hilfreich waren und sein werden. Den Blog werde ich auch noch längere Zeit im Netz lassen. Die Pandemie ist ja noch nicht zu Ende, mit dem Virus werden wir vermutlich noch lange leben müssen, da möchten wir die Inhalte noch länger zugänglich lassen. Irgendwann werde ich den Blog dann an eine andere Adresse übersiedeln.

Wie es im Herbst wird, werden wir sehen. Hoffentlich können Qigong-Stunden und -Seminare ganz normal „analog“ stattfinden, wenn notwendig, gehen wir mit Qigong aber wieder online, vielleicht mit Live-Qigong-Übungsstunden (diesmal war mir dies aufgrund technischer Probleme nicht möglich).

Der Youtube-Kanal bleibt, und ich habe vor, dort auch weiterhin Videos zu veröffentlichen. Nicht mehr so regelmäßig, doch immer wieder.

Allen, die uns und unsere Initiative unterstützt haben, möchten Kerry und ich unseren herzlichsten Dank aussprechen. Wir wünschen allen Gesundheit und einen - trotz allem - schönen Sommer!


Hier sind Kerrys abschließende Bemerkungen:

As Árpád and I come to the end of our initial “Jiayou!” Project to support our qigong community of students, TCM practitioners, nurses, doctors, friends, and family during these first months of the Covid-19 pandemic, I would like to say a few words to help consolidate and clarify what this initiative has, and will continue to provide all of us.

Whether you followed all the way through, read and tried all the methods, advice, recipes, poems, philosophy, TCM explanations, art, and music is not the point (although, hopefully you did dip your toes into the “well of qi” at the heart of our project!). Our, and your intentions have more effect on the qi and a better quality of life than you might think. Where you direct your gaze can define the scope of your life; it can be either limited and partitioned or expansive and integrated, become tighter and feel more burdensome or become untangled, looser and feel lighter. It takes no explanation to get the gist of what might be a more nourishing, more comfortable, more natural and inclusive gaze. That is the reality of health, of directing the gaze first inward, in order to realign and open the flow of qi in the body, and then engaging outwardly with all of life in a more harmonious, easy way.

None of us could ever really know what the next seconds of life brings, let alone the next years. The pandemic has brought this into focus, grabbed our attention in ways that none of the other man-made warnings of social, political, and climatic upheavals of the last decades have done. During the initial protective phase of isolation, of staying at home, and of caring for others while protecting ourselves by literally keeping our breath, its moisture and its potential as a carrier of life and death to ourselves, masking the gateways and thoroughfares of mouth and nose, we had no choice but to become still. As the curtains of containment lowered, our almost constant gaze outward to what was our “normal” lives of working, socializing, shopping, travelling, etc, naturally took a turn.

The transition of this abrupt change of focus was an important part of the Jiayou Project - using qigong as a way to regulate the body, breath and mind, to look inward, past the arising confusion of uncertainties and fears, to feel connected with what is essential. In terms of Chinese medicine, this is how you protect your health from the ravages of “normal” life, live to your potential, and age with grace.

The pandemic means our vulnerabilities are exposed, and we all have to balance that with trying to move forward, to be able to work, provide a living and enter into community life with the energy and creativity needed to adapt. In a broader sense, this is what everything we have put together for the Jiayou group is in aid of; it is a support to nourish life, what the Chinese call Yangsheng. Having the intention to nourish life is the beginning, and it directs the qi in a positive way. Giving body to those intentions is the physical practice of qigong, and will keep your health regulated, no matter what the next seconds, months or years bring us!

Best wishes to you all. We will certainly pick up the thread of our intentions and teach more in the future.

Letztes Posting: Übung zur Stärkung des Körpers im Kampf gegen die Epidemie

Dies ist der letzte Tag unserer Jia You! - Initiative, wir schließen sie mit einem Video ab. Ich hatte schon viel früher vor, dieses Vide...