Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Thursday, June 4, 2020

Tiaoxi 调息 - Regulation des Atems

Der Schlüssel zur Integration von Körper und Geist, zum bewussten Erreichen eines Zustands tiefer Entspannung und zur Förderung eines stärkeren Qi-Flusses im Körper ist die Regulierung der Atmung.

Die meisten Qigong-Methoden betonen die „natürliche Atmung“. Dies bedeutet, dass man mit dem Atem auf natürliche Weise umgeht, ihn also nicht hemmt oder zwingt, komplizierte Techniken anwendet oder ihn auf irgendeine Weise leitet. Es bedeutet jedoch nicht, den Atem zu ignorieren.

Der natürliche Atem ahmt den Atem eines Baby im Schlaf nach. Beim Einatmen ist der Körper entspannt, der Bauch steigt, wenn die Luft einströmt. Beim Ausatmen bleibt der Körper entspannt und der Bauch fällt. 

Früh schon im Leben, ab dem Zeitpunkt, an dem wir lernen zu gehen, beginnt sich die Atmung zu ändern - sie wird flacher, drückt nach oben, füllt die Brust und beschränkt sich oft nur auf den oberen Brustraum. Alltagsaktivitäten wie das Arbeiten am Computer, telefonieren, sich auf Aufgaben konzentrieren, die Wohnung putzen, selbst physisches Training - all dies und mehr kann dazu führen, dass man den Atem anhält, zu flach atmet, einen unregelmäßigen Atemrhythmus entwickelt, den Hals oder die Schultern zu fest hält, den Bauch verspannt usw.

Wenn beim Üben von Qigong Spannungen im Körper auftreten, oder wenn man sich anstrengt, dann ändert sich die Atmung, auch bei geistiger Anspannung oder bei emotionalen Reaktionen ändert sich die Atmung. Regelmäßiges Seufzen und Gähnen sind dann die Mechanismen des Körpers, um Emotionen, Körper und Atem zu regulieren. Es ist normal und ein gutes Zeichen, wenn solche Reaktionen des Körpers während des Übens (oft ist es am Anfang des Übens) auftreten, sie zeigen, dass der Körper beginnt, sich zu regulieren.

Wenn man die Heilenden Laute übt, versucht man einen Atem zu entwickeln, der leise ist, glatt und so fein, dass man ihn nicht hört. Der Atemrhythmus bei den Übungen der Heilenden Laute, so wie wir sie üben, ist: 

Einatmen durch die Nase, Ausatmen durch die Nase, Einatmen durch die Nase, Ausatmen durch den Mund, während man sich den Laut vorstellt. Dann folgen noch einmal Einatmen und Ausatmen durch die Nase.

Bei jedem Laut sollte sich die Atmung natürlich anfühlen, man sollte keine Spannung und keinen Widerstand spüren. Man bemüht sich nicht und strengt sich nicht an. Man konzentriert sich auf den Atem - auf sehr entspannte Weise (keine starke Konzentration!) - und koordiniert ihn mit den Bewegungen. Im Verlauf der Zeit wird es einem mehr und mehr gelingen, den eigenen Rhythmus zu finden, einen angenehmen Rhythmus, von dem man sich leiten lassen kann, während man langsam die Bewegungen ausführt. 

Bei Methoden wie den Heilenden Lauten ist es wichtig, sich die Zeit zu geben, die eigene Übungspraxis zu entwicklen, solange, bis man schließlich fähig wird, in einem langsamen Rhythmus mittels langer, feiner, frei fließender, ruhiger Atemzüge zu atmen. Ist man einmal dort angelangt, dann hat man sehr viel verwirklicht, was die mögliche Integration von Körper, Geist und Atem betrifft.

Beim Lernen und Üben der Heilenden Laute (und auch jeder anderen Qigong-Methode) orientiert man sich an den drei Grundprinzipien. Bevor man zu üben beginnt, gibt man sich als Vorbereitung ein paar Minuten, um den Körper (die Haltung), den Atem und den Geist (die Gedanken) regulieren, und versucht diese drei Regulierungen auch während des folgenden Übens nicht zu vergessen.

Das heißt, dass man Bewegungen nicht einfach nur mechanisch ausführt. Man führt einen Bewegungsablauf aus und reguliert dann wieder (macht eine Pause, entspannt sich, beruhigt den Atem, stillt die Gedanken). Dann fährt man mit dem nächsten Teil der Bewegungen fort. Merkt man beispielsweise beim Üben, dass Spannungen entstehen, oder hat man das Gefühl, dass die Übung zu anstrengend wird, dann hält man einfach inne und wartet, bis die Atmung wieder ganz natürlich ist. Dann macht man mit dem Üben weiter. Man versucht also immer wieder loszulassen, den Geist zu beruhigen und still zu werden. Solcherart lernt man, wie man sich tiefer und tiefer in den Qigong-Zustand versenken und damit die Wirksamkeit der Übungen verbessern kann.

Bei den drei Prinzipien ist die Entspannung ist der entscheidende Punkt. Es ist wichtig vor dem Üben locker zu sein und entspannt, und im Folgenden während des gesamten Übungsablaufs. Und man wird herausfinden, dass die drei Regulierungen - des Körpers, des Geistes und des Atems - eigentlich immer gleichzeitig auftreten. Es ist nicht möglich, den Körper ganz zu entspannen, ohne dass nicht auch der Geist zur Ruhe kommt und der Atem zu einem natürlicheren Kommen und Gehen findet.

Wenn man sich nicht anstrengt, dann arbeiten Körper, Atem und Geist in einem Zustand der Tiefenentspannung zusammen, der als „Qigong-Zustand“ bezeichnet wird. Das in diesem Zustand geschaffene Muster gesunder Selbstintegration trägt einen durch den Tag. Man fühlt sich körperlich besser, der Geist kann klar bleiben und konzentriert, das Atmen fällt leichter und wirkt vitalisierender. Dieses Muster entwickelt sich mit der Zeit zu einer Norm, zur Norm eines stabilen Gleichgewichts, welches dem gesunden Funktionieren des Körpers zugrunde liegt (d.h. das Qi funktioniert auf geordnete, natürliche Art und Weise) und das während des gesamten Lebens auch die eigene Kreativität inspirieren und motivieren wird.

Asian Medicine and COVID-19

Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift,   gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftlic...