Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Friday, March 19, 2021

Qigong, Taiji und die Entspannungsantwort des Körpers

Heute vor einem Jahr haben wir mit dem Studio der weißen Wolken-Blog begonnen, nicht ahnend, dass die Pandemie ein Jahr später nicht nur nicht zu Ende, sondern alles noch schlimmer sein würde.

Darum ist der Blog auch so gewachsen, mit dem heutigen sind es 151 Postings, nie hätte ich gedacht, dass es so viel werden würde. Es hat sich halt so ergeben. Ich hoffe jedenfalls, dass unsere Arbeit, die wir bis auf Weiteres fortsetzen werden, in diesen schwierigen Zeiten Hilfe und Unterstützung bieten kann, und ich hoffe auch, dass die verschiedenen Beiträge nicht nur Ersatz waren für die verunmöglichten Wochen- und Wochenendkurse und die Seminare auf dem Ritten, sondern darüber hinaus auch zu vermitteln vermochten, was man an Qigong und TCM hat bzw. haben könnte, dass Methoden, die bei uns oft ins esoterische Eck abgedrängt, belächelt oder sogar angefeindet und, was die Bewältigung der Covid-Pandemie betrifft, von offizieller Seite nicht einmal ignoriert geschweige denn genutzt werden, tatsächlich ernstzunehmende und wirksame Verfahren der Prävention, Therapie und Rehabilitation darstellen.

Es handelt sich bei der chinesischen Medizin um eine Wissenschaft, die einzige Wissenschaft, die sich außerhalb der indogermanischen Sprachfamilie entwickelt hat. Von Prof. Manfred Porkert schon vor Jahrzehnten detailliert geschildert, basiert sie auf einer unserer Wissenschaft diametral entgegensetzten Sichtweise auf die Wirklichkeit, da sie nicht reduktionistisch, mittels Deduktion und Analyse, sondern mittels Induktion und Synthese operiert. Das ist sicher einer der Gründe dafür, dass sie nicht als Wissenschaft wahrgenommen wird, obwohl sie sehr wohl die an eine Wissenschaft gestellten Anforderungen erfüllt. Sie besitzt eine zusammenhängende, leistungsfähige Theorie, ist empirisch und rational, arbeitet mit genauen Beobachtungen, und ist fähig, gleich wie die westliche Schulmedizin, anhand klarer Kriterien eine Diagnose zu erstellen, aus der sich die Therapie ergibt und die Prognose des Krankheitsverlauf abgeleitet wird. Da sich der Blick der TCM jedoch nicht wie der der westlichen Medizin auf anatomische und somatische Zusammenhänge richtet, sondern auf die Beziehungen innerhalb eines Systems, auf das Funktionieren des Zusammenhangs, als Ganzes und in seinen Teilen, auf die Dynamik des Lebendigen (die diversen Körperenergien), auf das geistig-psychisch-körperliche Zusammenspiel, und da all dies - Beziehungen, Funktionen, Dynamik, der Fluss der Energie, der Fluss der Information, die Geist-Körper-Interaktion - in einer uns fremd und unzugänglich erscheinenden Terminologie beschrieben wird, wird sie nicht ernst genommen oder als Proto-Wissenschaft abgetan.

Qigong teilt die theoretischen Grundlagen der TCM, und erweitert diese sogar, was das Zusammenspiel von Geist, Psyche und Körper betrifft. Dabei bleibt Qigong ebenfalls vollkommen rational, ist fern jeder Esoterik, auch wenn manche durch das Üben von Qigong ausgelösten Erfahrungen durchaus den Bereich wissenschaftlicher Beschreibung überschreiten und Dimensionen berühren können, die man gemeinhin als geistig, spirituell oder numinos bezeichnet.

Mehr dazu ein anderes Mal. Ich möchte heute, als Brücke zu dieser anderen Weltsicht und Wissenschaft der Chinesen, einen Link zu einem kurzen Vortrag (auf Englisch) auf den Blog stellen, den Dr. Herbert Benson, einer der Pioniere der Mind-Body-Medizin im Westen vor Jahren anlässlich der Publikation eines seiner Bücher im Harvard Bookstore gehalten hat. Als Brücke zu diesem Denken unter anderem auch deshalb, weil unser Lehrer Prof. Lin Zhongpeng vom Qigong College for Advanced Studies in Beijing sich von Anfang an sehr interessiert an der Arbeit von Dr. Benson gezeigt, den Austausch mit ihm gesucht und bestimmte wichtige Parallelen zu Qigong erkannt hatte.

Dr. Benson wurde bekannt durch seine Entdeckung des Entspannungsreflexes, der durch stete Wiederholung eines beliebigen Reizes ausgelöst wird, eine damals in den 1960er-Jahren umstrittene und inzwischen vollkommen akzeptierte Entdeckung. In seinem kurzen Vortrag spricht Dr. Benson über diese Entdeckung und seine Folgearbeit, in der er zeigen konnte, dass sich der Entspannungsreflex bis auf die Ebene der Aktivität der Gene auswirkt (nicht auf die Gene selbst, sondern ihre Aktivität) und damit Stress, Entzündungen und vorzeitigem Zelltod entgegenwirken kann. Und er spricht in seinem Vortrag als Mediziner und Wissenschaftler aus, dass die kartesianische Spaltung in Körper und Geist keine Gültigkeit mehr hat, eine Spaltung, die im chinesischen Denken und damit auch in TCM und Qigong nie existiert hat.

Hier ist der Vortrag, dass es Bezüge zu Qigong oder Taiji gibt, ist offensichtlich, wie weit diese Bezüge gehen, darüber ist es wert, nachzudenken..

Der Vortrag ist wie gesagt auf Englisch, ihn noch zusätzlich zu übersetzen, ginge über meine Kräfte.


Das Kleine geht hin, das Große kommt her - Ein Übungsvideo

Der Friede: Das Kleine geht hin, das Große kommt her. Heil! Gelingen! Auf diese Weise vereinigen sich Himmel und Erde, und alle Wesen kommen...