Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Monday, June 21, 2021

Sommersonnenwende - eine spezielle Qigong-Übung

Heute am frühen Morgen war die Sommersonnenwende, der Zeitpunkt im Jahr, an dem das Yang-Qi kulminiert und das Yin wieder zu wachsen beginnt. Auch für diesen Zeitpunkt- bzw. diese Zeitperiode gibt es eine Daoyin-Übung.

Zur Zeit der größten Ausdehnung des Yang ist es wichtig, das Qi des Herzens zu pflegen. Dies kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen, durch ausreichend Rast und Schlaf, durch die Ernährung, durch Stimulation bestimmter Akupunkturpunkte, durch ruhiges Sitzen und eben durch die Übung, die ich hier zeige.

Die Hände sind dem Herzen und der Phase Feuer zugeordnet, die Füße den Nieren und der Phase Wasser. Ist die Qi-Beziehung von Herz und Nieren geordnet, dann unterstützen und kontrollieren einander Wasser und Feuer, das Herz-Feuer wärmt das Nieren-Wasser und das Nieren-Wasser kontrolliert das Herz-Feuer, das Idealbild einer stabilen Gesundheit. 

Im Buch der Wandlungen findet man diesen Zusammenhang in den Hexagrammen 11 Tai - Friede, 12 Pi 否 - Stockung, 64 Wei Ji 未濟 - Vor der Vollendung und 63 Ji Ji 既濟 - Nach der Vollendung ausgedrückt.

So heißt es z.B. im Bild zu Vor der Vollendung: Das Feuer ist oberhalb des Wassers: das Bild des Zustands vor dem Übergang. So ist der Edle vorsichtig in der Unterscheidung der Dinge, damit jedes auf seinen Platz kommt."

Richard Wilhelm kommentiert dazu, und damit ist eigentlich schon alles Wesentliche gesagt: „Das Feuer schlägt nach oben, das Wasser dringt nach unten, daher keine Vollendung. Wollte man sie gewaltsam durchführen, so entstünde Schaden. Darum muß man teilen, um zu verbinden. Man muß die Dinge so sorgfältig an ihren Platz stellen wie Feuer und Wasser, damit sie sich nicht bekämpfen."

Darum auch die Warnung im Urteil: Vor der Vollendung. Gelingen. Wenn aber der kleine Fuchs, wenn er beinahe den Übergang vollendet hat, mit dem Schwanz ins Wasser kommt, dann ist nichts, das fördernd wäre."

Der menschliche Organismus stellt ein komplexes Muster von Qi dar, seine Gesundheit hängt von der Ordnung dieses Musters ab. Je geordneter das Qi (je stabiler diese Ordnung), desto stabiler die Gesundheit. Alle guten Qigong-Übungen suchen die natürliche Ordnung des Qi zu fördern. Darum geht es auch in der heutigen Übung: um die innere Ordnung des Qi, ausgedrückt im rechten Verhältnis des Qi von Herz und Nieren. 

Das Urteil zu Hexagramm 11 drückt dieses rechte Verhältnis folgendermaßen aus: „Der Friede. Das Kleine geht hin, das Große kommt her. Heil! Gelingen!"

Richard Wilhelm meint dazu: „Das Empfangende (Kun 坤 - das ursprüngliche Yin), dessen Bewegung sich nach unten senkt, ist oben, das Schöpferische (Qian 乾 - das ursprüngliche Yang), dessen Bewegung nach oben steigt, ist unten. Ihre Einflüsse begegnen daher einander und sind in Harmonie, so daß alle Wesen blühen und gedeihen... Das Zeichen deutet in der Natur auf eine Zeit, da sozusagen der Himmel auf Erden ist. Der Himmel hat sich unter die Erde gestellt. So vereinigen sich ihre Kräfte in inniger Harmonie. Dadurch entsteht Friede und Segen für alle Wesen."

Um den Himmel unter die Erde zu stellen", macht man dies: Man sitzt auf dem Boden, mit ausgestreckten Beinen, verschränkt die Finger und greift die Sohle des einen Fußes. Man hebt den Fuß, langsam, und drückt für ein paar Sekunden gegen die verschränkten Hände. Dann den Fuß senken. Die Bewegung wird dreimal auf jeder Seite ausgeführt.  Den genauen Ablauf sieht man im Video.

Das Bein muss nicht durchgestreckt werden, das Wesentliche ist die Spannung, die durch den Druck des Fußes gegen die Hände erzeugt wird.

Im menschlichen Organismus bewegen sich - in dieser Zeit der Fülle des Yang - Qi und Blut mehr zur Körperoberfläche, die Gewebeschicht zwischen Haut und Muskeln ist offener. In der Chinesischen Medizin wird darum darauf geachtet, dass sich die Körperflüssigkeiten auf korrekten Bahnen bewegen, ansonsten können Probleme entstehen wie z.B. Ödeme, oder dass das Qi des Herzens erschöpft wird.

Durch die Spannung zwischen Händen und Füßen wird der Fluss in den Shaoyin- (Herz und Niere) und Shaoyang-Meridianen (Dreifacher Erwärmer und Gallenblase) gefördert, Qi und Blut werden sich geordneter bewegen, das Schwitzen wird auf den normalen Bahnen erfolgen, das Qi des Herzens erschöpft sich nicht und wird beruhigt, alle Qi-Gefäße des Körpers werden trainiert und das Yang-Qi kann sich gleichmäßig ausbreiten.


Ganzheitsmedizinischer Kongress in Wien zu Covid 19 - Therapie, Prävention und Nachsorge

Über die wichtige, wesentliche und äußerst erfolgreiche Rolle, die die TCM in der Pandemiebekämpfung und -kontrolle in China spielt, wird in...