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Saturday, April 18, 2020

Ruhiges Sitzen – Qigong-Meditation

Um die Vitalität zu stärken und das Qi zu regulieren, gibt es verschiedene traditionelle chinesische Methoden.

Bei uns sind die diversen Bewegungsübungen, sowohl aus dem Taiji als auch aus dem Qigong sehr beliebt, und für viele auch gut verständlich. Alle diese kann man unter dem alten Begriff Daoyin 導引 zusammenfassen, als Übungen, die dem Qi in seiner natürlichen Bewegung helfen, indem der Körper bewegt wird.

Auch Atemübungen sind gut verständlich und nachvollziehbar, vor allem, wenn es sich um klassische Atemübungen handelt wie die Heilenden Laute. Tuna 吐納 ist die alte Bezeichnung dafür, Aufnehmen des Neuen (des unverbrauchten Qi der Natur) und Ausstoßen des Alten (des verbrauchten, trüben, kranken Qi).

Doch die höchste Kunst des Qigong liegt in der Meditation. Es gibt eine Fülle an Methoden, die fortgeschrittenen zeichnen sich durch äußerste Einfachheit aus. Bei ihnen ist keine Rede mehr von geistiger Führung des Qi, von der Konzentration auf Körperbereiche oder vom Kreisen des Qi entlang bestimmter Bahnen.

Einfachheit heißt schlicht: geistige Sammlung und Versenkung in die Ruhe. Die Wirkungen entstehen von selbst. Es sind Stille und Leere, die den Urgrund des Qi bilden, ja den Urgrund des Lebens darstellen. Findet man in diese Stille und Leere, dann verortet man sich am schöpferischen Anfang der Welt und es wird einem die kreative, heilende Kraft des Ursprungs zuteil. Man erlebt sich als Teil eines Prozesses, der auf Chinesisch shengsheng buyi 生生不已 genannt wird: Leben generieren ohne Ende.

Versenkung in die Stille und Leere – doch auch damit könnte man in die Irre gehen. Meditation darf nicht zu einem weltfremden Tun werden. Dies wurde von der konfuzianischen Schule des Stillen Sitzens betont, aus Sorge, dass die Konzentration auf die Leere und die Bemühung um Ausschaltung von Gedanken zum Selbstzweck würden, und der Mensch sich dem gewöhnlichen Leben und den Aufgaben des Alltags entfremden würde.

Durch Natürlichkeit hingegen und Wuwei 無為, Nicht-Tun, können sich die Dinge in aller Volkommenheit richten. Die klassische Passage findet in den Analekten des Konfuzius, wo es heißt: „Der Meister sprach: Wer durch Nicht-Tun das Reich in Ordnung hielt, war Shun. Was tat er? Er brachte sich selbst in Ordnung und wandte das Gesicht nach Süden, nichts weiter.“

Hier ist nun eine der alten Qigong-Meditations-Techniken: Der Name ist „Das Betrachten des Atems“.

Diese Methode stammt ursprünglich aus dem buddhistischen Surangama-Sutra , wo sie als das „ Beobachten der eigenen Nasenspitze“ die 14. der 25 aufgeführten Methoden darstellt. Sowohl der Dichter Su Dongpo 蘇東坡 (1037-1101) als auch der neokonfuzianische Philosoph Zhu Xi 朱熹 (1130-1200) haben die Methode übernommen, jedoch in einem etwas anderen Sinn als dem ursprünglich buddhistischen verwendet.

Bis heute ist diese Methode eine der wesentlichen, fortgeschrittenen Meditations-Techniken des Qigong, vor allem auch, weil sie von Chen Yingning 陳攖寧 (1880-1969) als Meditations- und Heilmethode befürwortet und unterrichtet wurde. Chen Yingning war als Laie der große Erneuerer, Säkularisierer und Modernisierer des Daosimus im 20. Jahrhundert, und er wird bis heute einer der einflussreichsten Spezialisten in den Künsten des Lebenspflege gesehen.

Zhu Xi hat diese Methode in seiner „Ermahnung zur Regulation des Atems“ aufgezeichnet. Sein Text ist ursprünglich sehr knapp, ich habe diesmal in meiner Übersetzung sehr paraphrasiert.

Tiaoxi Zhen 調息箴 - Ermahnung zur Regulation des Atems

鼻端有白,我其觀之。隨時隨處,容與猗移。靜極而噓,如春沼魚。動極而翕,如百蟲蟄。氤氳開闢,其妙無窮。誰其屍之,不宰之功。雲臥天行,非予敢議。守一處和,千二百歲。

“Das Weiß an der Spitze der Nase, ich betrachte es. Diese Methode kann überall und jederzeit angewendet werden, solange man sich friedlich fühlt und gelöst. Man soll nichts tun, das dem Körper nicht behagt.

Erreicht die Stille ihren Höhepunkt, ist es wie bei Fischen, die im Frühjahr an die Oberfläche der Wasser steigen und den Atem ausblasen. Erreicht die Bewegung ihren Höhepunkt, ist es wie bei Insekten, die in der Erde überwintern und ihre Energie innen bewahren.

Haben sich Meditation und Bewegung des Qi zu einem tiefen Stadium entwickelt, dann wird man in Nebel und Dunst erleben, wie sich das Qi von Himmel und Erde mit dem des Menschen vermischt, und sich das Schöpferische (Qian 乾) und das Empfangende (Kun 坤) öffnen und schließen. Die Wunder in all dem sind unerschöpflich.

Wer beherrscht dieses Geschehen? Es gibt keinen Herrscher, all dies geschieht aus sich selbst. Es ist wie in den Wolken zu liegen und dem Himmel zu folgen, wie könnte ich es in Worte fassen. Die Einheit zu bewahren und Wohnstatt zu nehmen in der Harmonie, über tausend Jahre mag das Leben dann währen.”

Ich werde in den nächsten Tagen noch ergänzende Bemerkungen und Erläuterungen dazu schreiben. Es ist zwar schon alles da in Zhu Xis Beschreibung, doch ist mir bewusst, dass es noch weitere Erklärungen braucht, damit man dann auch weiß, wie tun.

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