Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Wednesday, April 1, 2020

Traditionelle chinesische "nicht-medikamentöse" therapeutische Methoden

Während der Covid-19-Pandemie kamen sowohl in Wuhan in der besonders betroffenen Provinz Hubei als auch in anderen Teilen Chinas die sogenannten "nicht-medikamentösen traditionellen Methoden" (so heißen Taiji und Qigong im therapeutischen Kontext) zum Einsatz, entweder in Verbindung mit westlicher Schulmedizin, mit chinesischer Kräutermedizin, oder auch in Verbindung mit beiden.

All diese traditionellen Methoden zeigten gute Resultate, sowohl in der Prävention als auch in der Therapie und Rehabilitation.

Unter den verschiedenen Übungen, die in Ergänzung zur konventionellen Therapie durch das medizinische Personal unterrichtet und mit den Patienten praktiziert wurden, finden wir (ohne dass ich hier den Anspruch auf Vollständigkeit erhebe):

  • Das Liuzijue (die Heilenden Laute, also Übungen, wie sie hier auf diesem Blog schon gepostet wurden)
  • Sehr vereinfachte Versionen des Taijiquan, um Patienten das sofortige Üben zu ermöglichen 
  • Auszüge aus dem Wuqinxi (dem Spiel der Fünf Tiere) 
  • Die Baduanjin-Übungen (Die Übungen der Acht Brokate, als Ganzes oder in Teilen) 
  • Auf Basis klinischer Erfahrungen und Forschung eigens zusammengestellte Übungen, wie z.B. die „Übung zur Pflege der Lunge“ für Patienten in einem leichten Stadium der Coronavirus-Infektion
  • Eine von Prof Zhang Wenchun von der Universität für Chinesische Medizin der Provinz Jiangxi zusammengestellte Übung sowohl zur Prävention als auch zur Behandlung der Coronavirus-Infektion.
  •  Die „Übung zur Kräftigung des Körpers im Kampf gegen die Epidemie“, in der Elemente fast aller oben genannten Übungen kombiniert wurden. Diese Übung erwies sich als überaus populär unter den Patienten. Entwickelt wurde sie im Yueyang-Krankenhaus für die kombinierte Anwendung von Westlicher und Chinesischer Medizin in Shanghai, der in China einzigen Institution zur klinischen Erforschung nicht-medikamentöser Methoden.

Professor Fang Min, Leitender Arzt und Vorstand des oben erwähnten zur Hochschule für Chinesische Medizin gehörigen Yueyang-Krankenhauses, auch Vorstand der Abteilung für Akupunktur und Tuina-Massage sowie Vorstand des Shanghaier Instituts für Akupunktur- und Meridianforschung, äußert sich folgendermaßen zu den aktuellen Erfahrungen mit den traditionellen Bewegungs- und Atemmethoden:

"Traditionelle chinesische medizinische Methoden (also Übungen wie Baduanjin, Yijinjing, Taijiquan, Wuqixi und Liuzijue u.a.), als Vertreter einer nicht-medikamentösen Therapie, finden in der Prävention und Behandlung von Atemwegs- und verwandten Erkrankungen weite Anwendung.

Unser Team für traditionelle Übungsmethoden ist imstande, in der Zusammenarbeit mit Ärzten in den Abteilungen für Atemwegserkrankungen, Infektionskrankheiten, Intensivmedizin und Rehabilitation zeitgerecht zielgerichtete Übungsmethoden entsprechend der tatsächlichen epidemischen Situation zu entwickeln, und diese mittels moderner Kommunikationstechnologie verfügbar zu machen, für den Fernunterricht von Patienten und zur Ausbildung von Therapeuten.

Die Methoden können bei Gesunden, bei Menschen in Quarantäne, bei positiv diagnostizierten Patienten mit leichtem, mittlerem, schwerem oder kritischem Verlauf, bei Patienten in der Rehabilitation und auch beim medizinischem Personal angewendet werden. Es lassen sich nicht nur die körperliche Verfassung verbessern, eine Vielzahl von Beschwerden und negative Emotionen lindern, sondern es kann auch das Risiko von Kreuzinfektionen und damit der Druck auf das Medizinsystem vermindert werden. 

Für die weitere Entwicklung der traditionellen chinesischen Medizin, für die Prävention und Bekämpfung der Covid 19-Pneumonie, und um die speziellen Charakteristika und Vorteile der traditionellen chinesischen Medizin in vollem Umfang nutzen zu können, glauben wir, dass es auch wichtig ist, aus den Erfahrungen in der Epidemieprävention und -kontrolle zu lernen, als sowohl während des Ausbruchs der H1N1-Influenza als auch des Ausbruchs von SARS die traditionelle chinesische Medizin gemeinsam mit der westlichen Medizin zum Einsatz kam.

Die Methoden der traditionellen chinesischen Medizin können über 2000 Jahre zu den Methoden des Daoyin (des Führen und Streckens) zurückverfolgt werden. So erwähnt das Huang Di Neijing (Der Innere Klassiker des Gelben Kaisers) diejenigen, die Daoyin und Massage praktizieren. In den Ausgrabungen von Mawangdui fand sich eine Seidenrolle mit Abbildungen früher therapeutischer Übungen. Diese frühen Übungen der traditionellen chinesischen Medizin entstanden wahrscheinlich aus der Imitation von Tierbewegungen, verbunden mit der Erwartung, dass sie den Körper stärken und sogar die Unsterblichkeit herbeiführen können. 

Traditionelle chinesische traditionelle Methoden wurden und werden bis heute weitergegeben. Durch die moderne Wissenschaft haben wir ein neues Verständnis ihrer Funktionen und Möglichkeiten gewonnen. Studien haben bestätigt, dass das Üben einer oder mehrerer Übungen allein oder auch die vernünftige Kombination verschiedener Übungen die Immunlage des Körpers verbessern, Krankheiten vorbeugen und positive Wirkungen in Bezug auf die Lungenfunktion erzielen kann. Übungen können zur Rehabilitation, zur Verbesserung der Lebensqualität, zur Regulierung von Emotionen und auch für andere gesundheitliche Zwecke eingesetzt werden. 

Zur Förderung traditioneller Methoden der chinesischen Medizin haben die Shanghai Universität für Traditionelle Chinesische Medizin und die Staatliche Generalverwaltung für Sport die maßgeblichsten und populärsten Übungsmethoden standardisiert.  Derzeit kommen sie in Sporthochschulen, Krankenhäusern der chinesischen Medizin, in Kliniken, Rehabilitations- und Massage-Instituten und anderen medizinischen Einrichtungen zur Anwendung. Weite Verbreitung finden sie auch durch nationale Fitness-Aktivitäten..."

"Obwohl traditionelle chinesische Übungen die Übertragungswege des neuen Coronavirus nicht blockieren und eine durch das Neue Coronavirus ausgelöste Lungenentzündung alleine nicht wirksam behandeln können, kann ihre aktive Anwendung auf der Grundlage herkömmlicher Behandlungen die kardio-pulmonale Funktion von Patienten verbessern, zur Förderung der Lebensqualität und der Immunregulierung beitragen sowie einen positiven Einfluss auf die psychische Gestimmtheit von Patienten ausüben, bei gleichzeitiger positiver Wirkung auf Prävention, Behandlung und Rehabilitation von Grunderkrankungen.

Entsprechend der tatsächlichen Situation der Epidemie kann die chinesische Behörde für Traditionelle Methoden die Erfahrung von Ärzten an der vordersten Behandlungsfront mit den nationalen Richtlinien zur medizinischen Prävention und Epidemiekontrolle sowie modernen Kommunikationstechnologien kombinieren, um auf schnellste Weise einen zielführenden, wirkungsvollen, praktikablen und leicht zu verbreitenden Plan zur Epidemiebekämpfung zu entwickeln und zu formulieren, um damit auch schrittweise die Forschung bezüglich der Anwendung traditioneller chinesisch-medizinischer Übungen zur Vorbeugung, adjuvanten Therapie und Rehabilitation bei Coronavirus-Pneumonien voranzutreiben.

Gleichzeitig können in Kombination mit Big Data und künstlicher Intelligenz die erzielten Verbesserungen von kardio-pulmonaler Funktion und Immunfunktion in verschiedenen Populationen in Echtzeit bewertet, die beste Dosis-Wirkungs-Beziehung gefunden und die Methode dann weiter optimiert werden.

Wir glauben, dass die nicht-medikamentösen Therapiemodalitäten der traditionellen chinesischen Medizin so früh wie möglich bei Prävention, Behandlung und Rehabilitation der Covid 19-Pneumonien angewendet werden sollten, um ihre synergistischen Eigenschaften und Vorteile voll auszuschöpfen, als hilfreicher Beitrag zur Seuchenbekämpfung gemeinsam mit der westlichen Medizin."

Asian Medicine and COVID-19

Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift,   gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftlic...