Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Monday, June 22, 2020

Sechs Heilende Laute - Weitere Bewegungsdetails




Unsere Initiative ist nun in der letzten Woche angelangt. In all diesen Wochen und Monaten haben wir uns am meisten auf die Übungen der Heilenden Laute konzentriert, darum möchte ich hier noch ein paar zusätzliche Informationen geben, gedacht als Hilfe zum Verständnis und zur Vertiefung der Übungspraxis.


Ursprünglich waren den (Atem-) Übungen der Sechs Laute keine Bewegungen zugeordnet. Diese kamen erst später dazu. Über einen Zeitraum von über 1000 Jahren wurden an unterschiedlichen Orten in China Bewegungsfolgen entwickelt, von ihrer Verschiedenheit braucht man sich jedoch nicht irritieren zu lassen. Alle Bewegungsfolgen haben etwas Gemeinsames: sie orientieren sich an den Meridianverläufen bzw. an der Lokalisation von bestimmten Akupunkturpunkten.

Das trifft auch auf unsere Übungen zu. Hier ein paar Details, die man den Videos nicht so leicht entnehmen kann.


Leber:


Die Übung beginnt mit einem Öffnen und Schließen der Hände. Beim Öffnen, während des Einatmens weitet man bewußt den Brustkorb, beim Ausatmen entspannt man ihn. 


Bei der seitlichen Drehung im weiteren Verlauf der Übung bleibt das Becken nach vorne ausgerichtet. Beide Bewegungsdetail lassen den Impuls besser beim Lebermeridian ankommen.


Herz:

Die Übung beginnt ebenfalls mit einem Öffnen und Schließen der Hände. Herz- und Dünndarmmeridian verlaufen auf der Kleinfingerseite der Hände. 

Die Bewegung richtet sich danach: Beim Öffnen weisen die Kleinfingerkanten der Hände nach außen, beim Schließen nach innen. Auch beim Heben sind die Kleinfingerkanten der Hände in Kontakt. Auf diese Art kommt der Impuls beim Herzmeridian an.

Dass die Hände hinter dem Kopf verschränkt werden und der Kopf etwas nach hinten gelegt wird, stimuliert Herz- und Dünndarm-Meridian.


Milz:

Die Übung beginnt mit einem Öffnen und Schließen der Hände. Beim Öffnen, während des Einatmens weitet man bewußt den Bauch, beim Ausatmen entspannt man ihn.

Das Milz- und Magen-Qi bewegt sich entlang der vertikalen Achse, hinauf (Milz) und hinunter (Magen). Die durch gleichzeitiges Heben und Senken der Hände entstehende Spannung unterstützt den natürlichen Fluß von Milz und Magen-Qi.


Lunge:

Der Lungenmeridian verläuft am Daumen. Darum dreht man zu Beginn beim Öffnen den Daumen nach außen, beim Schließen wenden sich die Daumen zueinander. Beim Heben schauen die Daumen nach oben. Alles Details, die das Qi im Lungenmeridian stimulieren.

Wenn die Hände gehoben sind (beim Ausatmen mit „Hei“), sind die Handflächen nach oben gerichtet. Man kann sich in dieser Position etwas spielen und versuchen, die Hände so zu halten, dass Daumen und Daumenballen deutlicher spürbar werden.


Niere:

Beim Schließen zu Beginn werden die Hände zu den Körperseiten und hinter den Körper gebracht, dann werden Hände zu lockeren Fäusten geballt und auf den Rücken gelegt. Man verwendet hierbei die Yang-Seite der Hände (Handrücken), der Kontakt mit dem Rücken stimuliert eine Reihe von Punkten auf dem Blasenmeridian, dem Yang-Meridian, der mit dem Nierenmeridian (Yin) ein Paar bildet.

Die Hände werden daraufhin hinter den Beinen hinunterbewegt, damit führt man das Qi bis zu den Füßen und unterstützt so das Nieren-Qi. Auch die tiefe Stellung (das Setzen) während der Bewegung hat diesen Effekt.


Dreifacher Erwärmer:

Der Meridian verläuft am Ringfinger, an der Außenseite von Hand und Arm. Darum schauen sowohl beim anfänglichen Öffnen und Schließen als auch beim folgenden Heben die Handrücken zueinander.


Darüberhinaus gibt es noch ein zusätzliches Detail, das für alle sechs Übungen gilt:

Zu Beginn, beim Öffnen, bewegt man auch die Knie etwas nach links und rechts (öffnet mit den Knien), beim Schließen bewegt man die Knie etwas zueinander (schließt die Knie). Beim Heben bleiben die Knie geschlossen, beim Ausatmen mit dem Laut kommen die Knie in die Ausgangshaltung zurück. 

Man kann versuchen, das auf den Videos zu entdecken. Es ist nicht so leicht auszumachen wegen der schwarzen Farbe meiner Hose, aber wenn man danach sucht, sieht man es vielleicht.


Ich hoffe, dass diese Details beim Üben hilfreich sind. Sie sollen das Üben erleichtern und es mit der Zeit zu vertiefen helfen, auf keinen Fall sollen sie das Üben komplizieren. 

Wenn es einem so geht, dass die Details zu viel Konzentration beanspruchen, kümmert man sich (einstweilen) nicht darum. Entspannung und Ruhe beim Üben sind wichtiger als die Genauigkeit der Bewegung.

Wie schon oben erwähnt, ursprünglich waren die Sechs Heilenden Laute Atemübungen, sechs Arten der Ausatmung, ohne zugehörige Bewegung. Daraus ersieht man, was das Wesentlichste ist: 



Es sind die sechs Ausatmungen mittels der sechs Laute hsü - hea- hu- hei - tschui - hsi. 

Darum ist es auch möglich, die Übungen der Heilenden Laute ohne Bewegungen allein als Atemübungen zu praktizieren. Dies kann im Sitzen, Stehen oder auch im Liegen erfolgen.

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