Aus Kerrys Serie „Nahrung für das Leben“
Alle Nahrung nährt das Leben… Die Zubereitung und der Verzehr von Nahrung stellen im TCM-Verständnis einen Transformationsprozess dar, durch den sich das kreative Yang-Qi des Individuums ausdrückt.
Viele traditionelle chinesische Rezepte, die in die Kategorie „Nahrung als Medizin“ oder „ Diätetik“ fallen, sind bei uns nicht gut anwendbar und umsetzbar, aufgrund von bei uns nicht erhältlichen Zutaten, ungewohnten Geschmäckern, die unsere Gaumen überfordern, oder auch einfach deshalb, weil man ein gewisses Wissen von der chinesischen Küche haben und zumindest einige ihrer Kochtechniken beherrschen muss.
Doch wenn man die Prinzipien der Chinesischen Medizin versteht, vor allem, wenn man gelernt hat, differenzierte und komplexe chinesische Kräuterrezepturen zu erstellen und zu modifizieren, dann wird es möglich, die Küche in einen Apotheke zu verwandeln mit Hausmitteln, die der entsprechenden Jahreszeit und dem individuellen Gesundheitszustand des Individuums angepasst werden und die - in diesen pandemischen Zeiten - der allgemeinen gesundheitlichen Bedrohung entgegenwirken können.
Heute beginne ich mit einer kleinen Reihe von Rezepten, die in diese Kategorie der Hausmittel fallen. Es sind dies Rezepte, gedacht zur Förderung der Gesundheit eines jeden, zum Schutz gegen die immer noch präsente Bedrohung durch das CoVID-Virus und zur Hilfe gegen die Langzeitfolgen des physischen, mentalen und psychologischen Drucks, der auf so vielen Ebenen unser Qi schwächt und zum Stagnieren bringt.
Bei all diesen Rezepten gilt, dass die spezifischen Zutaten, ihre Menge und die Methode der Zubereitung diejenigen Schlüsselfaktoren sind, von denen abhängt, ob das Rezept eine bestimmte Wirkung auf das Qi hat oder nicht. Das muss einem bewusst sein. Natürlich kann jeder ein Rezept so ändern, dass es mehr dem eigenen Geschmack entspricht - tut man dies, wird es immer noch gutes, nahrhaftes Essen sein, nur ist es dann eben nicht mehr das Rezept, das von mir so geschrieben ist, das es eine spezifischere Wirkung auf das Qi hat.
Birnen- und Pastinakensuppe, um das Lungen-Qi zu nähren, zu kühlen und zu schützen
Zutaten (für zwei Personen):
1 EL Olivenöl
½ Stange Lauch, fein geschnitten
1-2 Knoblauchzehen, fein geschnitten
4-6 Pastinaken, geschält und gewürfelt
1 Karotte, geschält und gewürfelt
1 mittlere Kartoffel, geschält und gewürfelt
1 mittelgroße bis große Birne, geschält und gewürfelt (jede Art von Birne)
1,5 l Wasser
Prise Thymian
ein wenig Salbei
1 Lorbeerblatt
2 Teelöffel Miso (am besten roter oder brauner, aber jeder Miso ohne Zusatzstoffe ist geeignet)
Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Zubereitung:
- Öl in einem Topf erhitzen. Lauch anbraten, zugedeckt, solange, bis er glasig ist.
- Knoblauch und den Rest des Gemüses dazugeben, ein paar Minuten unter Umrühren braten, bis das Gemüse weich zu werden beginnt.
- Wasser, Thymian, Salbei und Lorbeerblatt dazugeben. Zum Kochen bringen und dann auf kleiner Flamme, zugedeckt, ca. 25 Minuten kochen.
- Mit einem Mixstab pürieren, sodass die Suppe glatt, dick und cremig wird.
- Vor dem Servieren den in etwas Wasser aufgelösten Miso und den Pfeffer hinzufügen.
Zwei mögliche Adaptionen:
- Ist man sehr verschleimt, sind die Nebenhöhlen blockiert oder hat man eine leichte Verkühlung, dann lässt ersetzt man den Miso mit ¼ - ½ Teelöffel geriebenen Kren (Meerrettich). Der Kren wird am Ende hinzugefügt, wenn die Suppe fertig ist.
- Erholt man sich von einer Krankheit, fühlt sich schwach, ist man anämisch, hat man ein geschwächtes Immunsystem, ist man fortgeschrittenen Alters, ist einem sehr kalt, dann bereitet man die Suppe statt mit Wasser mit hausgemachter Hühnerbrühe zu.
Die obige Kalligraphie des Zeichens 養 stammt von Liu Honggui 刘弘珪 (um 670). 養 yang bedeutet: nähren, pflegen, kultivieren.
