Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Saturday, June 26, 2021

Ist der Geist still, wird es von selbst kühl...

Um am letzten Posting anzuschließen: In der Qigong-Praxis berücksichtigt man die jahreszeitlichen Aspekte des Qi, darum ist es im Sommer, zur Zeit des kulminierenden Yang, besonders wichtig, das Qi des Herzens (das große Yang des Organismus) zu regulieren, das Yin zu unterstützen, das "Herzfeuer" (durch die Hitze befeuert) zu senken, den Geist zu beruhigen und Qi und Blut zu harmonisieren. Der Körper kann sich so besser an die hohen Temperaturen anpassen, das Qi wird nicht erschöpft, man wird weniger Müdigkeit fühlen, und generell kann so die Gesundheit gestärkt werden. 

Zur Regulation des Qi des Herzens gibt es mit dem Sitzen in Stille eine einfache Methode. Das Betrachten des Atems, eine der alten Übungen des Sitzens in Stille, habe ich auf dem Blog schon beschrieben: hier und hier

Diese traditionellen Methoden sind immer äußerst einfach. Gao Panlong 高攀龍 (1562-1626) schreibt in seiner Abhandlung über das Sitzen in StilleBei der Methode des Stillsitzens ist nichts Besonderes erforderlich, auf ganz gewöhnliche Art und Weise lässt man Stille aus dem Stillsein hervorgehen. Die Idee des Gewöhnlichen sollte nicht leicht genommen werden, verweist sie doch auf die eigentliche Beschaffenheit der eigenen inneren Natur. Ist diese rein und still und belastet von nichts, dann kann sie gewöhnlich genannt werden. Vor dem Erscheinen der ersten Linie sind die Wandlungen so. Die innere Natur des Menschen ist von Geburt an still  - was davor liegt, ist so. Der Zustandbevor sich Freude, Zorn, Kummer und Glück manifestieren, ist auch so. Es ist das Von-Selbst-So des himmlischen Prinzips, etwas, was jeder in sich verkörpern sollte, um den Weg zu erlangen..." 

Mit anderen Worten: Übt man sich im ruhigen Sitzen, dann kommt man in Kontakt mit der ursprünglich inneren Natur, die ruhig ist und still. 

Das Üben kann man darum sehr einfach angehen. Man sitzt aufrecht, auf einem Polster oder einem Stuhl, atmet ruhig und ist sich des Atems gewahr. Mit dem sanften und langsamen Ein- und Ausatmen dehnt sich das Qi allmählich aus und erfüllt den ganzen Körper. Geist und Aufmerksamkeit steigen und fallen mit dem Atem, der mit der Zeit feiner wird und immer noch feiner. Mehr ist nicht nötig, mehr zu tun, wäre sogar inkorrekt. Man bleibt im Gewöhnlichen. Praktiziert man solcherart das ruhige Sitzen, vereinen sich mit der Zeit Herz/Geist und Atem und man findet Eintritt in einen inneren Raum der Stille und Leere. 

Und dort, in der inneren Leere und Stille, findet sich auch, was der Organismus im heißen Sommer braucht.

Einst stattete der Dichter Bai Juyi 白居易 (772-846) dem Zen-Meister Heng Ji 恆寂 einen Besuch ab. Es war ein brütend heißer Tag, doch Heng Ji weilte still und zufrieden in seinem Zimmer. Bai Juyi fragte: Meister, warum begeben Sie sich in dieser Hitze an keinen kühleren Ort?" Heng Ji erwiderte: Es ist angenehm kühl hier drinnen!" Bai Juyi verstand augenblicklich und verfasste daraufhin dieses Gedicht:

苦熱題恆寂師禪室    In brütender Hitze, über den Zen-Raum des Meisters Heng Ji

人人避暑走如狂        Jeder sucht wie verrückt der Hitze zu entrinnen,
獨有禪師不出房        Nur der Zen-Meister verlässt nicht sein Zimmer.
非是禪房無熱到        Nicht dass die Hitze den Zen-Raum nicht erreichte,
為人心静身即凉        Doch ist der Geist des Menschen still, ist auch der Körper kühl.

Geschichte und Gedicht handeln von der Zen-Meditation, doch ist damit auch eine Anleitung für Qigong und Lebenspflege in der heißen Jahreszeit gegeben.

Ganz einfach: Sich hin und wieder der Stille zu erinnern, sich hin und wieder in die Stille zu begeben. Auf ganz gewöhnliche Art und Weise. 

„Ist der Geist still, wird es von selbst kühl."

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