Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Monday, March 8, 2021

Regulation und die Große Harmonie

Die Zeit vergeht, schon die zehnte Woche dieses Jahres. Immer noch Pandemie. 

Und der Blog wächst und wächst... Eine Fülle an Inhalten theoretischer und praktischer Art, die manchen auch als Überfülle erscheinen mag. Ich hoffe, niemand lässt sich davon verwirren, ist die Überfülle doch nur eine scheinbare. Tatsächlich wird all die Vielfalt von einigen wenigen Grundgedanken und Grundprinzipien durchzogen. Alle Inhalte sind miteinander verbunden. Und alle sind auch als notwendige Hilfe für diese schwierigen Zeiten gedacht.

Einen dieser Grundgedanken - die Regulation - erwähne ich ja immer wieder, bin aber noch nie wirklich darauf eingegangen. Heute möchte ich das nachholen, zumindest ein bisschen.

Regulation mag sehr technisch und nüchtern klingen, doch darf man sich davon nicht abschrecken lassen, handelt es sich doch um einen der wichtigsten Begriffe, Qigong und chinesische Medizin betreffend. Auch aus der chinesischen Philosophie ist die Regulation nicht wegzudenken. 

In Qigong und chinesischer Medizin sind mit Regulation einerseits das harmonische Funktionieren des Qi gemeint - Ausdruck nicht nur der Gesundheit, sondern der ganzen Lebendigkeit des Menschen - und andererseits die Verfahren, dieses harmonische Funktionieren herbeizuführen (tiaohe 調和 - harmonisch regulieren).

Doch um den Begriff wirklich zu verstehen, muss man weiter ausholen. Regulation liegt nicht nur der Theorie und Praxis von chinesischer Medizin und Qigong zugrunde, sie ist ganz allgemein ein Grundcharakteristikum des Universums. 

Das Universum ist in seinem Innersten harmonisch. „Die Große Harmonie wird der Weg genannt“, heißt es. Trotz aller Spannungen und allen Widerstreits an der Oberfläche sind die das Universum ausmachenden Prozesse in der Tiefe harmonisch reguliert. Diese Regulation ist lebensspendend und lebensfördernd, sie ist kontinuierlich, also nicht ausschließend, und sie wirkt auf allen Ebenen des Seins, im Kleinen (in der menschlichen Existenz, im menschlichen Leben) wie im Großen, in Dimensionen, die den Menschen weit übersteigen und ihn trotzdem umfassen.

Um diesen Gedanken eine gewichtige chinesische Stimme zu leihen, übersetze ich hier einen längeren  Ausschnitt aus einer Schrift des Philosophen Zhang Zai 张载 (1020-1077) mit dem Titel Zheng Meng 正蒙 - „Korrektur jugendlicher Torheit“:

"Die Große Harmonie wird Dao 道, der Weg, genannt. Sie umfasst die Natur, die allen gegenläufigen Prozessen des Schwebens und Sinkens, Steigens und Fallens, von Bewegung und Ruhe zugrunde liegt. Sie ist der Ursprung der Prozesse des Verschmelzens und Vermischens, des Überwindens und Überwundenwerdens, der Ausdehnung und des Zusammenziehens. Zu Beginn sind all diese Prozesse fein, subtil, obskur, leicht und einfach, am Ende sind sie ausgedehnt, groß, stark und fest. Es ist Qian 乾 (das Schöpferische, der Himmel), das mit dem Wissen um den Wandel beginnt, und Kun 坤 (das Empfangende, die Erde), das sich nach der Einfachheit richtet. 

Was zerstreut ist, differenziert und fähig, Form anzunehmen, wird zu Qi 氣, was rein ist, durchdringend und keine Form annehmen kann, wird zu Geist. Befände sich das Universum nicht in einem Prozess des Verschmelzens und Vermischens, gleich sich in alle Richtungen bewegenden fliehenden Kräften, könnte es nicht die Große Harmonie genannt werden. Wenn die, die über den Weg (das Dao) sprechen, dies verstehen, dann verstehen sie wirklich den Weg, und wenn die, die die Wandlungen (das Buch der Wandlungen - Yijing 易经) studieren, um dies wissen, dann wissen sie wirklich um den Wandel. Sonst wäre ihre Weisheit keines Ruhmes wert, selbst wenn sie die bewunderungswürdigen Talente des Herzogs von Zhou besäßen...

Wenn es sich auflöst, kehrt Qi als Wesen einfach zu seiner ursprünglichen Substanz zurück, und wird formlos. Wenn es sich einbindet, einordnet und Form annimmt, verliert es nicht das beständige Prinzip (des Wandels).

Die Große Leere enthält notwendigerweise Qi. Qi ordnet und integriert sich notwendigerweise und wird zu den Myriaden Wesen und Dingen. Die Wesen und Dinge lösen sich notwendigerweise auf und kehren zurück zur Großen Leere. Erscheinen und Vergehen folgen diesem Zyklus aus Notwendigkeit. Wenn der Weise in der Mitte dieses universellen Geschehens den Weg in seiner Fülle verwirklicht und sich mit den Prozessen des Entstehens und Vergehens ohne Voreingenommenheit identifiziert, dann bewahrt er seinen Geist in höchstem Maße. ...

Versteht man, dass die Leere nichts als Qi ist, dann sind Sein und Nichtsein, das Verborgene und das Manifeste, Geist und ewiger Wandel, menschliche Natur und Schicksal alle eins und nicht zwei. Wer Integration und Auflösung, Erscheinen und Verschwinden, Form und Abwesenheit von Form begreift und sie zu ihrer Quelle zurückzuführen vermag, durchdringt das Geheimnis des Wandels. …“

Dies ist der große Zusammenhang, innerhalb dessen sich das traditionelle chinesische Denken bewegt, ein Zusammenhang, bei dem es immer um die Beziehungen zwischen Mensch, Gesellschaft und den Ordnungen des Universums geht.

Der Sinologe Jan Maria de Groot (1854-1921) hatte den Begriff Universismus geprägt, um ebendiese Beziehungen - zwischen Mensch, Gesellschaft und den Ordnungen des Universums - zu charakterisieren, wie sie in den drei großen geistigen Lehrsystemen Chinas - Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus - zum Ausdruck kommen. 

Kurz gesagt bedeutet chinesischer Universismus, dass das Universum nicht von einem Schöpfer geschaffen wurde, sondern von selbst entstanden ist; dass das Universum ein schöpferisches Ganzes und geordnet ist; und dass seine Ordnung alle Ebenen durchzieht. Die Ordnung des Universums ist auf allen Ebenen des Seins präsent, die Ordnung des Makrokosmos findet also ihre Entsprechung in der menschlichen Gemeinschaft wie auch im Mikrokosmos des einzelnen Menschen und seines Körpers. 

Darum habe ich oben gemeint, man darf die Regulation nicht nur auf den Kontext des Menschen und sein Qi beschränken. Man muss in allen Dimensionen denken, im Großen wie im Kleinen, ist doch das Universum selbst ein im tiefsten Grund harmonisch reguliertes (tiaohe 調和) großes Ganzes, aus sich selbst entstanden, selbstordnend, selbstorganisierend, ein harmonisches Ganzes, dessen Ordnung auch dem Menschen, seinem Leben und seiner Lebendigkeit zugrunde liegt. 

Die Aufgabe der Philosophie ist, die Ordnung dieses Ganzen zu ergründen, die Ordnung des Dao 道, des Weges, und des De 德, der Kraft oder der Tugend, d.h. dem Aspekt des Dao, der durch das Einzelwesen verkörpert werden kann. Bei allen Unterschieden der diversen Schulen und Lehrsysteme der chinesischen Philosophie, noch dazu über den enormen Zeitraum von über zweitausend Jahren, die Sicht des Kosmos als selbstentstandene schöpferische Ordnung und das Streben, das Dao zu ergründen, wird von allen geteilt.

Wir hingegen verorten uns nicht in diesen Zusammenhängen, wir leben in einer anderen Welt und denken in anderen Bahnen. Fachgebiete wie die Medizin oder Methoden wie Gymnastik, Atem- und Entspannungsübungen würden wir nicht der Philosophie zurechnen, anders als in China, wo sich die traditionelle Philosophie direkt auf das Denken über den Körper und das geordnete Funktionieren des Lebens übertrug. 

In diesem Sinne konnte Deng Tietao 鄧鐵濤, der Arzt, durch dessen TCM-Behandlungsprotokolle 2003 die SARS-Epidemie zuerst in Guangzhou und später in ganz China beendet werden konnte, dies in einem Interview für das chinesische Fernsehen sagen: „Die westliche Medizin ist eine Medizin der Naturwissenschaft, die chinesische Medizin ist eine Medizin der Philosophen und Gelehrten. Die westliche Medizin versucht, Krankheitsursachen zu identifizieren und zu beseitigen, die chinesische Medizin geht von den konkreten Symptomen aus und versucht sie im Gesamtmuster zu verstehen, woraus sich die korrekte Behandlung ergibt.“ 

Ein pathologisches Syndrom vor dem Hintergrund der lebendigen, sich geordnet wandelnden Muster des Lebens (worum es sich handelt, wenn man von Qi spricht) zu verstehen und durch das korrekte Verständnis zur korrekten Behandlung zu finden, das ist der „philosophische“ Ansatz (und zugleich auch „künstlerische“) Ansatz der chinesischen Medizin. Manchmal funktioniert dieser Ansatz sehr gut, manchmal weniger gut, manchmal auch gar nicht. Ich will hier nicht werten oder gar die chinesische Medizin in den Himmel heben,  sondern nur auf einen grundsätzlichen Unterschied zu unseren Auffassungen über Gesundheit und Krankheit hinweisen, einen Unterschied, den zu verstehen wichtig ist, wenn man sich mit der chinesischen Medizin oder mit Qigong beschäftigt. 

Ein holistisches Denken in Mustern, in Beziehungen, in der internen Bewegung des Lebendigen ist jedenfalls etwas sehr Wesentliches, und uns sehr Fremdes, und es fehlt uns. Es können sich diesem Denken Zusammenhänge erschließen, die dem reduktionistischen und analytischen Blick entgehen. Bei SARS war dieser „philosophische“ Ansatz (der nicht minder konkret und pragmatisch ist wie der schulmedizinische) in China erfolgreicher als die naturwissenschaftlich-medizinische Intervention, noch erfolgreicher war er letztes Jahr  in der Covid-19-Pandemie, auch wenn diese Tatsache weder im ersten noch im zweiten Fall bei uns zur Kenntnis genommen wurde und wird (was mangelndem Wissen über die Grundprinzipien der chinesischen Medizin und ihre Denk-Hintergründe und wohl auch Voreingenommenheit und intellektueller Faulheit geschuldet ist).

Yi qi zhen dao 以气臻道 - „Mittels des Qi den Weg erlangen“, dies ist ein Ausdruck, mittels dessen mein/unser Lehrer Prof. Lin Zhongpeng 林中鵬 das Wesen des Qigong zu beschreiben sucht. "Mittels des Qi den Weg erlangen" heißt, die allgemeinen Prinzipien und natürlichen Gesetzmäßigkeiten, die dem Qi, seiner Entfaltung und Bewegung zugrundeliegen, in der konkreten Qigongpraxis zu verkörpern und damit zu realisieren.

Mit Weg (Dao) ist der große Zusammenhang des Qi in allen Ebenen der Existenz gemeint (wie sie z.B. Zhang Zai in obiger Schrift  schildert), “konkrete Praxis" zielt auf die Verwirklichung dessen im eigenen Leben, im eigenen Körper, in der eigenen Gesundheit. Dao (der Weg, der Sinn, das zugrundeliegende Prinzip) und Qi (die Methode, die Übung, der Bewegungsablauf, die sich während des Übens bewegende Energie) stellen quasi die zwei Flügel der Qigong-Praxis dar, mit nur einem kann man nicht fliegen.

Die leichten und unbeschwerten Übungen, die Heilenden Laute, die wir letztes Frühjahr behandelt haben, die Entspannungsübungen, die einfachen Taiji-Übungen, auch die weiteren Übungen, die ich noch posten werde, mit all diesen Übungen lernt man, die beiden Schwingen auszubreiten und auf einer eigenen individuellen  Bahn  zu fliegen. Es handelt sich nicht um viele verschiedene Übungen, im Prinzip sind sie alle eins. Sie gründen auf denselben Prinzipien und sind in ihrer Einfachheit so konzipiert, dass sich im ruhigen und entspannten Tun die Regulation der „gegenläufigen Prozesse des Schwebens und Sinkens, Steigens und Fallens, von Bewegung und Ruhe“ einstellen und sich in der Folge das Dao als spontanes, natürliches, lebensgenerierendes schöpferisches Qi im ganzen Körper-Geist-Gefüge des Menschen verwirklichen kann.

Darum sind auch Entspannung und Stille so wesentlich. Die Stille liegt der Regulation zugrunde, sie ist der Zugang zu den dem Leben eignenden Möglichkeiten von Harmonie und Gesundheit. Qigong fördert die Fähigkeit des Organismus, die Selbstregulation wiederzufinden, die sich aus der Verbindung mit den Mustern und Kräften des universellen Lebens nährt. Führt man das Leben wieder zurück an diesen Ursprung (das schöpferische Qi), dann kann es sich entfalten, Gesundheit und Harmonie als Ausdruck dieser Beziehung stellen sich von selbst ein.

In der alten Philosophie wird das Universum auch als ziran 自然 bezeichnet: „Das, was aus sich selbst so ist“. Dao fa ziran 道法自然 "Der Weg richtet sich nach dem, was aus sich selbst so ist", heißt es bei Laozi. Im modernen Chinesisch bezeichnet der Begriff ziran die Natur. In Qigong und chinesischer Medizin verweist ziran auf die Möglichkeiten der Selbstorganisation, Heilung und Regeneration, die sich dann einstellen, wenn sich die natürlichen Qi-Prozesse ungehindert im menschlichen Organismus entfalten können, wenn die Regulation zur freien Entfaltung dessen führt, was von selbst so ist, von selbst so sein kann und von selbst so sein möchte.

Dieses Prinzip ist beim Üben von Qigong äußerst wichtig und wesentlich, es stellt einen der Fäden dar, der die vielen scheinbar unterschiedlichen theoretischen Inhalte und praktischen Übungen (auch auf diesem Blog) durchzieht. Erkennt und versteht man diesen, dann wird man sich nicht in Fülle und Vielfalt verlieren und die Wildgans kann zu den Gipfeln und Wolkenhöhen emporziehen", um es in der Sprache von Hexagramm 53 des Yijing auszudrücken.  Erkennt man den Faden nicht, bleibt die Wildgans am Boden oder verliert ihren Weg. 

Friday, March 5, 2021

Einfache Selbstmassage zur Erhaltung der Gesundheit - Teil 1

Es ist schon lange her, dass ich eine Massage gepostet habe. Hier ist nun Teil eins einer Folge von vier einfachen Klopfmassagen. 

Im „Numinose Achse" (Lingshu 靈樞) genannten Teil des „Inneren Klassikers des Gelben Kaisers" (Huangdi Neijing 黃帝內經) gibt es folgende Passage:

„Befindet sich xieqi (邪氣)* in Lunge und Herz, so fließt es zu den den beiden Ellbogen und stagniert dort. ... Zhenqi (真氣)** und Xue 血 (Blut) fließen durch diesen zentralen Angelpunkt, pathogenes Qi und gestautes Blut dürfen sich dort nicht sammeln, sonst werden die Energiebahnen und Gelenke verletzt.“ 

Um das gestaute Qi im Ellbogen und in der Folge das pathogene Qi in Lunge und Herz zu beseitigen, gibt es die einfache Methode der Klopfmassage. Durch leichtes Klopfen werden dabei lokale Stagnationen beseitigt, darüber hinaus, da die beiden Ellbogen als zwei von acht Schlüsselbereichen der Gesundheit verstanden werden, in denen Qi 氣 und Xue 血 ungehindert fließen sollten, wird das regelmäßige Ellbogen-Massieren/Klopfen auch als effektive Methode zur generellen Unterstützung der Gesundheit gesehen.

Die Methode ist nicht drastisch, das heißt, man verletzt nicht das Yang-Qi, sie eignet sich für jeden, besonders auch für Menschen, denen leicht kalt ist oder bei denen innere Hitze nach oben steigt (shang huo 上火 - Feuer steigt nach oben). Wird die Stagnation des pathogenen Qi aufgelöst, kann sich das Zheng-Qi 正氣 (das gesunde Qi) erholen. Gibt es einen Stau von Qi in den Ellbogen, dann werden sich bei der Klopfmassagen anfänglich Hautrötungen zeigen, später dann, nach regelmäßiger Ausführung der Massage, zeigen sich diese weniger deutlich oder gar nicht mehr.

Während der Pandemie letztes Jahr in China wurde diese Massage sowohl als vorbeugende Methode als auch als unterstützende Selbstbehandlung im Krankheitsfall unterrichtet. Patienten in den Spitälern (wie in diesem Foto aus dem Jiangxia-Spital in Wuhan), praktizierten die Methode, um das pathogene feuchte und heiße Qi aus den Lungen auszuleiten.

Man massiert am besten so, dass man zuerst mit den Fingerspitzen leicht die Ellenbeuge beklopft (Akupunkturpunkte Chize 尺澤 Lunge 5 und quze 曲澤 Perikard 3), danach nimmt man die flache Hand und beklopft damit den ganzen Bereich der Ellenbeuge (zhouliao 肘髎 Dickdarm 12 - quchi 曲池 Dickdarm 11 - shaohai 少海 Herz 3). Wenn man wie beschrieben massiert, werden diese Punkte auf jeden Fall stimuliert. Ich erwähne sie hier nur beiläufig, da es bei der Massage nicht direkt um die Punkte geht, sondern um den ganzen Bereich der Ellenbeuge. Für das Praktizieren der Massage ist es nicht notwendig, die genaue Lokalisation der Punkte zu kennen.

Auch wenn man zu viel sitzt oder liegt, eine weitverbreitete Folge des Lockdowns, stagniert das Qi. Durch die Massage der Ellbogen bringt man es wieder in Bewegung, man kann Kälte, die sich im Körperinneren festgesetzt hat, zur Oberfläche und aus dem Körper bewegen, und man fördert die Aktivität der inneren Organe. Im Fall der Ellbogen sind es vor allem Herz und Lunge, die von der Massage profitieren.

*xieqi 邪氣 ist pathogenes Qi, das das normale Funktionieren des Organismus stört und behindert

** das zhenqi 真氣 (das wahre Qi) wird aus Nahrung und Atmung gebildet


Wednesday, March 3, 2021

Sechs einfache Taiji-Bewegungen zur Förderung der Gesundheit - Die sechste Übung

Hier ist nun, garniert mit etwas Plauderei, die letzte der sechs Taiji-Übungen zu Förderung der Gesundheit und Rehabilitation. Mit der Serie an bewegten Übungen sind wir damit durch, aber wir sind noch nicht am Ende, es folgen noch drei ruhige Übungen, zwei im Stehen und eine im Sitzen.

Die sechste Bewegung heißt, passend zum Studio der Weißen Wolken, "Wolkenhände" (yunshou 雲手). Es ist eine Übung, die jedem, der Taiji oder Qigong praktiziert, bekannt ist. 

Die Übung ist einfach, alle wichtigen Elemente des Taiji und Qigong finden sich in ihr. Sie braucht keinen Platz, man kann sie auch gesondert von den anderen Übungen praktizieren, kurz, also nur ein paar Minuten, oder auch sehr lang.
 
Prof. Lin machte uns vor Jahren in Beijing mit dem berühmten Arzt Hu Haiya 胡海牙, Schüler des im 20. Jahrhunderts so einflussreichen daoistischen Lehrers Chen Yingning 陳攖寧, bekannt, und wir konnten ihm beim Diagnostizieren und Behandeln seiner Patienten zuschauen. 

Seine Nadeltechnik mit nur einer Nadel war beeindruckend, ebenso die Sachlichkeit und Klarheit, mit der er zu seinen Patienten sprach und ihnen Mittel in die Hand gab, um zuhause ihre Gesundheit selbst unterstützen zu können. 

Manchen Patienten trug er auf, Qigong zu üben, die Übung seiner Wahl war fast immer die Wolkenhände. Er meinte, diese Übung genüge vollauf, man brauche nichts anderes.

Prof. Lin dachte ähnlich. Neben der Kommunikation mit Himmel und Erde und der Übung des Schwimmenden Drachen waren die Wolkenhände die einzige bewegte Qigong-Übung, die Prof. Lin selbst praktizierte. 

Und auch Prof. Cong unterrichtete die Wolkenhände gern und oft, meist in Verbindung mit zwei anderen Bewegungen, um das Qi sich in alle sechs Richtungen (oben, unten, links, rechts, vorne hinten) frei bewegen zu lassen. 

Dazu werde ich noch ein extra Video machen (wer bei mir in den Kursen war, kennt diesen Ablauf dreier Übungen ohnehin schon sehr gut).



Monday, March 1, 2021

Die Übung vom Ursprünglichen Licht - Teil 1 & 2

Zum Mitüben: Ein Video mit beiden Teilen des Taiyi Yuanming Gong 太乙元明功, so wie sie Prof. Cong bei seinen Kursen in Österreich und Deutschland unterrichtet hatte.

Prof. Cong meinte, dass die regelmäßige Praxis des Taiyi Yuanminggong die Gesundheit auf ein stabiles Fundament stelle. Der erste Teil stärkt die Basis (er baut das Qi auf), der zweite Teil kräftigt den ganzen Körper. 

Das stabile Fundament ergibt sich - im ersten Teil der Übung - aus dem Ausgleich der verschiedenen Yin und Yang-Aspekte des Qi (vor allem aus dem Nähren" des Yin-Aspekts des Qi), der resultierenden starken inneren Bewegung des Qi und der Öffnung gegenüber dem Qi von Erde und Himmel. 

Die drei anschließenden Bewegungen bauen auf dem ersten Teil der Übung auf und stärken den ganzen Körper. So heißt der zweite Teil der Übung auch da lian xing 大练形 - Große Übung der Gestalt. 

Prof. Cong sagte dazu: Der zweite Teil des Yuanminggong baut auf dem ersten auf, er ist eine anspruchsvolle und auch für manche auch anstrengende Übung. Mit Gestalt ist der physische Körper gemeint. Mit dem ersten Teil der Übung baut man das innere Qi auf, im zweiten Teil wird dieses stark bewegt und kräftigt den ganzen Körper, von den inneren Organe bis zu den Knochen, Sehnen und Muskeln. 


Friday, February 26, 2021

Sechs einfache Taiji-Bewegungen zur Förderung der Gesundheit - Die ersten fünf Übungen

Hier ist ein weiteres Übungsvideo, mit den angekündigten ersten fünf Taiji-Übungen zur Förderung der Gesundheit. 

Da normale Kursstunden sicher noch für längere Zeit nicht stattfinden können, bemühe ich mich, immer wieder mittellange bis längere Videos zum Mitüben zu produzieren. 

In Räumen sind Kursstunden ohnehin nicht möglich, aber auch draußen nicht, auch wenn es das Wetter inzwischen schon gestatten würde. Laut Auskunft des Ministeriums sind Stunden im Freien weiterhin verboten. Und die Strafen sind hoch, nichts, worauf man als Qigonglehrer in der derzeitigen Situation scharf ist. 

Darum poste ich immer wieder Videos wie auch das heutige, als Ersatz für die regelmäßigen Wochenstunden.

Wednesday, February 24, 2021

Sechs einfache Taiji-Bewegungen zur Förderung der Gesundheit - Fünfte Übung

Hier ist die fünfte Übung aus der Folge der „Sechs Taiji-Bewegungen zur Rehabilitation und Förderung der Gesundheit“:


Monday, February 22, 2021

Fangsonggong - Entspannungsübung für die Augen

Noch einmal zurück zu den Entspannungsübungen, und noch einmal zurück zu den Augen.

Mit den bisherigen Postings und Videos habe ich Entspannungsübungen für den ganzen Körper beschrieben:

Die Entspannung bestimmter Körpersegmente (Kopf und Hals, Brust und oberer Rücken, Bauch und unterer Rücken, Arme, Beine) bzw. die Entspannung entlang dreier Linien: 

- vom Kopf bis in die Hände zu den Mittelfingern (Akupunkturpunkt Herzbeutel 9 - Zhongchong)
- vom Kopf zu den Füßen zur großen Zehe (Milz 1 - Yinbai) 
- vom Kopf zu den Füßen zu den Fußsohlen (Punkt Niere 1 - Yongquan).

Die Übungssequenz ist dabei immer gleich: 

Zuerst setzt, stellt oder legt man sich in der vorgegebenen Haltung hin und beruhigt die Atmung. 

Dann geht man den Körper durch, entspannt den entsprechenden Bereich, intoniert innerlich den Laut „sung“ und versucht das resultierende Entspannen, Lockern und Weiten zu spüren.

Dann folgt eine Phase der Konzentration auf das Dantian.

Und schließlich beendet man die Übung, indem man den Speichel schluckt und in der Vorstellung ins Dantian sendet.

Entspannungsübungen können natürlich auch lokal, mit der Konzentration auf nur auf einen Körperbereich, ausgeführt werden.

Wie man dies praktiziert,  möchte ich hier am Beispiel der Augen beschreiben. Die Übung passt auch gut zum Augen-Kreisen von Dr. He Puren, das ich vor ein paar Wochen vorgestellt habe.

Als erstes achtet man auf die Körperhaltung (aufrecht und locker im Sitzen oder Stehen oder gerade ausgerichtet, wenn man auf dem Rücken liegt) und konzentriert sich auf das ruhige Kommen und Gehen des Atems. Dann richtet man die Aufmerksamkeit auf die Augen, intoniert beim Ausatmen innerlich den Laut „sung“ und spürt der Wirkung nach.

Zu Beginn wird man wahrscheinlich keine sehr differenzierte Wahrnehmung haben. Man spürt natürlich die Augen und die umliegenden Bereiche des Gesichts, vermutlich jedoch nur vage, und wahrscheinlich bemerkt man gar nicht, wo die Spannungen sitzen bzw. wieviel Spannung in den Augen und im Gesicht ist. 

Mit der Zeit wird man bemerken, dass sich das Gefühl der Ruhe immer mehr vertieft. Und damit einhergehend wird man allmählich anfänglich verborgen gebliebene Spannungen wahrzunehmen beginnen. Vielleicht bemerkt man auch, dass die Augen zu trocken sind, dass man die Augenbrauen oder Stirn gewohnheitsmäßig runzelt, die Augen zu fest schließt, oder dass sich die Augen nicht sehr beweglich anfühlen.

Spürt man dies, kann man während des Übens ein paar kleine Bewegungen machen: die Augen mehrmals öffnen oder schließen, sie ein paar Mal auf und ab und links und rechts bewegen, die Stirn und die Augenbrauen ein paar Mal absichtlich runzeln und wieder entspannen etc.. Simple Dinge. Und dann wieder weitermachen mit „sung - sung - sung“.

Je mehr sich die Augen entspannen, desto mehr wird man auch wahrnehmen können: die einzelnen Bereiche (Stirn, Augenbrauen, Augenhöhlen, Augen, Nase…), deren Verbindungen untereinander, wie die Augenlider auf den Augen liegen, die sich verändernde Feuchtigkeit der Augen, sich entwickelnde Tränen… 

Und es wird sich der Zustand der Ruhe immer weiter vertiefen. Die Atmung wird sich verändern, ruhiger und tiefer werden, auch der Laut „sung“ wird feiner und mehr gespürt als innerlich gehört werden. 

Die Entspannung wird schließlich den Augengrund erreichen und auch das Dunkel, das man bei geschlossenen Augen sieht, wird sich wandeln, vielleicht taucht sogar ein Licht auf oder es zeigen sich Farben.

Reaktionen auf die vertiefte Entspannung sind immer individuell. Ich gebe hier eine allgemeine Beschreibung, doch werden sich die allmähliche Entspannung und der  Fluss des Qi in den Augen und im Gesicht bei jedem etwas anders auswirken. 

Es wird auch sicher dauern, bis es zu einem vertieften Entspannen und Loslassen kommt. Es ist ein Prozess, der regelmäßiges Üben und Geduld braucht. 

Wichtig! Wie immer im Qigong gilt die Regel, nicht zu versuchen, bestimmte Phänomene, bestimmte Wahrnehmungen, bestimmte Empfindungen absichtlich herbeizuführen. Damit erreicht man nichts, man verhindert die natürlichen Wirkungen der Übung und erzeugt unter Umständen sogar unerwünschte Nebenwirkungen.

Geduld, Entspannung, Ruhe, das ist alles, was es braucht. Wirkungen stellen sich früher oder später von selbst ein.


Konkreter Übungsablauf:

- Man übt am besten im Sitzen oder Liegen.

- Zuerst lässt man den Atem durch die Nase ein- und ausströmen, für ein paar Minuten, und spürt, wie sich ein Gefühl der inneren Ruhe ausbreitet.

- Dann verwendet man die Ausatmung zusammen mit den gedachten Laut „sung", um zu entspannen, zu öffnen, zu weiten und dem Qi zu freiem Fluss zu verhelfen.

- Die Augen schließen und entspannen: „sung - sung - sung“.

- Die Augenlider entspannen „sung - sung - sung“.

- Die Feuchtigkeit der Augen spüren: „sung - sung - sung“ (3x)

- Die Augenbrauen entspannen: „sung - sung - sung“ (3x).

- Das Gesicht entspannen: „sung - sung - sung“ (3x).

- Den Augengrund entspannen: „sung - sung - sung“ (3x).

- Die Augen entspannen „sung - sung - sung“ (3x).

- Dann richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Dantian. Dreimal tief aus- und einatmen.

- Und schließlich schluckt man den während des Übens entstandenen Speichel, dreimal, sendet ihn mittels der Vorstellung ins Dantian und beendet damit die Übung.

Saturday, February 20, 2021

Das ruhige Stehen

Im vorgestern geposteten Video zeige ich unter anderem eine Übung des ruhigen Stehens, mit den Händen vor dem Unterbauch, gekoppelt mit der Vorstellung, im warmen Wasser eines Sees leicht von den Wellen bewegt zu werden.

Diese Übung habe ich vor vielen Jahren von Prof. Cong gelernt. Diese und andere Steh-Übungen hatte er in vielen seiner Seminare unterrichtet, manchmal als eigenständige Übung, sehr oft auch in Verbindung mit den anderen Übungen, die Teil seines Repertoires waren, wie Fanhuangong, Taiyi Yuanminggong, Qigong-Gehen etc. Manche der von ihm gelehrten Übungsfolgen, wie Laozis großes Dao des Wirklichen und der Natur" sind sogar so aufgebaut, dass auf Phasen der Bewegung ebenso lange Phasen ruhigen Stehens folgen.

Hundert (bewegte) Übungen reichen nicht an ein einmaliges Stehen heran", dies ist ein in Qigong-Kreisen weit verbreiteter Spruch. Natürlich braucht man dies nicht als absolute Aussage zu verstehen, doch ist unbestritten, dass das Stehen erhebliche positive Wirkungen auf die Gesundheit hat. Auch Prof. Cong meinte mehr als einmal im Privaten zu mir, dass das ruhige Stehen zu den Übungen gehörte, von denen er gesundheitlich am meisten profitiert hatte.

Stehübungen sind Teil des traditionellen Kampfkunsttrainings, doch nicht nur, sie stellen auch eine eigenständige große Richtung des Qigong dar, mit wie gesagt, hervorragenden therapeutischen Wirkungen.

Ich möchte hier Yu Yongnian 于永年 zitieren, einen berühmten Meister des Stehens und Arzt aus Peking, der diese Art Übungen als erster in die Pekinger Spitäler eingeführt hatte: 

Das ruhige Stehen stellt eine sehr besondere und spezielle Form der Bewegung unter all den therapeutischen Übungen des Qigong dar. Es hat keinerlei Nebenwirkungen, da man nichts absichtlich mit dem Atem macht und nicht verlangt wird, sich in einen tiefen Ruhezustand zu versenken. 

Man braucht sich nur hinzustellen, an einem Ort mit genügend Sonnenlicht und frischer Luft, drinnen oder draußen, die entsprechende Stellung einzunehmen, gleich einem Baumstamm unbewegt zu stehen und natürlich zu atmen. Man entspannt den ganzen Körper, ohne schlaff zu werden, und hält gleichzeitig eine gewisse Spannung, ohne starr und steif zu werden. Das genügt. 

Die Methode ist sehr einfach, und man kann die Übungszeit selbst sehr gut variieren. Man beginnt üblicherweise mit 5 Minuten, kann das Üben aber bis zu maximal einer Stunde ausdehnen. Das ruhige Stehen eignet sich für Mann und Frau, Alt und Jung, und kann überall praktiziert werden."

In den Übungen dieses Blogs findet sich das Stehen ebenfalls, als Eröffnungsübung der Heilenden Laute, als spezielle Übung mit gekreuzten Armen vor der Brust zur Unterstützung des Qi der Lunge, als wesentliches Übungselement von Prof. Lins Kommunikation mit Himmel und Erde" und, in der vorgestrigen Übungsstunde, als ruhige Ergänzung der anderen Übungen. 

Alle diese Stehübungen können auch gesondert als alleinige Übung für sich praktiziert werden.

Am Beispiel der zu Beginn erwähnten vorgestern geposteten Übung: 

Wie man auch im Video sehen kann, stellt man sich hin (kann man nicht stehen, setzt man sich hin) und bringt die Hände vor den Unterbauch. Die Hände sind nicht zu eng am Körper, auch nicht zu weit weg. Der Abstand beider Hände ist ca. eine Handspanne, die Handflächen schauen zum Boden. 

Der Stand ist ca. schulterbreit oder etwas breiter, die Knie sind etwas gebeugt, der Körper ist aufrecht und das Kinn etwas nach innen gezogen. 

Den Atem lässt man natürlich fließen, ohne ihn zu beeinflussen. Auch mit der Zunge braucht man nichts zu machen, d.h. sie wird nicht an den Gaumen angelegt.

Die körperliche Haltung wird durch die Vorstellung ergänzt, dass man im warmen Wasser eines Sees steht und sanft vom Wasser bewegt wird. 

Man steht dann so lange, wie man möchte. Das Qi reguliert sich beim Üben ganz von selbst, man braucht nichts weiter zu tun, als ruhig stehen zu bleiben und die Vorstellung beizubehalten. 

Bei den Steh-Übungen braucht es keine Eröffnungsübung, und auch keine Abschlussübung. Zu Beginn stellt man sich hin, wenn man abschließen möchte, lässt man einfach die Hände sinken, und das war's.

Wenn man sich nicht überfordert, wird man entdecken, dass diese Art des Übens sehr angenehm ist. Zu Beginn ist es sicher besser, die Zeit kurz zu halten, entdeckt man das durch das Üben ausgelöste große Wohlbefinden, dann wird man wie von selbst auch länger stehen wollen.

Wednesday, February 17, 2021

Die innere Ruhe und der Fluss des Qi - Eine Qigong-Stunde

Ruhe ist die Basis der Bewegung. 

Das Qi reguliert sich in der Ruhe, darum wirkt die Ruhe heilend und regenerierend. Jede Qigong-Übung die einen in die Ruhe führt, ist die Richtige.

Alles, was beim Qigong-Üben wesentlich ist,  geschieht mehr im Lassen als im Tun, mehr im Vergessen als im Lernen, mehr in der Entspannung als in der Anstrengung, mehr in der Lockerheit statt in der Bemühung. 

Man muss das Qi nicht im Körper lenken, man braucht es nicht extra zu mobilisieren, um Krankheiten zu widerstehen. 

Die Wirkungen des Qigong werden nicht gemacht, sie ereignen sich. In der Entspannung. In der Ruhe. In der inneren Stille. 


Monday, February 15, 2021

Sechs einfache Taiji-Bewegungen zur Förderung der Gesundheit - Die ersten vier Übungen

Dieses Video der ersten vier Übungen aus Folge simpler Taiji-Bewegungen ist wieder zum Mitüben gedacht. 

Ein paar Anmerkungen dazu:

Obwohl es zwischen den verschiedenen Schulen des traditionellen Taiji teilweise erhebliche Unterschiede gibt, haben sie doch auch wesentliche Wirkprinzipien gemeinsam. Mit anderen Worten, es kommen in jeder Taiji-Form und -Übung eine Reihe von Komponenten zusammen (die Bestandteile einer die Gesundheit fördernden Rezeptur sozusagen), die Taiji erst wirksam machen. 

Um diese Wirksamkeit geht es mir hier. Die Bewegungsabläufe des Yang-Stils, Wu-Stils, Sun-Stils etc. sind kompliziert. Es kann sie zwar jeder erlernen, auch die langen, schwierigen, komplexen Formen, aber niemand kann sie schnell erlernen, es braucht Jahre um Jahre konsequentes Lernen und Üben. Darüberhinaus ist Taiji eine Kampfkunst, nicht jeder ist an diesem Aspekt des Taiji interessiert.

Versucht man etwas zu lernen, und realisiert, dass man dazu sehr lange brauchen wird, oder hat man überhaupt Schwierigkeiten, sich längere Abläufe zu merken, dann führt das schnell zu Frust. Man verliert die Motivation, entwickelt eine tüchtige Portion schlechtes Gewissen, gibt irgendwann auf und lässt eine Art des Trainings, die grundsätzlich hilfreich, unterstützend und wichtig wäre für die Gesundheit, wieder sein. 

Das macht das Vereinfachen so sinnvoll. Es macht Taiji für jeden zugänglicher, unabhängig von Alter und körperlicher Verfassung. Solange die wesentlichen Wirkprinzipien dabei nicht verloren gehen, können die gesundheitlichen Möglichkeiten des Taiji sogar besser verwirklicht werden. 

Darum poste ich diese Übungen, die hoffentlich einfach, nachvollziehbar und, so wie sie sind, einleuchtend genug sind. Im Video spreche ich während des Übens ein paar der Wirkprinzipien an. Und in der nächsten Zeit werde ich noch extra einen ausführlicheren Text dazu verfassen.

Saturday, February 13, 2021

Sechs einfache Taiji-Bewegungen zur Förderung der Gesundheit - Vierte Übung

Hier ist das nächste Taiji-Video, diesmal mit der vierten Übung aus der Folge der „Sechs Taiji-Bewegungen zur Rehabilitation und Förderung der Gesundheit“:

Friday, February 12, 2021

Xinnian kuaile! 新年快樂!Ein gutes neues Jahr des Metall-Büffels!

Xinnian kuaile!  新年快樂!Ein glückliches Neues Jahr! Das wir alle dringend gebrauchen können...

Heute ist der erste Tag des Chinesischen Neuen Jahres des Metall-Büffels.

Der Metall-Büffel ergibt sich daraus, dass dieses Jahr nach dem chinesischen Kalender ein xin-chou 辛丑- Jahr ist.  In der chinesischen Zeitrechnung sind die Jahre charakterisiert durch eine Kombination von Himmlischen Stämmen (von denen gibt es zehn) und Irdischen Ästen (von denen gibt es zwölf). Das zyklische Zeichen xin 辛 ist der achte der Himmlischen Stämme und entspricht bei den Fünf Wandlungsphasen dem Metall. Das zyklische Zeichen chou 丑 ist der zweite der Irdischen Äste und entspricht dem Büffel.

Ich habe mir gedacht, aus diesem Anlass suche ich im Netz einige berühmte chinesische Bilder von Büffeln und poste sie hier. 

Wenn man die Computermaus über die Bilder hält, sieht man Dynastie, Namen und Lebensdaten der Künstler.




 







Tuesday, February 9, 2021

Fangsonggong - Entspannung entlang dreier Bahnen - Video

Dies ist nun das angekündigte Video zur im letzten Posting beschriebenen Übung.

Man entspannt entlang dreier Bahnen - seitlich, vorne und hinten - von oben nach unten zu den Händen bzw. zu den Füßen. Falls man sich die Details der Übung nicht ganz merkt, ist es kein Problem. Man geht einfach die Bahnen von oben nach unten durch, ob in mehr oder weniger Segmenten, ist nicht so wichtig.

Zu Beginn am besten im Sitzen oder Liegen üben. Später kann man es auch im Stehen oder Gehen probieren.

Natürlich atmen. Den Laut „sung" stellt man sich bei der Ausatmung vor. 

Nicht zu sehr konzentrieren. 

Diese Art des Qigong-Übens ist zwar sehr einfach, fällt aber nicht jedem auf Anhieb leicht. Es kann gut sein, dass man die Übung als zu eintönig oder langweilig erlebt, und dass die Aufmerksamkeit auszubrechen versucht. Sitzen und Galoppieren (zuochi 坐驰) heißt das bei Zhuangzi. 

Falls es einem so geht, hilft es meist nicht, wenn man die Aufmerksamkeit zu zwingen sucht. Es ist in so einem Fall besser, es sich einfach leichter zu machen, sich weniger zu konzentrieren, nachlässiger zu üben, die Übung etwas schneller zu machen, oder auch die Übung abzubrechen und zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen. 

Setzt man sich nicht unter Druck, findet man früher oder später ins ruhige Entspannen hinein. Und kann sich dann während des Übens, um es mit Joachim Ringelnatz zu sagen, als „luftglücklich leicht" erleben.

        Vorbereitung: 
  • Für ein paar Minuten ruhig ein- und ausatmen.
  • Die Zähne aufeinander klappen. Mit der Zunge im Mund kreisen. Den Speichel ins Dantian schlucken. Die Hände aufeinanderlegen und im Uhrzeigersinn über den Bauch kreisen.
        Hauptübung: 
  • Man verwendet die Ausatmung, den gedachten Laut „sung" und die Konzentration auf die entsprechenden Körperbereiche, um zu entspannen und dem Qi zu freierer Bewegung zu verhelfen.
        Abschluss: 
  • Ruhig ein paar Minuten lang auf das Dantian konzentrieren.
  • Den Speichel in der Vorstellung ins Dantian schlucken.
  • Massagen: Kopf, Ohren, Hinterkopf, unterer Rücken.

Monday, February 8, 2021

Fangsonggong - Entspannung entlang dreier Bahnen

Diese ist eine wichtige der traditionellen Entspannungsübungen. Der Name der Übung rührt daher, dass man entlang dreier Bahnen entspannt, die vom Kopf bis zu den Füßen verlaufen: einer seitlich, einer vorne und einer hinten am Körper verlaufenden Bahn. 

Die Übung kann im Sitzen, Stehen, Liegen, und sogar, wenn man eine gewisse Fertigkeit erworben hat, auch im Gehen ausgeführt werden.

Beim Üben atmet auf natürliche Weise. Wenn sich dabei eine langsame, ruhige und tiefe Bauchatmung einstellt, umso besser!

Wenn man während der Konzentration auf einen Körperbereich das Gefühl hat, dass sich dort keine Entspannung einstellt, beachtet man das nicht weiter und geht einfach zum nächsten Bereich über. Wichtig ist, geistig und psychisch locker und entspannt zu bleiben und sich nicht zu sehr zu konzentrieren. 

Wenn man im Liegen übt, wird man höchstwahrscheinlich einschlafen. Beim Aufwachen macht man einfach weiter. Wenn sich irgendwann das Qi ungehindert im Körper zu bewegen beginnt, wird man auch fähig, beim Üben wach zu bleiben. Mit der Zeit entwickeln sich dann für fortgeschrittenes Qigong typische Zustände körperlichen Wohlseins, tiefer Ruhe und Gedankenfreiheit, auf denen auch die therapeutischen Möglichkeiten solchen Übens beruhen.

Man richtet die Aufmerksamkeit nacheinander auf bestimmte Körperbereiche, um in Verbindung mit der Ausatmung und dem gedachten Laut  sung" zu entspannen, zu weiten und das Qi zu bewegen.

Die drei Bahnen, entlang derer man entspannt, sind:

Bahn 1:    

Die beiden Seiten des Kopfes - die beiden Seiten des Halses - Schultern - Oberarme - Ellbogen - Unterarme - Handgelenke - Finger. 
Endpunkt ist der Zhongchong 中冲 -Akupunkturpunkt (Herzbeutel 9) an der Spitze des Mittelfingers.

Bahn 2:    

Gesicht - die Vorderseite des Halses - Brust - Bauch - die Vorderseite der Oberschenkel - Knie - Unterschenkel - Füße - Zehen. 
Endpunkt ist der Yinbai 隐白 - Akupunkturpunkt an der Großzehe (Milz 1), innen knapp neben dem Nagelwinkel).

Bahn 3:    

Hinterkopf - Nacken - oberer Rücken - unterer Rücken - Rückseite der Oberschenkel - Kniekehle - Rückseite der Unterschenkel - Fersen - Fußsohlen.
Endpunkt ist der Yongquan 涌泉 - Akupunkturpunkt (Niere 1) in der Mitte der Fußsohle, am Übergang vom 1. zum 2. Drittel der Fußsohle (wenn man die Fußsohle in drei Teile teilt und die Zehen nicht mitrechnet).

Konkreter Übungsablauf:

Zu Beginn atmet man ruhig durch die Nase und bleibt für ein paar Minuten auf die Atembewegung konzentriert.

Dann verwendet man Ausatmung, den gedachten Laut sung" und die Konzentration auf die entsprechenden Körperbereiche, um zu entspannen, zu öffnen, zu weiten, wodurch man dem Qi zu freierer Bewegung hilft.

Man beginnt mit der ersten Bahn, konzentriert sich auf die Seiten des Kopfes und entspannt mit derAusatmung: sung - sung - sung". Dann konzentriert man sich auf die Seiten des Halses und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: sung - sung - sung". Und so geht es weiter, Abschnitt für Abschnitt, bis man beim Endpunkt der ersten Bahn (Spitze des Mittelfingers) angelangt ist. Dort lässt man die Aufmerksamkeit ein paar Minuten verweilen.

Dann geht es weiter mit der zweiten Bahn. Man konzentriert sich auf das Gesicht, und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: sung - sung - sung". Man konzentriert sich vorne auf den Hals und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: sung - sung - sung". Und so weiter, bis man beim Endpunkt der zweiten Bahn (großer Zeh, innen neben dem Nagelwinkel) angelangt ist. Dort lässt man die Aufmerksamkeit ein paar Minuten verweilen. Die Konzentration auf die Punkte muss nicht sehr präzis sein, es genügt an die Großzehe zu denken.

Dann geht es weiter mit der dritten Bahn. Man konzentriert sich auf den Hinterkopf, und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: sung - sung - sung". Man konzentriert sich auf den Nacken und entspannt mit der Ausatmung und dem vorgestellten Laut: sung - sung - sung". Und so weiter, bis man beim Endpunkt der dritten Bahn (Mitte und etwas weiter vorne an der Fußsohle) angelangt ist. Dort lässt man die Aufmerksamkeit ein paar Minuten verweilen.

Ist man damit fertig, richtet man die Aufmerksamkeit für ein paar Minuten auf das Dantian.

Zum Abschluss schluckt man den während des Übens entstandenen Speichel (3x) und sendet ihn gedanklich ins Dantian.

Danach kann man noch Massagen anschließen: Kopf, Augen, Ohren, Nase Hinterkopf, unterer Rücken.

Die Übung ist sehr ähnlich der, die ich letzte Woche gepostet habe, die Aufmerksamkeit richtet sich einfach auf mehr Bereiche des Körpers. Wenn man sich einmal den Ablauf gemerkt hat, braucht man für die Übung nicht lange, ca. 15 Minuten. 

Ein Video zur Erklärung der Übung folgt noch.

Sunday, February 7, 2021

Alllgemeine Bemerkungen zu den Entspannungsübungen

Ich möchte heute mit ein paar allgemeinen erklärenden Bemerkungen noch einmal auf die Fangsonggong/Entspannungsübungen eingehen.

Diese stellen nicht nur hervorragende Basisübungen des Qigong dar, sie sind auch ein wichtiges Übungselement, um ein weiter bis sehr fortgeschrittenes Qigong-Niveau erreichen zu können, und darüberhinaus gehören sie auch zu den am häufigsten angewandten therapeutischen Qigong-Methoden.

Die Entspannungsübungen gehören zu den Stille-Übungen. Im Qigong unterscheidet man ja zwischen den beiden großen Kategorien Bewegung und Ruhe/Stille, also Übungen in Bewegung und Übungen in Ruhe.

Wechselseitig stellen die Übungen der einen Kategorie die Basis der anderen dar, das heißt, durch ruhige Übungen erwirbt man dasjenige stabile Fundament, auf dem aufbauend bewegte Übungen erst eine bessere bis hohe Wirksamkeit entfalten können. Fehlt dieses Fundament, entwickelt man sich nie über ein bestimmtes Niveau hinaus, und, was vor allem therapeutisch bedeutsam ist, es bleibt die Wirksamkeit des bewegten Qigong ziemlich beschränkt, mit anderen Worten, man kommt selbst bei fleißigem Üben nicht sehr weit. 
 
Umgekehrt ist es so, dass es das regelmäßige Üben von bewegtem Qigong braucht, damit man die Fähigkeit zum Eintreten in Zustände tieferer Ruhe und Stille erwirbt. Die stillen Übungen fallen einem auf Basis der bewegten Übungen viel leichter, auch sie wirken dann besser, und man kann auch vermeiden, dass es zu gewissen Qigong-Fehlentwicklungen kommt.

Übungen in Bewegung und in Ruhe sind also gleichermaßen wichtig. Qigong nur mit Übungen einer Kategorie zu üben ist einseitig, es wirkt auf die Dauer einschränkend und erschwert bzw. verhindert, dass sich die erwünschten tiefergehenden Wirkungen und Übungserfolge einstellen.

Wie erwähnt, Ruhe-Übungen gehören zu den am häufigsten angewandten therapeutischen Qigong-Methoden. Drei Aspekte sind charakteristisch für sie: spezielle Körperhaltungen, spezielle Atemtechniken und spezielle Methoden der Versenkung in die Stille. Typisch für diese Art der Übungen ist, dass sich der Körper zwar in einem Zustand der Ruhe befindet (ruhiges Sitzen, Liegen, oder auch Stehen), doch bezieht sich dieser Zustand der Ruhe nur auf das Außen, auf die physische Unbewegtheit. Das Innere des Körpers (Meridiane, Qi-Bahnen, innere Organe) ist hingegen nicht ruhig, sondern befindet sich in einem Zustand gesteigerter Qi-Aktivität.

Während des letzten Jahres habe ich auf dem Blog und auf YouTube eine Reihe von Übungen vorgestellt, Übungen, wie sie Prof. Cong (Taiyi Yuanminggong - Die Übung des Ursprünglichen Lichtes) und Prof Lin (Tongtian Guandigong - die Übung der Kommunikation mit Himmel und Erde) vor Jahren unterrichtet hatten, darüberhinaus auch Übungen wie die Sechs Heilenden Laute, die Leichten und Unbeschwerten Übungen, das Einfache Taiji zur Förderung der Gesundheit und eine Reihe von Massagen. All diese Übungen gehören zur Kategorie des Qigong in Bewegung.

Von mir ist das nicht so gemeint, dass man nun all dies üben sollte, das wäre viel zu viel. Ich wollte sinnvolle Übungen für die Pandemie zeigen, und auch die Zwangspause dazu nutzen, Qigong-Methoden zu zeigen, die bisher in den Kursen zu kurz gekommen sind, und denjenigen, die interessiert sind, einen ein wenig weiteren Überblick über das schier unendliche „Meer des Qi“ zu geben.

Was das konkrete Üben betrifft: Man wählt am besten einfach eine oder zwei dieser Methoden aus und übt diese dann, allerdings so regelmäßig wie möglich. Oder man bleibt bei Übungen, die früher in den normalen „analogen“ Qigongzeiten Inhalt der Kurstunden und Seminare waren (Fanhuangong, Qigong-Gehen, Laozis Übung der Kultivierung des Wirklichen, die Übung des Schwimmenden Drachen, die Übungen von Jia Laoshi und Prof. Xia Shuangquan etc.).

Man braucht keine künstlichen Hierarchien herzustellen, es handelt sich bei allen Übungen um hervorragende Qigong-Methoden. Beim Posten von Übungen achte ich auch sehr darauf, dass die Übungen untereinander nicht im Widerspruch stehen, und auch nicht mit den Übungen, die ich sonst in den Kursen unterrichte. Das heißt man kann unbesorgt auch eine Kombination dieser Übungen üben.

Stille-Übungen habe ich bisher jedoch nur eine gepostet, das auf Zhu Xi zurückgehende Betrachten des Atems (Guanxifa). Das ist zu wenig, darum werde ich in der nächsten Zeit, neben bewegten Übungen, auch noch einige weitere Fangsonggong/ Entspannungsübungen posten.

Wie gesagt, sie gehören zur Kategorie der Stille-Übungen und ich kann sie, als wesentliche Ergänzung zu den bewegten Übungen, nur wärmstens empfehlen.

Saturday, February 6, 2021

Everything Is Going to Be All Right - Alles wird gut sein

Hier ist ein Gedicht des irischen Dichters Derek Mahon, der Anfang Oktober des letzten Jahres gestorben ist. Im Frühjahr, zu Beginn der Pandemie, hatte der irische Sender RTE jede seiner Nachrichtensendungen mit dem Vortrag dieses Gedichtes beendet. 

"Ein wachsames Herz", wie notwendig im letzten Jahr, und wie notwendig auch heuer!

Everything Is Going to Be All Right

How should I not be glad to contemplate 
the clouds clearing beyond the dormer window 
and a high tide reflected on the ceiling? 
There will be dying, there will be dying, 
but there is no need to go into that. 
The poems flow from the hand unbidden 
and the hidden source is the watchful heart. 
The sun rises in spite of everything 
and the far cities are beautiful and bright. 
I lie here in a riot of sunlight 
watching the day break and the clouds flying. 
Everything is going to be all right.

Ich habe mich an einer Übersetzung versucht:

Alles wird gut sein

Wie soll ich mich nicht freuen an der Betrachtung
der sich über dem Dachfenster lichtenden Wolken
und der sich an der Decke spiegelnden Flut?
Es wird ein Sterben geben, es wird ein Sterben geben,
aber darauf muss man nicht eingehen.
Die Gedichte entfließen der Hand, ungerufen,
und die verborgene Quelle ist das wachsame Herz.
Die Sonne geht auf, trotz allem,
und die fernen Städte sind schön und hell.
Ich liege hier in einem Aufruhr von Sonnenlicht
betrachte den Anbruch des Tages und die fliegenden Wolken.
Alles wird gut sein.


Thursday, February 4, 2021

Innerer Raum und Regulation - eine Qigong-Übungsstunde

Eine Stunde mit Übungen, die das Qi „ausbreiten“, die Begrenzungen von Brust und Mitte öffnen und den inneren Raum schaffen, der nötig ist für den freien Fluss des Atems und des Qi.

Durch Heben und Senken, Öffnen und Schließen orientiert man sich an den Kardinalrichtungen des Qi, fördert die Qi-Bewegung in alle Richtungen und reguliert und harmonisiert die Qi-Aktivitäten.

Die harmonische Regulation (tiaohe 调和) ist Voraussetzung des reibungslosen und geordneten Funktionierens aller körperlichen Aktivitäten, sie ist die Grundlage der Gesundheit und auch ihr kreativer Ausdruck.


Tuesday, February 2, 2021

Nahrung für das Leben - Birnen- und Pastinakensuppe zur Unterstützung des Lungen-Qi

Aus Kerrys Serie „Nahrung für das Leben“

Alle Nahrung nährt das Leben… Die Zubereitung und der Verzehr von Nahrung stellen im TCM-Verständnis einen Transformationsprozess dar, durch den sich das kreative Yang-Qi des Individuums ausdrückt. 

Viele traditionelle chinesische Rezepte, die in die Kategorie „Nahrung als Medizin“ oder „ Diätetik“ fallen, sind bei uns nicht gut anwendbar und umsetzbar, aufgrund von bei uns nicht erhältlichen Zutaten, ungewohnten Geschmäckern, die unsere Gaumen überfordern, oder auch einfach deshalb, weil man ein gewisses Wissen von der chinesischen Küche haben und zumindest einige ihrer Kochtechniken beherrschen muss.

Doch wenn man die Prinzipien der Chinesischen Medizin versteht, vor allem, wenn man gelernt hat, differenzierte und komplexe chinesische Kräuterrezepturen zu erstellen und zu modifizieren, dann wird es möglich, die Küche in einen Apotheke zu verwandeln mit Hausmitteln, die der entsprechenden Jahreszeit und dem individuellen Gesundheitszustand des Individuums angepasst werden und die - in diesen pandemischen Zeiten - der allgemeinen gesundheitlichen Bedrohung entgegenwirken können.

Heute beginne ich mit einer kleinen Reihe von Rezepten, die in diese Kategorie der Hausmittel fallen. Es sind dies Rezepte, gedacht zur Förderung der Gesundheit eines jeden, zum Schutz gegen die immer noch präsente Bedrohung durch das CoVID-Virus und zur Hilfe gegen die Langzeitfolgen des physischen, mentalen und psychologischen Drucks, der auf so vielen Ebenen unser Qi schwächt und zum Stagnieren bringt.

Bei all diesen Rezepten gilt, dass die spezifischen Zutaten, ihre Menge und die Methode der Zubereitung diejenigen Schlüsselfaktoren sind, von denen abhängt, ob das Rezept eine bestimmte Wirkung auf das Qi hat oder nicht. Das muss einem bewusst sein. Natürlich kann jeder ein Rezept so ändern, dass es mehr dem eigenen Geschmack entspricht - tut man dies, wird es immer noch gutes, nahrhaftes Essen sein, nur ist es dann eben nicht mehr das Rezept, das von mir so geschrieben ist, das es eine spezifischere Wirkung auf das Qi hat.

Birnen- und Pastinakensuppe, um das Lungen-Qi zu nähren, zu kühlen und zu schützen

Zutaten (für zwei Personen):

1 EL Olivenöl
½ Stange Lauch, fein geschnitten
1-2 Knoblauchzehen, fein geschnitten
4-6 Pastinaken, geschält und gewürfelt
1 Karotte, geschält und gewürfelt
1 mittlere Kartoffel, geschält und gewürfelt
1 mittelgroße bis große Birne, geschält und gewürfelt (jede Art von Birne)
1,5 l Wasser
Prise Thymian
ein wenig Salbei
1 Lorbeerblatt
2 Teelöffel Miso (am besten roter oder brauner, aber jeder Miso ohne Zusatzstoffe ist geeignet)
Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

  • Öl in einem Topf erhitzen. Lauch anbraten, zugedeckt, solange, bis er glasig ist.
  • Knoblauch und den Rest des Gemüses dazugeben, ein paar Minuten unter Umrühren braten, bis das Gemüse weich zu werden beginnt.
  • Wasser, Thymian, Salbei und Lorbeerblatt dazugeben. Zum Kochen bringen und dann auf kleiner Flamme, zugedeckt, ca. 25 Minuten kochen.
  • Mit einem Mixstab pürieren, sodass die Suppe glatt, dick und cremig wird.
  • Vor dem Servieren den in etwas Wasser aufgelösten Miso und den Pfeffer hinzufügen.
Zwei mögliche Adaptionen:

  • Ist man sehr verschleimt, sind die Nebenhöhlen blockiert oder hat man eine leichte Verkühlung, dann lässt ersetzt man den Miso mit ¼ - ½ Teelöffel geriebenen Kren (Meerrettich). Der Kren wird am Ende hinzugefügt, wenn die Suppe fertig ist.
  • Erholt man sich von einer Krankheit, fühlt sich schwach, ist man anämisch, hat man ein geschwächtes Immunsystem, ist man fortgeschrittenen Alters, ist einem sehr kalt, dann bereitet man die Suppe statt mit Wasser mit hausgemachter Hühnerbrühe zu.
Die obige Kalligraphie des Zeichens 養 stammt von Liu Honggui 刘弘珪 (um 670). 養 yang bedeutet: nähren, pflegen, kultivieren

Asian Medicine and COVID-19

Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift,   gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftlic...