Temporärer Blog mit Informationen zu Chinesischer Medizin und Qigong für die Zeit der Coronavirus-Pandemie

Sunday, November 29, 2020

Tiao Qi 调气 - Das Qi und den Atem regulieren

Eine weitere Übung von Prof. Cong zur Aktivierung der Handmeridiane und zur Regulierung des Qi. 

Die Bewegung ist für niemanden von uns etwas Neues, es ist das Öffnen und Heben, Schließen und Senken, das wir oft zu Beginn der Stunden machen.

Es kommt hier jedoch noch etwas dazu. Während man hebt und senkt, öffnet und schließt, richtet sich die Aufmerksamkeit in einer bestimmten Reihenfolge auf die Finger. 

Während des Öffnens auf die kleinen Finger (Herz- und Dünndarm-Meridian), während des Hebens auf Zeige- und Ringfinger (Dickdarm- und Dreifacher-Erwärmer-Meridian), während des Schließens auf die Daumen (Lungen-Meridian) und während des Senkens auf die Mittelfinger (Kreislauf-Meridian). 

Yi dao qi dao 意到气到 - Wohin sich die Aufmerksamkeit richtet, dorthin gelangt das Qi. 

Die entspannte Aufmerksamkeit, die sich während des Übens in geregelter Abfolge auf die Finger richtet, aktiviert das Qi in den entsprechenden Meridianen. In der Stille des Qigong-Zustands geht der Impuls dann weiter und wirkt sich regulierend auf die entsprechenden Qi-Organe aus. 

Als Prof. Cong 1988 auf Einladung des Wissenschaftsministeriums nach Österreich kam, unterrichtete er neben den uns bekannten Übungen wie dem Yuanminggong, dem Fanhuangong und den diversen Gehübungen auch einfache Übungen zur Aktivierung der Meridiane und Regulation des Qi der Organe. Diese ist eine davon. 

Wichtig: nicht zu viel konzentrieren. Ruhe, Lockerheit, Entspannung sind Leitworte des Qigong, die nicht nur für den Körper, sondern auch für Atem und Aufmerksamkeit, Konzentration und Vorstellung gelten.


Thursday, November 26, 2020

In der Bewegung die Stille suchen

Lang, lang ist es her. Neulich hat mir mein Bruder zwei Fotos von Prof. Cong und mir geschickt. Die Fotos wurden in Südtirol gemacht, ich glaube 1994 in Meran (ganz sicher bin ich mir nicht). 













Jedenfalls habe ich die Bilder gleich zum Anlass genommen, ein Qigong-Video mit Prof. Cong- Übungen zu produzieren, zuerst einfachen Übungen zur Qi-Regulierung (das habe ich für meine Stunden ja ganz von ihm übernommen), gefolgt von den Taiyi Yuanminggong 太乙元明功-Übungen. 

"In der Bewegung die Stille suchen", das war einer der Leitsätze von Prof. Cong, daher auch der Name der heutigen Übungssequenz.



Tuesday, November 24, 2020

Mehr Wildnis!

Letzten Samstag fand im Rahmen der Europäischen Literaturtage 2020 ein Gespräch zwischen dem deutschen Biologen Andreas Weber mit Ariadne von Schirach über das Thema „Mehr Wildnis!“ statt. Wen es interessiert: man kann die Veranstaltung auf YouTube nachschauen. Der Link dazu findet sich unten.

Ich fand die Diskussion sehr wichtig und anregend, und obwohl Qigong oder die Chinesische Medizin nicht thematisiert wurden, sind manche Bezüge sehr offensichtlich.

Im Gespräch wurde betont, wie wichtig es sei, anders denken und fühlen zu lernen, nämlich auf eine Art, die von der Lebendigkeit der Welt ausgeht, um Lösungen für die drängenden Probleme und Bedrohungen finden zu können, der sich die Menschheit heute gegenüber sieht. 

Anders ausgedrückt: es sei wichtig, animistisch denken zu lernen, also ein Denken wiederaufleben zu lassen und einzubeziehen, das die Welt nicht als eine Welt der unbelebten Objekte sieht, sondern versteht, dass wir in einem Beziehungsgeflecht lebendiger Subjekte zuhause sind.

Doch gerade dies ist auch die Erfahrung des Qigong, darum übt man Qigong: um die eigene Lebendigkeit und die Beziehung mit der Lebendigkeit der Welt zu erleben. Immer dann, wenn man Qigong übt, auch wenn es einem nicht bewusst ist, begibt man sich in den lebendigen Bezug zur Welt und kommuniziert als lebendiges Subjekt mit allem, was lebendig ist.

Dies ist ein ganz anderer Ansatz in Bezug auf die Gesundheit, als wir gewohnt sind. Und nicht nur ein anderer gesundheitlicher Ansatz, sondern auch eine andere Art, sich in der Welt zu verorten.

Die Welt ist im alten Verständnis der Chinesen ein lebendiges Gewebe, ein Gewebe von Energien, unendlich schöpferisch, in stetem Wandel, in steter Transformation und steter Kommunikation begriffen. Sheng sheng bu yi 生生不已 - Leben hervorbringend ohne Ende, lautet der Ausdruck. Dieses Gewebe, an dem der Mensch teilhat, ist nicht geschaffen im biblischen Sinn, es ist nicht Ergebnis eines ursprünglichen Aktes, eines fiat lux. Es entsteht ziran 自然 - aus sich selbst so, von selbst so. Alles entsteht und entfaltet sich von selbst, aus sich selbst, ohne von einem göttlichen Willen gelenkt zu sein.

Und eben dieses „ziran 自然“, dieses Von-Selbst-So, liegt der Gesundheit zugrunde, meint es doch die sich im Organismus äußernde schöpferische Bewegung der Welt, die sich entfaltende natürliche und lebenserzeugende Bewegung des Qi. Durch das Üben versucht man dieser teilhaftig zu werden. Und dazu braucht es kein Tun, kein Denken, sondern die Stille. Erst die Stille erlaubt den heilenden Kräfte des Qi zu wirken, und nicht nur dies, sie ermöglicht auch eine andere Beziehung zur Welt. 

Natürlich üben viele Qigong einfach so, weil es sie freut und sie sich dabei wohl fühlen. Und manche meinen auch, sich im Sinne der modernen Leistungsgesellschaft selbst optimieren zu müssen, hip- und zen-like mittels alten esoterischen Wissens. Aber vielleicht macht doch manche die Erfahrung des Qigong nachdenklich, und erlaubt ihnen, zu einer anderen Einstellung und einem anderen Verhalten zu finden, in der man die Welt (und auch sich selbst) nicht mehr als Objekt behandelt, sondern als lebendiges kommunizierendes Subjekt.

Die Gesundheit wird es einem vermutlich danken, ist sie doch im Verständnis des Qigong ein Prozess, der sich von selbst entfaltet und einen in das allumfassende Gewebe des Lebens integriert. Qigong zu üben heißt, still zu werden, um die Möglichkeiten dieses Prozesses nicht zu stören. Als ich in einem der Beiträge der letzten Zeit Laozi zitiert habe: Wuwei er wu bu wei 无为而无不为 - Nicht-tun und nichts bleibt ungetan, und hinzugefügt habe, das sei etwas worüber sich nachzudenken lohne, da habe ich unter anderem dies gemeint.

Um meinen alten Lehrer, den Philosophen Arnold Keyserling zu paraphrasieren: Wahres Wissen geht von der Stille aus, von der Bewusstseinsebene aus ist das Subjekt nicht zu erreichen. Es zu erwecken, erfordert ein anderes Streben als die Wissenschaften und ein anderes Wissen. In allen Überlieferungen wird dieses als Weisheit bezeichnet. 

Qigong kann einen der vielen Wege dazu darstellen.


Sunday, November 22, 2020

Die vierte "Leichte und Unbeschwerte Übung"

Für den Sonntagmorgen, zuerst die vierte der Unbeschwerten Übungen, und danach die ersten vier Übungen zusammen, alles mit etwas zusätzlichem Qigong-Ezzes.


Friday, November 20, 2020

Ein Abendtee

Mandelmilchtee zum Stärken des Wei-Qi 卫气 (Yang-Abwehr-Qi), Bewegen des Xue 血 (Blutaspekt des Qi), Beruhigen des Xin-Shen 心神 (Herz-Qi und Geist).

Dieser Tee besteht aus bei uns gängigen und häufig verwendeten Zutaten, die aber auch alle in der klassischen Materia Medica der Chinesischen Medizin enthalten sind. 

Die Kombination dieser spezifischen medizinischen Zutaten stärkt nicht nur das Immunsystem und schützt vor grippeähnlichen Winterviren, sondern erwärmt auch das Qi und fördert die Durchblutung, wodurch Herz-Qi und Geist beruhigt werden. Auf diese Weise fördert die Rezeptur den tiefen und erholsamen Schlaf, welcher für die Wiederherstellung und den Schutz der Gesundheit von entscheidender Bedeutung ist.

Zutaten:

2 Tassen Mandelmilch
½ TL Kurkuma
¼ TL Zimtpulver
Eine Prise gemahlener schwarzer Pfeffer
1 Scheibe frischer Ingwer
1 TL roher Honig

Anleitung:
  • Alle Zutaten außer dem Pfeffer mit einem Mixer (oder mit einem Schneebesen) glatt rühren.
  • In einen kleinen Topf geben und bei schwacher Hitze unter ständigem Rühren ca. 5-10 Minuten erhitzen, bis die Flüssigkeit heiß ist. Schließlich den Pfeffer hinzufügen und gut umrühren. 
Den Tee warm trinken, aber nicht mehr als einmal pro Tag. Es ist am besten, wenn man den Tee abends vor dem Schlafengehen trinkt, aber in diesen pandemischen Zeiten kann es, wenn man sich schon am Nachmittag erschöpft fühlt, auch vor dem Nachmittagsschlaf sein.

Thursday, November 19, 2020

Ein Nachmittagstee

Dieser Tee ist das Äquivalent zu den „Freien und unbeschwerten Übungen“, er befreit das Qi, erlaubt dem klaren Yang aufzusteigen, beruhigt das Herz und wirkt gegen den durch den Lockdown hervorgerufenen Stress. 


Der Tee wirkt allgemein entspannend und stimmungsaufhellend, und hilft auch speziell gegen Reizbarkeit, Ungeduld, bitteren Geschmack im Mund und blockierte Verdauung (z.B. durch zu viel Sitzen im Lockdown). 

Der Tee hat neutrale Temperatur, d.h. er macht das Qi weder zu warm noch zu kühl, wirkt regulierend und ist für jeden geeignet


1 EL gelbe Chrysanthemenblüten
1 EL Kamillenblüten
1 TL Rosenblüten (oder Jasminblüten)
1 TL getrocknete Minzblätter oder 1 EL frische Minze
ca. 1 L Wasser
Honig, optional
4 dünne Scheiben frische Birne, optional

Zubereitung: 
  • Alle Zutaten (auch die Birnenscheiben) in eine Teekanne geben. Mit kochendem Wasser aufgießen und 20 Minuten lang ziehen lassen. 
  • Den Tee abgießen und die Birnenscheiben zum Essen herausnehmen. Vor dem Trinken den Tee leicht erwärmen und nach Belieben mit Honig süßen.
Es ist wichtig, dass Teekräuter und -blüten aus biologischem Anbau stammen.

Wednesday, November 18, 2020

Ein Morgentee: Pu'er (普洱茶 pu'ercha)

Wenn man noch nie hochwertigen Pu'er-Tee oder verwandte Tees getrunken hat, wird man den Tee als Überraschung erleben. Pu’er hat einen etwas erdigen Geschmack, er hebt die Stimmung und entspannt. Er enthält natürlich Koffein, doch stimuliert (hebt) er das Qi nur langsam.
 
Er unterstützt die Aufwärtsbewegung des klaren Yang-Qi und die Zirkulation des Lungen-Qi, und er weckt das Verdauungs-Qi. Dadurch, dass Pu’er-Tee das Qi reguliert und inmitten dieser stressigen pandemischen Zeiten auf den Tag vorbereitet, kann man sich gleichzeitig lebendig und ruhig fühlen.

Pu'er stammt aus der Provinz Yunnan und wird sowohl von den Chinesen als auch von den Tibetern geliebt. Die Tibeter mischen ihn normalerweise mit Yak- oder Kuhmilch und/oder Butter; die Chinesen brauen und trinken ihn als einfachen Tee und sich sich einig, dass Pu’er bemerkenswerte medizinische Eigenschaften besitzt.

Es gibt sowohl grünen, weißen als auch roten Pu’er, „rohen“ und „gereiften“ (also fermentierten), verkauft als loser Blatt-Tee oder gepresst als Teeziegel oder Teekuchen.

Bei uns ist meist nur der rote (schwarze) Pu’er als Blatt-Tee erhältlich, man findet ihn in Teegeschäften oder im Bioladen. In China ist er ein Kennerartikel, und ein guter, gealterter, gereifter Tee kann sehr teuer sein. 

Für unsere Zwecke ist gut genug, was wir in einem seriösen Biogeschäft finden können! Der Tee wird immer noch alle von mir beschriebenen medizinischen Eigenschaften haben und gut schmecken. 

Um dem Qi einen zusätzlichen Schub zu geben, kann man den Tee mit den chinesischen roten Datteln (Hong Zao 红枣) zubereiten, die ich schon in anderen Rezepten auf unserem Blog erwähnt habe. Dazu kocht man zuerst ein oder zwei rote Datteln 10 Minuten lang in Wasser, dann gießt man den Tee mit dem Wasser (inklusive der Datteln) auf. Wenn man möchte, kann man die Datteln nach dem Trinken des Tees essen.  

Eine weitere Variante ist, zusätzlich zu den Datteln ein paar Goji-Beeren hinzuzufügen (Zubereitungsart gleich wie beim Pu'er mit Datteln).

Sunday, November 15, 2020

Die ersten drei "Leichten und Unbeschwerten Übungen"

Qigong am Sonntag Vormittag: zuerst die dritte der leichten und unbeschwerten Übungen, und dann die ersten drei alle zusammen.

Das "Leichte" und das "Unbeschwerte" brauchen wir, es ist traurig, dass Österreich nun die höchste Neuinfektionsrate weltweit hat, doppelt so viel wie die USA, die ja wohl eines der Musterbeispiele katastrophalen Corona-Managements darstellen.




Darum Übungen wie diese. Leicht und unbeschwert, das ist weit mehr als nur lockerwerden und entspannen, damit man die Krise und den Lockdown besser übersteht. 

Übungen wie diese stellen ein im medizinischen Sinn vorbeugendes Programm dar. Bei reguliertem Qi reduziert sich das Risiko der Ansteckung. Wir haben in Österreich leider nicht eine niederschwellige Möglichkeit, Qigong mit vorbeugenden TCM-Rezepturen zu verbinden, wodurch, wie China vorgezeigt hat, Infektionen effektiv unterbunden werden können.

Doch können wir Qigong üben und verstehen, dass das Qi zu regulieren (nicht nur durch Qigong und TCM, auch durch Ernährung und generellen Lebensstil) eine der wichtigsten Maßnahmen zur Infektions-Prävention ist. Warum das funktioniert, darüber habe ich im Frühjahr schon geschrieben, und ich werde das in der nächsten Zeit auch wieder tun. 

Wenn ich nur an Einzelheiten aus meinem persönlichen Umfeld denke, z.B. was ich von meinem Bruder höre, wo in dem Spital in Tirol, in dem er arbeitet, sich mehr und mehr Personal ansteckt und in den letzten Tagen eine ganze Station geschlossen werden musste, wenn ich höre, dass auf der Intensivstation der Neurochirurgie in Innsbruck, wo mein Vater im Frühjahr nach seiner Hirnblutung operiert wurde, nun ausschließlich Covid-Patienten liegen und kein einziger neurochirurgischer Fall, wenn ich daran denke, was Kerrys behandelnde Ärztin ihr schon im Oktober geschildert hat, dass im Innsbrucker Landeskrankenhaus tagtäglich auf irgendwelchen Stationen Krise herrscht und laufend improvisiert werden muss, um den Betrieb am Laufen zu halten, wenn ich daran denke, dass wir nun auch schon Covid-Fälle in der engeren Familie haben und allein in der letzten Woche mehr als 10 Freunde als K1-Kontakt in Quarantäne mussten, dann kann ich nicht umhin, an die bei uns vergebenen Chancen der Vorbeugung durch TCM zu denken. 

Mir ist vollkommen bewusst, dass, wenn man die TCM oder noch schlimmer, Qigong erwähnt, und über den unglaublichen Erfolg Chinas in der Bekämpfung und Kontrolle der Pandemie spricht, vornehmlich auf Unglauben stößt, als naiv belächelt wird, als esoterischer Spinner oder von manchen auch als Verteidiger der chinesischen Autokratie mit ihren Menschenrechtsverletzungen gesehen wird, kurz, ich weiß, dass das bei uns aus vielerlei Gründen kein Thema ist und leider kein Thema sein wird. Trotzdem spreche ich es hier an.

In China wurde während der Pandemie das Krankenhauspersonal mittels TCM-Vorbeuge-Rezepturen geschützt, mit hervorragendem Erfolg, es gab unzählige Spitäler und andere medizinische Einrichtungen, in denen sich weder Ärzte noch Krankenschwestern und Pfleger angesteckt haben. Der Vorschlag von Mag. Stöger zusammen mit den österreichischen TCM-Ärzten, Ähnliches in Österreich zu tun, um den Infektionsdruck von den Spitälern zu nehmen, im Februar dem Gesundheitsministerium übermittelt, hat bis heute keine Reaktion zur Folge gehabt.

Bei uns wird manchmal in Nebensätzen berichtet, dass die Pandemie in China unter Kontrolle ist. Tatsächlich ist sie für den Durchschnittsbürger seit einem halben Jahr vorbei. Bei uns wird, man kann nur sagen: fahrlässigerweise, nie dargestellt, woraus das chinesische Gesamtpaket der Pandemiebekämpfung bestanden hat. Es wird immer so getan, als ob die Maßnahmen, die China gesetzt hat, nur in einer Diktatur funktionieren können. TCM und Qigong haben jedoch keine Kompatibilitätsprobleme mit demokratischen Systemen, und ausgerechnet darüber, dass und wie die TCM den entscheidenden Beitrag zur erfolgreichen Eindämmung und Kontrolle des Virus geleistet hat, wird nicht berichtet.

Ich bin in stetem Kontakt mit meinen chinesischen Freunden, natürlich auch mit unseren Qigong-Lehrern, und sehe, dass in China das Leben wieder seine ganz normalen Gänge geht. Schon im Sommer gab wieder Massenevents in Wuhan, z.B. das HOHA Water Electrical Musical Festival. Der innerchinesische Tourismus blüht, vor einem Monat, anlässlich des chinesischen Nationalfeiertags, waren über 600 Millionen Menschen unterwegs. Bei uns wird hin und wieder über lokale Ausbrüche berichtet, wie über den in Qingdao. Ausbrüche dieser winzigen Dimension wären bei uns ein Traum, in Qingdao handelte es sich um 12 Fälle, in der Folge wurden binnen weniger Tage 9 Millionen Leute getestet, und damit die Weiterverbreitung verhindert. (Die Gesamtzahl der Tests für Österreich für das ganze Jahr liegt bei ca. 2,5 Millionen.)

Die Neuansteckungsrate pro Million Einwohner beträgt in China 0,1, in Österreich mit dem gestrigen Tag 995,1.

Doch mehr dazu ein anderes Mal. Es ist einfach traurig, dass eine billige und effektive Hilfe im Corona-Management, die auch nicht im Widerspruch zu den bei uns getroffenen und zu treffenden Maßnahmen steht, nicht einmal ignoriert wird.

Darum zurück zu Qigong, zurück zum Weichen, Langsamen, Sanften, zurück zu Stille und Entspannung und zur Öffnung gegenüber den schöpferischen Kräften der Natur.

Hier die „Einfachen und Unbeschwerten Übungen 1 bis 3:


Thursday, November 12, 2020

Die dritte "Unbeschwerte Übung" und eine weitere Massage zur Unterstützung des Lungen-Qi

Hier ist ein weiteres Übungs-Video:

Zuerst mit der dritten der "Unbeschwerten Übungen" im Sitzen (ein Video mit der Übung im Stehen kommt natürlich noch), und darauf mit einer weiteren Akupunkt-Massage zur Stärkung des Lungen-Qi.

Der Punkt, um den es sich dreht, heißt Tanzhong (man findet oft auch: Shanzhong). Dieser ist Punkt 17 auf dem Konzeptionsgefäß (renmai 任脉), auch der obere Ozean des Qi (shang qihai 上气海) genannt, ein wichtiger Punkt nicht nur zur Stärkung des Qi der Lunge und des Herzens, sondern auch des Zong-Qi 宗气 (wörtlich des Ahnen-Qi, des Qi der Atmung) und des Qi des ganzen Körpers.

Monday, November 9, 2020

Einfache Massagen zur Unterstützung des Lungen-Qi

Neben den diversen Qigong-Übungen möchten wir auch weiterhin, wie im Frühjahr schon, verschiedene Möglichkeiten der Selbstmassage in das pandemische Übungsprogramm miteinbeziehen. 

Einer der Leitgedanken hierbei ist Einfachheit. 

Es hat keinen Sinn, komplizierte, lang dauernde Übungen zu posten, das erschwert es für jeden, die Dinge in den Alltag einzubeziehen und höchstwahrscheinlich ist es dann so, dass man die Inhalte zur Kenntnis nimmt, sie dann gleich wieder vergisst und nichts damit macht.

Darum Einfachheit. Und darum werden wir wieder Akupunkturpunkte vorstellen, die man ohne viel Aufwand einfach dann während des Tages massieren kann, wenn es einem gerade einfällt. Das kann zuhause sein, oder in der Arbeit, oder wenn man irgendwohin unterwegs ist, früh, mittags, abends. Wenn die Schwelle zum Tun niedrig ist, ist es viel wahrscheinlicher, dass man die Dinge auch macht und zu einer gewissen Regelmäßigkeit findet. Und damit die gewünschten Wirkungen erzeugt. 

Hier nun: 

Es gibt eine Reihe von Akupunkturpunkten, die man regelmäßig massieren sollte, zur Vorbeugung, um die Lungen zu schützen und das Lungen-Qi zu unterstützen.

Zwei dieser wichtigen und effektiven Punkte haben wir schon im Zusammenhang mit den Baxie-Übungen erwähnt.

Der erste wichtige Punkt zum Schutz der Lunge heißt Yuji (鱼际穴). Es ist der 10. Punkt des Lungenmeridians und befindet sich auf dem Daumenballen in der Mitte der Verbindung zwischen Daumenwurzel und Handgelenk.

Der Yuji-Punkt stellt im Qi-Mechanismus das Tor zur Lunge dar. Er wird häufig zur Behandlung und Linderung von Erkältungen angewendet und kommt vor allem bei Halsschmerzen zur Anwendung. Das Tor zur Lunge (also die Kehle) wird durch Yuji geöffnet, Schleim und Feuchtigkeit werden umgewandelt und ausgeschieden, Kopfschmerzen können behandelt werden usw. 

Wenn man Yuji zusammen mit Hegu (Dickdarm 4, siehe unten) massiert, kann man auch Asthmaanfälle wirksam lindern.

Wie ich im Video zeige, massiert man den Punkt ca. ein, zwei Minuten lang, entweder mit einem Finger, oder man legt die Hände ineinander und streicht mit dem Daumen der einen Hand über den Daumenballen der anderen Hand. Damit massiert man nicht nur den Punkt selbst, sondern erreicht den ganzen Verlauf des Lungenmeridians in der Hand.

Hegu (合谷穴), den vierten Punkt des Dickdarm-Meridians findet man, indem man Daumen und Zeigefinger aneinanderlegt. Am höchsten Punkt des dadurch entstehenden Muskelbauchs ist der Punkt. Die anatomische Lokalisierung ist: in der Mitte des zweiten Mittelhandknochens (an der Seite zum Daumen hin) in einer Vertiefung. Er ist einer der im Qigong wichtigsten Akupunkturpunkte und kommt dementsprechend oft zur Anwendung.

Die Qi-Funktionen des Hegu-Punkt sind vielfältig: er zerstreut Wind, öffnet die Oberfläche, öffnet die Qi-Bahnen, stärkt und verteilt das Lungen-Qi und stabilisiert das Abwehr-Qi, alles Funktionen, die jetzt in der Pandemie zur Vorbeugung wichtig sind.

Man massiert den Punkt am besten mit dem Daumen, entweder ein, zwei Minuten pressen oder kreisförmig in beiden Richtungen massieren.


Friday, November 6, 2020

Regulierung des Atems und die "Unbeschwerten Übungen"

Hier ist ein Video zum Mitüben, für Anfänger wie auch für Fortgeschrittene geeignet, zuerst mit ein paar Bewegungen zur Regulierung des Atems und des Qi, gefolgt von den ersten beiden der "Leichten und unbeschwerten Übungen".

Eine kurze Anmerkung dazu:

Beim Qigong-Üben sind Genauigkeit oder Bemühung nicht nötig, meist sogar kontraproduktiv. Man kann beim Üben ruhig nachlässig und etwas schlampig sein. Gute Qigong-Übungen sind ohnehin einfach und leicht zu merken, und wirken auch, wenn man es nicht so "gut" oder "schön" macht.

Wir sind ohnehin so vielem Stress ausgesetzt, da braucht man sich beim Qigong nicht noch zusätzlich zu bemühen und unnötig unter Druck zu setzen.

Qigong wirkt nicht durch Genauigkeit, Anstrengung oder Bemühung, sondern durch das Loslassen und durch den während des Übens erzeugten Zustand tieferer Ruhe und Entspannung. Vielleicht fällt einem das Loslassen und Ruhigwerden anfangs nicht so leicht, aber dafür ist das Üben ja da. 

Übt man halbwegs regelmäßig und überfordert sich dabei nicht, dann stellen sich Ruhe und Entspannung ganz sicher ein. Ist man ruhig und entspannt, dann fließt das Qi ungehindert und harmonisch, mit all den positiven Auswirkungen auf die Gesundheit. 

Entspannt, ruhig, natürlich, dies sind Grundprinzipien und Leitgedanken beim Qigong-Üben. Solange man beim Qigong loslässt und ruhig wird, macht man alles richtig. 


Monday, November 2, 2020

Die Unbeschwerten Übungen im Sitzen und Liegen


Kerry hat ein Video gedreht, als Ergänzung zum Video der ersten „freien und unbeschwerten Übung“. 

Das Video ist zwar auf Englisch, man kann den Bewegungen sicher auch bei mangelnden Englischkenntnissen folgen. Für diejenigen, die es brauchen, übersetze ich hier, was Kerry im Video spricht:

Dies ist eine Variante der vorgestern veröffentlichten ersten Xiaoyaogong-Übung im Sitzen und Liegen für diejenigen, für die das Üben im Stehen aufgrund von von Verletzung oder Krankheit zu anstrengend oder nicht möglich ist, und auch für diejenigen, die aufgrund von Müdigkeit und Erschöpfung eine Alternative zum Üben im Stehen brauchen.

Wenn man krank ist, ist es im Allgemeinen so, dass das Qi in der Mitte blockiert, dort, wo sich die lebenswichtigen Organe befinden. Der Fluss zu den Extremitäten ist vermindert, man merkt dies daran, dass man sich schwächer fühlt, man bekommt vielleicht kalte Hände und Füße oder auch Krämpfe, es mag sein, dass sich die Klarheit der Gedanken vermindert, dass man Kopfweh entwickelt, Schwindel usw. 

Dies kommt daher, dass sich die Hauptaktivität des Qi auf die für den Organismus wesentlichsten Organe und Bereiche konzentriert: auf Herz, Lungen, Nieren, Leber, Verdauung, damit die Lebensaktivitäten geordnet weitergehen können und der Organismus sich schrittweise erholen kann, bis die Gesundheit und der gesunde Fluss des Qi in alle Richtungen wieder hergestellt ist.

Wenn man die Übung im Sitzen machen möchte: ideal ist das Sitzen mit verschränkten Beinen, so wie Kerry im Video. Es ist auch möglich, auf einem Sessel zu sitzen, in diesem Fall etwas weiter vorne auf dem Sessel, sodass der Rücken frei ist und die Bewegung des Qi nicht behindert wird.

Um die Übung auszuführen, macht man es sich im Sitzen bequem, legt die Hände auf die Beine und lässt den Atem für eine kurze Weile fließen, solange, bis sich ein Gefühl der inneren Ruhe einstellt. Durch die Nase atmen, Einatmung und Ausatmung nur durch die Nase. 

Daraufhin entspannt man sich. Man entspannt den Körper schrittweise und geht ihn durch, vom Kopf über Hals und Nacken zu den Schultern, zu den Armen, Ellbogen, Händen, Fingern, dann geht es zu Brust und Bauch, zu oberem und unterem Rücken, zu den Hüften, den Beinen bis zu den Füßen und Zehen.

Als legt man die Hände übereinander auf den Bauch, man versucht zu spüren, wie sich die Wärme der Hände auf den Bauch überträgt, während der Atem fließt und sich die Bauchdecke hebt und senkt. 

Man kann dies solange tun, wie man möchte, es führt zu tiefer Entspannung, verankert den Geist in den Körper und erzeugt einen angenehmen Zustand der Ruhe.

Dann kann man mit der Bewegung beginnen, ganz gleich so wie beim Üben im Stehen. Man hebt die Hände auf Schulterhöhe, die Handflächen sind eher nach unten gerichtet, und senkt sie dann wieder auf den Bauch. 

Man atmet dabei ruhig durch die Nase, im eigenen Rhythmus. Vielleicht entwickelt sich die Atmung auch so, dass das Heben dem Einatmen und das Senken dem Ausatmen entspricht, man forciert dies aber nicht.

Die Augen sind geschlossen, man kann sie auch offen lassen, in diesem Fall richtet man den Blick etwas nach vor und hinunter, ohne konkret etwas anzusehen.

Man ist sich bewusst, dass der Körper zwischen Himmel und Erde ausgerichtet ist. Die Wirbelsäule ist aufrecht, das Kinn wird leicht nach innen genommen.

Wenn man nur diese eine Übung macht, wiederholt man die Bewegung zumindest 9, 10 Mal. Man kann aber auch viel länger üben, solange, wie man möchte. Auch kann man die Bewegung sehr langsam ausführen, vor allem wenn man länger übt, stellt sich ein Gefühl der Leichtigkeit, Einfachheit, Mühelosigkeit ein, dem sich zu überlassen sehr angenehm ist. Die Bewegungen werden dann wahrscheinlich sehr langsam werden.

Das Gesicht entspannen, den Kiefer, ruhig atmen.. Heben, das Qi steigt, senken, das Qi bewegt sich nach innen.. Ein fortwährendes Ausdehnen und Zusammenziehen.

Zum Beenden der Übung werden die Hände auf den Bauch gelegt. Die Konzentration richtet sich dorthin, wo sich die Hände befinden. Man denkt an das Qi, das ins Zentrum zurückkehrt, ins Dantian, den Speicher aller Lebensenergie.

Man lässt die Hände dort eine Weile liegen, bis man spürt, wie die Nieren, der Bauch, auch die Hände und die Füße wärmer werden.

Zum Abschluss die Hände reiben, dann das Gesicht, den Hinterkopf, die Ohren, über den ganzen Kopf streichen, dann die Nierengegend massieren, und schließlich die Hände auf den Bauch legen. 

Wenn man sich in letzter Zeit nicht wohl gefühlt hat und das Qi in der Mitte blockiert, ist es gut, auch noch mit den Händen über den Bauch zu kreisen, langsam und konzentriert, in konzentrischen Kreisen zuerst nach außen und dann in Gegenrichtung nach innen.

Ist man zu schwach zum Sitzen, kann man die Übung auch im Liegen machen, so wie Kerry im Video zeigt. Man kann flach im Bett liegen, oder Kopf und Oberkörper durch Polster stützen. 

Hauptsache es ist bequem. Im Liegen versucht man, ganz loszulassen. man stellt sich vor, man liegt auf der Erde oder noch besser auf Sand, und man überlässt sich dem Zug der Schwerkraft nach unten.

Sobald man sich wohl fühlt, beginnt man und führt die Übung so aus, wie oben schon beschrieben. Im Video sieht man ja gut, wie man dies tut.

Auch wenn man nicht krank ist, ist dies eine sehr angenehme Art zu üben. Auch vor dem Schlafengehen ist die Übungsvariante im Liegen sehr geeignet.

Die Unbeschwerten Übungen und ein Grundprinzip der Yin-Yang-Theorie

Hier ein kurzer Text von Kerry über die „Leichten und unbeschwerten Übungen“ und ein Grundprinzip der Yin-Yang-Theorie:

Die Yin-Yang-Theorie der TCM beschreibt, wie sich das Leben (das Qi) in vier Richtungen (hinauf und hinab, hinein und hinaus) bewegt und dadurch den nötigen Raum für die Integration und Transformation aller Lebensprozesse schafft - im Menschen, in der Natur, im ganzen Universum.

Die 4 Bewegungsrichtungen stellen komplementäre Polaritäten dar, zwei Paare, die nicht getrennt werden können. Es gibt kein Heben ohne Senken, keine Kontraktion ohne Ausdehnung, keine Bewegung nach innen ohne eine nach außen. Atmet man ein, drückt das Zwerchfell nach unten, während sich die Brust hebt und der Bauch ausdehnt. Atmet man aus, steigt das Zwerchfell, während die Brust sinkt und sich der Bauch zusammenzieht.

Alle Qi-Prozesse unseres Körpers sind auf diese Weise koordiniert. Wird die Bewegung in die vier Richtungen nicht beeinträchtigt oder gehemmt, dann können wir unseres Gesundseins sicher sein. Es existiert dann der notwendige Raum für die Gesundheit, der Raum, den Qi, Blut, Atem und Geist brauchen, um kontinuierlich durch alle Aspekte unseres Seins strömen können.

Dies ist Teil des TCM-Verständnisses der Bedeutung von „ungehindert“, „ungebunden“, „frei“ und „leicht“ (xiaoyao 逍遥 auf Chinesisch) als natürlicher Qualitäten des Lebens.

Beim Üben der Unbeschwerten Übungen richtet man sich zuerst zwischen Himmel und Erde aus, entlang der vertikalen Achse der Wirbelsäule. Der Geist wird ruhig, während man durch die Nase ein- und ausatmet. Die Handflächen ruhen auf dem Unterbauch, um diesen zentralen Speicher alles gesunden Potentials zu aktivieren und ein Gefühl der Wärme im „Dantian“ oder „Meer des Qi“ hervorzurufen.

Dies öffnet die Grenzen unseres Seins hin zu einem anderen Raum und einer anderen Zeit, die sich entspannt, grenzenlos und still anfühlen. Ein Raum, in dem alles passieren kann, in dem alles möglich ist. Ein Raum, in dem das Leben fließen kann, natürlich und ohne Behinderung.

Während der Übung, um diesen Fluss des Lebens zu unterstützen und nicht zu stören, bewegt man sich langsam und koordiniert in den vier Richtungen - der Atem strömt ein und aus, der Körper steigt und sinkt, die Arme öffnen und schließen. Je mehr man sich entspannt, desto mehr beruhigt sich der Geist. Die geistige Ruhe ermöglicht die freie Bewegung des Qi, so dass es nähren kann und festigen, transformieren und verfeinern. Dies wiederum führt zu weiterer Entspannung und einem tiefen Gefühl des Wohlbefindens.

Es gibt viele Möglichkeiten, wie man das Qi wahrnehmen kann, dieses Wohlbefinden ist eine davon. Es ist die Verkörperung des Ausdrucks „xiaoyao“ „frei, unbeschwert, ungebunden und einfach“ , es ist das, was diese Übung und Qigong im Allgemeinen so schön und wohltuend macht.

Saturday, October 31, 2020

Die unbeschwerten Übungen

Hier nun, nach der langen Pause, wieder einmal ein Übungsvideo, mit der ersten von sechs Übungen aus einer Folge, genannt „Die freien, leichten, unbeschwerten Übungen“. Diese Übungen lernte ich, wie schon die Sechs Heilenden Laute in der ursprünglichen Form, durch Prof. Lin Zhongpeng vom Qigong College in Peking kennen.

Die Bewegungen sind sehr einfach und leicht zu erlernen, geeignet sowohl für Anfänger als auch für diejenigen, die schon viel Qigong-Erfahrung besitzen. Und ich glaube, gerade jetzt in der Pandemie können diese Übungen sehr hilfreich sein, eben, weil sie so einfach und leicht zu erlernen und gut mit den uns bekannten Übungen kombinierbar sind, weil sie tiefe Ruhe und Entspannung zu vermitteln vermögen sowie ein gutes und stabiles Fundament für die Gesundheit durch den aus dem Üben resultierenden kraftvollen Fluss von Qi und Blut.

Leichtigkeit und Unbeschwertheit, dies sind Grundprinzipien des Daoismus, so beginnt auch das klassische Buch „Zhuangzi“ mit dem Kapitel über das „leichte, unbeschwerte Wandern“ , von Richard Wilhelm als „Wandern in Muße“ übersetzt.

Die Muße ist uns ja heute in Österreich offiziell verordnet worden, jetzt gilt es, sie in etwas Sinnvolles, etwas der Entspannung, der inneren Ruhe und der Gesundheit Zuträgliches zu verwandeln.

Das unbeschwerte Wandern in Muße verkörpert eine Reihe von Qualitäten, die charakteristisch sind für den Daoismus und wesentlich für das Qigong-Üben. Es sind dies die Qualitäten von Klarheit und Stille (qingjing 清净), Natürlichkeit (ziran 自然), Nicht-Tun (wuwei 无为), Weichheit und Harmonie (rouhe 柔和).

Im Qigong findet man in den Zustand des „unbeschwerten Wanderns“ durch Verständnis und Befolgen der sogenannten „Drei Grundprinzipien“ song 松 - Entspannung, jing 静 - Stille, Ruhe, ziran 自然 - Natürlichkeit. Diese dienen nicht nur als wichtige und wesentliche Anleitung für alles Üben, sie sind vor allem auch dafür da, in die richtige innere Einstellung zu finden, in eine weite und offene innere Verfasstheit, die einen der Bedrücktheit und Stagnation enthebt und damit erst die möglichen Wirkungen des Übens zur Entfaltung bringt.

Wenn ich von Bedrücktheit und Stagnation spreche, dann meine ich hier das Qi, das bedrückt, blockiert und zum Stagnieren gebracht wird. Zur Zeit erleben wir das Bedrückende als von außen kommend, aber wenn es dann in einem drinsitzt und drückt, dann bedrückt und behindert es konkret die natürliche Bewegung von Qi und Blut, es führt zu Schmerzen und Unwohlsein, physisch wie auch psychisch, zu inneren Spannungen, Unsicherheiten, Ängsten usw., und es wird einem schwer, sich daraus zu befreien.

Darum diese Übungsfolge. Heute machen wir nur eine der sechs Übungen, eine simple Bewegung, um den Atem zu regulieren, das Qi im Dantian zu stärken und die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass Qi und Blut besser fließen können, dass alle Bereiche des Körpers besser mit Qi und Blut versorgt werden können.

Immer dann, wenn durch das Üben Qi und Blut bewegt werden, stellen sich positive, therapeutische Effekte ein. Die Bewegungsabläufe, die konkreten Übungen sind hierfür wichtig, doch wichtiger sind das innerlich Weit-und-Offen-Werden, die Beruhigung des fortwährenden inneren Gedankenflusses und das Loslassen.

Song, jing, ziran, Entspannung, Ruhe und Natürlichkeit - dies bedeutet auch das Vertrauen zu haben, das alles wieder werden kann, dass sich die Dinge fügen können; der Organismus besitzt die Fähigkeit der Selbstregulation, er vermag, gesund und ganz zu werden und auch gesund und ganz zu bleiben, ist diese Fähigkeit auch bei jedem zu einem gewissen Ausmaß blockiert.

Das ist so wichtig bei den alten Methoden des Yangsheng 养生 , des Nährens der Vitalität. In ihnen ist das Wissen tradiert, wie die Fähigkeiten des Organismus zur Selbstregulation unterstützt werden können, durch die stärkere Bewegung der Körperenergien und den Ausgleich der Yin- und Yangaspekte des Qi.

Für das konkrete Üben heißt dies:

Nicht auf Anstrengung setzen, sondern auf Weichheit, nicht auf das Bemühen, sondern auf Entspannung, und darüberhinaus Geduld zu haben und das unbedingte Vertrauen, dass sich die Dinge zum Besseren fügen können, dass durch die Bewegung des Qi sich die Gesundheit allmählich verbessert.

Wu wei er wu bu wei 无为而无不为 „Nicht-Tun und nichts bleibt ungetan“, dies ist ein Satz, über den es sich nachzudenken lohnt.

Hier ist das Video:


Friday, June 26, 2020

Vorläufig letztes Posting: Übung zur Stärkung des Körpers im Kampf gegen die Epidemie

Dies ist der vorläufig letzte Tag unserer Jia You! - Initiative, wir schließen sie mit einem Video ab. Ich hatte schon viel früher vor, dieses Video zu posten, konnte es aber nur im chinesischen Netz finden und wollte niemandem das Navigieren durch Seiten voller chinesischer Schriftzeichen zumuten. Doch neulich habe ich entdeckt, dass das Video inzwischen auch auf Youtube hochgeladen wurde und damit leicht zugänglich ist.


Dies ist der letzte Tag unserer Initiative, wir schließen sie mit einem Video ab. Ich hatte schon viel früher vor, dieses Video zu posten, konnte es aber nur im chinesischen Netz finden und wollte niemandem das Navigieren durch Seiten voller chinesischer Schriftzeichen zumuten. Doch neulich habe ich entdeckt, dass das Video inzwischen auch auf Youtube hochgeladen wurde und damit leicht zugänglich ist.

Im Video wird eine Qigong-Methode vorgeführt, die ‚Übung zur Stärkung des Körpers im Kampf gegen die Epidemie‘ kangyi qiangsheng gong 抗疫强身功, welche vom Team um Prof. Fang Min 房敏 an der Universität für Traditionelle Chinesische Medizin Shanghai speziell für die Covid-19-Pandemie entwickelt wurde. Vielleicht erinnern sich manche an Prof. Fang Min, ich hatte ihn schon in einem früheren Beitrag über die nicht-medikamentösen Therapiemodalitäten der TCM erwähnt und ihn mit dieser Aussage zitiert:

"Obwohl traditionelle chinesische Übungen die Übertragungswege des neuen Coronavirus nicht blockieren und eine durch das Neue Coronavirus ausgelöste Lungenentzündung alleine nicht wirksam behandeln können, kann ihre aktive Anwendung auf der Grundlage herkömmlicher Behandlungen die kardio-pulmonale Funktion von Patienten verbessern, zur Förderung der Lebensqualität und der Immunregulierung beitragen sowie einen positiven Einfluss auf die psychische Gestimmtheit von Patienten ausüben, bei gleichzeitiger positiver Wirkung auf Prävention, Behandlung und Rehabilitation von Grunderkrankungen…

… Wir glauben, dass die nicht-medikamentösen Therapiemodalitäten der traditionellen chinesischen Medizin so früh wie möglich bei Prävention, Behandlung und Rehabilitation der Covid 19-Pneumonien angewendet werden sollten, um ihre synergistischen Eigenschaften und Vorteile voll auszuschöpfen, als hilfreicher Beitrag zur Seuchenbekämpfung gemeinsam mit der westlichen Medizin."

In der Übung zur Stärkung des Körpers im Kampf gegen die Epidemie werden unter anderen Elemente aus dem Yijingjing 易筋经, den Heilenden Lauten 六字诀, dem Shaolin Qigong 少林内功 und dem Taijiquan 太极拳 kombiniert, um das Zheng-Qi 正气 und die Körperkonstitution zu stärken, die Funktionen von Herz und Lungen zu verbessern, die Muskeln zu kräftigen, die inneren Organe zu regulieren sowie psychologische Unterstützung zu bieten.

Die Ausführenden im Video sind Prof. Fang Lei 方磊, Prof. Yao Pei 姚斐 und Dr. Sun Pingping 孙萍萍.

Auf vielen der Videoclips aus denjenigen chinesischen Spitälern, in denen die TCM zum Einsatz kam, erkennt man dieses Video auf Bildschirmen im Hintergrund. Es wurde überall in China verbreitet und zu Therapie und Vorbeugung verwendet. Die Methode richtet sich in erster Linie an Covid-19-Patienten mit einer Lungenentzündung leichten und normalen Verlaufs, an Patienten, die nach einer Covid-Infektion aus dem Krankenhaus entlassen wurden und an alle, die zuhause Vorbeugung betreiben wollen.

Das Video ist gut gemacht, auch ohne Sprachkenntnisse kann man mitüben. Es werden zwar in einem durch Instruktionen auf Chinesisch gegeben, die beschreiben aber eben genau die Bewegungsabläufe, die man sieht. Und keine Sorge, dies ist eine vollkommen sichere Methode, man kann nichts falsch machen. Selbst wenn man etwas missversteht, wird das Üben immer noch eine gute Wirkung haben. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, werde ich diese Methode in der Zukunft ohnehin einmal in allen Details durchbesprechen.

Wir posten dieses Video nicht, um zu den Übungen, wie wir in den letzten Monaten behandelt haben, noch eine weitere hinzuzufügen. Natürlich kann jeder, der Interesse hat, auch diese Übung zu seinem Übungsrepertoire hinzufügen. Und jeder, der eine gewisse Erfahrung mit Qigong hat, wird sich leicht damit zurechtfinden. Mir geht es vielmehr darum, zu zeigen, dass die Prinzipien, auf der diese Vorbeugungs- und Behandlungsmethode beruht, auch den Methoden zugrundeliegt, die wir in den letzten Monaten verwendet haben.

Das Grundprinzip ist: fuzheng quxie 扶正祛邪. Das aufrechte Qi unterstützen, um pathogenes Qi abwehren bzw. loswerden zu können. Dies geschieht durch die im Video gezeigte Methode, durch die Übungen, die wir vorgestellt haben (die Heilenden Laute, die Massagen, die Yuanminggong-Übungen) und auch durch andere traditionelle Qigong-Übungen. Darum habe ich schon ganz zu Beginn gemeint: jede Qigong-Übung, mit der man sich wohlfühlt und die man darum regelmäßig praktizieren kann, ist die richtige. Wichtig ist die regelmäßige Praxis, der regelmäßig wiederkehrende Regulationsimpuls ist es, der die notwendigen Veränderungen im Qi-Gefüge herbeiführt.

Ich betone hier noch einmal: Qigong und TCM bekämpfen keine Krankheit. Sie regulieren, das heißt sie ordnen das Qi, bringen Zustände des Ungleichgewichts wieder ins Gleichgewicht, vermindern Zustände des Exzesses, stärken bei Zuständen der Erschöpfung von Qi und Blut , senken, was zu weit oben ist, heben, was zu weit unten ist, kühlen, was zu heiß, wärmen, was zu kalt, trocknen, was zu feucht und befeuchten, was zu trocken ist. Das alles ist Regulation. Jede gute Qigong-Übung macht genau dies: sie fördert und unterstützt die Regulation.

Ein gesunder Organismus reguliert sich von selbst, das gesunde Qi reguliert sich von selbst. Ein Organismus mit reguliertem Qi wird mit Krankheiten von selbst fertig. Das wäre der Idealzustand, doch oft ist die Selbstregulation, aus unterschiedlichen Gründen, blockiert. Darum braucht es dann die Intervention durch TCM, Qigong und Meditation. Diese sind Methoden, diese Fähigkeit des Organismus zu Selbstregulation und Selbstheilung wieder herzustellen.

Gesundheit und Heilung basieren auf der Selbstregulation, die wiederum auf dem starken Zheng-Qi beruht, dem geordneten Verhaltens eines starken, gut funktionierenden Qi. Diesen simplen Satz haben wir in den vergangenen Monaten von verschiedenen Seiten zu beleuchten, zu erklären und in Methoden zu übertragen versucht:

- In bewegte Qigong-Übungen. Diese sind vor allem dazu da, das Qi zu bewegen, damit sich das Qi harmonisch und ausgeglichen entwickelt. Je besser das Gleichgewicht des Qi, desto besser die Regulation und desto stabiler die Gesundheit.

- In ruhige Qigong-Übungen, das Sitzen in Stille. Das Qi muss sich regenerieren können, durch Schlaf, Rasten und Pausen, und auch durch das stille Sitzen. Ein pathogenes Qi kann das Zheng-Qi überwältigen, wenn man durch Müdigkeit und Erschöpfung geschwächt ist. Ruhiges Sitzen wirkt dem entgegen und hilft, das erschöpfte Qi zu regenerieren.

- Durch gezielte Massagen. Die Massagen, die wir gezeigt haben, konzentrieren sich vor allem auf den Lungenmeridian und/oder dienen der Behebung von Qi-Zuständen der Hitze und Feuchtigkeit, die einen anfälliger für das Virus machen, und helfen der Zirkulation des Abwehr-Qi.

- Durch diätetische Hinweise. Diese sind wichtig, weil man gezielt den Qi-Eigenschaften des Virus entgegenwirken kann. Das Virus ist ein feuchtes Pathogen, es gehört zur Kategorie der Wärme-Epidemien und attackiert Lunge und Milz. Darum ist es so wichtig, falls das eigene Qi zu Feuchtigkeit und Hitze tendiert, dem entgegenzuwirken. Dies kann durch die Übungen und Massagen geschehen, aber sehr wirksam eben auch durch die Diätetik. Diätetische Prinzipien umzusetzen, ist nicht leicht, wir hoffen, dabei im Bereich des Simplen und Praktikablen geblieben zu sein.

- Durch theoretische Erklärungen. Qigong kann man ohne Theorie üben, keine Frage. Allerdings hilft das theoretische Verständnis der Praxis, sogar sehr. Man kann es ja langsam angehen. Wenn man sich unsere verschiedenen Ausführungen zur Qigong- und TCM-Theorie hin und wieder durchliest, wird man allmählich besser zu verstehen beginnen, was es heißt, in Qi-Begriffen zu denken und das eigene Verständnis von Qi zur praktischen Anwendung zu bringen.

Ich hoffe, dass die Inhalte, die wir gepostet haben, hilfreich waren und sein werden. Den Blog werde ich auch noch längere Zeit im Netz lassen. Die Pandemie ist ja noch nicht zu Ende, mit dem Virus werden wir vermutlich noch lange leben müssen, da möchten wir die Inhalte noch länger zugänglich lassen. Irgendwann werde ich den Blog dann an eine andere Adresse übersiedeln.

Wie es im Herbst wird, werden wir sehen. Hoffentlich können Qigong-Stunden und -Seminare ganz normal „analog“ stattfinden, wenn notwendig, gehen wir mit Qigong aber wieder online, vielleicht mit Live-Qigong-Übungsstunden (diesmal war mir dies aufgrund technischer Probleme nicht möglich).

Der Youtube-Kanal bleibt, und ich habe vor, dort auch weiterhin Videos zu veröffentlichen. Nicht mehr so regelmäßig, doch immer wieder.

Allen, die uns und unsere Initiative unterstützt haben, möchten Kerry und ich unseren herzlichsten Dank aussprechen. Wir wünschen allen Gesundheit und einen - trotz allem - schönen Sommer!


Hier sind Kerrys abschließende Bemerkungen:

As Árpád and I come to the end of our initial “Jiayou!” Project to support our qigong community of students, TCM practitioners, nurses, doctors, friends, and family during these first months of the Covid-19 pandemic, I would like to say a few words to help consolidate and clarify what this initiative has, and will continue to provide all of us.

Whether you followed all the way through, read and tried all the methods, advice, recipes, poems, philosophy, TCM explanations, art, and music is not the point (although, hopefully you did dip your toes into the “well of qi” at the heart of our project!). Our, and your intentions have more effect on the qi and a better quality of life than you might think. Where you direct your gaze can define the scope of your life; it can be either limited and partitioned or expansive and integrated, become tighter and feel more burdensome or become untangled, looser and feel lighter. It takes no explanation to get the gist of what might be a more nourishing, more comfortable, more natural and inclusive gaze. That is the reality of health, of directing the gaze first inward, in order to realign and open the flow of qi in the body, and then engaging outwardly with all of life in a more harmonious, easy way.

None of us could ever really know what the next seconds of life brings, let alone the next years. The pandemic has brought this into focus, grabbed our attention in ways that none of the other man-made warnings of social, political, and climatic upheavals of the last decades have done. During the initial protective phase of isolation, of staying at home, and of caring for others while protecting ourselves by literally keeping our breath, its moisture and its potential as a carrier of life and death to ourselves, masking the gateways and thoroughfares of mouth and nose, we had no choice but to become still. As the curtains of containment lowered, our almost constant gaze outward to what was our “normal” lives of working, socializing, shopping, travelling, etc, naturally took a turn.

The transition of this abrupt change of focus was an important part of the Jiayou Project - using qigong as a way to regulate the body, breath and mind, to look inward, past the arising confusion of uncertainties and fears, to feel connected with what is essential. In terms of Chinese medicine, this is how you protect your health from the ravages of “normal” life, live to your potential, and age with grace.

The pandemic means our vulnerabilities are exposed, and we all have to balance that with trying to move forward, to be able to work, provide a living and enter into community life with the energy and creativity needed to adapt. In a broader sense, this is what everything we have put together for the Jiayou group is in aid of; it is a support to nourish life, what the Chinese call Yangsheng. Having the intention to nourish life is the beginning, and it directs the qi in a positive way. Giving body to those intentions is the physical practice of qigong, and will keep your health regulated, no matter what the next seconds, months or years bring us!

Best wishes to you all. We will certainly pick up the thread of our intentions and teach more in the future.

Thursday, June 25, 2020

Baxie Cao 八邪操 - Ba-Xie-Übungen - vollständiges Set

Hier ist nun, wie angekündigt, ein Video mit der gesamten Abfolge der Ba-Xie-Übungen: 



Jede Übung wird 36x ausgeführt (man muss sich nicht genau an die Zahlen halten). 

Man kann die Übungen im Sitzen, Stehen oder, noch besser, im Gehen ausführen.

Hier noch einmal die Reihenfolge der Übungen:
  1.  Die Baxie-Punkte 八邪穴 zwischen den Fingern
  2.  Die Tigermäuler Hukou 虎口 (die Baxie-Punkte zwischen Daumen und Zeigenfingern)
  3.  Die Hegu-Punkte 合谷穴
  4.  Die Yuji-Punkte 鱼际穴 an den Daumenballen
  5.  Die Kleinfingerseite der Hand mit dem Houxi-Punkt 后溪穴
  6.  Die Handwurzeln: Daling大陵穴 und Shenmen 神门穴
  7.  Die Laogong-Punkte 劳宫穴
  8.  Die Handrücken
  9.  Die Yangchi-Punkte 阳池穴
  10.  Die Fingerspitzen: Die zehn Xuan-Punkte 十宣穴
  11.  In die Hände klatschen (grad)
  12.  In die Hände klatschen (verschränkt)

Wednesday, June 24, 2020

Lü Dou Tang 绿豆汤 - Mungbohnensuppe

Lü Dou Tang 绿豆汤 ist eine süße und leichte Suppe aus grünen Mungbohnen, die in ganz China beliebt ist. Die Suppe ist sehr nahrhaft und wird in der heißen Jahreszeit zur Abkühlung gegessen.

Mungbohnen fanden erstmals Erwähnung im aus der Ming-Dynastie stammenden Ben Cao Gang Mu 本草纲目 des berühmten Arztes Li Shizhen 李时珍,  einem der klassischen Bücher der chinesischen Materia Medica。

Mungbohnen kühlen, sie lindern Hitzschlag und Durst, beseitigen Giftstoffe und innere Hitze, sie fördern die Harnentleerung und lindern Ödeme. Sie wirken beruhigend auf das shen 神 (Geist, Psyche), stärken das ursprüngliche Qi (yuanqi 元氣),  harmonisieren die Organe und nähren die Haut.

Zutaten.

100 g Mungbohnen (gewaschen)
1 Liter Wasser
1 Teelöffel Kandiszucker (oder weißer Kristallzucker)

Zubereitung.

1 Liter Wasser zum Kochen bringen. Gewaschene Mungbohnen und Zucker hinzufügen, die Herdplatte abdrehen, den Topf zudecken und die Bohnen 20 Minuten lang im heißem Wasser einweichen.

Danach das Wasser wieder zum Kochen bringen. Die Herdplatte abdrehen und die Suppe abkühlen lassen.

Man kann die Suppe warm essen, üblicherweise lässt man sie jedoch auf Raumtemperatur abkühlen.

Die restliche Suppe kann bis zu drei Tage im Kühlschrank aufbewahrt und kalt oder auf Raumtemperatur erwärmt gegessen werden. Man kann sie natürlich auch ganz aufwärmen.

Tuesday, June 23, 2020

Eine Abfolge von Qigong- Übungen für Lungen und Nieren

Ich habe nun noch ein Video gemacht mit einer kurzen Übungsabfolge zur Unterstützung und Kräftigung des Qi der Lungen. Die Coronavirus-Situation Lage ist bei uns zwar viel besser als in den meisten Weltgegenden, aber vorüber ist die Pandemie noch bei weitem nicht. Darum wollten in dieser letzten Woche noch einmal ein Übungsset filmen, das das Qi der Lungen schützt und kräftigt.

Die Übungsfolge besteht aus einer einfachen Massage (wieder eine, die Patienten in chinesischen Spitälern lernen), dann zweien der Heilenden Laute (Lunge und Niere) und schließlich dem Stehen (oder Sitzen, wenn's sein muss) mit den Handflächen zur Brust gewandt, eine Übung, die uns Jia Laoshi in Peking beigebracht hat.

Lunge und Niere sind die beiden Organe, die gemäß der TCM- und Qigong-Theorie für das Funktionieren der Atmung verantwortlich sind. Die Qi-Funktion der Niere ist sehr wichtig, sie ergreift den Atem, für eine funktionierende Ausatmung braucht es die Nieren.

In diesem Zusammenhang erinnere mich noch gut: Im Herbst 1988, als Prof. Cong zum ersten Mal in Österreich war, organisierte Dr. Georg König in Wien eine Reihe von Kursen sowohl für Ärzte als auch Patienten.

Unter anderem einen Kurs für Asthma-Patienten des damaligen Oberarztes Dr. Raber auf der pulmonologischen Station auf der Baumgartner Höhe in Wien. Ein sehr intensiver Kurs, drei Stunden Qigong dreimal pro Woche.

Die Methode, die Prof. Cong in diesem Kurs unterrichtete, war das Qigong-Gehen zur Stärkung der Nieren, mit der für Asthma-Therapie ungewohnten Betonung der Einatmung, aber dies eben gekoppelt mit dem speziellen Daoyin zur Stärkung des Nieren-Qi.

Dies ist der Grund, warum in dieser Folge nicht nur die Übung für die Lunge, sondern auch für die Niere einbezogen ist.


Monday, June 22, 2020

Sechs Heilende Laute - Weitere Bewegungsdetails

Unsere Initiative ist nun in der letzten Woche angelangt. In all diesen Wochen und Monaten haben wir uns am meisten auf die Übungen der Heilenden Laute konzentriert, darum möchte ich hier noch ein paar zusätzliche Informationen geben, gedacht als Hilfe zum Verständnis und zur Vertiefung der Übungspraxis.

Ursprünglich waren den (Atem-) Übungen der Sechs Laute keine Bewegungen zugeordnet. Diese kamen erst später dazu. Über einen Zeitraum von über 1000 Jahren wurden an unterschiedlichen Orten in China Bewegungsfolgen entwickelt, von ihrer Verschiedenheit braucht man sich jedoch nicht irritieren zu lassen. Alle Bewegungsfolgen haben etwas Gemeinsames: sie orientieren sich an den Meridianverläufen bzw. an der Lokalisation von bestimmten Akupunkturpunkten.

Das trifft auch auf unsere Übungen zu. Hier ein paar Details, die man den Videos nicht so leicht entnehmen kann.

Leber:

Die Übung beginnt mit einem Öffnen und Schließen der Hände. Beim Öffnen, während des Einatmens weitet man bewußt den Brustkorb, beim Ausatmen entspannt man ihn. 

Bei der seitlichen Drehung im weiteren Verlauf der Übung bleibt das Becken nach vorne ausgerichtet. Beide Bewegungsdetail lassen den Impuls besser beim Lebermeridian ankommen.

Herz:

Die Übung beginnt ebenfalls mit einem Öffnen und Schließen der Hände. Herz- und Dünndarmmeridian verlaufen auf der Kleinfingerseite der Hände. 

Die Bewegung richtet sich danach: Beim Öffnen weisen die Kleinfingerkanten der Hände nach außen, beim Schließen nach innen. Auch beim Heben sind die Kleinfingerkanten der Hände in Kontakt. Auf diese Art kommt der Impuls beim Herzmeridian an.

Dass die Hände hinter dem Kopf verschränkt werden und der Kopf etwas nach hinten gelegt wird, stimuliert Herz- und Dünndarm-Meridian.

Milz:

Die Übung beginnt mit einem Öffnen und Schließen der Hände. Beim Öffnen, während des Einatmens weitet man bewußt den Bauch, beim Ausatmen entspannt man ihn.

Das Milz- und Magen-Qi bewegt sich entlang der vertikalen Achse, hinauf (Milz) und hinunter (Magen). Die durch gleichzeitiges Heben und Senken der Hände entstehende Spannung unterstützt den natürlichen Fluß von Milz und Magen-Qi.

Lunge:

Der Lungenmeridian verläuft am Daumen. Darum dreht man zu Beginn beim Öffnen den Daumen nach außen, beim Schließen wenden sich die Daumen zueinander. Beim Heben schauen die Daumen nach oben. Alles Details, die das Qi im Lungenmeridian stimulieren.

Wenn die Hände gehoben sind (beim Ausatmen mit „Hei“), sind die Handflächen nach oben gerichtet. Man kann sich in dieser Position etwas spielen und versuchen, die Hände so zu halten, dass Daumen und Daumenballen deutlicher spürbar werden.

Niere:

Beim Schließen zu Beginn werden die Hände zu den Körperseiten und hinter den Körper gebracht, dann werden Hände zu lockeren Fäusten geballt und auf den Rücken gelegt. Man verwendet hierbei die Yang-Seite der Hände (Handrücken), der Kontakt mit dem Rücken stimuliert eine Reihe von Punkten auf dem Blasenmeridian, dem Yang-Meridian, der mit dem Nierenmeridian (Yin) ein Paar bildet.

Die Hände werden daraufhin hinter den Beinen hinunterbewegt, damit führt man das Qi bis zu den Füßen und unterstützt so das Nieren-Qi. Auch die tiefe Stellung (das Setzen) während der Bewegung hat diesen Effekt.

Dreifacher Erwärmer:

Der Meridian verläuft am Ringfinger, an der Außenseite von Hand und Arm. Darum schauen sowohl beim anfänglichen Öffnen und Schließen als auch beim folgenden Heben die Handrücken zueinander.

Darüberhinaus gibt es noch ein zusätzliches Detail, das für alle sechs Übungen gilt:

Zu Beginn, beim Öffnen, bewegt man auch die Knie etwas nach links und rechts (öffnet mit den Knien), beim Schließen bewegt man die Knie etwas zueinander (schließt die Knie). Beim Heben bleiben die Knie geschlossen, beim Ausatmen mit dem Laut kommen die Knie in die Ausgangshaltung zurück. 

Man kann versuchen, das auf den Videos zu entdecken. Es ist nicht so leicht auszumachen wegen der schwarzen Farbe meiner Hose, aber wenn man danach sucht, sieht man es vielleicht.

Ich hoffe, dass diese Details beim Üben hilfreich sind. Sie sollen das Üben erleichtern und es mit der Zeit zu vertiefen helfen, auf keinen Fall sollen sie das Üben komplizieren. 

Wenn es einem so geht, dass die Details zu viel Konzentration beanspruchen, kümmert man sich (einstweilen) nicht darum. Entspannung und Ruhe beim Üben sind wichtiger als die Genauigkeit der Bewegung.

Wie schon oben erwähnt, ursprünglich waren die Sechs Heilenden Laute Atemübungen, sechs Arten der Ausatmung, ohne zugehörige Bewegung. Daraus ersieht man, was das Wesentlichste ist: 

Es sind die sechs Ausatmungen mittels der sechs Laute hsü - hea- hu- hei - tschui - hsi. 

Darum ist es auch möglich, die Übungen der Heilenden Laute ohne Bewegungen allein als Atemübungen zu praktizieren. Dies kann im Sitzen, Stehen oder auch im Liegen erfolgen.

Asian Medicine and COVID-19

Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift,   gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftlic...