



Es ist schon einige Zeit her, dass ich eine ganze Qigongstunde zum Mitüben gepostet habe. Heute ist es wieder einmal soweit.
Das heutige Video hat drei Abschnitte:
Hier ist die vierte der „Weichen und Entspannten Übungen".
Die Arme werden auf Schulterhöhe gehoben, dann dreht man den Körper zur Seite, bringt die Hände vor die Brust und drückt nach vorne.
Einige Male nach links und rechts wiederholen. Beim Drehen werden die Arme entspannt gehalten, Schultern, Ellbogen, Handgelenke und Finger bleiben locker, beim Drücken entsteht etwas Spannung in den Armen. Die Kraft kommt von unten, sie entspringt bei den Füßen und wird von den Hüften nach oben übertragen.
Diese Übung vermehrt die Kraft des inneren Qi, darüber hinaus wird der Daimai 带脉 - das Gürtelgefäß, i.e. der um die Hüften verlaufende Sondermeridian - aktiviert und reguliert, wodurch sich auch die Bewegung des Qi nach oben und unten verbessert.
Das Foto, das ich auch als Thumbnail für das Video verwendet habe, entstand anlässlich eines Besuchs bei Prof. Xia Shuangquan 夏双全, Kerrys Lehrer für Medizinisches und Klinisches Qigong. Es zeigt einen Teil des Kräutergartens der TCM-Universität Guangzhou.
Hier ist die dritte der „Weichen und Entspannten Übungen".
Ein vorgestellter Ball aus Qi wird zwischen den Händen gehalten, zuerst nach links und rechts bewegt, und dann mit einer Hand gehoben, während die andere Hand nach unten drückt.
Durch diese Übung werden die Qi-Funktionen der inneren Organe, insbesondere das Qi von Niere, Milz und Magen, unterstützt und reguliert.
Das Ende des Videos ist etwas abrupt. Es gab kleinere Probleme, das plötzliche Ende war so nicht beabsichtigt. :)
Hier ist nun das Video mit der zweiten der „Weichen und Entspannten Übungen".
Die Übung orientiert sich an den vier Grundrichtungen der Qi-Bewegung (hinauf und hinab, hinein und hinaus).
Durch das Öffnen, Heben, Schließen und Senken wird der notwendige innere Raum für die Qi-Prozesse geschaffen, sodass Qi und Blut, Atem und Geist (qixue 氣血, shenqi 神氣) ungehindert durch alle Aspekte des Seins fließen können.
Das Qi wird bewegt, die Qi-Bahnen werden durchgängig, das klare Yang (qing yang 清陽) steigt, das trübe Yin (zhuo yin 濁陰) wird gesenkt. Das hieraus resultierende geordnete Funktionieren des Qi stellt die Basis der Gesundheit dar.
Ein kurzer Nachtrag: Ich hatte nicht bemerkt, dass es beim Hochladen auf Youtube Probleme gegeben hatte und das Video mit dem Ruhigen Sitzen, der letzten der Einfachen Taiji-Übungen, nicht abgespielt werden konnte.
Gestern habe ich es nochmals auf Youtube gestellt, hier ist der Link:
Das ursprüngliche Blogbeitrag war dieser hier:
Einfache Taiji-Übungen zur Förderung der Gesundheit - Ruhiges Sitzen
Ein paar Nachbemerkungen zum gestrigen Posting. Ich habe im gestrigen Video erwähnt, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für „Pai Qi 排氣 - das Klären des Qi" sei.
Ich habe damit auf den heutigen Tag angespielt, der im chinesischen Kalender den Namen „Guyu 穀雨 - Getreideregen" trägt. Es handelt sich um einen der 24 Jieqi 節氣, der 24 solaren Begriffe oder Qi-Knoten des Jahres. Ein jeder von ihnen ist durch eine bestimmte Qualität des Qi (des Klimas, des Wetters, der Atmosphäre) charakterisiert.
„Guyu - Getreideregen" markiert das Ende des Frühlings (der nächste Qi-Knoten in ca. zwei Wochen ist dann schon „Lixia 立夏 - Beginn des Sommers"). Das Wetter ist zu dieser Zeit zwar noch wechselhaft, doch das Yang-Qi wächst und steigt, das Yin-Qi wird weniger und weniger, die Kälte nimmt ab, Wärme und Feuchtigkeit nehmen zu.
Es ist in dieser Zeit wichtig, dafür zu sorgen, dass das eigene Qi nicht von den atmosphärischen Einflüssen (Feuchtigkeit, Wärme, Kälte) verletzt wird. Zu dieser Jahreszeit fällt oft Regen, ist das eigene gesunde Qi nicht stark genug, dann kann das feuchte Qi der Jahreszeit in den Körper eindringen und Schmerzen in Schulter, Nacken und Gelenken verursachen.
Die Feuchtigkeit kann aber auch anderweitig zu Problemen führen. Isst man in dieser Zeit zu viel und bewegt sich zu wenig, fällt es dem Körper schwer, das feuchte Qi zu transformieren, was die Verdauung beeinträchtigen wird.
Die Aktivität des Leber- und Nieren-Qi sind zu dieser Zeit schwächer, das Herz-Qi ist hingegen aktiver. Darum ist es wichtig, Dinge zu tun, die einen freuen, Spaziergänge im Grünen, Musik hören, im Freien Qigong und Taiji praktizieren, alles, was die Brust weitet und die Stimmung hebt. Indem man die Psyche positiven Einflüssen aussetzt und weniger an Ärger, Sorgen und Ängste denkt, werden das Qi der Leber und das der Nieren unterstützt (und man kann vermeiden, dass das Qi der Leber blockiert und entgleist).
„Getreideregen" ist die Zeit des Übergangs von Frühling zu Sommer. Im Jahr sind alle Übergangszeiten kalendarisch der Milz zugeordnet, konkret die 15 Tage vor und nach dem jeweiligen Zeitpunkt. Das Qi von Milz und Magen ist zu dieser Zeit stark, es ist also ein guter Zeitpunkt, um das Qi durch bestimmte Nahrungsmittel zu kräftigen. Isst man zu dieser Zeit recht und achtet auf den Einklang mit dem Qi der Jahreszeit, dann fällt (dem Organismus, dem eigenen Qi) der Übergang in den Sommer leicht.
Diverse Getreide sind sehr zu empfehlen, Hafer, Hirse, Gerste, auch verschiedenste Bohnen, schwarzer Sesam usw. Das Qi der Leber freut sich über grüne Blattgemüse wie z.B. Spinat. Der zunehmenden Feuchtigkeit kann man durch Lebensmittel wie Gerste, weißer Rettich, Radieschen, Mungbohnen, Adzukibohnen, Hiobstränen, Mandarinenschale, Lotuswurzel, Sojasprossen usw. entgegenwirken.
Wir haben letztes Jahr einiges dazu geschrieben und auch Rezepte gepostet. All dies gilt immer noch, auf dem Blog können diese Beiträge unter diesen beiden Links gefunden werden:
Die Übungen der Kommunikation mit Himmel und Erde sind einfach, leicht zu erlernen und können ohne viel Zeitaufwand geübt werden. In den bisherigen Videos ging es um die Bewegungen, dies ist jedoch nur der erste in einer Hierarchie von vier wichtigen Aspekten und Stufen des Übens.
Im heutigen Video zeige ich, wie die Vorstellung mit der Bewegung zusammengeführt wird, und gehe damit auf den zweiten Aspekt ein. Wie die Vorstellung verwendet wird, ist überhaupt eines der wichtigsten Themen des Qigong. Prof. Lin Zhongpeng meinte dazu: Die Vorstellung kann einem großen, breiten Strom verglichen werden. Das Wasser des Stromes kann ein Boot tragen, es kann ein Boot jedoch auch zum Kentern bringen. Darum ist es so wesentlich, korrekt zu verstehen, wie man während des Qigong-Übens mit der Vorstellung umgeht.
Einige der diesbezüglich wichtigsten Punkte erkläre ich im Video, in einem zukünftigen Beitrag werde ich dann noch detaillierter auf das Thema eingehen.
Der Friede: Das Kleine geht hin, das Große kommt her. Heil! Gelingen! Auf diese Weise vereinigen sich Himmel und Erde, und alle Wesen kommen in Verbindung. Obere und Untere vereinigen sich, und ihr Wille ist gemeinsam. Innen ist das Lichte, außen das Schattige, innen der Edle, außen der Gemeine. Der Weg des Edlen ist im Wachsen, der Weg des Gemeinen im Abnehmen.
So der Urteilsspruch zu Tai 泰 (Der Friede), dem 11. Hexagramm des Buchs der Wandlungen, das durch die Übung des heutigen Videos verkörpert wird. Es ist eine sehr wesentliche Übung, durch die man einen der wichtigsten Inhalte des Qigong zu verstehen lernt.

Das ganze obige Urteil kann als Kommentar zur Qi-Bewegung der Übung gelesen werden, in der Yang und Yin auf eine solche Art und Weise in Bezug gebracht werden, dass alles „fördert" oder zu „Heil" und „Gelingen" führt, um in der Sprache des Buchs der Wandlungen zu bleiben.

Das Zeichen entspricht dem Frühling, der Zeit, in der Himmel und Erde zu allgemeinem Blühen und Gedeihen zusammenwirken, darum hatte ich den Gedanken zu diesem Video und diesem Beitrag. Und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Qigong zu üben genau dieses heißt, nämlich die Begegnung von Himmel und Erde in der inneren Stille und Ruhe (auch eine mögliche Übersetzung von Tai 泰) immer wieder wirklich werden zu lassen, als eine Zeit des inneren Frühlings, der jederzeit, auch unabhängig von der tatsächlichen Jahreszeit, erlebt werden kann.
Asian Medicine ist eine multidisziplinäre Zeitschrift, gerichtet an Forscher und Praktiker der asiatischen Medizin, in der wissenschaftlic...